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Namaste*

Willkommen bei Lyrikzeitung & Poetry News!. Sie finden hier 1. Tageszeitung: Jeden Tag um sechs ein Gedicht 2. Journal #02 Frühjahr 2022) | #01 (Morgensternfest, 2021), 3. Archiv: viele tausend Nachrichten seit dem 1. Januar 2001.

*) Der Begriff setzt sich zusammen aus den Silben nama (verbeugen), as (ich) und té (du). Übersetzen lässt sich Namasté also mit „Verbeugung zu dir“ oder „Ich verbeuge mich vor dir“. Damit drückt man Ehrerbietung aus und erkennt die Anwesenheit des Gegenübers dankbar an. (Google)

Kriegsszene

Petr Křička

(* 4. Dezember 1884 in Kelč; † 25. Juli 1949 in Okarec, heute Ortsteil von Třebíč)

Medynia Głogowska

Über den Kopf die erste, die zweite pfiffen,
fliegen viel dichter schon.
Tiefer geduckt, im ängstlichen Spott noch begriffen,
bieten die Burschen Willkomm.

Fünferhaubitzen, da sind sie herangaloppiert,
Herrgott, dein Wille geschehe!
Mach ihre Seelen stark, wie das Schicksal regiert:
Mütterchen, armes, flehe;

sieh, als ein Stern steh ich dann über dem Walde,
brennender Talglichtstumpf,
und in der Ferne, gehn und entschwinden die Jahre,
verblasse, erlösche ich dumpf.

Vater, den Brief küß ich im Geiste, und deine Locken,
Mädchen, so fern von hier.
Und eine Springflut‚ die furchtbaren Liebeswogen
sprengen die Herzfestung mir;

Liebe zu allen, die leiden. Das düstre Erzittern
des Herzens lösen die Welln,
und die Angst, Angst vor dem allzu bittren
Kelch, meines Volkes Kelch.

Lukášek, Vávra, rechtschaffene Burschen, ihr edlen
von dem mährischen Grund,
Gott wird einst richten. Wir, die wir ehrlich lebten,
sterben auch ohne Schuld.

‚Vorwärts!‘ Sie laufen, sie laufen nach meinen Befehlen,
schon in gelichteten Reihn . . .
Jesus, demütiger, stiller, den sie quälen,
du wollest bei uns sein! . .

8. 10. 1914

Aus dem Tschechischen von Roland Erb. Aus: Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten. Teil 3: 1900 – 1950. Hrsg. Ludvík Kundera. Leipzig: Reclam, 1987, S. 93/95

Medynia Głogowska ist ein Dorf im Südosten Polens. Im Ersten Weltkrieg fanden in dieser Gegend im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Galicien blutige Kämpfe statt. Die jungen Burschen aus Mähren starben dort auf Befehl des Kaisers.

Bettelhort

Friedrich Bergammer 

(eigentlich Friedrich Glueckselig; geboren am 18. Dezember 1909 in Wien; gestorben am 9. Oktober 1981 in New York City)

Der letzte Hort

O Ewigkeit, du Bettelhort!
Vergänglich Sitte, Art, Kultur,
geknüpft an Mode, Zeit und Wort.
O Weltenschicksal! Unglücksspur!

Sie treiben uns von einem Ort
zum anderen. O Leidenskur!
Wir ziehn von einer Heimat fort
in eine andre Heimat nur.

Was bleibt uns noch als Ewigkeit,
der letzte Hort? Es ist vollbracht.
Wir sind der Platz der tiefsten Nacht.

Wir gehen auf die Wanderschaft.
Aus aller Länder Wurzelkraft
blühn wir zur Menschenähnlichkeit.

Aus: Feuerharfe. Deutsche Gedichte jüdischer Autoren des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Josef Billen. Leipzig: Reclam, 1997, S. 31

in den buchstaben ein zerschellen

Hansjörg Zauner 

(* 2. Dezember 1959 in Salzburg; † 30. Juni 2017) 

DAS ZERSCHELLEN DER WOERTER IN
DEN BUCHSTABEN UND DARUEBER HINAUS
DA VERWORTEN DIE BUCHSTABEN IM
DARUEBER HINAUS ZU ZERSCHELLEN
EIN ZERBUCHSTABEN DIE SCHELLEN IN
DEN WOERTERN EIN DARUEBER HINAUS
DAS DARUEBERHINAUS IN DEN WOERTERN
IN DEN BUCHSTABEN EIN ZERSCHELLEN
EIN ZERSCHELLEN DER BUCHSTABEN IM
DARUEBER HINAUS ZU DARUEBER HINAUS
DIE WOERTER ........
ZERBUCHSTABEN DAS DARUEBER HINAUS
ZERWORTEN DAS ZERSCHELLEN
ZERDARUEBERHINAUS

Aus: Hansjörg Zauner: zerschneiden das sprechen. Linz, Wien: edition neue texte, 1989 (unpaginiert)

Anna Louisa Karsch 300

Die Dichterin Anna Louisa Karsch, oft genannt die Karschin, wurde geboren als Anna Luisa Dürbach am 1. Dezember 1722, heute vor 300 Jahren, in Hammer bei Schwiebus, heute Świebodzin; gestorben ist sie am 12. Oktober 1791 in Berlin. Der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim ernannte sie zur „deutschen Sappho“. Was es ihr gebracht hat? Die Nachwelt hat bis heute (!) ihr Werk nur in Auswahl ediert, offenbar auch nicht zum Anlass des 300. Geburtstages*. Los, Verleger, straft mich Lügen.

