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Namaste

L&Poe-Anthologie und Archiv

Aktuelles und Immerwährendes im Lyrikkalender und auf der Facebookseite der Lyrikzeitung (öffentlich). Außerdem: Jeden Tag um sechs ein Gedicht.

Die Blechschmiede

Arno Holz

Aus: Die Blechschmiede
Erschienen im Insel-Verlage Leipzig 1902

Prolog:
Seit der alte Papa Wieland
seine liederlichen Musen
abenteuerlich ersuchte,
ihm den Hippogryph zu satteln,
hat schon mancher deutsche Dichter
diesen Trick ihm nachgeäfft.

In das süße blaue Wunder
unsrer Jungfrau Poesie
stippte altklug Mutter Prosa
die didaktisch lange Nase,
und die Töchter des Olympiers
degradiert nun frech zu Jockeys
jeder Schlingel, dem erbärmlich
auf der schlecht geleimten Leyer
nur ein dünnes Därmchen schnurrt.

Leider bin ich auch blos Mensch.
Dumpf in meine Wiegenlieder
brandete von fern die Ostsee,
und wir Deutschen sind entweder
Dichter, oder Philosophen.

Ich bin Dichter. Versefex.

Versefex und degradier drum
jene schlanken Marmorschönen
mit dem weltverliebten Herzen
heute selbst zum Stallknechtsdienst.

He, Euterpe, raus den Schinder!
Wiehernd bäumt er sich ins Licht.

Zieh, Urania, erst mal, bitte,
dort den Strohhalm aus dem Schwanz.

Klio und Kalliope,
putzt ihm spiegelblank die Hufe,
knüpft ihm Blumen in die Mähne,
hängt ihm Rauschgold an die Flügel,
mutig blähn sich seine Nüstern,
wohlig zuckt sein Seidenfell.

Schlottert hier nicht noch ein Riemen?

Mensch, Melpomene, du stellst dich
ja noch dümmer, als du bist!

Fester, Erato, den Sattel,
oder denkst du dir, ich wollte,
rhythmisch über Wolken stolpernd,
einen Kopfsprung inscenieren?

Kind, Thalia, willst du wohl?
Händchen weg, das Luder beißt!

Recht so, Polyhymnia,
reich ihm den krystallnen Eimer,
roten, funkelnden Falerner
zulpt der alte Schwede gern.

Hm; die Bügel federn gut.

Auch die Peitsche zieht brillant.

So. Und jetzt, Terpsichore,
heb dein Tunicachen, tanz
ihm eins rittlings vor dem Hintern,
unterm Schlage seiner Schwingen
stäuben Blüten aus den Wipfeln,
und verdutzt vom Kirchturm kräht schon
hinter uns der goldne Gockel.

«Wir wollen endlich lieben!»

Alexander Solschenizyn

( * 11. Dezember 1918 in Kislowodsk, Oblast Terek, heute vor 100 Jahren; † 3. August 2008 in Moskau)

Gespräch zweier Insassen einer Krebsstation im asiatischen Teil der Sowjetunion 1955 – kein gewöhnliches Krankenhaus, vielmehr Teil des riesigen Archipels der Gulag, der sowjetischen Straflager:

« … Wer jahrelang vor Haß geglüht hat, kann nicht eines Tages sagen: basta, heute habe ich ausgehaßt, nun werde ich nur noch lieben. Nein, er bleibt voller Haß und wird so bald wie möglich wieder jemanden zum Hassen finden. Sie kennen das Gedicht von Herwegh:

Bis unsre Hand in Asche stiebt,
Soll sie vom Schwert nicht lassen ——»

Oleg fiel ein:

«Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen!

Wie soll ich das nicht kennen. Das haben wir in der Schule gelernt.»

«Richtig, richtig, das haben Sie in der Schule gelernt! Aber so etwas ist doch schrecklich! In der Schule hätte man Ihnen das Gegenteil beibringen müssen: Zu des Teufels Großmutter mit eurem Haß. Wir wollen endlich lieben! — So soll der Sozialismus aussehen.»

