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Namaste

Willkommen bei Lyrikzeitung & Poetry News!. Sie finden hier 1. Archiv: viele tausend Nachrichten aus 20 Jahren. 2. Tageszeitung: Jeden Tag um sechs ein Gedicht. 3. Journal #1 (Morgensternfest)

Einer vom Selbstmörderzirkus

Michail Kusmin

(Михаи́л Алексе́евич Кузми́н; * 6. Oktober jul./ 18. Oktober 1872 greg. in Jaroslawl, Russisches Kaiserreich; † 1. März 1936 in Leningrad)

Welch ungeladne Gäste
besuchten mich zum Tee?
Jetzt muß ich sie bewirten,
ganz gleich, wie ich es seh …

Ihr Blick ist schon erloschen,
die Finger wie von Wachs
und speckig ihre Kleidung
gleich der des Bettelpacks,

Die Namen sind entfallen,
die Worte längst verhallt…
Vor düsteren Gesprächen
vergesse ich mich bald …

Mal tanzt ein junger Maler,
einst starb er in der Flut,
mal ein Husarenknabe,
an seiner Schläfe Blut…

Und Sie, noch ungeboren,
verehrter Dorian Gray?
Es sitzt sich wohl gemütlich
auf meinem Kanapee?

Tja, Küchenmagd Gedächtnis,
du Butler Phantasie,
die ungezognen Streiche
vergebe ich euch nie!

(1927)

Deutsch von Alexander Nitzberg, aus: Selbstmörder-Zirkus. Russische Gedichte der Moderne. Reclam Leipzig 2003, S. 55.

Nitzberg über den Autor: „gilt nach wie vor als einer der wichtigsten Lyriker des „Silbernen Zeitalters“. (…) Kusmin starb 1936 in einem Armenspital – früh genug, um nicht dem Stalin-Terror zum Opfer zu fallen, wie Achmatowa bemerkte.“

Ebd. S. 53f

Wikipedia (russisch) ergänzt:

Nach dem Krieg wurde der Grabstein im Zusammenhang mit dem Bau eines Denkmals für die Familie Uljanow [Lenin] in einen anderen Teil des Friedhofs verlegt. Die Überreste der Begrabenen wurden „an einen anderen Ort geworfen, wo sie alle in einem gemeinsamen Grab begraben wurden“.

ВТОРОЕ ВСТУПЛЕНИЕ

Непрошеные гости
Сошлись ко мне на чай,
Тут, хочешь иль не хочешь,
С улыбкою встречай.

Глаза у них померкли
И пальцы словно воск,
И нищенски играет
По швам жидовский лоск.

Забытые названья,
Небывшие слова…
От темных разговоров
Тупеет голова…

Художник утонувший
Топочет каблучком,
За ним гусарский мальчик
С простреленным виском…

А вы и не дождались,
О, мистер Дориан, –
Зачем же так свободно
Садитесь на диван?

Ну, память-экономка,
Воображенье-boy,
Не пропущу вам даром
Проделки я такой!

Spricht der Weise

Solon

(* wohl um 640 v.u.Z. in Athen; † vermutlich um 560 v.u.Z.)

GNOME*  

Selbst zu verderben die stadt durch unvernünftiges wesen
  Streben die bürger und sind einzig gehorsam dem geld /
Ja die führer des volks sind rechtlos gesinnt und es warten
  Ihrer aus großer gewalt folgend der leiden gar viel /
Denn sie verstehen es nicht sich des übermuts zu enthalten /
  Während das mahl noch geht sein sich in ordnung zu freun.

Nachdichtung von Rudolf Pannwitz. Aus: Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Hrsg. Felix Braun. München: Heyne, 1978, S. 126f

*) Sinnsprüche; prägnante Denkdichtung

„Hier bin ich frei, nicht ich zu sein“

Yvan Goll

(* 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich; † 27. Februar 1950 bei Paris)

Die Nacht ist mein!

Die Nacht ist mein!
Hier bin ich frei, nicht ich zu sein
Kein Auge äugt
Was da mein wilder Traum erzeugt.
Mein ist der Regen, mein der Wind!
Der Spiegel und das Spiegelbild
Die gar nicht sind! Die gar nicht sind!
Wo Wasser dörrt und Mauer fällt
Und ganz durchsichtig wird die Welt
Da bin ich mein!
Da bin ich frei, ganz du zu sein

Aus: Iwan Goll, Unter keinem Stern geboren. Ausgewählte Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau, 1973, S. 167

Begegnen

Konstantin Biebl

(* 26. Februar 1898 in Slavětín nad Ohří; † 12. November 1951 in Prag)

Begegnen

Auf der Welt ist kein Platz so bitter und traurig
Daß zwei nicht einander begegnen könnten
Weit hinter dem Meer und selbst in solcher Ödnis
Wie dem Saharasand
Wie dem Schnee um die Pole

Ich glaube daß zwischen uns Sand und Schnee sind
Und das Halbdunkel einer verdächtigen Baracke
Durchflogen von Motten und nachts von Streifen umgangen
Wo ich wohne und Sie nicht wohnen
Jedoch wo wir zwei ihre schwarzen Stiegen beschreiten
Abgetreten von Dienstmädchen und Tagesschläfern
Als ob wir nie anders gingen
Als hintereinander

Erschrecken Sie nicht vor meinem Lächeln noch vor meinem zerknüllten Hut
Ein Kuli in Singapur ist auf ihn getreten
Und der Wind hat ihn wieder zurückgebracht
In solch einem Bogen hat er vor Ihnen
Seine bisher größte Weltverbeugung gemacht

Mein Hut
Erinnert Sie wahrscheinlich an die dauernden Unruhn in Mexiko
Das von allen Leidenschaften durchschüttelte
Die entladen sich dort auch mit abgerissenem Band

Das beim Gehn sich bewegt wie die Zunge dieser unglücklichen Leute
Die beim ersten Begegnen sofort alles über sich sagen
Daß ihnen Gebüsche im Stadtpark nicht fremd sind
Nicht Dreck noch Schnee
Der vom schwarzen Dach tropft

Deutsch von Franz Fühmann. Aus: Poesiealbum 117. Konstantin Biebl. Berlin: Neues Leben, 1977, S. 19

Ein neuer Frühling

Lange vor der deutschen Sibylla gab es bedeutende petrarkistische Dichterinnen in anderen Ländern, wie hier in Italien. Die Übersetzung kommt mir nicht sehr getreu vor, aber ich fand keine andere.

Vittoria Colonna

(* 1492 in der Burg von Marino bei Rom; † 25. Februar 1547 in Rom)

EIN neuer Frühling jauchzt mit tausend Klängen,
Begeistert jubelt die befreite Brust,
Die Blumen färben sich vor Glück und Lust,
Und Vöglein feiern auf begrünten Hängen.

Es glänzt und leuchtet. Auf besonnten Gängen
Enteilt mein Fuß. – Ich hab es nie gewußt,
Und weiß es heut: Gewinn ward mein Verlust!
Wie süß des Trostes Freuden mich umdrängen.

Geliebter du, ja du bist meine Sonne,
Die mir des Frühlings blühend Wunder beut!
Des Geistes Balsam du, des Herzens Wonne,

Die strahlend jede Finsternis zerstreut!
Du, den ich ewig mir versprochen weiß,
Du, meiner Hoffnung immergrünes Reis!

Aus: Italienische Sonette aus vier Jahrhunderten. Auswahl u. Übertragung Maria und Leo Lanckoroński . Krefeld: Scherpe, 1947, S. 85

SONETTO LI.

Nel fido petto un’altra primavera,
Di vaghi fiori e verdi frondi adorna,
Produce quel gran sol che sempre aggiorna
Dentro ‚l mio cor dalla sua quarta spera.

È la sua luce d’ogni tempo intera:
Non s’asconde la notte o il dì ritorna;
Ma in questo e in quello albergo ognor soggiorna
Qui co‘ be‘ rai, là con la forma vera.

Sono i soavi fior gli alti pensieri,
Ch’odoran sempre per quell’alma luce
Che li crea, li nodrisce, apre e sostiene.

Le frondi verdi fa la dolce spene
Ch’egli dal ciel mi manda, e vuol ch’io speri
D’esser con lui beata ov’ei riluce.

Als der Krieg in den Freudenort kam

Sibylla Schwarz

(24. Februar 1621 Greifswald – 10. August 1638 Greifswald)

Chor der Schäfer und Hirten

[aus Trawer=Spiel / Wegen einäscherung jhres Freudenorts Fretow]

UNsren alten Schäfer Stab
Legen wir mit Schmertzen ab ;
Ach der gar zu grossen Noht !
Unser Vieh ist meist schon todt.
Ach der schönen Schaffe Schar !
Ach jhr warm und weiches Haar !
Aber doch das höchste Weh
Macht uns unser Galateh.
Ach das schönste Schäffer Kindt !
Ach das schönste / das man findt !
Das / und unser altes Landt
Jst nunmehr in fremder Handt
Was wir haben ausgestreut /
Wird von andern abgemeyt .
Unsre Kelber sprungen woll ;
Unsre Scheunen wahren voll ;
Unsre Fercklein nahmen zu ;
Mager war nicht eine Kuh ;
Unsre hüner legten sehr ;
Ach der nun zu Fretow wehr ?
Elend gehts hier in der Stadt /
Wird man doch fast kein mal satt !
Was bey uns war guht und recht /
Das ist hier zu plump und schlecht !
Hier ist Treu und Redligkeit
Hier ist Lieb und Glauben weit !
Hier ist Trug und arge List /
Die bey uns gar frembd noch ist !
Nein / uns ist viel baß zu Muht /
Wenn wir sind auf unsrem Guht.
Hier ist alles stoltz und groß /
Hasen / Wildbrät gilt hier blos.
Da hergegen loben wir
Einen Kohl / ein gut warm Bier /
Einen Knapkäs und ein Ey
Jst bey uns der beste Brey
Käs und Butter / Milch und Fisch /
Fetter Speck auff unserm Tisch
Deucht uns besser als Confect /
Der in Städten lieblich schmeckt.
Für den Wein und Malvasier
Loben wir Covent und Bier.
Wir verachten die Pocal /
Und die Gläser allzumahl ;
Eine feine Hültzern Kan
Steht uns noch viel besser an ;
Ach wie weit ist doch der Tag /
Daß man dich umbfangen mag !
Fretow allerliebster Ort
Fretow / brent nun fort und fort !
Fretow / da der Schäfer Schar
Altzeit wol gelitten war !
Ach das wol bebaute Landt
Jst nunmehr in frembder Handt.
Nirgends war so schön Getreid /
Nirgends war so schöne Weyd /
Nirgens war das liebe Vieh
So vergnügt als eben hie /
Da der schöne Quell entspringt /
Da so mancher Vogel singt /
Da die schöne Nachtigahl
Lieblich ruft durch Berg und Thal /
Da wir auch auff unsrer Fleüt
Spielen pflegten vor der Zeit /
Da die Echo ruffen pflegt /
Da man reiffes Obst abschlegt /
Da man alles finden pflag /
Was ein Schäfer wündschen mag !
Nun ist alle Lust gethan /
Nichts ist das erfrewen kan /
Darumb müssen wir in Leidt
Schliessen unsre junge Zeit. ¶

Sein letztes Gedicht

John Keats

(* 31. Oktober 1795 in London; † 23. Februar 1821 in Rom)

Last Sonnet

BRIGHT Star, would I were steadfast as thou art—
Not in lone splendour hung aloft the night,
And watching, with eternal lids apart,
Like Nature's patient sleepless Eremite,
The moving waters at their priest-like task
Of pure ablution round earth's human shores,
Or gazing on the new soft-fallen mask
Of snow upon the mountains and the moors—
No—yet still steadfast, still unchangeable,
Pillow'd upon my fair love's ripening breast,
To feel for ever its soft fall and swell,
Awake for ever in a sweet unrest,
  Still, still to hear her tender-taken breath,
  And so live ever—or else swoon to death.

LETZTES SONETT

Standhafter Stern! O wäre ich wie Du,
der hell und hoch und doch nicht einsam brennt.
Du wachst. Du schließt die Lider niemals zu,
des Alls geduldiger Mönch, der Schlaf nicht kennt.

Du folgst den Strömen, die in heiliger Fülle
und reiner Flut das Erdenrund umfangen.
Blickst auf die sanfte, frisch gefallene Hülle
des Schnees, mit dem sich Berg und Tal behängen.

Und dennoch standhaft, willst Du Dich nicht rühren,
nur auf der Liebsten reife Brüste betten
Oh, ewig so dies Auf und Ab zu spüren,

für immer wach, in süßer Unrast Ketten,
fort, fort die Atemzüge hören, sehn,
so ewig leben — oder untergehn.