*) Naja, bei der „pommerschen Sappho“ Sibylla Schwarz hat es noch 100 Jahre länger gedauert.

Ob Sappho für den Ruhm schreibt?
An die Frau von Reichmann
Den 10. März 1762.

Frau, schreib ich für den Ruhm und für die Ewigkeit?
Nein, zum Vergnügen meiner Freunde!
O das Gerüchte trägt nur eine kurze Zeit
Mit unserm Ruhme sich; sobald wir von dem Feinde
Der Menschheit überwunden sind,
Verflattert er so leicht wie Blätter, die der Wind
In irgend einen Fluß gewaltig fortgetrieben.
Homer, Virgil, Horaz und Pindar sind geblieben;
Die Griechin aber nicht, die meine Leier trug,
So zärtlich war wie ich, nach ihrem Phaon frug
Und nach dem Leben nicht; sie flog zum Tode wieder.
Nichts blieb uns als ein Brief und zwei beflammte Lieder.
Die andern schrieb der Neid sich diebisch heimlich ab,
Und endlich fanden sie in einem Brand ihr Grab!
Oh, Sappho war berühmt! ihr Volk, ein Volk von Prinzen,
Trug seine Dichterin auf viel Gedächtnis-Münzen,
Und mancher Künstler hieb ihr Bild in Marmor aus,
Und Kenner redeten ihr Lob bei jedem Schmaus.
Halb Göttin war das Weib; neun Bücher schrieb sie voll
So schön, als wären sie geschrieben vom Apoll.
Und ach! von alledem, was sie so schön geschrieben,
Ist nur ein kleiner Rest für unsre Zeit geblieben!
Frau, solch ein Schicksal trifft auch meine Lieder einst’.
Wenn Du voll Zärtlichkeit bei meiner Asche weinst 
Noch ehe sich an mir die Würmer satt gefressen, 
Dann, Frau, hat schon die Welt mich und mein Buch vergessen.

Aus: Anna Louisa Karschin, Gedichte und Lebenszeugnisse. Herausgegeben von Alfred Anger. Stuttgart: Reclam, 1987, S. 74

Angekündigt: Briefe und Gedichte. Herausgegeben von Claudia Brandt und Ute Pott. Göttingen, Niedersachs : Wallstein, 2022, 1. Auflage. Schriften des Gleimhauses Halberstadt #13. ISBN-978-3-8353-4932-2 416 Seiten, auch als eBuch („Eine Edition der schönsten und wichtigsten Briefe und Gedichte der berühmten Stegreif-Dichterin.“)

Mehr über Anna Louisa Karsch

Literatrue in Zeiten des Wettbewerbs

L&Poe Journal #02-2022

Ein Mailwechsel (Teil 1)

Name, Alter, Beruf und Vorerkrankungen: Literatrue in Zeiten des Wettbewerbs

Betreff: Aw: Stadtschreiber in Halle Datum: 10.10.2022 20:46 Von: michael spyra <—@—> An: Konstantin Ames <—@—>

Lieber Konstantin, danke für den Hinweis. Ich saß in den letzten 3 Jahren mit in unterschiedlichen Jurys und weiß vom Fehlen transparenter Argumente, dem Ausbleiben von Begründungen, die über den persönlichen Geschmack hinaus gehen, dem Mangel an Sprache beim Sprechen über Literatur und dem Ehrgeiz, seinen Geschmack durchzudrücken, weil die anderen Stimmen irgendwie auch als Angreifer auf denselben wahrgenommen werden, dem trostlosen Hin und Her zwischen Vorlieben und Analyse derselben, Begründung derselben, Legitimation des Eigenen, dem missgünstigen Blicken über den Tellerrand, der fehlenden Biografiearbeit, dem Blockaden am Ende der eigenen Lesebereitschaft und den verzweifelten Versuchen auch etwas anzusprechen, was nicht den Lesegewonheiten entspricht, was nicht dem eigenen oder dem Geschmack der anderen entspricht, den Kompromissen, den letzten beiden Namen im Briefumschlag, dem Zufall, der getragen werden muss, aber auch der viel zu schnellen Einigkeit, der zweifelhaften Zustimmung und der Arbeit, beidem auf den Grund zu gehen. Und ja, vielleicht mache ich eine Bewerbung.

