Willkommen bei Lyrikzeitung & Poetry News!. Sie finden hier 1. Tageszeitung: Jeden Tag um sechs ein Gedicht 2. Journal #04 – 2025 | #03 – 2023 | #02 – 2022) | #01 (Morgensternfest, 2021), 3. Archiv: viele tausend Nachrichten seit dem 1. Januar 2001.
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*) Der Begriff setzt sich zusammen aus den Silben nama (verbeugen), as (ich) und té (du). Übersetzen lässt sich Namasté also mit „Verbeugung zu dir“ oder „Ich verbeuge mich vor dir“. Damit drückt man Ehrerbietung aus und erkennt die Anwesenheit des Gegenübers dankbar an. (Google)
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165 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Mit repetitiver Logik, minimalen Verschiebungen und lakonischem Humor führt Jandl vor, wie ästhetische Urteile entstehen und wie schnell sie zu Vorlieben werden, die andere ausschließen. Am Ende steht kein ästhetisches Dogma, sondern ein ethischer Vorschlag: das Geltenlassen – der anderen wie auch der eigenen Position. (Länger Mitlesende – wussten Sie schon, dass die Lyrikzeitung am 1. Januar genau ein Vierteljahrhundert alt wurde? – erinnern sich an Zeiten teils heftiger Debatten, manchmal weiterführend und manchmal steckenbleibend: dann ging es wahrscheinlich um „Realpoesie“ gegen den Rest, und ein poetisches Denken wie das von Jandl hier entwickelte fehlte sehr.
Ernst Jandl
(* 1. August 1925 in Wien; † 9. Juni 2000 ebenda)
wirklich schön
für friederike mayröcker
einfachheit macht das komplizierte schön, who knows
kompliziertheit macht das einfache schön, who knows
einfach kompliziert sein ist vielleicht weniger schön
einfach einfach sein ist vielleicht auch nicht so schön
vielleicht verlangt das komplizierte
nach einer einfachen darstellung, um schön zu sein
so wie vielleicht das einfache, um schön zu sein
nach einer komplizierten darstellung verlangt
jedenfalls haben manche das einfache lieber
als das komplizierte
und andere das komplizierte
lieber als das einfache
wenn dann das einfache das komplizierte ist
haben die die das einfache lieber haben das komplizierte
lieber
und wenn das komplizierte das einfache ist
haben die die das komplizierte lieber haben das einfache
lieber
so haben vielleicht alle alles gern, aber keinesfalls
sollte einer den anderen wegen seiner vorliebe schelten,
sondern ihn gelten lassen
und sich selber auch, das allein
wäre dann erst wirklich schön.
Aus: Kristallisationen. Deutsche Gedichte der achtziger Jahre. Hrsg. Theo Elm. Stuttgart: Reclam, 1992, S. 117f
225 Wörter, 1 Minute Lesezeit
Am 10. Januar 2026 ist der Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Autor Karl Riha in Siegen gestorben. Riha, der zu den prägenden Vermittlern experimenteller und avantgardistischer Literatur im deutschsprachigen Raum zählte, verband wissenschaftliche Präzision mit einem nachhaltigen Interesse an poetischen Grenzformen, Sprachspielen und literarischer Subversion.
Ich verdanke ihm persönlich viel, weil die von ihm herausgegebene Reihe „Unbekannte Autoren der Moderne“ mir zu DDR-Zeiten (als ich sie unter keinen Umständen hätte erwerben können) auf Vermittlung einer amerikanischen Bekannten nach Greifswald geschickt wurde.
Neben seiner umfangreichen editorischen und literaturhistorischen Arbeit trat Riha auch selbst als Autor experimenteller und spielerischer Texte hervor, teils unter dem Pseudonym Hans Wald. Der hier dokumentierte Text steht exemplarisch für seine Lust am Spiel mit Sprache und Leseerwartungen. Ist es überhaupt ein Text? Finden Sie es heraus!
