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L&Poe Rückblende – September 2001

Wie ist doch die Zeitung aktuell

Am 1. September 2001 druckt die taz Notizen von Klaus Siblewski zu Telefongesprächen mit Ernst Jandl.  Am 4. 10. 1998 ein immer aktueller Vorschlag:

Ob ich ihm mein Ohr leihen könnte, ein Ohr und vielleicht noch ein Stück meines Verstandes und die Hälfte von meinem Herzen dazu: Er schlage vor, mir vor, sämtliche österreichischen Tageszeitungen müssten für einen Abdruck seines Gedichts „16 jahr“ gewonnen werden, wider die Hetzerei gegen Ausländer. Das sei sein Beitrag zu den bevorstehenden Wahlen. Was ich davon hielte?

Klaus Siblewski: „Telefongespräche mit Ernst Jandl“, Luchterhand Verlag, München 2001, 190 Seiten, 18,50 Mark 

Da war 9/11 noch 10 Tage hin. Drei Wochen später schreibt Frank Schirrmacher in der FAZ, und es klingt wie eine Drohung:

Bushs Auftritt (gemeint ist die Rede vor dem Kongreß) wird die westliche Kultur verändern. / FAZ 22.9.01

Hoffentlich müssen wir nicht nächste Woche solch einen Satz über Trump lesen.

Thomas Kling lebt

und ruft begeistert in Hombroich über die Sprache Anne Dudens aus:

Was für ein schönes Deutsch!

/ Jörg Zimmer, Neuß-Grevenbroicher Zeitung 11.9.01

Roman Bucheli über Kling

Kling ist zwar in der Bundesrepublik aufgewachsen, das Epizentrum seines lyrischen Schaffens liegt indessen anderswo. Konrad Bayers oder H. C. Artmanns Wien lockte ihn stärker als Berlin oder die deutsche Provinz; der Üppigkeit des Barock konnte er mehr abgewinnen als dem Innerlichkeitstaumel der Gruppe 47; das Spröde der Dadaisten war ihm lieber als der Bilderrausch der Expressionisten. Früh schon machte er sich – mit Lust – am Material zu schaffen: Er zersetzte, was im Mundraum morsch geworden war, und fügte anderseits zusammen, was ihm an Sprachbruchstücken von allen Seiten her zufiel. Benns Forderung nach dem Kalthalten des Materials machte er sich zu eigen; zugleich erprobte er, in der Tradition eines Hugo Ball oder Ernst Jandl, die Rückführung des Gedichts in gesprochene Sprache.

Die Technik des harten Schnitts hatte Kling einst bei Friederike Mayröcker gelernt; in seiner Lyrik hatte er sie mit beeindruckender Virtuosität ausgeübt; und nun arrangiert er das Material der Literaturgeschichte nach dem gleichen Prinzip.

(…) Thomas Kling hat einen Hang zum Holzschnittartigen. Das kommt seiner Polemik zugute: Rilke gilt ihm als «Nervenfaun» und Enzensberger als «Intelligenzler im Ruhestandsalter»; er belächelt Hofmannsthals «dünn-aristokratisches Schwammerlsüppchen» und Ingeborg Bachmanns «artifizielle Schneewittchenhaftigkeit»; die Lyrik der fünfziger Jahre hält er für «ein angestrengtes Waten in Vierfruchtmarmelade», während er andernorts das «insgesamt Verdruckste der deutschsprachigen Nachkriegslyrik» herausstellt. So räumt Kling mit einem Federstrich ab. / Roman Bucheli, NZZ 6.9.01

Thomas Kling: Botenstoffe. DuMont-Verlag, Köln 2001. 250 S., Fr. 36.-./

Michael Braun interviewt Kling

Frage: Ein beliebtes Gesellschaftsspiel unter deutschen Dichtern ist derzeit das „Avantgarde-Bashing“. Von Hans Magnus Enzensberger bis Dirk von Petersdorff ertönen die Hasstiraden auf die Helden der „ästhetischen Moderne“. Sie treten dagegen offensiv als Verteidiger der Avantgarde auf. Sind denn die von ihnen gepriesenen Dada- und Surrealismen nicht schon längst tote Materie der Literaturgeschichte?

Antwort: Abgesehen davon, dass der Surrealismus bei deutschen Autoren nie reüssieren konnte – uns fehlt da offenbar ein Organ – ist der Dadaismus, allein was die Bühnenwirksamkeit von dichterischer Sprache anbelangt, von enormer Wirksamkeit. Man denke an die Poetry-Slams heute, die ohne das, was ich als ,Frühe Performance‘ bezeichne, gar nicht denkbar wären. Immer, wenn der Mainstream zu stark wird, kommen so Leute wie die Dadaisten und pusten mal kurz durch. Enorm erfrischend für die Sprache. Die Harmlosen sind ja auch in der Poesie immer wieder stark gewesen, wie zur Zeit eben auch. Nur: Muss ich mir das bieten lassen? Keineswegs. Einer muss den Müll runterbringen. / Rheinpfalz 1.9.01

Horaz ist tot

Was [im Lateinunterricht] gut geht, sind die Lyrik Catulls und die Epigramme Martials, die Germania des Tacitus und die Liebeskunst des Ovid , Petrons Gastmahl des Trimalchio und selbst die Satiren des langatmigen Frauenhassers Juvenal, wenn man die Stücke einigermaßen geschickt aussucht. Alle diese Autoren und Bücher haben zwei Dinge gemeinsam: Sie bescheren, ohne Vorlauf, schon nach relativ kurzen Lesestrecken das befriedigende Gefühl, sich etwas Neues, Ganzes angeeignet zu haben; und sie besitzen ein starkes stoffliches Interesse. Es bleibt nach der Übersetzung, so wackelig sie sein mag, eine lohnende Sache in der Hand, ein selbst geschürftes Nugget. Denn Lesen heißt hier unbedingt: übersetzen.

Ich habe es nahezu unmöglich gefunden, in einem solchen Kurs die Oden des Horaz zu lesen, die immer als sein Hauptwerk gegolten haben. Auch sie besitzen zwar die erforderliche Kürze; aber es bleibt, abgelöst von ihrer Ursprungssprache, nichts von ihnen übrig. Noch der nicht minder formbewusste Catull belohnt es einem, wenn man nur einigermaßen kapiert, was los ist. Horaz nicht; er ist nur im Lateinischen vorhanden.

(Und das, obwohl Nietzsche, der auch tot ist, gesagt hat: Was Horaz im Lateinischen geleistet habe, das könne man im Deutschen nicht einmal wollen.) / Burkhard Müller, Berliner Zeitung 1.9.01

Pound ist tot

Immerhin bin ich aber auch noch mit dem alten Ezra Pound zu Tisch gesessen und habe ihm in die Jahrhundertaugen geblickt. Wo gibt es solche Augen in Dichterköpfen noch heute? In den Spoletiner Gassen blieben wie angewurzelt die Frauen stehen, hoben ihre Kinder in die Höhe und zeigten ihnen voller Andacht den spazierenden Pound: „Ecco poeta“. / Klaus Geitel, Die Welt 1.9.01

Liebesgedichte eines Türken aus Bamberg

Nevfel Cumart, dunkle Haare, dunkle, leuchtende Augen. Gelernter Zimmermann, studierter Islamwissenschaftler, Schriftsteller von Beruf, Herkunft türkisch. Ein Wanderer zwischen zwei Kulturen. Einer, der seine Erlebnisse und Empfindungen in Poesie umwandelt, der seit vielen Jahren Lyrik auf Deutsch schreibt. Ein Dutzend Gedichtbände hat der 37-Jährige, der in Deutschland geboren ist, bislang veröffentlicht. Lyrisches über Heimat, Vergangenheit, Zukunft, aber auch über die Liebe. …

