Kategorie: Ungarisch

Alkohol

Ágnes Nemes Nagy  (* 3. Januar 1922 in Budapest; † 23. August 1991 ebenda) Alkohol In klirrend sich häufenden Knoten stirbt der Wald, sagt Lebewohl. Die Grünsommerflamme verflogen. Was bleibt, ist der Rest-Alkohol. Trink, trink. Was Trester geblieben, press aus und schluck ihn runter. Schnaps-Seele, dunkel, durchtrieben, mach uns die Kehlen… Continue Reading „Alkohol“

Selbstbildnis

Milán Füst  (geboren 17. Juli 1888 in Budapest; gestorben 26. Juli 1967 ebenda)  Selbstbildnis Ein Alter, hager und hakensinnig will auch ich sein, so, wie der Herr … Und solltest du fordernd fragen nach meinen Kindern, so werde ich voll Verachtung den Kopf abwenden … Denn keine Kinder hab ich, ich… Continue Reading „Selbstbildnis“

Vergleich

Das Lyrikjahr 2022 hat begonnen, das Jubeljahr 2021 (Sibylla Schwarz 400) ist vorbei. Seit 1.1.21 habe ich jeden Tag einen Tweet mit dem Werk der Dichterin abgeschickt, wer dem folgte, konnte das gesamte Lied- und Sonettwerk und etliches andere in Zwitscherportionen lesen. Es läuft… Continue Reading „Vergleich“

Dennoch schauen

Ágnes Nemes Nagy  (* 3. Januar 1922 in Budapest; † 23. August 1991 ebenda)  Dennoch schauen Und dennoch schauen, schauen, sagte wer, sobald der Rauchvorhang es zuläßt, in der spaltgroßen Pause in diesem Augenblick zwischen dem Rauch, der Säure, dem Ammoniak, den Angriffen, schauen, weißt du, wie einen Tisch die Form… Continue Reading „Dennoch schauen“

verspätete nachricht

Ferenc Juhász (Bia, 16. August 1928 – Budapest, 2. Dezember 2015) verspätete nachricht ich las deine verse wieder, mein freund. über manche zeile dachte ich lange nach, aufmerksam blätterte ich in deinen büchern. von tränen verschmiert – soll ich es leugnen? – ward dein… Continue Reading „verspätete nachricht“

Schlechte Verse

Sándor Petőfi (* 1. Januar 1823 in Kiskőrös (oder Kiskunfélegyháza) ; † 31. Juli 1849 bei Segesvár, heute Rumänien) Von meinen schlechten Versen Vielleicht sind manche Verse, die ich verfaßte, schlecht. Doch wer mir Menschenliebe abspricht, ist ungerecht. Schrieb ich nur immer gute und… Continue Reading „Schlechte Verse“

Anna mein Ännchen

Lajos Kassák (* 21. März 1887 in Érsekújvár, Österreich-Ungarn; † 22. Juli 1967 in Budapest)

Hirtenlied in Kriegszeiten

Miklós Radnóti (* 5. Mai 1909 in Budapest; von Deutschen ermordet am 9. November 1944 bei Abda nahe Győr) Erste Ekloge Quippe ubi fas verstim atque nefas: tot bella per orbem, tam multae scelerum facies; …*) Vergil Hirt: Lange schon sah ich dich nicht;… Continue Reading „Hirtenlied in Kriegszeiten“

Es ist mein Leben

Endre Ady (* 22. November 1877 in Érmindszent, Komitat Sathmar, Österreich-Ungarn; † 27. Januar 1919 in Budapest) DAS FLIEHENDE LEBEN Ei, schau, wie er da flieht, der hohe Herr, das Leben, verfolgt wie ein entlaufener Knecht vom größeren Herrn, der ihn gerecht am Kragen… Continue Reading „Es ist mein Leben“

Hoffnung 1839

Mihály Vörösmarty (* 1. Dezember 1800 in Kápolnásnyék/Pusztanyék; † 19. November 1855 in Pest) In ein Gutenberg-Album Wenn einst die Nacht sich erschöpft und der Trugträume Priester verschwinden und das erstrahlende Licht Wahnwissenschaft nicht mehr zeugt; wenn einst das Schwert der Gewalt den rohen… Continue Reading „Hoffnung 1839“

An allem sind die Schmächtigen schuld

Sándor Weöres (* 22. Juni 1913 in Szombathely; † 22. Januar 1989 in Budapest) Antischmächtig Am Ende zeigt sich: an allem Sind die Schmächtigen schuld. Sie stehen in einer Gasse im Hinterhalt, und wenn eine alte Frau kommt, grüßen sie nicht. Ihre größte Sorge ist es,… Continue Reading „An allem sind die Schmächtigen schuld“

Gewaltmarsch

Miklós Radnóti (geboren als Miklós Glatter, 5. Mai 1909 in Budapest, Österreich- Ungarn; gestorben 9. November 1944 auf einem Gewaltmarsch* bei Abda nahe Győr)   Berlin: Volk und Welt, 1967, S. 89. Nachdichtung und Nachwort Franz Fühmann Forced March You’re crazy. You fall down,… Continue Reading „Gewaltmarsch“

Autobiografie

Sándor Weöres AUTOBIOGRAFIE Für Imre Bori Was sollte schon sein: dies war mein Leben. Augen zu. Mund auf. Das dauernde Wunder. Aas. Schaum. Berge, die sich nicht erheben. Tal. Wiese. Sumpf. Blühender Holunder. Leben im Tod. Tod im irdischen Streben. Schwarzer Tag. Flackernde Nacht.… Continue Reading „Autobiografie“

Besuch des Einhorns

Sándor Weöres ( * 22. Juni 1913 in Szombathely; † 22. Januar 1989 in Budapest) Besuch des Einhorns Zierlichen Schritts betritt ein Tier den Raum, durchschwimmt die dichte Masse meiner Möbel, durchsichtig ist sein Leib wie zarter Nebel, sein blauer Huf berührt den Boden… Continue Reading „Besuch des Einhorns“

ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG

Sándor Weöres ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG Auf die Gedichte von Tamas Szentjóby, Dezsö Tandori, Imre Oravecz und anderer unserer jungen Dichter, herzlich „Das Merkmal eines Verses ist der Sinn.” Wozu, gestattet, dann noch ein Gedicht? In Prosa packst du jeden Inhalt leichter, Präzisern… Continue Reading „ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG“