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Ein Brief

Sehr geehrter Herr Gratz,

ich betreibe auf Facebook die Seite www.facebook.com/literaturweimar . Dort dreht sich alles um die Literatur in der Weimarer Republik.

Zu diesem Thema möchte ich eine monatlich erscheinende Zeitschrift verlegen. Jede Ausgabe widmet sich dabei einem Schwerpunktthema. Bei der Nullnummer (diese befindet sich in der letzten Korrekturphase) wird dies die Weltwirtschaftskrise sein, und nicht von ungefähr ist Hans Falladas Roman „Kleiner Mann, was nun?“ die Titelgeschichte dieser Ausgabe. Kein anderer Roman macht die Angst und die Verunsicherung der Angestellten und Arbeiter zu dieser Zeit so spürbar wie dieses Meisterwerk.  Auf circa 100 Seiten werden zusätzlich weitere Stücke, Reportagen, Erzählungen und Gedichte  zu diesem Schwerpunktthema veröffentlicht – diese werden zudem durch den originalgetreuen Abdruck von Zeitungsartikeln aus dieser Zeit in einen historischen Kontext gebracht. Herzstück der Nullnummer, ist das komplette Theaterstück „Die Bergbahn“ von Ödön von Horváth in der Mitte des Heftes, das separat heraustrennbar ist. Ein solches „Heft im Heft“ mit einem kompletten Originaltext wird jede Ausgabe haben.

„Fünf. Zwei. Vier. Neun.“  ist aber mehr als nur eine Zeitschrift. Zu jeder Ausgabe erscheint ein Taschenbuch mit weiteren Texten zum Schwerpunktthema des Monats. Der Fokus liegt dabei auf Erzählungen und Werken von Autoren, die heute leider kaum jemand mehr kennt. Eine echte Fundgrube für Literaturliebhaber, in der es viel Neues zu entdecken gibt!

Nun suche ich Literaturliebhaber, die helfen, die Crowdfunding-Aktion bekannt zu machen. Diese wurde am 23. September frei geschaltet. Sie finden sie unter:

www.startnext.com/literaturweimar

 

Viele Grüße aus Bonn

Jörg Mielczarek
Verlag interna GmbH
www.verlag-interna.de

Gestorben

Der ehemalige Terrorist Norbert Kröcher – „Knofo“ genannt – einer der Mitgründer der Bewegung 2. Juni, ist tot. Der 66-Jährige war schwer krank und nahm sich am 16. September das Leben, wie sein Lektor Bert Papenfuß am Dienstag in Berlin bestätigte.

Zuvor hatte die Zeitung „Junge Welt“ berichtet. Kröcher wurde in den 70er Jahren in Schweden festgenommen und saß von 1977 bis 1985 in Haft. Er war am Plan, eine schwedische Ministerin zu entführen, beteiligt.

Kröcher schrieb vor seinem Tod eine Autobiografie, die Ende des Jahres erscheinen soll. In dem Buch werde dessen Weg „vom Hasch-Rebellen zum militanten Kämpfer“ geschildert, so Papenfuß. Nach seiner Freilassung habe Kröcher (Spitzname „Knofo“) als Fotograf gearbeitet. / Berliner Zeitung

Knofo hat ein Testament und „Letzte Worte“ hinterlassen, genügend Geld für seine Beerdigung, einen Grabstein und den Gedenkumtrunk, sowie einen Email-Verteiler für die von seinem Tod zu Benachrichtigen. Er war ein „ordentlicher Anarchist“.