Der Kulturspagat sei schwierig, aber inzwischen sei es für ihn müßig, sich zu fragen, was er sei, antwortet Cumart. „Ich bin ein Mensch, der von beiden Kulturen beeinflusst ist.“ Wichtig sei nicht, Türke oder Deutscher, sondern menschlich und höflich zu sein.  / Frankfurter Rundschau 28.09.2001

Die in Griechenland geborene Düsseldorferin Anna Tastsoglou

dichtet auf Deutsch:

Ausgewandert
aus meiner Sprache
aus meinem Ich
aus meiner Heimat
sprachlos
ichlos
heimatlos
unleserlich

Genauso wenig sprachlos, wie knapp 50 weitere Autorinnen und Autoren, die es unter den 400 000 in Deutschland lebenden Griechen gibt. 26 von ihnen, die mit ihrer Prosa und Lyrik, oft in beiden Sprachen, oft im Selbstverlag, manchmal in renommierten deutschen und griechischen Verlagen, den Balanceakt zwischen zwei Kulturen meistern, hat die Fotografin Papoulias in sensiblen Schwarz-Weiß-Porträts eingefangen.
Die Fotodokumentation „Ich schreibe. Griechische Autorinnen und Autoren in Deutschland.“, mit deutschen und griechischen Texten, ist bis zum 11. November im ersten Stock des Historischen Museums, Saalgasse 19, zu sehen. /Monika Cieslik,  FR 29.9.01

wahnsinniges gedicht

Ich schließe meinen Reflex auf Jandls Letzte Gedichte mit einem Hinweis auf „wahnsinniges gedicht“, das in seiner Art noch einmal über alles Gedruckte hinausweist, indem es den Horizont für das Nicht-Gesagte – für immer im Kopf des Dichters Verschlossene – und mit ihm zu Grabe Getragene öffnet. „weder durch flüstern, sprechen, schreien / heulen, tränen spritzen / noch spucken, schlucken, husten, kotzen / die nase schneuzen, in der nase bohren / ohrenausblasen, ohrenschmalz entfernen“ sei es bislang aus seinem Kopf herausgekommen und je in die Form von Schrift gelangt: „es fraß ihm das gehirn auf; / wahnsinn dankt“.

Ernst Jandl : Letzte Gedichte. Hrsg. von Klaus Siblewski. Luchterhand Verlag, München 2001, 18,50 DM. / Kurt Riha FR 18.9.01

Komplexer Text

Der algerische Schriftsteller Rachid Boudjedra sprach in St. Gallen

Wenn Poesie heute lästig ist, obwohl sie sich doch immer rarer macht, so liegt das nach Ermessen von Rachid Boudjedra daran, dass sie durch ein dickes störendes Rauschen aus Daten des Realen hindurch die Welt bis ins Mark trifft. Dieses Rauschen erlaube es widersinnigerweise, sich im Realen einzunisten, nicht um die Realität, sondern das Bewusstsein wiederherzustellen. «Wir haben jetzt also einen komplexen Text (das Gedicht), der die Welt, anstatt sie künstlich zu vereinfachen, in ihrer Kompliziertheit und ihrer Mehrdeutigkeit wiedergibt.» / Tagblatt 25.9.01

Edna St. Vincent Millay’s poetry

is vital, visceral, immediate and delightfully lyrical. Yes, she lived in Greenwich Village in the 20’s and in Paris in the 30’s; yes, she was a self-described nymphomaniac, a colossal celebrity, the recipient of dozens of honors. But the best of her liveliness and her passion she poured into her poetry, which is still the truest record of the lovely light shed by a candle burning at both ends.
/ The New York Observer 27.8.

Controversial poem: „Kill him!“

A Jordanian poet, Musa Hawamdeh, says the authorities  in Amman have seized copies of a book containing a  controversial poem by him.

Mr Hawamdeh told the BBC that the authorities  confiscated the books after Jordanian Islamists  described him as an apostate and called for the death  penalty if he doesn’t repent.

Islamists say the poem, entitled ‚Joseph‘, contradicts  the story of Joseph as it is told in the Quran, but Mr  Hawamdeh says the poem is purely metaphorical. The  controversy follows the trial in Lebanon this year of the  songwriter Marcel Khalife for using words from the Quran  in his songs. / From the newsroom of the BBC World Service 24.3.00

Catwalks and Nazis

Tadeusz Rozewicz, Poland’s leading poet, fashions gold from unlikely amalgams in his new anthology Recycling. James Hopkin applauds his warm irony and self-effacing voice

…Indeed, Rozewicz employs language stanzas (in German, English, Latin) as much for their authenticity as for their musicality. Myriad linguistic registers jostle for contention, too, from the gutter press to Goethe. Though harmonised by his warmly ironic, self-effacing voice, these disparate elements ’speak in accents of tin and rust/ they buzz and hiss‘ as an earlier poem, ‚Warmth‘, promises. / The Observer Sunday September 2, 2001

Kein poetisches Volk

„In der Schweiz wird gegenwärtig wenig für Lyrik getan. Was in anderen Ländern und Sprachregionen einen hohen Stellenwert hat, tut man hierzulande schnell ab mit dem Hinweis, wir seien kein „poetisches Volk“. Diese Qualifikation ist ungefähr so hochstehend, wie wenn es heissen würde, wir seien kein technisch begabtes Volk und demnach fürs Autofahren so ungeeignet, daß man das gar nicht braucht. Kurz, wir möchten etwas aufbauen, das einen lebendige, innovative Tradition geben könnte, wenn der Start gelingt. Zu den Voraussetzungen gehört, daß es in der Schweiz, in diesem Fall insbesondere der Ostschweiz, nicht schadet, mit der Zeit als eine Art geistiger Kernpunkt für moderne Lyrik/Literatur zu gelten“ (Beat Brechbühl, Schriftsteller, Verleger und Mitorganisator der Frauenfelder Lyriktage)

Gedicht mit Zweck

Die Verächterin „zweckfreier“ Lyrik (also die taz)

so begann ich im September 2001 eine Nachricht,

druckt heute ein Gedicht mit einem Zweck (der obendrüber steht). Autor ist Klaus Theweleit. Hier der Schluß:

Wer all das „realisiert“ haben möchte
In Eisen, Stein, Beton, Farbe, Blech
In Kommissionsvoten & Regierungsbeschlüssen
Soll auch verewigt werden
In Tafeln auf dem Platz
In einer Liste Neuerer Täter
Unschuldiger Täter
Die nichts taten
Als an das Gedenken zu denken
Das sie den ermordeten Juden zu geben bereit waren
In einem Mahn- und Denkmal großen Stils.
Damit dieser leidigen Angelegenheit
Nun endlich Genüge getan wäre
Nach Zwangsarbeiter-„Entschädigungs“-Modell –
„Und keine weiteren Ansprüche, bitte,
Aus Amerika oder sonst woher“
Sonst lassen wir das Ding
Noch platzen.
*****
Im Wort Israel
Steckt eine Antwort
die das Wort sich selber gibt:
Israel is real
Unsere Realität dagegen
Liegt im Unverwirklichten
Liegt im Bleibenlassen
Dessen was Bleiben will
Und sehen, ob es hier leben kann
Unbe(ob)achtet.