Aus: Alexander Solschenizyn: Krebsstation. Roman in zwei Bänden. Band 2. Reinbek: Rowohlt, 1971, S. 137

Hier Herweghs Gedicht:

Das Lied vom Hasse
1841

Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluß
Dein Morgenrot entgegen,
Dem treuen Weib den letzten Kuß,
Und dann zum treuen Degen!
Bis unsre Hand in Asche stiebt,
Soll sie vom Schwert nicht lassen;
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen!

Die Liebe kann uns helfen nicht,
Die Liebe nicht erretten;
Halt du, o Haß, dein Jüngst Gericht,
Brich du, o Haß, die Ketten!
Und wo es noch Tyrannen gibt,
Die laßt uns keck erfassen;
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen!

Wer noch ein Herz besitzt, dem soll's
Im Hasse nur sich rühren;
Allüberall ist dürres Holz,
Um unsre Glut zu schüren.
Die ihr der Freiheit noch verbliebt,
Singt durch die deutschen Straßen:
»Ihr habet lang genug geliebt,
O lernet endlich hassen!«

Bekämpfet sie ohn Unterlaß,
Die Tyrannei auf Erden,
Und heiliger wird unser Haß
Als unsre Liebe werden.
Bis unsre Hand in Asche stiebt,
Soll sie vom Schwert nicht lassen;
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen!

Die Dichterin

Gertrud Kolmar

(* 10. Dezember 1894 in Berlin; † vermutlich Anfang März 1943 in Auschwitz)

Die Dichterin

Du hältst mich in den Händen ganz und gar.

Mein Herz wie eines kleinen Vogels schlägt
In deiner Faust. Der du dies liest, gib acht;
Denn sieh, du blätterst einen Menschen um.
Doch ist es dir aus Pappe nur gemacht,

Aus Druckpapier und Leim, so bleibt es stumm
Und trifft dich nicht mit seinem großen Blick,
Der aus den schwarzen Zeichen suchend schaut,
Und ist ein Ding und hat sein Dinggeschick.

Und ward verschleiert doch gleich einer Braut,
Und ward geschmückt, daß du es lieben magst,
Und bittet schüchtern, daß du deinen Sinn
Aus Gleichmut und Gewöhnung einmal jagst,

Und bebt und weiß und flüstert vor sich hin:
„Dies wird nicht sein.“ Und nickt dir lächelnd zu.
Wer sollte hoffen, wenn nicht eine Frau?
Ihr ganzes Treiben ist ein einzig: „Du…“

Mit schwarzen Blumen, mit gemalter Brau‘,
Mit Silberketten, Seiden, blaubesternt.
Sie wußte manches Schönere als Kind
Und hat das schöne andre Wort verlernt. –

Der Mann ist soviel klüger, als wir sind.
In seinen Reden unterhält er sich
Mit Tod und Frühling, Eisenwerk und Zeit;
Ich sage:“Du…“ und immer: „Du und ich.“

Und dieses Buch ist eines Mädchens Kleid,
Das reich und rot sein mag und ärmlich fahl,
Und immer unter liebem Finger nur
Zerknittern dulden will, Befleckung, Mal.

So steh ich, weisend, was mir widerfuhr;
Denn harte Lauge hat es wohl gebleicht,
Doch keine hat es gänzlich ausgespült.
So ruf ich dich. Mein Ruf ist dünn und leicht.

Du hörst, was spricht. Vernimmst du auch, was fühlt?

Aus: Gertrud Kolmar: Das lyrische Werk. Gedichte 1927-1937. Hrsg. Regina Nörtemann. Göttingen: Wallstein, 2003 (Das lyrische Werk 2), S. 89f

Wenn nicht

Bertha Arndts

(* 9. Dezember 1809 in Arnsberg,† 9. Mai 1859 in Wien-Hütteldorf)

Vittoria Colonna

(* 1492 in Castello di Marino bei Rom; † 25. Februar 1547 in Rom)

Aus: Sonette der Victoria Colonna / mit deutscher Übersetzung von Bertha Arndts. Schaffhausen : Fr. Hurter’sche Buchhandlung, 1858

S’in man prender non soglio unqua la lima
  Del buon giudicio, e ricercando intorno
  Con occhio disdegnoso, io non adorno,
  Nè tergo la mia rozza incolta rima;
Nasce, perchè non è mia cura prima,
  Procacciar di ciò lode, o fuggir scorno;
  Nè che, dopo il mio lieto al ciel ritorno,
  Viva ella al mondo in più onorata stima.
Ma dal foco divin, che ’l mio intelletto,
  (Sua mercè) infiamma, convien ch’ escan fuore,
  Mal mio grado, talor queste faville.
E s’ alcuna di loro un gentil core
  Avvien che scaldi; mille volte e mille
  Ringraziar debbo il mio felice errore.