Die Trauerfeier und Beerdigung findet am 20. Oktober um 13 Uhr auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof (Chausseestraße 126, 10115 Berlin) statt. Er wollte in der Nähe von Fritz Teufel bestattet werden. / Bert Papenfuß

Veröffentlichungen

  • „… warum mir die Linke“ – Knieschüsse oder: Die Kritik als Waffe. Verlag Edition AV, Lich/Hessen 2012, ISBN 978-3-86841-080-8
  • Zweihundert Gramm Staat, Schock Edition (4), EdK/Distillery, Berlin 2013, ISBN 978-3-941330-33-7

Beiträge in anarchistischen Publikationen wie Zweifel / Floppy Myriapoda

Wikipedia

In L&Poe

H.-C.-Artmann-Preis für Anselm Glück

Im Wiener Museum auf Abruf (Musa) stehen demnächst zwei Preisverleihungen an. Den Auftakt macht am 29. September die Vergabe des biennal vergebenen H.C.-Artmann-Preises an den Multikünstler Anselm Glück. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Stadt Wien für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik ausgelobt und von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) übergeben. Die Laudatio auf den 66-jährigen Glück hält seine Autorenkollegin Petra Ganglbauer, die den im Grenzbereich zwischen Literatur und Bildender Kunst tätigen gebürtigen Linzer würdigen wird, der auch Theaterstücke und mit „inland“ ein Opernlibretto verfasst hat. (…)

Zum dritten Mal verliehen wird heuer der Veza-Canetti-Preis. Er geht an die Schriftstellerin Ilse Kilic, die wie Glück in vielen Genres aktiv ist und neben ihrer literarischen Arbeiten auch zeichnet, filmt und singt. Die 1958 geborene Wienerin wird die mit 8.000 Euro dotierte Auszeichnung am 5. Oktober entgegennehmen, wobei sie an dem von Julia Danielczyk moderierten Abend aus ihrem Band „Buch über Viel“ lesen wird. Mit der Veranstaltung wird die neue Saison der Reihe „Literatur im Musa“ eröffnet, bei der jeden ersten Mittwoch im Monat von der Stadt ausgezeichnete Autoren aus ihren Werken lesen. / Der Standard

Donnerstag, 29.09.2016 um 19:00
Verleihung des H.C.-Artmann-Preises der Stadt Wien an anselm glück
Begrüßung
Andreas Mailath-Pokorny
Einführung
Julia Danielczyk und Berthold Ecker
Laudatio
Petra Ganglbauer
MUSA Museum Startgalerie Artothek; Felderstraße 6-8 (neben dem Rathaus), 1010 Wien

Datenhörspiel, Installation, Performance

leibnitz, sept 30, oct 1 – ich/meines/mir/mich – installation

In Jörg Piringers Datenhörspiel geht es: um ihn selbst. Also um mich selbst. Also: ums Ich selbst.
Innerhalb eines Monats sammelt er möglichst viele Informationen über sein Denken, Kommunizieren und Arbeiten im erweiterten elektronischen Lebensdatenraum. Aus Bewusstseins-, Körperdaten-, Kommunikations- und sonstigen Strömen webt er collagierte Datenselfies. Bei dem Hörspiel, einem polyphonen Datenchor in Surround-Sound, dürfen die Hörerinnen und Hörer den Standpunkt des Ichs einnehmen und sein Datenkostüm für die Dauer des Stückes anprobieren.

http://www.steirischerherbst.at/deutsch/Programm/Ich-Mein-Mir-Mich

Installation
Fr 30/09 & Sa 01/10, 14.00 – 18.00
Rathaus Leibnitz
Eintritt frei

graz, oct 6, 14, 15 – ich/meines/mir/mich – performance

In den Performances im Forum Stadtpark fordert Jörg Piringer die über ihn gesammelten Fakten und Ziffern in einem dynamischen typografischen Sprachakt heraus: Buchstabenmassen stürzen auf der Bühne auf ihn ein und versuchen, ihn zu verführen. So macht Piringer aktuelle Schlagwörter wie Quantified Self, Big Data, Selbstverbesserung und soziale Netzwerke transparent und erfahrbar.“

http://www.steirischerherbst.at/deutsch/Programm/Ich-Mein-Mir-Mich

Performance
Do 06/10, Fr 14/10 & Sa 15/10, 18.00
Forum Stadtpark
40’
Eintritt frei

wien, oct 7 – strassenpoesie – performance

25 Jahre Literaturhaus Wien – Tag der offenen Tür
7. oktober 17.00-19.00 Uhr – Gehsteiglesungen
Das Team Straßenliteratur – die Autor/inn/en Judith Nika Pfeifer, Jörg Piringer Matthias Vieider und Jörg Zemmler performen im Stundentakt rund um das Literaturhaus.