Zungenreden und amerikanische Kultur

„Glossolalia itself, Wacker concedes, is not a language, for it lacks tenses, grammar, and syntax. But neither is glossolalia nonsense. We are best off understanding the phenomenon of speaking in tongues partly as an involuntary physiological process that takes control of believers, but also partly as a process that believers consciously know how to enter and to leave. And speaking in foreign tongues–well, that, he suggests, may have happened because „ideology dictated behavior.“ If you were convinced that the Lord was about to make his appearance in the world, you could speed up the process of saving souls in foreign lands by convincing yourself that you spoke the languages that they used. / Alan Wolfe, The New Republic 27.8.01

Heaven Below: Early Pentecostals and American Culture
by Grant Wacker
(Harvard University Press, 364 pp., $35)

Neuer Anfang mit Hölderlin

Mit dem Erscheinen der Bände 7 und 8 legt die Frankfurter Ausgabe nun – kurz vor Schluss – endlich vor, was nicht nur der Auffassung des Herausgebers nach, als ihr Herzstück gelten muss und einem frühen Plan nach ihr erster und einziger Gegenstand hätte sein sollen: nämlich die Edition des lyrischen Spätwerks von Hölderlin, insbesondere des als Homburger Folioheft bezeichneten umfangreichen Manuskripts. Unter dem lapidaren, das leicht missdeutete Beiwort „vaterländisch“ bewusst auslassenden, Titel Gesänge findet man nun jene viel interpretierten Texte, auf die sich der Ruhm Hölderlins seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet hat: zum Beispiel die Gedichte „Der Rhein“, „Germanien“, „Patmos“, „Der Einzige“, „Friedensfeier“, „Andenken“, „Mnemosyne“.

Man findet diese Texte einmal in ihren handschriftlichen Zusammenhängen, wie sie im Faksimile erscheinen (Band 7) und dann in einer chronologischen Edition (Band 8), die die Gesamtheit dessen, was Sattler als das Integral des von Hölderlin intendierten Gesangs versteht – das heißt auch all das, was in der Stuttgarter Ausgabe in der Rubrik „Pläne und Bruchstücke“ untergebracht oder in den Varianten behandelt wurde – in 288 Segmente gliedert und gleichberechtigt in einen vermuteten Entstehungszusammenhang stellt.  / FR 1.9.01

Originalton Verlagsanzeige: „Das Resultat unterscheidet sich so grundlegend von den bisherigen Ausgaben, dass ein neuer Anfang mit Hölderlin zu hoffen (…) ist.“
Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. Frankfurter Ausgabe. Historisch-kritische Gesamtausgabe, herausgegeben von D.E. Sattler. Band 7 / 8: Gesänge I / II. Verlag Stroemfeld / Roter Stern, Frankfurt am Main 2001, zusammen 1024 Seiten, je Band 224 DM.

L&Poe-Rückblende: April 2001

Am 15. April starb im Alter von 73 Jahren der Slawist Ralf Schröder, der 1956 wegen konterrevolutionärer Verschwörung verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt wurde. In den letzten Jahren der DDR reiste er als eine Art Wanderprediger in Sachen Perestroika durchs Land. Einmal in Greifswald fragte ein Besucher: „Und was wird mit der DDR?“ Seine Antwort: „Na, unsre Hornochsen wern sich anschließen müssen, wir sind doch nicht Enver Hodscha.“ Enver Hodscha war bis zu seinem Tod 1985 albanischer Partei- und Staatsführer einer bizarren Diktatur. Als ich Schröder so reden hörte, etwa 1988, war mir endgültig klar, daß Honeckers starrsinniger Sozialismus nicht mehr lange halten wird.

Im April starben außerdem, ebenfalls an der Lyrikzeitung vorbei:

  • Am 1. April Trịnh Công Sơn, vietnamesischer Komponist, Poet und Maler (62)
  • Am 12. April Harvey Ball, US-amerikanischer Erfinder des „Smileys“ (79)
  • Am 19. April der französische Dichter André du Bouchet (77)
  • Am 27. April der Goetheforscher Erich Trunz (95), dessen kommentierte Auswahl von Goethes Gedichten aus der „Hamburger Ausgabe“ auch in diesem Jahr als Weihnachtsgeschenk zu erwerben war. Vor etwa 35 Jahren las ich von ihm einen Aufsatz über Goethes Klo im Haus am Frauenplan.
  • Am 27. April der russische Dichter Juri Lednjow (71)

Der Thüringer Schriftsteller Harald Gerlach lebt noch und wandert Goethes Frühlingsreise von 1770 nach

Es gibt Wanderungen, deren Weg noch nach Jahrhunderten die einstige Bedeutung kenntlich macht. Goethes Frühlingsreise von 1770 ist ein solches bewegendes Beispiel. Erlebnis und Genuss überraschender Begegnungen kamen völlig neu in sein junges Leben. Und sie lösten die wohl gefährlichste Phase seines Lebens ab.
Es war der 4. April 1770, als Goethe zum Studium in Straßburg eintraf. Man könnte annehmen, dies sei bloß die logische Einlösung des bereits vor mehr als einem Jahr Angekündigten, dass er nun die Absicht habe, „nach Franckreich zu gehen, und zu sehen wie sich das französche Leben lebt, und um französch zu lernen!“. Hinter dem Plan steckte aber die schmerzvolle Erfahrung: „Mann mag auch noch so gesund und starck seyn, in dem verfluchten Leipzig, brennt man weg so geschwind wie eine schlechte Pechfackel.“ Krank an Körper und Seele, mit vertanem geistigen Gewinn und mit sinnlosem Verlust an viel Geld, ist der 19-Jährige aus Leipzig nach Frankfurt heimgekehrt. Zwei Jahre später wird Straßburg seine letzte Hoffnung auf Überwindung der Krisis. / Die Welt 14.4.01

Alltag in Österreich: „Kronenzeitung“ feiert Hitler

Eine Behauptung, eine Frage, ein Gedankenspiel – wäre es möglich, daß in einer großen deutschen Tageszeitung an einem 20. April folgendes Gedicht an prominenter Stelle erscheint: „Fürwahr, ein großer Tag ist heut! / Ich hab mich lang auf ihn gefreut, / es feiern heute Groß und Klein / zumeist daheim im Kämmerlein, / doch manche auf der Straße auch / den unverzichtbar schönen Brauch / bei dem, von Weisen inszeniert, / Gesellschaft zur Gemeinschaft wird. / Ihm sei’s zur Ehre, uns zum Heil.“ Gesellschaft zur Gemeinschaft, Ehre und Heil, soso. Die besondere Pointe steckt natürlich in dem, was man in diesem Zusammenhang ruhig den „Endreim“ nennen könnte. Der lautet nämlich: „Taxi Orange, der zweite Teil!“

Dieses „Gedicht“ erschien vor vier Tagen in der größten Tageszeitung Österreichs, der „Kronenzeitung“, verfaßt von ihrem berüchtigten „Hausdichter“ namens „Wolf Martin“. Bloß ein harmloses Loblied auf die zweite Staffel von „Taxi Orange“, der österreichischen Version von „Big Brother“? Jene Kritiker der „Krone“, denen dieser ganz spezielle Reim an Führers Geburtstag nicht ohnehin entgangen ist, zucken bereits resigniert die Schultern und meinen, man könne wieder einmal nichts beweisen. Doch ist hier eine Grenze überschritten. Dieses Gedicht an dem Tag und dem Ort seines Erscheinens ist nichts weniger als ein Skandal. / Eva Menasse, FAZ 26.4.01

Unter Strom im Frühlicht

haben Angelika Janz und Dieter Eidmann die Ausstellung genannt, die ab 27. April in der Neustrelitzer Galerie der Alten Kachelofenfabrik zu sehen ist. Angelika Janz wird Bildtextarbeiten und Textinstallationen vorstellen, während Dieter Eidmann Bildhauerzeichnungen und Kalligrafien präsentiert. Zur Eröffnung der Exposition beider Künstler, die in Aschersleben bei Ferdinandshof wohnen, wird Angelika Janz aus ihrem im Sommer im Verlag des Wiecker Boten erscheinenden Lyrikband gleichen Titels lesen.