Hier eine moderne englische Version

Der Lyriker sitzt schön im Haus

Peter Handke

Der Lyriker sitzt schön im Haus
der lyrische Epiker geht über die Hügel
der epische Epiker wird auf die Schiffe verschlagen

Aus: Peter Handke: Leben ohne Poesie. Gedichte. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2007, S. 140

Aus Poems and Other Visions of the Jews

Der Baal Schem Tov* pflegte zu einer bestimmten Stelle im Wald zu gehen, wo er ein Feuer anzündete und betete, wann immer er vor einer besonders schweren Aufgabe stand; und sie wurde gelöst.

Sein Nachfolger im Amt folgte seinem Beispiel und ging zur selben Stelle; er sagte aber: „Das Feuer können wir nicht mehr anzünden, aber wir können immer noch beten.“ Und er wurde erhört.

Eine nächste Generation kam, und Rabbi Mosche Leib aus Sassow ging in den Wald und sagte: „Das Feuer können wir nicht mehr anzünden, das Gebet wissen wir nicht mehr; aber wir kennen noch die Stelle im Wald, und das muss ausreichen.“ Und es reichte aus.

Der Rabbi in der vierten Generation, Israel aus Rischin, blieb zu Hause und sagte: „Das Feuer können wir nicht mehr anzünden, das Gebet wissen wir nicht mehr und die Stelle im Wald auch nicht. Aber wir können die Geschichte erzählen.“

Und es reichte aus.

  • Baal Schem Tov (בעל שם טוב, ‚Besitzer des guten Namens‘) war der Beiname von Rabbi Israel ben Elieser, der um 1700 in Okop bei Kamieniec-Podolski, Polen-Litauen, geboren wurde und am 22. Mai 1760 in Międzyborz, Podolien, Polen-Litauen starb. Er gilt als der legendäre Begründer des Chassidismus.

Nach: Exiled in the Word. Poems & Other Visions of the Jews from Tribal Times to Present. Ed.  Jerome Rothenberg und Harris Lenowitz, Washington: Copper Canyon, 1989, S. 1

Meinte er das wirklich

Raja Lubinetzki

Meinte er das wirklich
So wie er es schrieb
oder meinte er es wirklich
so wie er es sagte

und an welchem Punkt
dieses geschriebenen
fortlaufenden Satzes
Lebens setzte die Verfremdung

ein etwa in einem durch
ein Semikolon
festgehaltenen Gespräch
das nach dem Gesagten

so oder so geschrieben
wurde und da es damals
noch keine Technik
weiter so gab kann man

sich also nicht ganz
so sicher sein
ob es so gesagt wurde
oder ob das Gesagte

Vergessne vielleicht
ein wichtiges Gefühlsdetail
nicht mehr darzustellen
in der Lage war

Aus: Raja Lubinetzki: Der Tag ein Funke. Gedichte, Zeichnungen. Berlin: Janus Press, 2001, S. 100

Beschwörung

Paula Ludwig

(* 5. Januar 1900 in Feldkirch; † 27. Januar 1974 in Darmstadt)

Beschwörung

Ich kann nur die Flöte spielen
und nur fünf Töne

Wenn ich sie an die Lippen hebe
kehren die Karawanen heim
und in dunklen Scharen die Vögel

Dann rudern die Fischer ans Ufer
und aus Morgenländern
kommt duftend
der Abend zurück

Am Stamme des Ahorns lehn ich
im Schatten des Efeus
und sende mein Lied nach dir aus

Aus: unter dem sapphischen mond. Deutsche Frauenlyrik seit 1900. Ausgewählt von Oda Schaefer. München: Piper, 1957, S.40

Mitte des Lebens

Christine Busta

Mitte des Lebens

Durch Schafgarben watend und goldne Kamillen,
immer im Ohr noch den heillosen Ton
einer irren, verdorrten Grille
und im Mund schon befremdlich den stillen
Geschmack von Olive und Mohn.