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=205&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2359&cHash=84a46b310eae510015796d45ec5a3228

leutschach, oct 8, 9, 14, 15 – ich/meines/mir/mich – installation

http://www.steirischerherbst.at/deutsch/Programm/Ich-Mein-Mir-Mich

Installation
Sa 08/10, So 09/10, Fr 14/10 & Sa 15/10, 16.00 – 20.00
Kniely Haus Leutschach
Eintritt frei

radio, oct 16 – ich/meines/mir/mich – radio play

http://www.steirischerherbst.at/deutsch/Programm/Ich-Mein-Mir-Mich

On air
So 16/10, 19.03
ORF Radio Steiermark
http://steiermark.orf.at/radio/
(livestream available)

Lyrik im Ausland: Hanin, Kalász, Reinecke

Donnerstag 29. September 2016 – 20:00
Lyrik im ausland

Ein Abend mit Lyriklesungen von
Semjon Hanin (Riga – zweisprachig Russisch/Deutsch),
Orsolya Kalász (Berlin – zweisprachig Ungarisch/Deutsch) und
Bertram Reinecke (Leipzig).

Unseren diesjährigen Programmfokus auf mehrsprachigen Lyriklesungen mit Bezug zum weitläufigen osteuropäischen Sprachraum führen diese Woche Semjon Hanin, der eigens aus Riga anreist, und Orsolya Kalász aus Berlin fort – zusammen mit Bertram Reinecke aus Leipzig.

Geöffnet ab 20.00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr. | Eintritt: 5 EUR
@facebook

Semjon Hanin, *1970, ist ein russischsprachiger Dichter aus Riga. Seine Lyrikbände erschienen in Lettland in russischer und lettischer Sprache: „Tol’ko chto/Tikko“, 2003 (dt.: Soeben) und „Vplav’/Peldus“ , 2013 (dt.: Schwimmend) sowie in Übersetzung in Tschechien, Ukraine und England. Ins Deutsche wurden seine Gedichte von Jan Kuhlbrodt, Anja Utler, Claudia Gabler, Matthias Göritz, Carolin Callies, Norbert Hummelt, Viktor Hoffmann übertragen und in den Anthologien „Worüber schweigen Freunde“ (Berlin: edition bodoni, 2012) und „Werde zum Gespenst. Gedichte aus Lettland“ (Heidelberg: Wunderhorn, 2016) veröffentlicht.
Als Mitbegründer der Text-Gruppe Orbita tritt Hanin auf internationalen Literatur- und Kunstfestivals (Belgrad, Berlin, Moskau, Venedig u.a.) mit multimedialen Performances auf, die die Interdependenzen von Wort, Ton und Bild ausloten.

Orsolya Kalász, *1964 in Dunaújváros, ist eine ungarische Lyrikerin und Literaturübersetzerin und lebt in Berlin. Ihre Texte sind u.a. in den ungarischen Literaturzeitschriften Nappali HázJelenlétVigilia und Árgus erschienen. Ihre Lyrik verfasst sie mal in ungarischer, mal in deutscher Sprache und übersetzt sie anschließend selbst. Ihr erster zweisprachiger Gedichtband „Babymonster und die Gärtner“ erschien 1997 in der Lyrikreihe Poetische Boegen. Es folgte der Gedichtband „alles was wird, will seinen strauch: Ami volt, még bokor akar lenni“, ersch. 2007 im Gutleut-Verlag. Ihr letzter Gedichtband „Das Eine.“ ist 2016 bei Brueterich Press erschienen. Sie übersetzt neue Lyrik aus Ungarn, seit 2000 häufig in Zusammenarbeit mit Monika Rinck, so z.B. János Téreys „KaltWasserKult“, erschienen 2007, und László G. Istváns „Sandfuge“, erschienen 2009.