Wusste Paul Celan ganz genau,

was er schrieb, als er seiner Frau am 23. Oktober 1962, wie immer in der großbürgerlich-französischen Sie-Form, das grandiose Pauschalkompliment machte: „Sie sind, und das wissen Sie genau, die Frau eines Poète maudit… Danke, Gisèle de Lestrange, dass Sie dies alles auf sich nehmen“? / KURT OESTERLE, Süddeutsche 20.4.01

LORD BYRON,

the poet who scandalised England with his hellraising exploits, was actually a psychopath, according to new research by a leading psychiatrist. / Telegraph 15.4.01

‚He’s beyond music, beyond lyrics‘

For me Bob Dylan was more important, way back then, than the Beatles or the Stones or anyone else. And though there are many great songwriters these days – Paul Simon, Tom Waits – I still think nobody comes close. / Salman Rushdie und andere schreiben über Bob Dylan / The Observer Sunday March 25, 2001

„Rimbaud-Preis“ für junge Literaten an Christian Filips

Aus 270 Einsendungen hatte eine fünfköpfige Jury vier Preisträger/innen in vier Kategorien gewählt. Der Hauptpreisträger dieses Jahres heißt Christian Filips, und es scheint eine sehr gute Wahl zu sein.
Das erkennt man schon an seiner souveränen Antwort auf die Frage des Moderators Martin Loew-Cadonna, wo die Halbgasse 8 aus seinem Gedicht denn liege. Darauf Filips: „Die gibt es, aber es hat keinerlei Bedeutung.“ Damit signalisiert er sofort: Seine komplexe, wendeltreppenartig sich durch Bildungs-Spiegelkabinette bewegende Lyrik ist nicht realistisch abbildend, sondern schafft einen eigenen und eigenständigen Sprach-Raum. Beckett und Celan nennt der Germanistikstudent als Leitbilder. / Richard Reichensperger: DER STANDARD Freitag, 27. April 2001, Seite 16

Lyrik im Mittelpunkt

Manuel Alegre, einer der bedeutendsten Lyriker des Landes, wurde im vergangenen Jahr mit dem Pessoa-Preis geehrt. Lyrik steht, allen Unkenrufen zum Trotz, auch im modernen Portugal in hohem Ansehen. Sie wurde unter Salazar ebenso wie heute vergleichsweise viel gelesen. Die Auflagen der Gedichtbände sind kaum geringer als die in Frankreich oder Spanien, beides Länder mit einer weitaus grösseren Einwohnerzahl. In Portugal verbindet sich die Blütezeit der Lyrik mit der Gruppe um die Zeitschrift «Orpheu», die während des Ersten Weltkriegs entstand. Ihr Zentrum beherrschte Fernando Pessoa , der in den Dreissigerjahren zu einem der einflussreichsten Dichter Portugals wurde. Andere aus dem Kreis von «Orpheu» – wie Almada Negreiros oder Márjo de Sá-Carneiro – wurden zwar auch über die Grenzen des Landes hinaus bekannt, haben aber nicht die nachhaltige Wirkung von Pessoa erreicht.  / Der Bund 23.4.01

Gefährliche Gedichte

Hannover. „In unserem Land bekommt man als kritischer Autor drei Warnungen, dann ist Schluss.“ Der das sagt, weiß, wovon er spricht: Ales Rasanau gilt in Weißrussland als bedeutend ster Lyriker. Als Redakteur einer Literaturzeitschrift veröffentlichte er einige kritische Artikel über die politischen Verhältnisse im Lande. Kurze Zeit später wurde er entlassen ? „auf Druck von oben“, wie er sagt. / JOACHIM GÖRES, Lippische Landes-Zeitung 23.4.01

Gott dem Ohnmächtigen

ist Jandls vermutlich allerletztes Gedicht («rot sei gott») gewidmet – auch dies ein verkapptes Selbstbildnis aus Fluchtiraden und Horrormetaphern, «ein sich in sich speiendes sei gott / . . . / ein im eigenen hirn steckengebliebenes / zeugungsglied». / Felix Philipp Ingold, NZZ 18.4.01

Im Juni 2000 war Ernst Jandl gestorben. 2001 erschienen „Letzte Gedichte“, Luchterhand Literaturverlag (Sammlung Luchterhand), München,123 Seiten, 18,50 Mark. / dpa. Hamburger Abendblatt 18.4.01

Eine Polemik gegen Moderne und Bärte zum Schluß

Das Bemühen um deutliche Abgrenzung ist erkennbar, mit dem der Lyriker und Germanist Dirk von Petersdorff seinen Feldzug gegen die vermeintlichen Altlasten der literarischen Moderne unternimmt. Ihn nerven die „Metadiskurse der Bartträger „, die Verlogenheit der machtbewussten „Priesterliteraten“ und jene ordnungsliebenden Staatskünstler, die die Kunst politisch funktionalisieren wollen. Petersdorff spricht in seinem Essayband „Verlorene Kämpfe“ vom „Zustand einer erschöpften Moderne“, die nur noch betrieblich intakt sei und Inhalte und Werte vermissen lasse. / Hannoversche Allgemeine   17.4.01

Aussehen wie Gedichte

Dirk von Petersdorff ist ein Germanistikprofessor, der »schön« mit »Föhn« reimt. In seinem neuen Gedichtband »Sirenenpop« (C.H. Beck, 2014) liegt ein Beispiel für naives Reimen unter mechanischer Beobachtung von Hebungen und Senkungen vor. *

Die früheren Bücher des Trägers des Kleist-Preises, wie etwa »Wie es weitergeht« (1992) oder »Nimm den langen Weg nach Haus« (2010), schienen doch so vielversprechend. Nun aber denkt man: Wem ein Bewusstsein und ein Gefühl für formale Durchbildung von sprachlichem Material fehlt, der schreibe Texte, die zumindest aussehen wie Gedichte. Was ist los? Behauptet der Autor nicht ein ironisches Spiel mit Form zu treiben? Warum aber so verkrampft?

(…)

Im zweiten Teil möchte ich über Pop und Form nachdenken bzw. über die Produktivität dessen, was als Form in den Petersdorffischen Gedichten wahrgenommen worden ist. Ich lese den Band natürlich nur nach Maßgabe meiner Lesegewohnheiten, die notwendig subjektiv sind, und stelle diese Notizen nur deshalb zur Verfügung, um die Debatte zu »Sirenenpops« zu mehren. Einige Kommentatoren stellten z.B. die »strenge« Beobachtung der Form heraus und schlossen daraus, dass Dirk von Petersdorff wohl ein Meister sei. Ich denke hingegen, eine solche Schlussfolgerung lässt sich mit dem vorliegenden Buch nicht belegen. / Paul-Henri Campbell, Fixpoetry

Dirk von Petersdorff
Sirenenpop
C.H. Beck
2014 · 89 Seiten · 16,95 Euro
ISBN: 978-3-406-66691-9

*) Lesenswerte Besprechungen zu diesem Gedichtband sind z.B. von Thorsten SchulteHellmuth Opitz und Rüdiger Görner verfasst worden.