Karl Riha
(* 3. Juni 1935 in Český Krumlov (Böhmisch Krumau); † 10. Januar 2026 in Siegen)
Hans Wald
der zuf all ist …
| der | eno | rem | das | lit | ene |
| zuf | men | dli | aus | aet | und |
| all | übe | che | ser | ans | fra |
| ist | rra | rät | gew | ich | ppi |
| ein | sch | sel | oeh | ist | ere |
| geh | ung | ein | nli | das | nde |
| eim | zur | ora | che | vom | syn |
| nis | unz | kel | die | him | chr |
| vol | eit | die | ant | mel | oni |
| les | das | sph | ika | gef | zit |
| pha | bef | inx | usa | all | aet |
Aus: Poetische Sprachspiele. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. Klaus Peter Dencker. Stuttgart: Reclam, 2002, S. 358
265 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Helmut Eisendle
(* 12. Januar 1939 in Graz; † 20. September 2003 in Wien)
Aus: Aphrodisiaca
| kizzlsdumi kizzlidia ikizzldi dukizzlstmi ikizzldi kizzlmi ikizzldia kizzldumia kizzlstmi? bussldumi busslidia ibussldi dubusslstmi ibussldi busslmi ibussldia bussldumia busslstmi? hoitsdumi hoitidia ihoitdi duhoitstmi ihoitdi hoitmi ihoitdia hoitdumia hoitstmi? na losmi heid mogined na losmi heid kounined na losmi heid wülined na guad daun gemma hoid na guad daun kummst jezz hoid na guad daun mochmas hoid na sichsd ikoun heid ned na sichsd es ged heid ned na sichsd es is heid ned | = kitzelst du mich = kitzel ich dich auch = ich kitzle dich = du kitzelst mich = ich kitzle dich = kitzle mich = ich kitzle dich auch = kitzle du mich auch = kitzelst du mich? = küsst du mich = küsse ich dich auch = ich küsse dich = du küsst mich = ich küsse dich = küsse mich = ich küsse dich auch = küsse du mich auch = küsst du mich? = hältst du mich = halte ich dich auch = ich halte dich = du hältst mich = ich halte dich = halte mich = ich halte dich auch = halte du mich auch = hältst du mich? = nein lass mich = heute mag ich nicht = nein lass mich = heute kann ich nicht = nein lass mich = heute will ich nicht = also gut = dann gehen wir eben = also gut = dann kommst du jetzt eben = also gut = dann machen wir es eben = also siehst du = ich kann heute nicht = also siehst du = es geht heute nicht = also siehst du = es ist heute nicht möglich |
In: Akzente. Zeitschrift für Literatur. Herausgegeben von Hans Bender. Begründet von Walter Höllerer und Hans Bender. 19. Jahrgang, 1972, S. 183f
(Dieses Gedicht schließt im Original die hochdeutsche Fassung ein)
125 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Johann Lippet
(* 12. Januar 1951 in Wels, Österreich)
Vorkommnisse (8)
Gestern, als ich vor dem Schlafengehen, kurz vor Mitternacht,
noch einmal in mein Arbeitszimmer ging, um nachzuschlagen,
ich kriegte Eichendorffs Mondnacht nicht mehr auf die Reihe,
als flöge sie nach Haus oder als fliege sie nach Haus,
war ich mir nicht mehr sicher, stieg mir jener Geruch
in die Nase, der noch tagelang zu Hause in dem Zimmer
in der Luft lag, in dem Vater aufgebahrt gewesen war,
45 Jahre ist das her.
An Geister glaubte ich nicht, feite mich aber gegen Alpträume:
sagte mir im Bett in Gedanken so oft Mondnacht auf,
bis ich hinüberdämmerte, flog nach Haus.
Aus: Aus Mangel an Beweisen. Deutsche Lyrik 2008-2018. Hgg. v. Michael Braun und Hans Thill. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2018, S. 36
173 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Katharina Schultens
eine höhle mit tieren
glauben interessiert mich nicht
nein, seine geheimnisse auch nicht.
was interessiert: traum. gestohlenes, witz. mustervermeidung, sex.
verletzung, druck, mechanismen. warum eins durchgeht, andres nicht.
wo es unaufhaltsam kippt. wie ein kredit entsteht. wie eine schuld.
wieso wir abstraktion nicht knacken können. wohin es rastet.
obs möglich wär zu schummeln. gründe für vollbart. pfeile
wo sie stecken bleiben, ob eins heil werden kann.
was ein schneckenhaus fürs denken bedeutet, wenn ich
seinen linien folge. wohin eins geht, wenns angst bekommt.
wie lange ich hier bleiben kann und warum ich vergesse
wo wir jetzt sind, wenn ich aufwache und mein körper
weiß es und macht diese lücke auf, durch die wind und schmerzen kommen.
warum trauer sich auflöst in anwesenheit bestimmter götter.