Das Thema dieser Mail sei also Wettbewerb. Nun: Ich weiß es nicht sicher, aber meine Ahnung wird mit den Jahren immer fester. Es ist weniger wichtig was du schreibst. Wichtiger ist, wie DU! damit auftrittst und wen du kennst. Weil die die dich kennen erst sagen können, ob du stimmig bist; ach, und um Stimmigkeit geht es natürlich auch. Manchmal lernst du jemanden kennen, weil du gutes Zeug schreibst. Manchmal, weil du zur richtigen Zeit am richtigen Tisch sitzt und manchmal musst du dich ranschleimen, um jemand wichtigen als Freund zu gewinnen. Wenn jemand wichtiges dein Freund ist, dann wird der auch gut finden, was du schreibst, weil auch er weiß, dass es egal ist, was du schreibst.

Wie soll man Qualität auch erkennen? Immer gefangen im eigenen Lesehorizont, ist alles, was man nicht kennt, natürlich originell. Über die Blase der Präferenzen, kommt auch selten jemand heraus.

Hab ich letztens von K. gelesen, dass er W. gut findet, weil der auch Gedichte über die Provinz schreibt. Toll! So geht es für gewöhnlich weiter und immer so weiter. Guckst du dir die Finalisten beim Lyrikpreis X oder Xten Lyrikpreis an, fällt dir auf, dass es auch hier einen Ton gibt, oft ohne Ausschlag nach oben oder unten, reimund klanglos, tonlostrostloses Zeusch, mit der Tendenz zum Bierernst, aber nicht zu weit in Richtung Celan! Da wäre nicht mal Günter Eich angekommen. Die hätten seine Inventur aussortiert. Der Stallgeruch ein Trauerspiel oder Resultat der Sortierung immer gleicher Vorjuroren, der Kompromisse immer gleicher Jurorendiskussionen! Aber: ehrenwerter Ansatz: „Wenn ich schon nicht mit meinem Scheiß groß rausgekommen bin, probiere ich, von dieser Position aus anderen, die so schreiben, wie ich es mag, zu helfen groß raus zu kommen.“ Ein perpetuum-lyrik und weiter geht es. Natürlich gibt es hier einen großen Unterschied zwischen öffentlich gemachter Privathaltung und öffentlich gemachter Privathaltung. Obwohl… wohl besser zwischen dem, was persönlich gefällt und ausgezeichnet wird. Einen Unterschied zwischen Bekenntnis und Auszeichnung. Beides ändert sich durch a) neue Erfahrungen b) lange Weile c) Invasion etc. was auch immer einen aus der Komfortzone der eigenen Erwartungen und Haltung locken mag, innere Motivation oder äußerer Anstoß. Wir hatten jetzt eine längere Pause und ich bin nicht mehr auf dem Laufenden. Schreib mir doch kurz, was du so getrieben hast. Das Schöne an diesem ekelhaften Bekanntheitsgroove ist nämlich, wenn man jemanden ein bisschen kennengelernt hat, nimmt die Toleranz gegenüber dessen Erfolge im Betrieb zu. Und so schließe ich meine Mail mit diesem selbstverursachten Lächeln und weltbesten Stoff für ein Sonett.

Mit lieben Grüßen Micha

Betreff: Wenn es kommt zur Literatrue, frag immer noch nach G[x]mack. Datum: 11.10.2022 10:21 Von: Konstantin Ames <—@—> An: michael spyra <—@—>