Bertram Reinecke, *1974 in Güstrow, ist Lyriker, Essayist und Verleger und verfasst Kritiken und Texte zu musikalischen Kompositionen. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und wohnt auch heute noch dort. Sein 2012 erschienener Gedichtband „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“ wurde auf die Liste der „Gedichtbände des Jahres 2012“ gewählt und wurde zu großen Teilen aus fremden Texten (sog. Centos) zusammengesetzt.
Sein letzter Gedichtband „Gleitsichtwochen“ erschien 2015 bei der edition buchhaus loschwitz. Den Verlag Reinecke & Voß gründete er 2009. Es erschienen bislang Bücher von Miron Białoszewski, Sophie Dethleffs, Norbert Lange, Aloysius Bertrand, Ulf Stolterfoht, Georg Hoprich, Alexej Krutschonych, Sibylla Schwarz, Johanna Schwedes und Jürgen Buchmann.

Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten.

Alphabetisch

Bücher einräumen, Timo Berger zwischen Friedemann und Uwe, Born zwischen Borgerding und Born, Czollek zwischen Czechowski und Czurda, Eules zwischen Eschler und Exner, Flanzendörfer zu Flenter, Holland paßt zwischen Hohlbaum und Höllerer, bei Stallbaumer wirds eng.

Odes to tampons, stretch marks, fat

In 2008, the poet Sharon Olds came across a bilingual edition of Pablo Neruda’s “Odes” and got excited. In the poems, Neruda found cause to praise the common and the extraordinary, the concrete and the conceptual. He wrote of artichokes, and the moon, and friendship. Olds, who published her first collection, “Satan Says,” in 1980, at the age of thirty-seven, had written similar poems of tribute: “Diaphragm Aria,” “Socks,” “Material Ode,” “The Pope’s Penis.” But she liked to mix narrative into her verse, and always felt that she had trouble handling abstract concepts without attaching a story or a character to them. Now, when she sat down to write in her notebook, she found herself apostrophizing anything that crossed her mind, addressing concepts and objects directly, trying to name their component parts.

The results of Olds’s experiment are collected in her latest book, “Odes” (Knopf). In some six dozen poems, Olds sings in praise of things that are not often considered worthy of appreciation—tampons, stretch marks, fat, composting toilets, douche bags, menstrual blood—and reconsiders others that are. / Alexandra Schwartz, The New Yorker

Lyrikpreis München

Die Vorjury der dritten Vorrunde (Konstantin Ames, Karin Fellner, Àxel Sanjosé) hat folgende Autorinnen und Autoren ausgewählt:

Carla Hegerl (Berlin und Leipzig)
Cornelia Hülmbauer (Wien)
Christine Kappe (Hannover)
Rainer Komers (Berlin und Mühlheim an der Ruhr)
Pega Mund (Gröbenzell)
Marc Puszicha (Mainz)

Die Lesung findet am Dienstag, den 11. Oktober, in den Räumen des Kulturladens Westend statt (Ligsalzstraße 44 in München-Schwanthalerhöhe) ab 19:00 Uhr statt. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3.

Die Jury des Abends – Jan Kuhlbrodt, Ulrich Schäfer-Newiger, Johanna Schumm – wird zwei Autor/inn/en für das Finale im Herbst nominieren. Moderation: Andrea Heuser.