Lyrikempfehlungen

Viele gute Gedichtbücher sind zwischen Anfang 2014 und März 2015 erschienen. Welche darunter sind außerordentlich bemerkenswert, interessant, überraschend? Kritiker, Lyriker und Vertreter literarischer Institutionen haben zwölf deutschsprachige und zwölf ins Deutsche übersetzte Gedichtbände ausgewählt, die sie für besonders empfehlenswert halten.

Die Empfehlungsliste erscheint einmal jährlich und wird von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und der Literaturwerkstatt Berlin zur Leipziger Buchmesse und zum Welttag der Poesie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband präsentiert.

Wir wünschen den Lyrik-Empfehlungen breite öffentliche Aufmerksamkeit, damit die Stimmenvielfalt der Poesie weitere Leserinnen und Leser findet.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die Stiftung Lyrik Kabinett veröffentlichen jährlich eine Empfehlungsliste von Neuerscheinungen deutschsprachiger Lyrik und ins Deutsche übersetzter Lyrik. Neue Partner seit 2015 sind die Literaturwerkstatt Berlin und der Deutsche Bibiotheksverband.

Über die Empfehlungsliste entscheidet ein Gremium aus Lyrikern,Kritikern und Vertretern literarischer Institutionen. Dem Gremium gehören an:

  • Michael Braun (Kritiker)
  • Heinrich Detering (Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung)
  • Maria Gazzetti (Leiterin der Casa die Goethe)
  • Harald Hartung (Lyriker)
  • Ursula Haeusgen (Begründerin der Stiftung Lyrik Kabinett)
  • Florian Kessler (Journalist)
  • Michael Krüger (Schriftsteller)
  • Holger Pils (Leiter der Stiftung Lyrik Kabinett)
  • Monika Rinck (Lyrikerin)
  • Daniela Strigl (Kritikerin)
  • Jan Wagner (Lyriker)
  • Thomas Wohlfahrt (Leiter der Literaturwerkstatt Berlin)

Im Rahmen der Buchmesse Leipzig findet in zwei Veranstaltungen eine öffentliche Präsentation der Lyrik-Empfehlungen statt:

Freitag, den 13. März 2015
16 Uhr: Literaturforum Halle 4, Stand E101, Messegelände
20 Uhr: Gohliser Schlösschen, Menckestraße 23, Leipzig
mit Marcel Beyer, Michael Braun, Sonja vom Brocke, Tadeusz Dąbrowski, Heinrich Detering, Florian Kessler, Michael Krüger, Margitt Lehbert, Holger Pils, Jan Wagner und Thomas Wohlfahrt

Außerdem ein Gespräch über die Lyrik-Empfehlungen am
Samstag, den 14. März 2015
10 Uhr: 3sat – Kulturzeit, Glashalle, Stand 18, Messegelände
mit Jan Wagner und Holger Pils

Das PDF enthält die ausführlichen Listen »Deutschsprachige Lyrik« und »Internationale Lyrik in Übersetzung« mit Begründungen. Hier

Lyrik-Empfehlungen 2015
Deutschsprachige Lyrik

  • Marcel Beyer: Graphit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
  • Paulus Böhmer: Zum Wasser will alles Wasser will weg. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2014
  • Sonja vom Brocke: Venice singt. kookbooks, Berlin 2015
  • Daniela Danz: V. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Andrea Grill: Safari, innere Wildnis. Otto Müller Verlag, Salzburg 2014
  • Jürg Halter: Wir fürchten das Ende der Musik. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Christine Lavant: Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte. Herausgegeben und mit Nachworten von Doris Moser und Fabjan Hafner, unter Mitarbeit von Brigitte Strasser. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Christoph Meckel: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Wolfgang Matz. Carl Hanser Verlag, München 2015
  • Dirk von Petersdorff: Sirenenpop. Verlag C. H. Beck, München 2014
  • Silke Scheuermann: Skizze vom Gras. Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt a.M. 2014
  • Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Hanser Berlin, Berlin 2014
  • Judith Zander: manual numerale. DTV, München 2014

Internationale Lyrik in deutscher Übersetzung

  • Donald Berger: The Long Time/ Die währende Zeit. Poems / Gedichte. English / Deutsch. Aus dem Englischen von Christoph König. Wallstein Verlag, Göttingen 2015
  • Miron Białoszewski: Vom Eischlupf. Nachdichtungen. Herausgegeben von Dagmara Kraus, zahlreiche Übersetzer. Reinecke & Voß, Leipzig 2015
  • Yves Bonnefoy: Die lange Ankerkette. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Vladislav Chodasevič: Europäische Nacht. Ausgewählte Gedichte 1907 bis 1927. Aus dem Russischen von Adrian Wanner, mit einem Nachwort von Vladimir Nabokov. Arco Verlag, Wuppertal 2014
  • Tadeusz Dąbrowski: Die Bäume spielen Wald. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Emily Dickinson: Sämtliche Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Gunhild Kübler. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Lars Gustafsson: Das Feuer und die Töchter. Aus dem Schwedischen von Barbara M. Karlson und Verena Reichel. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Michel Houllebecq: Gestalt des letzten Ufers. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel und Stephan Kleiner. Dumont Buchverlag, Köln 2014
  • Jouni Inkala: Der Gedankenstrich eines Augenblicks. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2014
  • Les Murray: Aus einem See von Strophen. Hundert ausgewählte Gedichte. Aus dem australischen Englisch von Margitt Lehbert. Mit einem Nachwort von Thomas Poiss . Edition Rugerup, Berlin 2014
  • Edith Södergran / Elmer Diktonius / Rabbe Enckell / Gunnar Björling / Henry Parland: Finnlandschwedische Literatur der Avantgarde. Hrsg. und übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. 5 Bände in Kassette. Kleinheinrich Verlag, Münster 2014
  • Danica Vukićević: Schamanin. Aus dem Serbischen von Matthias Jacob. Drava Verlag, Klagenfurt 2014

18. Radio-Fundsachen

Sendezeit: So., 9:05 – 10 Uhr

Neue Sendezeit ab 07.01.2014
Sendezeit (14-tägig):
So., 16:05 – 17 Uhr
Wiederholung:
Do., 21:05 – 22 Uhr

91. Stänkert

In seiner Tübinger Poetik-Vorlesung spielte Hans Magnus Enzensberger gemeinsam mit dem Germanisten Dirk von Petersdorff mit den Gedichten von Rilke, Klopstock und Benn. Da war er wieder: Enzensbergers ewiger Hang zum Spiel, zum Luftigen, zum Unernst.

Im Vergleich zu dem zornigen jungen Mann der 50er-Jahre, der die Wölfe gegen die Lämmer verteidigte, ist er doch ziemlich zahm geworden. Aber kein Wunder, Hans Magnus Enzensberger ist 84, seit vielen Jahren ist er mehr als intellektueller Spieler denn als wilder Poet und politischer Polemiker in Erscheinung getreten. Er gibt in Tübingen am ersten Abend den heiteren Alten, der kostenlos Apercus verteilt, ein bisschen gegen Barthes und Derrida stänkert und Schiller gegen Nietzsche in Stellung bringt. / Christian Gampert, DLF

111. Frühling. Lentz …

selbst hat in „offene unruh“ ein Gedicht namens „kaum frühling“ geschrieben, das er als „janusköpfig“ bezeichnet und das mit den Versen beginnt: „ist der krokus verblüht / was stellt er an das ganze jahr / soll auch ich einfach verschwinden? / jedes jahr dieses große hallo / als sei weiß gott was geschehen.“ Gerade arbeitet er an einem Nachwort zu Gedichten von Jesse Thoor, der, so Lentz, die schönsten Frühlingsverse überhaupt geschrieben habe. Und tatsächlich verblüffen Thoors „Rufe zur Nacht“ durch ihre liedhafte Einfachheit: „Ich, der Dichter Jesse Thoor – / dem Zünglein, Zeh und Ohr / und die Seele fror! // Wenn der März alle Bäche taut, / singe ich wieder laut! / Du meine hohe Braut! // Singe ich dein Herz gesund! / Du meines Sterbens Grund! / Küsse ich deinen Mund!“

Und auch Dirk von Petersdorffs Empfehlung ist hochgradig inspirierend – das betörende Gedicht „Fastfrühling“ von E. E. Cummings: „im Fast-/frühling“, beginnt es, „ist die welt schlamm-/selig und der kleine / lahme luftballonmann / flötet weit und winzig.“ / Uwe Ebbinghaus, FAZ (mehr Frühling mit Hans Magnus Enzensberger, Nora Gomringer, Christoph Buchwald, Marion Poschmann, Silke Scheuermann, Oleg Jurjew

Eine exklusive Lesung mit eigenen und klassischen Frühlingsgedichten von Silke Scheuermann, Nora Gomringer und Oleg Jurjew finden sie im Internet unter www.faz.net/frühlingslyrik.