Aus: Die Scheune der Vögel (1958)

Entdeckung

Christine Busta

(* 23. April 1915 in Wien; † 3. Dezember 1987 ebenda)

Entdeckung

Sag:
Grasnarbe.
Sag es langsam.

Du sprichst
ein vollkommenes
Gedicht.

Aus Christine Busta, Salzgärten, Salzburg: Otto Müller, 1975

Ich kann davon nicht schweigen

Philipp Otto Runge (* 23. Juli 1777 in Wolgast; † 2. Dezember 1810 in Hamburg)

Die Quelle

Ein Wunderland
Ward mir bekannt;
Ich kann davon nicht schweigen,
Daß, wer es kennt,
Vor Sehnsucht brennt,
Es sich zu machen eigen:

Aus kühler Kluft im Felsen quillt ein Leben,
Es springt an’s Licht mit fröhlichem Verlangen,
Die Ufer spiegelnd wollen sie umfangen.
Woher sie kommen, können wir nicht wissen,
Von unsrer Mutter wollen wir sie grüßen.
Sie bringen mit die Blumen und die Früchte,
Und fliegen fort, und kehren zu dem Lichte.
– Wie schäumend über Blumen hier die Wellen brechen,
Wer kann’s mit Zungen und mit Saiten sprechen?

Im Wald’ erscheint dies liebliche Gesichte –
Der Dichter weilt, von Glanz und Ton bezwungen.
Die Bäume weben in dem grünen Lichte,
Musik hat alle Wesen süß durchdrungen.
Das bange Herz, es kann sich froh erweitern,
Und volle Lust will, Seele, dich erheitern,
Die Kraft im Busen frisch und hell erglüh’n,
Und jauchzend muß ich zu dem Glanze zieh’n.
– Mit Worten sprechen, wie in Licht und Klang verschlungen
Sind Sinn und Herz, wem ist es je gelungen?

(Vermutlich 1805)

Aus: Hinterlassene Schriften von Philipp Otto Runge, Mahler. Herausgegeben von dessen ältestem Bruder [Johann Daniel Runge]. Erster Theil: Mit sieben Bildwerken. Hamburg : Perthes, 1840, S. 244

Quelle und Dichter. Hamburg, Kunsthalle

Warum bin ich ein Mädchen?

Elisabeth Kulmann

(russisch Елисавета Борисовна Кульман/Jelissaweta Borissowna Kulman; * 5.jul./ 17. Juli 1808 greg. in Sankt Petersburg; † 19. November jul./ 1. Dezember 1825 greg. ebenda)

Elisabeth Kulmann war eine deutsch-russische Dichterin, die Deutsch, Russisch und Italienisch dichtete. Voß, Jean Paul und Goethe lobten sie, Robert Schumann vertonte sie. Außerdem übersetzte sie aus dem Alt- und Neugriechischen, Italienischen, Russischen, Englischen, Spanischen und Portugiesischen in acht verschiedene Sprachen. Sie starb mit 17 Jahren, Schwester von Korinna, Sappho und Sibylla Schwarz.

Warum bin ich ein Mädchen?
Wär‘ ich ein kühner Knab‘,
Ich hätte längst ergriffen
Den muntern Wanderstab.

Land ein Land aus durchwallte
Ich keck die weite Welt,
Besucht‘ uralte Städte
Und des Nomaden Zelt.

Gebirge, Wüsten, Meere
Und Wasserfäll‘ und Seen,
Und Feuerberg‘ und Inseln,
Nichts würde mir entgehn.

Ich ginge, Nil und Ganges,
Längs eurer Ströme Lauf,
Trotz Wald, Sand, Sumpf und Gletschern,
Zu euerm Quell hinauf;

Erstieg‘ trotz seiner Mütze
Der Kapstadt Tafelberg; [1]
Säh‘ Nachts an Grönlands Küste
Des Poles Feuerwerk. [2]

Anmerkung des ersten Herausgebers K. F. von Großheinrich:

1) Wenn der an Afrika’s Südspitze sich über die Kapstadt erhebende Tafelberg sich mit Wolken umzieht, sagen die Anwohner: »der Berg hat seine Mütze aufgesetzt.« [Foto unten, M.G.]