Müsste ich Priester sein, oder sonst ein stoischer Perv, um solche Verberei nicht zu mögen, erstrecht aber die Neohauptwörter: Literatrue, Lehreren, aber vor allem: d*r Gechmack. Da steckt etwas drin, das wir laut Stirner endlich groß schreiben oder damit aufhören sollten: Ich. Nach meiner Erfahrung sind Juryker in ihren Sitzungen Menschen weniger ähnlich als Spiegeln. Da das aber kein gutes Bild gibt, ersetze x Spiegel durch – – – Seeigel, das ist natürlich animal appropriation, und wir machen -weil wir es können, verdammt — aus dem S-Wort einen Sehspiegel, und sind dem Juryker immer noch näher als dem Mensch, der den Pfiff gehört hat. Seinen Pfiff. Und dann fing er auch an zu pfeifen. Pfiff erstmal so. Dann sah er eine Sozialisation. Pfiff sie an. Die war nicht sehr musikalisch, spielte aber Cello oder Cembalo. Sozialisation war ihm zu hölzern, auch zu wenig animiert. Da ploppte es immer öfter in seinem Ohr. Das musste was sein. Nein! Es sollte etwas sein. Einfach so. Andere sagten: Das ploppte aber schon vorher. Und ein richtiger Plopp kann niemals im Ohr sein. Kunstplopps ploppen nicht im Ohr. Sondern im Finger, im schönen Finger. Oder im Hals, im schönen Hals, aber nie und nimmer im Finger. X schnitt sich die Finger gedanklich ab. Poetisch gedacht, tut eben nicht nur manchmal weh. Lügt daran, dass man in der Wüste Denn wohnt. Er hätte auch den Namen der Finger abgeschnitten, bloß: Das hätte er vorher tun sollen. Dann hätte aber niemand seine Finger gekannt. Neue Finger wachsen nicht so schnell nach. Sind ja Bäume. Ja, Finger sind Bäume. Finger sind Bäume, die aufs glibberige Haifischpipi da oben zeigen. Doch! Zigmal gesehen. Nicht? Achso, geträumt ist nicht gesehen. Stimmt diese Stimme? Nein, ich meine nicht die Stimme der Metapher. Ich meine die Stimme. Stimmt die denn? Ist die nicht vielleicht falsch. Nein, eine Stimme kann man nicht ankreuzen. Ich meine auch nicht die Stimme zwischen Buchdeckeln oder die Stimme unterm Sargdeckel. Ich meine nicht die höhere Lyrikstimme. Nicht die hochtimbrierten Dinger am Sonntagabend auf Radioeins. „Böse Menschen haben keine Lieder. Warum haben die Russen Lieder?“ — Wer hat das gesagt? Warum höre ich lieber Russisch, das ich nicht verstehe, als diese ausgefuchsten Abgefuckten, die Wetten abschließen, wer denn nun am weitesten spuckt. Erinnerungsrest an den Chandos-Brief: Da ist irgendwo eine Gießkanne. Löcherig? x weiß nicht. Test 1, denn wir wissen es längst: Es geht nicht um den Text. Test 2, denn wir wissen etwas längs dazu: Es geht um den Text, denn es geht um den Dichter, pardon derzeit: D[x]ter. Ey, kreuz einfach irgendwas an, ok? Sagt die Ironie. Aber das Rhizom sagt: Der Beginn von allem ist der Streit. Nichts Gutes beginnt gut, freundlich, lyrisch. Das ist mit der Jurysitzung nicht anders als mit dem Puffbesuch. Gibt es nicht auch gute Gründe, beides sein zu lassen. Spaß zu Spaß: Bisschen Spiegel musste sein. Herein marschiert die Dezision, die mit dem Carl-Schmitt-Orden dran, und sie tut was sie kann, sie drillt wie der Vogel tiriliert. Wieder bei den Tieren und auch den Zwitschermaschinen, lieber schreiben lassen, einen fahren lassen, gelassen sein, als … ja, was denn eigentlich?! Sie müssen ´einen raushauen´, sonst werden sie alle noch abgeschafft. Juryker sind die Junker von heute, und die Junker sind noch nicht ganz weg. Oh-oh.

Auch liebe, aber auch berauhigte, Grüße K.os

Betreff: Aw: Wenn es kommt zur Literatrue, frag immer noch nach G[x]mack. Datum: 11.10.2022 11:24 Von: michael spyra <—@—> An: Konstantin Ames <—@—>

Da aber was? Schlägt dem Zwitscher die Gurgen quer und hängt den Zilpzapp, der Zappellahm: Es unregelmäßigt im Gewonheitsgetriebe… Moment! Da aber noch was: guck ich mal nicht richtig weg, schon rollt der nächste Kopf durchs Bild und schlag Alarm. Ach, niedlich, neidisch ist ich wieder. Neiddebatte hossassa! Versuch ich zu erklären: „Nein, ich wundere mich nur, dass das möglich ist, weil es doch so offensichtlich ist.“ werd ich mit anderem Ton überzwitschert: „Nein, er wundert sich doch nur, dass so etwas möglich ist!“ Aber eine Antwort bleibt er mir schuldig. Der Betrieb, der bleierne Bleisarg mit der Liste auf dem Beistelltisch: Name, Alter, Beruf und Vorerkrankungen. Also gehörst du dazu, wenn du neidisch auf andere bist. Denn du meinst ja, dass du einen Neidanspruch hast, weil du in derselben Liga spielst. (Regionalliga Ost!) Und trotzdem nein! Wer absteigt und aufsteigt legt nicht der DFB fest oder PEN, seis mit oder ohne -Berelien. Vereinzelt ein gutes Gedicht hier oder da und einer der schreibt. Tatsächlich ja! Erst eine Redaktion die sich erkundigt, dann der Kontakt und da ist dann jemand, der sagt: „Hat mir wirklich gut gefallen.“ Und ist weder Juror noch Mentor oder Autor und nun!? Was mach ich mit dem Lob, wenn es dabei bleibt? Es läuft mir den Bückel rünter und stärkt mein Rückgrat gegen den Neidanfall, Neidanschlag.