„Indian poetry in English“

The first newspaper in India, Hicky’s Bengal Gazette, reserved a section of the pages of its first issue in 1780 for a Poet’s Corner, a demarcated space which would carry one or more poem in each issue for the short period of the paper’s existence, a practice followed by every nineteenth-century newspaper published subsequently. The poem published in the first issue was called The Seasons, and described, expectedly, the English seasons; it took a few months for a long poem with the title A Description of India to make an appearance here.

Since then to the present day, poetry written in India in the English language has, of course, changed hands and, indeed, changed nationality – what was once written by Englishmen in India, English poetry, is now Indian poetry (and has been since the nineteenth century), and is currently generally called Indian poetry in English to distinguish it from poetry written by Indians in the classical languages in the past and in the many powerful modern Indian regional languages since the mid-nineteenth century. (…)

(…) Yet Indian poetry in English arguably has a more distinguished lineage than its counterpart, the novel; intrinsically, it has accomplished and achieved as much, if not more, than the celebrated fiction by well-known names that occupies so much shelf space, media space, and literary chatter nowadays, and it has done its work quietly, passionately, and to extraordinarily high standards through all these years.

Excerpted at Scroll.in with the author’s permission from the Introduction, by Rosinka Chaudhuri, to A History of Indian Poetry in English, edited by Rosinka Chaudhuri, Cambridge University Press, 2016.

Klopstock-Preis für Uwe Kolbe

Für sein lyrisches und prosaisches Gesamtwerk wird der Schriftsteller Uwe Kolbe am 2. Oktober mit dem Klopstock-Preis für neue Literatur des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotiert. Grit Warnat hat den Preisträger getroffen und mit ihm über Dichter und die Kunst des Dichtens gesprochen.

Auszug aus dem Gespräch:

Lyrik war einst eine Königsdisziplin. Heute ist sie schwer zu vermarkten. Verleger scheuen sich, Gedichte herauszubringen. Was ist Lyrik heute?

Es war und ist die Königsdisziplin. Sie wird es auch immer bleiben. Aber das Gedicht hatte noch nie einen Marktwert. Es ist noch nie verkauft worden.

Auch nicht zu DDR-Zeiten?

Das Leseland DDR war Not. In Notzeiten spricht das Gedicht. In solchen Notzeiten wurden Pablo Neruda groß und Majakowski. Das weltgrößte Poesiefestival der Welt wurde vor 25 Jahren zu Escobar-Zeiten in Medellin in Kolumbien gegründet. In der kriminellsten Stadt der Welt kamen damals zehntausend Leute zusammen, um Gedichte zu hören. Die Menschen wollten sich mit Lyrik ihrer selbst versichern und spüren, dass es etwas anderes in der Welt gibt als Gewalt, Kriminalität, Drogen. 2010 war es kleiner, aber noch immer berauschend.

/ Volksstimme

Poetopie

Zeit – der Staub, der sich zwischen den Tasten des PC festsetzt

Hansjürgen Bulkowski

In Afrika

(Afrika 2)

Zum Glück befinden wir uns hier in Afrika, wo die Sonne immer scheint, und nicht in der westlichen Welt; und in Afrika nehme ich kein Blatt vor den Mund. Meine kleine Rede von heute abend wird als politisch angesehen werden. Und das ist sie auch, unvermeidlich. Genau wie das Kunstwerk Politik ist, wenn es sich auf die Wirklichkeit bezieht, in der sich das Publikum befindet. Alles Gesprochene in diesem traurigen bitterbunten Begräbnisland ist Politik – ob es nun Geflüster, Geschwätz, Geflunker oder Gespräch ist. Das ist keine Wahl, die der Schriftsteller hat, kein Gebrauch oder Mißbrauch dichterischer Freiheit (und warum sollte der Hanswurst mehr Freiheit haben als der Fabrikarbeiter?); nein, das ist das Wesen der Kommunikation selbst.