 

101. Grünbein wie ein Hund (19 zu 70)

Eine schöne Idee*: „Lyrikerinnen und Lyriker der Gegenwart stellen sich vor“. Dirk von Petersdorff legt 19 Gedichte von Frauen und 70 von Männern vor, die die sich ausgesucht hatten, um zu sagen, zu zeigen, wer sie sind. 17 von ihnen sind vielleicht nicht für diese Sammlung geschrieben, aber hier doch erstmals veröffentlicht. Wolf Wondratscheks Gedicht zum Beispiel hat er zwar geschrieben, stammt aber, wie hinten bei den Nachweisen erklärt wird, aus dem Besitz von Dr. med. Wolfgang te Breuil. Man stellt sich vor, wie Wondratschek seinem Arzt Gedichte geschenkt hat wie mancher Maler mit seinen Bildern Rechnungen bezahlt. Vielleicht aber ist es ein Geschenk unter Freunden, und es gibt überall auf der Welt bisher unveröffentlichte Gedichte von Wondratschek, die er verstreut hat. Einfach aus Lebensfreude. Dieses hier ist ein Gedicht vom Ende, ein Gedicht auch wie von Descartes:

„Es kommt vor, daß wir in Zügen sitzen,
die durch die gelbe indische Nacht fahren.
Wir haben aufgehört zu schlafen.
Wir glauben nicht mehr, daß wir träumen.
Ja, es kommt vor! Es kommt vor, daß es dort,
wo wir hinfahren, keine Bahnhöfe mehr gibt,
keine anderen Reisenden außer uns,
am Ende nicht einmal mehr den Zug,
in dem wir sitzen.“

Der älteste Dichter in diesem Band ist Günter Grass, Jahrgang 1927. Die jüngste Autorin Theresa Hahl, geboren 1989 in Heidelberg. Sie hat eines der längsten Gedichte beigesteuert und auch das mit der längsten Zeile: „spült das auch immer ein bisschen gefühl durchs rippengemühl“. Theresa Hahl steuert auch das längste Wort bei: „ventrikelverdichtungsverschluss“ und sie spricht vom „gefühlsbausatz mensch“. (…) Der Versuch, sich den Gefühlen zu nähern, sie – frei von aller Empathie – zu verstehen, ist heute so reizvoll und nötig wie vor zweihundert Jahren. Die alphabetische Anordnung der Autoren fügt es, dass gleich nach Theresa Hahl Ulla Hahn kommt und sofort ist ein ganz anderer, ein gegensätzlicher Ton da:

„Für
All die geschundenen Körper zerrissenen Seelen
Gesichter ohne NAMEN ohne Gesicht“

Es macht den Reiz solcher Sammlungen aus, dass der Leser sehr Unterschiedliches, Popsongs und Durs Grünbein, zu sehen bekommt, dass er sich wie ein Hund hinlegen kann, wo er gerade Lust hat. / Arno Widmann, FR

*) sagt Arno Widmann

29. Kanonisch

Walter Fabian Schmid zu Harald Hartungs Poesierede

„Ewiger Ruhm dem Erfinder des Sonetts“ schrieb Valéry emphatisch – und Harald Hartung will mit seiner Rede vom 06. Oktober 2010 genau diesem Ideal des durch­konstru­ier­ten Gedichts auf die Spur. Oder eben nicht. Denn anstatt die streng kalku­lierte, geschlos­sene Form zu unter­suchen, sucht er das Offene, das Elas­tische, viel­leicht auch das Chaos. Dazu inte­rpretiert er ein Sonett des US-Ameri­kaners Robert Lowell und Sonette von deut­schen Autoren wie Chris­tian Lehnert, Jan Wagner und Dirk von Peter­sdorff sowie eigene Texte.

Harald Hartung 
Der vierzehngliedrige Salamander
Münchner Reden zur Poesie 10
Herausgegeben von Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon
Lyrik Kabinett, 2010
28 Seiten, 12,00 Euro
Zu beziehen ist die Rede über das Lyrik Kabinett  externer Link

Beim Poetenladen komplett  anhörbar

44. Dürener Förderung

Die Stadt Düren hat einen Namen in der Kunstförderung. Eine private Stiftung vergibt u.a. Stipendien an junge Künstler, die 2 Jahre lang jeden Monat 1250 Euro erhalten und, man höre, „Die Stipendiaten sollten möglichst im Umkreis von etwa 1.000 km von Düren leben und arbeiten.“ Sollten, möglichst“…, damit können viele leben. (Quelle)

Von einem Dürener Förderstipendium für Lyrik konnte ich bei Google nichts finden. Und doch scheint es zu existieren. Die Edition Azur informiert bei Facebook über ein Förderstipendium für Nancy Hünger in Höhe von 6000 Euro. So, nun findet es auch Google (wenn es nicht von Frau Wulff geschlossen wird).

Im Bereich Literatur des Kunstfördervereins bildet die Lyrik zweifelsohne den Schwerpunkt der Arbeit. Neben der Kammermusik ist sie die zweite tragende Säule der Kulturarbeit des Vereins.
Begonnen wurde die Reihe „Der Lyrik eine Gasse“ im September 2002 mit einer Lesung von Sarah Kirsch im Töpfereimuseum in Langerwehe. Danach sind wir aus räumlichen Gründen nach Schloss Burgau umgezogen. Dort stellt uns die Stadt Düren als Veranstaltungspartner den Konzertsaal für Lesungen zur Verfügung. In dieser Reihe waren viele berühmte Namen in Düren zu Gast. Zu nennen sind u.a. Hilde Domin, Christoph W. Aigner , Durs Grünbein, Arnold Stadler, Ulla Hahn, Silke Scheuermann, Dirk von Petersdorff, Jan Wagner, Raoul Schrott, Wolf Wondratschek und Norbert Hummelt. / Kunstförderverein Düren

Mehr:

Seit der Gründung des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.“ im Jahr 1989 konnten inzwischen über 150 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, bildende Künstlerinnen und Künstler, Komponistinnen und Komponisten aus Asien, Afrika, Lateinamerika, Südost- und Südeuropa in das ehemalige Wohnhaus der Familie Böll in der Eifel eingeladen werden.
Die bewährte Zusammenarbeit zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung, der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen ermöglichte den aus vielfach bedrängten Situationen kommenden Gästen, für einige Zeit finanziell abgesichert und frei von staatlicher Kontrolle oder Verfolgung kreativ und ungestört arbeiten zu können. Zusätzlich konnte 2003 die Zusammenarbeit in einem europaweit entstandenen Netzwerk von Institutionen, die politisch verfolgten Autorinnen und Autoren Hilfe anbieten, konnte erfolgreich fortgesetzt werden.

Gäste im Böllhaus kamen 2012 aus Syrien, Bahrein (Qassim Haddad), Rußland und Serbien. / mehr

Peill-Stiftung

In Düren geboren: Bruno Hillebrand, Michael Lentz (sowie etliche Fußballer, Politiker vieler Couleur etc.)

Zeitweilig in Düren lebten: Karl der Große, August Stramm

49. Yves Bonnefoy liest in München

Mittwoch, den 13. Juni, Amalienstraße 83a, 20 Uhr:

Yves Bonnefoy liest aus Raturer outre / Streichend schreiben (Lyrik Kabinett 2012).

Durch den Abend führen Elisabeth Edl und Wolfgang Matz (Lesung französisch – deutsch)

Yves Bonnefoy (Copyright Mathilde Bonnefoy)

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125. Lyrik Kabinett und Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung kooperieren

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die in München ansässige Stiftung Lyrik Kabinett, die sich als einzigartiges, allein der Lyrik gewidmetes literarisches Zentrum erfolgreich im deutschen Sprachraum etabliert hat, kooperieren. Maria Gazzetti, die Leiterin des Kabinetts, hat vor einem Jahr die Veranstaltung „Das Lyrische Quartett“ ins Leben gerufen, das dreimal jährlich stattfindet. Die Akademie wird sich künftig als Institution kontinuierlich an dieser Reihe beteiligen. Dies soll der Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit sein.

„In einer Zeit, in der das Wort Literatur in der Öffentlichkeit oft als Synonym für Roman gebraucht wird, ist es wichtig, die Stimmenvielfalt der gegenwärtigen deutschen Poesie ins öffentliche Gespräch zu bringen. Dieses Ziel verfolgen Lyrik Kabinett und Akademie gemeinsam“, sagt Heinrich Detering, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er wie auch der Kritiker und Lyriker Harald Hartung, ebenfalls Mitglied der Deutschen Akademie, gehören zum festen Ensemble des Quartetts, dem die Kritikerin Kristina Maidt-Zinke vorsitzt. Die vierte Person der Runde hat Gaststatus und wechselt jeweils zu den Veranstaltungen. Jedes Mal diskutiert das Quartett über vier Lyrikbände: drei Neuerscheinungen und einen Klassiker. „Im gemeinsamen Lesen und im Reden über Gedichte setzen wir an“, sagt Maria Gazzetti, „um zu zeigen: Die Poesie ist lebendig und gesellig.“

Am 18. April 2012 kommt das Lyrische Quartett zum vierten Mal zusammen. Als Gast wird der Verleger und Schriftsteller Michael Krüger dabei sein. Diskutiert wird über:

  • Tanja Dückers: Fundbüro und Verstecke (Schöffling, 2012)
  • Alexander Nitzberg: Farbenklavier (Suhrkamp, 2012)
  • Derek Walcott: Weiße Reiher (Hanser, 2012)
  • Wisława Szymborska: Der Augenblick/Chwila (Suhrkamp, 2005)

Mit der kommenden Veranstaltung wird die Internetseite www.daslyrischequartett.de freigeschaltet. Sie bietet nähere Informationen zu der Reihe: Audiodokumentationen der Veranstaltungen, Biographien der Kritiker, eine Liste der besprochenen Bücher u. a.

Es ist geplant, Ende 2012 eine Empfehlungsliste aus den Lyrikneuerscheinungen des Jahres vorzustellen. Über diese Liste wird ein Gremium aus Lyrik-Kennern und Mitgliedern der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung entscheiden.

Weitere Veranstaltungen der Reihe:

  • 20. Juni 2012, Gast: Dirk von Petersdorff
  • 28. November 2012 (Gast N.N.)

Veranstaltungsort des Lyrischen Quartetts: Lyrik Kabinett, Amalienstraße 83a, 80799 München.

46. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (3)

Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift

Wird in den nächsten 4 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden.  (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur Ha – Kr – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)