Warum neidisch sein böse ist, erkundige ich mich bei der Aufsicht und werde vermerkt: Name, Alter, Beruf, Vorerkrankungen: Neid! Na so was. Da zeig ich hier hin und dort hin und dann wird es schwer das alles auseinanderzuklamüsern. Und dann war es schon immer so und ich wisse doch, was ich tun müsse um dazu. Und wie könne ich denn erwarten dass… Wenn ich also schreibe, weil gefällt, dann gefällt? Nein, so einfach ist es auch nicht, ich hab ja noch meinen Namen und meinen Bekanntenkreis, mal besser mal schlechter. Wohin jetzt mit mir mit meinem Getexte und dem? Das weiß ich doch irgendwie, dass es anderen auch so…

Also heraus damit. Lesebühne, Kochstudio, Herrenkrug … Jurybeschimpfung!

Und dann einen Verlag finden, der mir den Kram auf Kommission druckt oder ganz selber machen und fertig mit dem Firlefanz, dem Flimmer, Flirren, Tirilieren.

Aber aussteigen kommt nicht in Frage. Dann doch lieber noch einen nachsetzen:

A) schreibste was gefällt und passt dich ein wenig besser ins Kollektiv (Oh fuck, da hab ich mir jetzt selbst ne Gänsehaut geschrieben! Die Biografiearbeit lässt herzlich grüßen.) B) du machst auf die Missstände BUH! die Missstände… BUH!… du machst auf die Missstände…BUH!… du machst BUH!

und Ende

Nichts spricht gegen unreine Reime

Sibylla Vričić Hausmann

goldene Blumen (1)

Für nichts in der Welt gäbe Sappho ihr schönes Kind her. Nicht für ganz Lydien‚ nicht für Lesbos, die Insel. Seine Gestalt gleicht goldenen Blumen. Wer könnte es wagen, ihre Gedichte in die Waagschale zu werfen, nur um herauszufinden, was ihr wichtiger ist? Ich nicht. Niemand würde das tun, niemand würde denken, dass ein Mensch, der Gedichte macht, nicht lieben darf, nicht haben darf, was sie oder er liebt. Außer vielleicht Hölderlin. Oder Rilke. Oder … lntransitive Liebe ist eine Illusion wie Hygiene. Grenzen werden überschritten, befahren, bebetet, auch die Grenzen zum Rückzug, zum Eigenen Zimmer, in dem etwas aufgeht bei geschlossener Tür. (Innere Quellen, Buchdeckel, Hosenknöpfe, Rockknöpfe …) Bezuglos zu sein, das stünde mir als Menschenartiger nicht gut zu Gesicht. Doch nichts spricht dagegen, danach zu streben, die eigene Gesellschaft zu verfeinern. Nichts spricht gegen unreine Reime und schöne Kinder, die gewaschen werden müssen. In sich kräuselnden Schichten einer Landschaft zwischen Schlaf und Nichtschlaf, fiction und nonfiction wachsen meine Kreise an. Wachsen um ein Kissen, das ich einmal erhielt, zu träumen und hineinzuweinen. Das Ersatzobjekt — es genügt nicht.

Aus: Sibylla Vričić Hausmann: meine Faust. Gedichte. Berlin: Kookbooks, 2022, S. 27

Natur

Joseph Roth 

(* 2. September 1894 in Brody, Ostgalizien, heute Ukraine; † 27. Mai 1939 in Paris)

Natur

Hinter den Häusern der Stadt, dort wo die Verbotstafeln stehn, beginnt 
Gottes freie Natur, die den Menschen gehört.
Parzelliert und in Grundbüchern eingetragen sind
die Quellen, die Äcker, die Wälder, der Wind,
die Tannen, die Eichen, die Buchen, die Linden,
die Hasen, die Hirsche, der Lerchenschlag,
der Mond in den Nächten, die Sonne am Achtstundentag
und die Vögel, die, von Sorgen angeblich unbeschwert,
die segensreiche Ordnung dieser Welt verkünden — —
Leibeigene Eichkätzchen springen auf Eichen,
als wären sie unabhängig vom Kapital — —
und wissen nicht, daß unterdessen Förster ohne Zahl
auf hinterlistigen Pfaden zum Schießen schleichen — —
Nur die Schriftsteller wandern umher und werden Wunder gewahr
und schreiben Gedichte, Skizzen und Romane,
sie leben in ihrem göttlichen Wahne
und sterben vom menschlichen Honorar.