was es mich kosten wird, das hier zu benutzen, zu wachsen. ob ein unterlassnes
mich mehr kostet als mein kalkül. dieser unterschied zwischen
es macht nichts, dass es bereits alle zeilen gibt, und:
nichts abzuschneiden, nichts
Aus: Katharina Schultens, Untoter Schwan. Gedichte. Berlin: kookbooks, 2017, S. 8
115 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Nora Gomringer
(* 26. Januar 1980 in Neunkirchen/Saar)
Nußbaumederlob
Den Nußbaumeder haben sie gelobt
Wegen seiner bayerischen Dramatik und
Dem Wie-Franz-Xaver-Kroetz-Sein
Gut, Nußbaumeder, haben sie gesagt und
Ihre Münder an Stoffservietten gewischt
Die Cognacgläser gegen das Licht
Vom Starnberger See gehalten
Sie geschwenkt und guter Cognac gesagt
Den Nußbaumeder haben sie dann vergessen
Weil das Essen gut und der Rock der Bedienung
Vielleicht etwas kürzer war
Das Stück mit dem Gurkenflieger und den Polen
Haben sie gar nicht verstanden
Aber gelobt haben sie den Nußbaumeder
Weil er ein bayerischer Dramatiker ist
Und Bayern so einen braucht
Aus: Neubuch. Neue junge Lyrik. Herausgegeben von Ron Winkler. Riemerling bei München: yedermann, 2008, S. 147
Christoph Nußbaumeder (* 1978 in Eggenfelden) ist ein deutscher Dramatiker und Autor. https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Nußbaumeder
232 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Stephen Knight
(* 1960 in Swansea, Wales)
Bei Ungeheuern
Auf dem Weg zum Bett a) Die Treppe stur
nach oben gehen. Stufenzahl merken. Nie zum Flur
der Treppe rasen oder versuchen, auf diese Tour
Schatten in die Ecke zu jagen.
b) Unterm Bett Bücher und Comics in Stellung bringen –
Es empfiehlt sich noch immer die Bibel. c) Klingen
aus Solingen unweit vom Kopf verstreuen. Vor allen Dingen
vorher polieren. Vati freundlich
darum bitten, sie für einen zu schleifen.
d) Stets ins Bett springen: Ungeheuer streifen
hinterm Bettvolant umher bis zum Reifen
des Taus im Garten.
e) Vorm Einschlafen die Lage mit dem Gesicht zur Tür wählen.
Die ganze Nacht so verharren. Zu empfehlen
sind Schnüre, um nicht zu verrutschen, dann f) Schafe zählen,
um die Knoten nicht überzustrapazieren.
NB: Sein Bett stets vom Fenster ein gutes Stück weit
weg postieren, und dem Zimmer bei Tage die Möglichkeit
geben zu atmen, doch niemals, niemals in der Zeit,
wenn die grauen Abende der Nacht weichen.
g) Beobachten, wie, wenn die Sonne versinkt,
die Gardine mit den sonderbarsten Gestalten winkt.
Dem ihnen aberkannten Grinsen gelingt
es, sich in der Stille neu zu formieren.
Beim Vernehmen des Herzschlags auf dem Kissen
h) Jeden Ton zählen, bei Nicht-mehr-Wissen,
wieviele Stufen bedacht werden müssen,
ehe das Blut in den Adern steht
i) Nachsehn, wie's den Klingen geht.
Aus dem Englischen von Thomas Gruber, aus: Schreibheft 46, 1995, S. 176
115 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Konstantin Ames
Raum (uncensored)
Freiheit ist kein Hafenbecken, erst recht keine Statue.
Freiheit ist kein Dieb, Freiheit ist ein Thüringer.
Freiheit ist Langeweile, Freiheit ist deine Fußgängerfurt.
Freiheit, schon angezählt, ist reine Kopfsache. Denk es o
Freiheit ist Kartoffelbrei auf Glas
ÜBUNG 3. Basteln Sie zusammen mit Gleichgesinnten gut sicht-
bare Schilder, Banner, etc. etc., etwa in dieser Art:
STREICHT DAS NIVEAU NICHT!
ZENSUR = KULTURDIEBSTAHL (Kehrseite)
Melden Sie, und dies bitte rechtzeitig, eine Demonstration an vor
dem Gebäude in der Trierer Straße 33, 66111 Saarbrücken. Blei-
ben Sie kultiviert, Sie spielen sonst den Zensoren in die Hände.
#ausbreitzen
Aus: Konstantin Ames: Völklinger Schulderung. Industrial Writing / Romantische Medien. Poem • Essay. Berlin: EDITION Noack, 2025, S. 37
349 Wörter, 2 Minuten Lesezeit.
Ilse Kilic
Ohne Titel. Auszug.
Anmerkung: Das Gedicht ist zweispaltig gedruckt, Randbemerkungen
und 2 Zeichnungen in der rechten Spalte.