  1. Ulla Hahn · Wiederworte, 192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Deutsche Verlags-An­stalt, Mün­chen 2011.
  2. Dirk Uwe Hansen: Sirenen. Gedichte (Grillenfänger 24). Udo Degener Verlag Potsdam, 44 S.
  3. Walter Hasenclever · Der Jüngling (edition grillenfänger 23). 52 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011. F
  4. Seamus Heaney · Die Amsel von Glanmore. Gedichte 1965 – 2006, zweisprachige Ausgabe, herausgegeben von Michael Krüger, 430 Seiten, Broschur, Fischer Taschen­buch Verlag, Frankfurt am Main 2011.
  5. Andreas Heidtmann (Hg.), poet. Literaturmagazin, 11. Ausgabe: Gedichte · Gedichtkommentare · Prosa · Ge­spräche · Reportagen · Illustrationen, mit Ge­dichten von Uwe Kolbe, Franz Hodjak, Christian Schloyer, Dirk von Petersdorff, Martina Weber, Manfred Enzensperger, Thilo Krause, Sascha Kokot, Tim Holland, Peggy Neidel, Anne Dorn, Felix Philipp Ingold, Theo Breuer, Augusta Laar, Max Czollek, Tina Ilse Maria Gintrowski, Jörg Bernig, Ulrich Koch, Michael Speier, Adolf Endler, Steffen Popp, Ulrich Koch, Dirk von Petersdorff, Levin Westermann, Elisabeth Langgässer, Kerstin Preiwuss, Harald Hartung, Ulrike Almut Sandig, Norbert Lange, Nadja Küchenmeister, Clemens Eich, Michael Speier, Volker Sielaff, Vor­wort des Herausgebers, 297 Sei­ten, Klappenbroschur, poetenla­den Verlag, Leipzig 2011.
  6. Hel ToussainT: Nachbarin Dimitrowa. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
  7. Axel Helbig (Hg.) · Ostragehege. Die literarische Arena, 62. Ausgabe, Zeitschrift für Literatur und Kunst, mit Gedichten von Thomas Böhme, Kerstin Hensel, Daniela Seel u.a., 76 Seiten, Bro­schur, Literarische Arena e. V., Dresden 2011.
  8. Angelika Hentschel: Unerhörte Zeiten. Esslingen: Civitas Imperii Verlag 2011.
  9. Rolf Hermann ∙ Kurze Chronik einer Bruchlandung, 101 Seiten, Klappenbroschur, Verlag X-Time, Bern 2011.
  10. Rainer Hesse ∙ Sternenlicht und unberührter Schnee, 112 Seiten, Broschur, Lyrikedition 2000 · Allitera Ver­lag, München 2011.
  11. Fermín Higuera ∙ Ich möchte ans Meer gehen – Yo quiero ir al mar. Gedichte 1982-2006. [zweisprachig]. Aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt. 179 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  12. Michael Hillen · Beschattete Erinnerungen, 36 Seiten, geheftete Broschur, Silver Horse Edi­tion, Marklko­fen 2011.
  13. Herbert Hindringer ∙ Judith Sombray ∙ Nähekurs, 48 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Ham­burg 2011.
  14. Hadayatullah Hübsch: Das Vergessen ist die Mutter der Verwahrlosung. Gedichte, mit Linolschnitten von Frank Wildenhahn (Frontispiz, signiert / Umschlag)Vorbemerkung: Hendrik Liersch (signiert). 56 Seiten, 100 Exemplare, Handsatz (Texte) und Maschinensatz(Vorbemerkung), ISBN 978-3-942280-12-9. 16,-
  15. hochroth Nr. 3, Herausgegeben von G. H. H. Beiträge von Walter Famler, Joachim Sartorius, Caspar Wündrich, Benoît Gréan, Gert Pehling, René Haddad, Ilarie Voronca, Piet de Moor, A. S. J. Tessimond. hochroth Verlag 2011.
  16. Robert Hodel (Hg.): Hundert Gramm Seele. Deset deka duše. Serbische Poesie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hg. u. übertragen von Robert Hodel. Leipziger Literaturverlag 2011. 316 S.
  17. Florian Höllerer (Hg.): Ulf Stolterfoht: handapparat heslach. Quellen, Dokumente und Materialien. roughbook 018. Berlin, Rettenegg, Stuttgart und Solothurn, November 2011. 32 S.
  18. Georg Hoprich ∙ Bäuchlings legt sich der Himmel, Nachwort von Bertram Reinecke, 101 Seiten, Broschur, Verlag Reinecke & Voß, Leip­zig 2011.
  19. Horn, Hans: Niemand zahlt mir ein Bier. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
  20. Horn, Katja: Abseitsmoral. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
  21. Norbert Hummelt · Pans Stunde, 91 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Luchterhand Lite­raturverlag, München 2011.
  22. Laura (Riding) Jackson, Christian Filips und Monika Rinck: PARA-Riding. roughbook 015, Berlin und Solothurn, September 2011. 190 S.
  23. Franz Janowitz · Auf der Erde. Gedichte (edition grillenfänger 28). 56 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  24. Mathias Jeschke: Das Gebet der Ziege. Mit einem Nachwort von Arne Rautenberg. 80 S., Klapenbroschur, 14,90 EUR (= Blaue Reihe, Bd. 5).
  25. Nina Russo Karcher • Manchmal berührt mich das Dunkel, zweisprachige Ausgabe, ins Italienische übertragen von Fausto Romanato, Vorwort von Sonja Viola Senghaus, 186 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
  26. Adrian Kasnitz, Schrumpfende Städte, luxbooks 2011.
  27. Sebastian Kleinschmidt (Hg.): Sinn und Form 63. Jh. H. 6/ 2011. Adam Zagajewski: Ich kann keine Erinnerung an Czesław Miłosz schreiben. Angela Krauss: Das im Leben verborgene Gedicht. Michael Mertes über John Donne. Igor Pomeranzew: Gespräch mit Joseph Brodsky über John Donne. Gespräch mit Richard Wagner. Gedichte von Esther Kinsky, John Donne, Joseph Brodsky.
  28. Heinrich von Kleist. Poesiealbum 296. Hg. Richard Pietraß, Auswahl Arno Pielenz, Grafik Josef Hegenbarth. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011. 30 S.
  29. Thomas Kling, „Das brennende Archiv“, Unveröffentlichte Gedichte, Briefe, Handschriften und Photos aus dem Nachlaß sowie zu Lebzeiten entlegen publizierte Gedichte, Essays und Gespräche, zusammengestellt von Norbert Wehr und Ute Langanky, Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, Nr. 76, Februar 2011
  30. Hubert Klöpfer (Hg.) · Wetzstein Gedichtekalender 2012, faksimilierte Ab­schriften des Auto­graphen Tho­mas Bader mit Gedichten von Ingeborg Bachmann, ∙ Bertolt Brecht, ∙ Joseph von Ei­chendorff, ∙ Marie von Ebner-Eschenbach, ∙ Theodor Fontane, ∙ Stefan George, ∙ Johann Wolfgang von Goethe, ∙ Heinrich Heine, ∙ Her­mann Hesse, ∙ Friedrich Hölderlin, ∙ Christoph Meckel, ∙ Conrad Ferdinand Meyer, ∙ Rainer Maria Rilke, ∙ Theo­dor Storm ∙ Georg Trakl, 24 Blätter, 24 x 45 cm, Ringbindung, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2011.
  31. Synke Köhler, waldoffen, 73 Seiten, Broschur, Lyrikedition 2000 · Allitera Verlag, München 2011.
  32. Ko Un: Blüten des Augenblicks. Übersetzt von Hans-Jürgen Zaborowski. Suhrkamp. 154 Seiten.
  33. Alfred Kolleritsch, Günter Waldorf (Hg.): manskripte, Zeitschrift für Literatur. Nr. 194/ Dezember 2011, 154 S. Lyrik von Ronald Pohl, Marcus Pöttler, Elke Erb, Walle Sayer, Willi Hengstler. Prosa von Yoko Tawada, Elfriede Jelinek u.v.a. Essays von Klaus Hoffer, Jürg Laederach, Andreas Unterweger, Klaus Peter Dencker.
  34. Thomas Kraft (Hg.): Rock Lyrik. Mit Konzertfotografien von Helmut Ölschlegel. München: dtv 2011. 128 Seiten. Gedichte von Marcel Beyer, Friedrich Ani, Helmut Krausser, Lydia Daher u.v.a.
  35. Erika Kronabitter (Hg.): Feldkircher Lyrikpreis 2011. Gedichte. 150 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 14.
  36. Jürgen Kross ∙ unverwandt, 109 Seiten, Broschur, Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2011.

29. Nimm den langen Weg nach Haus

Unter dem Titel „Nimm den langen Weg nach Haus“ legt der Verlag C.H.Beck nun eine Sammlung mit Petersdorffscher Lyrik vor, die aus bereits veröffentlichtem Material und neuen Texten besteht. Angesichts des eingangs erwähnten, wirft das natürlich die Frage auf, ob es sich dabei um die haltbarsten Texte früherer Produktionen handelt, oder wenigstens um Texte, denen der Autor und der Verlag Haltbarkeit ansinnen, zumindest wünschen. Zuweilen scheint mir ein solches Vorhaben eitel, vor allem wenn sich die Texte so etwas wie ein tiefes Gedankentum zu borgen scheinen, wenn sie, wie vor allem im ersten Teil durch die individuelle Bildungsgeschichte des Autors spazieren und mit ausgestelltem Wissen nicht geizen. „wo der Berg ragt/ und die Sprache dünn wird,// wie an Mister Shelley zu studieren ist./…“ (40)

… Diese Texte sind mir zu klug. Zu durchdacht. Der Autor scheint an jeder Stelle genau zu wissen, was er tut, und stellt sich so zuweilen vor die Gedichte.

Hin und wieder aber, in dem Sonetten-Zyklus „Die Vierzigjährigen“ vor allem, durchbrechen Petersdorffs Texte ihre selbst auferlegte akademische Distanz. Dann rücken sie mir auf die Pelle, und ich stelle mich ihnen gern. / Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Dirk von Petersdorff: Nimm den langen Weg nach Haus. Verlag C.H. Beck, München 2010.

140. Sprachforscher und Erfinder

Jan Skudlareks Gedichte kommen ohne Reime aus und brechen grammatikalische Regeln: Sie sind verrätselt, widersetzen sich den gängigen Erwartungen an die Lyrik und entwickeln vielschichtige Szenen des Lebens im 21. Jahrhundert. Das macht den 25-jährigen Westfalen zu einem Ausnahmetalent unter den jungen deutschen Lyrikern. Der gebürtige Hammer wird am 3. September mit dem Westfälischen Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis ausgezeichnet. Außerdem ist der GWK-Förderpreisträger und erhielt kürzlich ein Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen.

Skudlarek ist ein Sprachforscher und Erfinder: Er sammelt interessante Verse, notiert außergewöhnliche Formulierungen und forscht nach neuen Metaphern – stets auf der Suche nach dem „sprachlichen Kick“, wie er es nennt. / Westfalen heute