Aus: 50 Gedichte der Neuen Sachlichkeit. Hrsg. Gabriele Sander. Stuttgart: Reclam, 2022, S. 65

Sünde, hrěch

hrěch ~a m Sünde; herbski ~ Erbsünde (HORNJOSERBSKO-
NĚMSKI SŁOWNIK, https://www.soblex.de/? )

Róža Domašcyna

Hab die synonyme gewechselt

das wort sünde weiblich besetzt flötet
wie wind so ich finde
die erste silbe mit gespitzten lippen
wie zum kuss sich nähernd nachschmeckend
genüsslich auskostend sogar süßlich anzüglich
und dann der schluss im munde verborgen

so zu sagen hrjech kommt männlich
ein kehllaut am ende klingt wie ich
nachdrücklich die silbe welche man sich
ins gesicht spuckt mit hartem zischlaut
letztlich einen schnaufer lassend wie
am anfang von kampfhandlungen einsilbig
befehl ausdruck erwünschter verheißung

Aus: Róža Domašcyna: stimmen aus der unterbühne. gedichte. Leipzig: Poetenladen, 2020, S. 20

Nachruf & Gedicht

Tom de Toys, 26.11.2022 @ G&GN-INSTITUT (g-gn.de)

NA(c)HRUF auf HME

2005 traf ich Enzensberger zufällig eine halbe Stunde vor seiner Lesung an der Tür zum Konzertsaal auf dem 5.ilb (Internationales Literaturfestival Berlin), in dessen Rahmenprogramm ich selber involviert war, da ich als Mitglied der Literaturgruppe „INUNDAUSWÄNDIG“ [1] Türsprechanlagen-Lesungen in diversen Wohnungen am Ku’damm machte. Enzensberger wollte in den Saal, um sich auf seinen Auftritt vorzubereiten, aber ich versperrte ihm wie ein Türsteher den Weg und erklärte ihm mit ernster Miene: „Tut mir leid, hier ist noch kein Einlass!“ Er schaute mich völlig überrascht an, erkannte aber an meinem unterdrückten Grinsen die Lage und antwortete mir mit seinem eigenen Humor: „Doch, ich darf das, weil ich der lesende Autor bin.“ Als ich darauf erwiderte „Das kann ja jeder behaupten, der berühmte Enzensberger zu sein. Außerdem kommt hier sowieso keiner ohne Ticket rein“, zeigte er mir seinen Personalausweis und behauptete siegessicher: „Erstens bin ich es tatsächlich und außerdem brauche ich kein Ticket, weil ich es bin.“ Ich prüfte den Namen in seinem Ausweis ganz gründlich, Buchstabe für Buchstabe, verglich das Foto genau mit seinem Gesicht, schaute ihn noch einige Sekunden schweigend an, um ihm dann die erlösende Ansage zu machen: „Na gut, dann mache ich bei Ihnen mal eine Ausnahme. Bitte schön!“ Wir konnten nun unser Lachen nicht mehr zurückhalten und er spürte durch meinen Scherz umso mehr, wie sehr ich mich auf seine Lesung freute…

Tom de Toys, 25.11.2022 in memoriam
H. M. Enzensberger (11.11.1929-24.11.2022)
© POEMiE™ @ www.Neurogermanistik.de

SPIEGELNEUROTISCHE VER(T)EIDIGUNG
DER VER(G/L)ORENEN WÖRTERSCHLACHT

eigentlich sollte ich anläßlich des todes von
Hans Magnus Enzensberger ein gedicht ver-
fassen um die systemrelevanz dieses über-
literarischen verlustes für die kultur dieses
landes auszudrücken doch kann ich mir nicht
jedesmal auf die zunge beißen wenn irgend-
welche nobelbüchnerheinepreisträger mal
wieder den löffel abgeben und ohne besteck
in das soeben noch frisch gemähte gras beis-
zen wo unbemerkt blumen wachsen die jeden
tag unerkannt knospen blühen und welken
ohne vom schnitter verschont zu bleiben aber
ich will hier keine hermetischen metaphern
ins spiel bringen das sowieso schon verloren
ist weil die gesellschaft nur jene beachtet die
in der reality talkshow thematisiert werden
während die nachhaltigen helden erst post-
hum mit h für systemrelevante zwecke abge-
zockt werden indem man neue preise neue
schulen akademien und straßen nach ihnen
benennt um mit ihren werken den markt an-
zukurbeln der tod ist ein meister gegen die
insolvenz - nebenbei: hat hollywood sich die 
rechte am leben von HME schon gesichert?

[1] Aus der Pressemitteilung der Gruppe von 2004: INUNDAUSWÄNDIG verspricht ein Literaturerlebnis der ungewöhnlichen und eventuell gestörten Art. INUNDAUSWÄNDIG ist eine „gesichtslose“ Autorenlesung FÜR, aber nicht VOR Zuhörern. Sogenannte TürsprecherInnen [2] (ver)stecken (sich) in einer Wohnung und sprechen, flüstern oder schreien ihre 3-5 Minuten langen Texte über den Türlautsprecher nach draußen. Dem Publikum soll eine Art AUDITIVER VOYEURISMUS gegönnt werden, indem durch die Poesie Privates, Intimes, aber auch Alltägliches „von inwändig nach außwändig“ übertragen wird. INUNDAUSWÄNDIG wird durch das Medium zu einer Lesung mit Schutzfaktor und soll ganz besonders ein Podium für solche DichterInnen sein, die bisher noch nicht vor Publikum gelesen haben und sich ausprobieren möchten. So funktioniert es:

A) Klingeln Sie einfach bei INUNDAUSWÄNDIG;

B) Suchen Sie die Nähe zum Türlautsprecher;

C) Bewahren Sie unbedingt Ruhe;

D) Beginnen Sie erneut bei Punkt A, wenn Sie nicht genug kriegen können.

[2] TürsprecherInnen: Mia Frimmer, Martin Tomasik, Nathalie du Prel, Tom de Toys, HEL ToussainT, Ophelia Kampe, Marco Lutz, ibii und Alexander Hahn

Hans Magnus Enzensberger †

Im Alter von 93 Jahren starb vorgestern in München der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, einer der großen Intellektuellen der Bundesrepublik und ein bedeutender Lyriker, Essayist, Herausgeber und Übersetzer.

Hans Magnus Enzensberger 

(* 11. November 1929 in Kaufbeuren; † 24. November 2022 in München)

wortbildungslehre

in den toten hemden
ruhn die blinden hunde
um die kranken kassen
gehn die wunden wäscher

und die waisen häuser
voll von irren wärtern
leihn den fremden heimen
ihre toten lieder

doch die kranken hunde
ziehn den irren wäschern
ihre waisen hemden
aus den toten kassen

vor den blinden liedern
fliehn die fremden wärter
aus den wunden heimen
in die toten häuser

alle wunden wäscher
in den kranken kassen
ruhn mit blinden hunden
in den toten hemden

in den toten kassen
in den toten häusern
in den toten heimen
in den toten liedern

ruhn die toten toten

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Landessprache. Gedichte. Edition Suhrkamp 1969, S. 50f (das Buch erschien zuerst 1960).

Laure (1903-1938)

Colette Peignot 

(* 6. Oktober 1903 in Meudon; † 7. November 1938 in Saint-Germain-en-Laye)

Die französische Schriftstellerin veröffentlichte überwiegend unter dem Pseudonym Laure, unter dem auch die deutsche Ausgabe bei Matthes & Seitz erschien.

 
Aus dem gegenwärtigen und unsichtbaren Fenster 
sah ich alle meine Freunde,
wie sie mein Leben in Fetzen
unter sich aufteilten
sie nagten es bis auf die Knochen ab,
nicht willens, ein so schönes Stück zu verscherzen 
und machten sich das Gerippe streitig.

Aus: Laure (Colette Peignot): Schriften. Hrsg. und übersetzt von Bernd Mattheus. München: Matthes & Seitz, 1980, S. 45

De la fenêtre présent et invisible
je voyais tous mes amis
se partageant ma vie
en lambeaux
ils rongeaient jusqu’aux os
et ne voulant pas perdre un si beau morceau
se disputaient la carcasse

Introvers

Ruth Wolf-Rehfeldt

(Geboren am 8. Februar 1932 in Wurzen bei Leipzig)

Ruth Wolf-Rehfeldt: Introverse, um 1980, aus: Marvin und Ruth Sackner: Schreib/ maschinen/ kunst//. Mit über 570 Abbildungen Aus dem Englischen von Claudia Kotte. München: Sieveking, 2015, S. 162.

Ruth Wolf-Rehfeldt war eine Pionierin der Mail Art und Schreibmaschinenkunst in der DDR. In diesem Jahr wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin geehrt.

Wie sich die Zeit verzweigt

Paul Celan

(geboren am 23. November 1920 in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine; gestorben vermutlich am 20. April 1970 in Paris)

Wie sich die Zeit verzweigt,
das weiß die Welt nicht mehr.
Wo sie den Sommer geigt,
vereist ein Meer.

Woraus die Herzen sind,
weiß die Vergessenheit.
In Truhe, Schrein und Spind
wächst wahr die Zeit.

Sie wirkt ein schönes Wort
von großer Kümmernis.
An dem und jenem Ort
ists dir gewiß.

Aus: Paul Celan: Die Gedichte. Neue kommentierte Gesamtausgabe. Hrsg. Barbara Wiedemann. Berlin: Suhrkamp, 2020, S. 63 (Verstreute Publikation aus dem Zeitraum »Mohn und Gedächtnis«).

Das Gedicht entstand am 15. oder 16. Juni 1949 in Paris. In einem Brief an Erica Lillegg schrieb er: „Bei Notre-Dame fiel mir ein kleines Gedicht ein, seltsam, es ist gereimt. Nicht ich habe es gemacht, sondern Du – hier ist es.“ (Ebd. S. 704). Erstdruck: Wort und Wahrheit (1951)

Nie im Leben werd ich heimziehn

Endre Ady

(* 22. November 1877 in Érmindszent, Komitat Sathmar, Österreich-Ungarn; † 27. Januar 1919 in Budapest)

Pfeife alten Aberglaubens

Gesungen einst von einem Ungarn
auf der Flucht

Einsam dein Geschick bewein ich,
Ungarnvolk‚ Volk meines Blutes,
Mitten auf dem Bettlermarkte
Wein noch saufend bittern Mutes
Vor dem Aufbruch in die Fremde,
Wegbereit schon müden Fußes.

Ringsum tummeln sich nur lahme
Schatten, lumpige und taube,
Und ein Lied schrillt in das Ohr mir,
Pfeife alten Aberglaubens,
Liebes Volk, tanzt nach der Pfeife,
Ach, ich mach mich aus dem Staube.

Pfeifenklang: ach, Volk verfluchtes,
Laß es, Herr, nicht ungeschlagen,
Herrschaft kann es nicht erdulden
Und die Freiheit nicht ertragen,
Feige ist es in der Rache,
Gnadlos übt es seine Gnaden.

Lange könnt ihr nach mir rufen,
Keschrnarks Berg und Feld von Majtény,
Schneid mir einen Wanderstecken,
Nie wirst du mein Blut mehr einziehn,
Tollen Volkes tolle Erde: 
Nie im Leben werd ich heimziehn.

Deutsch von Günther Deicke, aus: Endre Ady, Der verirrte Reiter. Berlin: Volk und Welt, 1977, S. 61

Ady Endre

Sípja régi babonának 
(Bujdosó magyar énekli)

Csak magamban sírom sorsod,
Vérem népe, magyar népem,
Sátor-sarkon bort nyakalva
Koldus-vásár közepében,
Már menőben bús világgá,
Fáradt lábbal útrakészen.

Körös-körül kavarognak
Béna árnyak, rongyos árnyak,
Nótát sípol a fülembe
Sípja régi babonának,
Édes népem, szól a sípszó,
Sohse lesz jól, sohse látlak.

Szól a sípszó: átkozott nép,
Ne hagyja az Úr veretlen,
Uralkodást magán nem tűr
S szabadságra érdemetlen,
Ha bosszút áll, gyáva, lankadt
S ha kegyet ád, rossz, kegyetlen.

Üzenhettek már utánam
Kézsmárk hegye, Majtény síkja,
Határ-szélen botot vágok,
Vérem többé sohse issza
Veszett népem veszett földje:
Sohse nézek többet vissza.

Das Wunderbare

Nach dem Langen, Schweren mal wieder etwas Kurzes, Leichtes. Obwohl die Manieristen auch nicht immer kurz und leicht sind. Dies ist es aber schon und hat es trotzdem in sich (auch abgesehen von der unkorrekten Metapher).

Giambattista Marino 

(* 14. Oktober 1569 in Neapel; † 25. März 1625 ebenda)

Das Wunderbare

Des Dichters Ziel ist das Wunderbare.
(Ich meine das der Meister, nicht der Krüppel);
Wer nicht verblüffen kann, soll sich striegeln lassen.

Diese Zeilen veröffentlichte Gustav René Hocke im Gedichtanhang seiner Studie „Manierismus in der Literatur. Sprach-Alchemie und esoterische Kombinationskunst“ (Rowohlts Deutsche Enzyklopädie 1959), den er als „Miniatur-Anthologie“ europäischer „concetti“ (Hocke übersetzt: lyrische Sinnfiguren) versteht. Hier der Originaltext.

È del poeta il fin la meraviglia
(parlo de l’eccellente e non del goffo):
chi non sa far stupir, vada alla striglia! 

Eigentlich ist es kein Gedicht, sondern ein aus einem Gedicht herausgegriffenes concetto. Das gesamte Gedicht (auch nicht lang) steht deutsch in einem Buch bei Reinecke & Voß, das sich bei mir gerade versteckt, ggf. reiche ich es nach. Hier das Original.

IL POETA E LA MERAVIGLIA

     Vuo’ dar una mentita per la gola
a qualunque uomo ardisca d’affermare
che il Murtola non sa ben poetare,
e c’ha bisogno di tornare a scuola.
     E mi viene una stizza mariola,
quando sento ch’alcun lo vuol biasmare;
perché nessuno fa meravigliare,
come fa egli, in ogni sua parola.
     È del poeta il fin la meraviglia
(parlo de l’eccellente e non del goffo):
chi non sa far stupir, vada alla striglia!
     Io mai non leggo il Cavolo e ’l Carcioffo,
che non inarchi per stupor le ciglia,
com’esser possa un uom tanto gaglioffo.

Lesetipp

Episteln und Pistolen : eine barocke Dichterfehde / Giambattista Marino & Gaspare Mùrtola. Ausgew. und erstmals aus dem Ital. übertr. von Jürgen Buchmann. Leipzig : Reinecke & Voß, 2013