Breyten Breytenbach: Ein Blick von draußen. 1973. In: Ich bin das Land. Prosa, Lyrik, Dokumente wider die Apartheid. Leipzig: Reclam, 1983, S. 68

Afrika (1..n) ist kein Reisebericht, sondern eine lose Folge von Lese- und Augeneindrücken.

Forwardpreis für Dichterin aus Trinidad

Die Dichterin Vahni Capildeo aus Trinidad gewinnt in diesem Jahr den Forward-Preis für Lyrik. Damit geht der Preis zum dritten Mal in Folge an AutorInnen aus der Karibik. Capildeo, die an der Universität Glasgow lehrt, erhält die mit £15,000 dotierte Auszeichnung für ihren Band Measures of Expatriation.

Auch der Debütpreis geht an eine Autorin aus der Karibik, Tiphanie Yanique, die von den Virgin Islands stammt. Ihr Buch Wife erhielt den Felix Dennis-Preis für das beste Debüt (£5,000).

Der Preis für das beste Einzelgedicht (£1,000) geht an die englische Dichterin und Übersetzerin Sasha Dugdale für das Gedicht Joydas zuerst in der PN Review veröffentlicht wurde.

Zur gestrigen Preisverleihung wurde ein jährliches Studienprogramm zur Unterstützung junger Dichter gestartet. Es geht 2016 an Shukria Rezaei aus Afghanistan, die an der Oxford Spires Academy zusammen mit der Dichterin Kate Clanchy Schreibgruppen mit Kindern von Flüchtlingen betreut. / Sian Cain, Guardian

 

Wawerzinek in Dresden

Seit Juni ist der Schriftsteller Peter Wawerzinek amtierender Stadtschreiber von Dresden und erlebt dort gerade die Urlaubszeit. Selbst Pegida sei gerade in Ferien, erzählt er von seinen Eindrücken aus der sächsischen Hauptstadt.

(…) Erkundet habe er nun auch die Dresdner Schriftstellerszene, sagte Wawerzinek. „Da sind ja die üblichen Verdächtigen“, sagte er und nannte den Lyriker Thomas  Rosenlöcher, den er schon kurz nach der Wende kennengelernt habe. „Es ist eine ganz agile,  schöne  Gruppe von neuen, jungen Autoren da, die dann  auch so eine Art Slam-ähnliche Treffen machen.“ Für sie sei das Literaturhaus schon überaltet, sie suchten nach Alternativen.  / DLR

Yisang

Der koreanische Erzähler und Lyriker Yisang (1910-37) ist im deutschsprachigen Raum wenig bekannt, hat in Südkorea hingegen beinahe unumstritten den Rang als bedeutendster Schriftsteller des 20. Jahrhunderts inne. Dabei ist er kein Vertreter einer verwässerten Moderne, die sich zuletzt doch am diffusen Kriterium der Lesbarkeit misst, sondern ein echter Avantgardist. (…) Als Lyriker weist er mit seiner unnachgiebigen Experimentierkunst in Richtung der konkreten Poesie, teilt in seiner assoziativen Traumästhetik auch einiges mit den Surrealisten, bleibt aber in der Wahl und Entwicklung der Motive unverwechselbar. Insgesamt ist Yisang ein erstrangiger Autor, der in den Kanon der klassischen Moderne gehört. Dank zwei hervorragend übersetzten und edierten Bänden, die, im Droschl-Verlag erschienen, jeweils das lyrische und das erzählerische Werk vorstellen, ist er deutschsprachigen Lesern leicht zugänglich geworden. Es stimmt mich deshalb traurig, dass wir nicht alle Yisang gelesen haben. / Samuel Meister, Fixpoetry

  • Yisang, Mogelperspektive: Das poetische Werk, übersetzt von Hanju Yang, Marion Eggert und Matthias Göritz, Verlag Droschl 2005.
  • Yisang, Betriebsferien und andere Umstände: Erzählungen, übersetzt von Hanju Yang, Heiner Feldhoff und Gerda Kneifel, Verlag Droschl 2014.

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