2) Das Nordlicht

Aus: Sämmtliche Gedichte. Mit dem Leben, Bildniß und Denkmal der Dichterin. Herausgegeben von Karl Friedrich von Großheinrich. St. Petersburg: Pititscheskije, 1835. (Hier)

Tafelberg und Löwenkopf
Der Berg hat die Mütze aufgesetzt. Foto © Gratz

das glück im blei

Gabriele Berthel

Was lange währt ist nicht gestillt
ein schöner sinn ein irres bild
wir gießen blei das glück ist nah
das alles war schon einmal da

nur ein verirrter traum sucht bang
die hintertür den notausgang
ein seher lauscht weil er nichts sieht
und bleiern tritt die zeit ins glied

wer stillhält der hält auch dafür
das halten hält die hintertür
die not tut ihre schuldigkeit
ein traum besteigt den zug der zeit

weit offen liegt das labyrinth
wer jetzt kein schuldlos zieht gewinnt
ein schönes bild ein irrer sinn
das glück im blei weiß nicht wohin

Aus: Gabriele Berthel: Auszug der Wahrheit. Gedichte Prosa Collagen. O.O.: octopus, o.J. [1991] (Oktav 4), S. 57

Herrlich!

Fumon

(japanischer Zenmeister, 1302-1369)

Herrlich! Herrlich!
Keiner kennt das Schlußwort.
Der Meergrund steht in Flammen,
Aus der Leere hüpfen hölzerne Lämmer.

Nach der englischen Fassung aus: The Penguin Book of Zen Poetry. Harmondsworth: Penguin, 1981, S. 67

Hier ein Netzfund, eine kroatische Version, gefolgt von Googles Übersetzung:

Veličanstveno ! Veličanstveno !
Nitko ne zna konačnu riječ.
Dno je oceana u plamenu,
iz Praznog iskaču drveni jaganjci.

Majestätisch! Majestätisch!
Niemand kennt das letzte Wort.
Der Boden des Ozeans ist in Flammen,
von Holztrieben zu Holzlämmern.

Teich Frosch Platsch

Ein Haiku von Matsuo Basho ((jap. 松尾 芭蕉, * 1644 in Akasaka; † 28. November 1694 in Osaka) in verschiedenen Fassungen.

Furu ike ya
kawazu tobikomu
mizu no oto

1681/1686

Old pond – frogs jumped in – sound of water

transl. Lafcadio Hearn, 1898

Gestörte Stille

Uralter Weiher,
Verträumt! – Da platscht ein Froschsprung,
Nun tönt das Wasser!

Julius Kurth, 1909 (aus: Japanische Lyrik aus vierzehn Jahrhunderten. Nach den Originalen übertragen von Dr. Julius Kurth. München und Leipzig: R. Piper, 1909. = Die Fruchtschale. Eine Sammlung. XVII: Japanische Lyrik)

Der Teich

Ein stiller, öder Teich.
Horch, hörst du’s plätschern?
Ein Fröschlein sprang ins Wasser!

Anna von Rottauscher, aus: Ihr gelben Chrysanthemen! Japanische Lebernsweisheit. Haiku. Wien: W. Scheuermann, 1941

Am Teich

Ein stiller öder Teich, ein träumerisches Ried.
Da – plötzlich rauschts im Wasser irgendwo: –
Ein Frosch, der kleine Kreise zieht.

Paul Lüth, aus: Frühling Schwerter Frauen. Umdichtungen japanischer Lyrik … Berlin: Paul Neff, 1942

An den Teich

Auge des Waldes, schilfbewimpert.
Da springt ein Fisch …
Nun klingt die Stille.

Werner Helwig, aus: Wortblätter im Winde. Nachdichtungen japanischer Texte. Hamburg: Goverts, 1945

Ein uralter Weiher.
Der Sprung eines Frosches
vertieft das Schweigen.

Manfred Hausmann, aus: Liebe, Tod und Vollmondnächte. Japanische Gedichte. Frankfurt/Main: S. Fischer, 1960

Hier 30 englische Übersetzungen mit Kommentar