Unter dem Haupttitel „Ohne Titel“ steht ein weiterer Text.
| Allgemeine Plätze Die Münze ist hart, der Scheck ist weich verschenkst du Geld, dann bist du reich du nimmst nichts mit aus dieser Welt die hart und weich zusammenhält der Tod hat einen harten Tritt aus dieser Welt nimmst du nichts mit Der Sinn des Lebens: unbekannt er wird auch Fehlfunktion genannt die Sprache hält das Leben fest solange es sich halten lässt. Und hart gebogen wird das Leben als Hauptwort und als Haken eben. Das Herz ist weich, die Butter auch weich ist der Speck rund um den Bauch hart ist der Kalk im Herzen innen zur Kruste will das Blut gerinnen. Hart ist der Zahn, bevor er bricht das Licht ist weich, der Schatten nicht. Die Zeit wird Zahn. Wer nagt, der klagt. Die Zeit wird Kahn. Wer zagt, der klagt. Die Zeit wird Wahn. Wild ist die Fahrt. Der Start wird Ziel. Das Ziel wird Start. Die Zeit wird Topf. Der Tropfen tropft. Das Loch wird mit der Hand gestopft. Bald steht der geht, bald liegt der steht es wird das Ich zum Ach gedreht. Hart ist die Haut, die Knie sind weich aus bald wird jetzt, aus dann wird gleich. Es eilt doch nicht! Ich warte gern. Es ist noch Zeit. Die Zeit ist fern. Die Sprache singt. Die Zeit verstreicht. Die Sprache zwingt. Der Stein erweicht. Das harte Wort steht schwarz auf weiß. Die Suppe bleibt nicht lange heiß. Das Standbild schlug man aus Granit. Aus dieser Welt nimmst du nichts mit. | Ein allgemeiner Platz ist nicht nur ein Erholungsplatz für die so genannte Allgemeinheit, sondern auch ein Denkinhalt, der häufig verwendet wird und daher als bekannt vorausgesetzt werden kann. Biegung eines Hauptwortes: Deklination Bald liegt der steht: Davon schreibt auch Fritz Widhalm in seinem Buch: „Ein Stelldichein“. Daneben Zeichnung der Freiheitsstatue, Text: Das ist nicht Pocahontas |
Aus: Extrakt. forum stadtpark literatur 2010-2012. Hrsg. Max Höfler. Graz: Verlag Forum Stadtpark, 2012, S. 53f
157 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Florian Kranz
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg
Der Tag ist ein Topf: Wir erwachen elend im
Winter, der nie schweigt. Dort ein Apfel am
einsamen Erlenpfad, dort, weit wichtiger,
die Schneegewitter am Wipfelrand – in Rot,
denn der Planet schreit oft. Im Ei war ewig
meine Plage frei schattiert worden, Wind
trat empor, die Lawine weint – freches Ding.
Welch ein Dampf einen wieder tritt! Sogar
der arme Tod stapft weinerlich weg, in ein
Wort mit weniger Licht. Da – der Napf; ein See,
der Tang erpicht wirft, wie die namenlose
Piratenwitwe, deren Leiche sanft modrig
im Dorfe liegt. Ich warte an den Pisten. Wer
litt, wer mag ich sein? Wanderer? Feind? Poet?
Anagrammgedicht aus einer Zeile des Gedichts »An Anna Blume« von Kurt Schwitters
Aus: Jahrbuch der Lyrik 2023. Herausgegeben von Matthias Kniep und Sonja vom Brocke. Frankfurt/Main: Schöffling & Co., 2023, S. 41
Kranz, Florian, * 1994, lebt in Brüssel. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.
249 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Kurt Schwitters
(* 20. Juni 1887 in Hannover; † 8. Januar 1948 in Kendal, Cumbria, England)
An Anna Blume. Merzgedicht 1
O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe dir! – Du deiner
dich dir, ich dir, du mir. – Wir?
Das gehört [beiläufig] nicht hierher.
Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist – – bist du? – Die Leute
sagen, du wärest, – laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm
steht.
Du trägst den Hut auf deinen Füßen und wanderst auf die Hände, auf
den Händen wanderst du.
Hallo, deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt. Rot liebe ich Anna
Blume, rot liebe ich dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir. – Wir?
Das gehört [beiläufig] in die kalte Glut.
Rote Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?
Preisfrage: 1. Anna Blume hat ein Vogel.
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?
Blau ist die Farbe deines gelben Haares.
Rot ist das Girren deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid, du liebes grünes Tier, ich liebe
dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir, – Wir?
Das gehört [beiläufig] in die Glutenkiste.
Anna Blume! Anna, a-n-n-a, ich träufle deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weißt du es, Anna, weißt du es schon?
Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du Herrlichste von allen,
du bist von hinten wie von vorne: „a-n-n-a“.
Rindertalg träufelt streicheln über meinen Rücken.
Anna Blume, du tropfes Tier, ich liebe dir!
Erstveröffentlichung 1919.
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