Nachdichtung von Arthur Zanker. Aus: Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Hrsg. Felix Braun. München: Heyne, 1978, S. 659

Des Dichters letztes Sonett

Du weißer Stern! Wäre ich stet wie du,
Ich blickte nicht so abendeinsam nieder,
Ein Mönch, der seine ewig offnen Lider
Schlaflos zur Erde wendet, hinstarrt zu

Der Wasser wogend Spiel, die priesterlich
Des Erdballs Küsten reinigend umspülen,
Staunte hinab nicht, wie der Schnee mit kühlen
Gewanden sanft der Berge Bausch umflicht, —

Nein — wenn schon festgebannt, wollt’ unbewegt
Ich der Geliebten weicher Brust verkettet,
Mit süßer Unrast nur dem Auf und Nieder

Des Atems horchen und so sanft erregt
Dies Lauschcn rastlos leben, immer wieder,
Sonst nur den Traum, der mich zum Tode bettet.

Deutsch von Stefan Zweig. Aus: Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit. Hrsg. Hans Bethge. 6.-10. Tsd, Leipzig: Max Hesse, o.J. (1. Tsd. 1907), S. 113

Metaphysischer Jazz

Paul van Ostaijen

(* 22. Februar 1896 in Antwerpen; † 18. März 1928 in Miavoye-Anthée)

Metaphysischer Jazz
                                   Stuckenberg gewidmet

Bruch
    Geigen 
Tanz 
    musik von Brettern
ge
    brochene Geigen 
wie Tänzer incognito 
    en avant 
The Lord is my Life 
    immerfort 
    mit 
    Banjos 
The Lord is my Life 
    Autohupen 
    Trommeln 
    Pferdeglocken 
    Bois de Boulogne 
    Tiergarten 
    Made in Germany 
Ghettogeläute 
The Lord is my Life 
    galizische Judenjazzband 
    auf daß 
    die Tore Zions 
    fallen 
Rose von Jericho
The Lord is my Life 
    Banjos Whisky Jazz

Deutsch von Helmut Heißenbüttel, aus: Museum der modernen Poesie. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1980, 2. Band, S. 263


 

Hygiene des Halses und Rachenfest

Für den italienischen Futuristen F.T. Marinetti war der Krieg „Hygiene der Welt“. Die russischen Zukünftler („budetljanin“) buhten ihn aus, als er in Moskau für seine Doktrin werben wollte. Alexej Krutschonych setzte dagegen:

Die Hygiene des Halses*
Mein Backenknochen zittert völlig anders
der Säbel der Atlas klatz –
wenn ich ausschreie:
хыр дыр чулы [xɨr dɨr tʃʲulɨ]
ich dämpfe die Bewegung der Stühle
und die schmatzende
etwa zwanzigmal
unter dem Kuss Matratze!…

* Statt F.T. Marinettis „Krieg als Hygiene der Welt“

Sie erfanden eine neue Sprache: Sa-um (vom Russischen „Jenseits des Verstandes“. Alexej Krutschonych schrieb eine Programmschrift dafür, die 2011 beim Leipziger Verlag Reinecke & Voß erschien. Ein paar Auszüge:

Sa-Uh – der erste Schritt zur universalen Sprache.

Sa-Uh – die Kunst der Zukunft!

Wir sind über die Welt hinausgewachsen, die Sa-Uh/ Sprache ist über uns hinausgewachsen!

Selbst das Kleid, das wird gewechselt und gereinigt, aber eine und dieselbe Sprache haben wir seit 100 Jahren in Gebrauch!

Man muss eine radikale Reinigung der Sprache durchführen!

Man muss sie durch Wortneuheiten und Sa-um verjüngen: Saum ist die Hygiene der Sprache!

Wirklich nur Spinnerei von Avantgardekünstlern? Krutschonych geht in seiner Schrift auf die Sprachbehandlung im Theater ein – und auf den Film. Man muss sich klarmachen, dass der Film zumindest vor Erfindung des Tonfilms eine Art internationale Kunst war. Krutschonych;

Der Film ist international, die Sa-Uh/ Sprache ist ihm ähnlich in ihrer Schnelligkeit und – in den meisten Fällen – in der emotional-internationalen Bedeutung. Hier Auszüge aus einem Dra** von I. Sdanewitsch, die für die russische und die ausländische Filmkunst verwendbar sind. Zum Beispiel die in den Bart brummende Rede, die an Schafsblöken erinnert. (…)

Die sa-umnische Sprache kann einer Handlung mit beliebiger Schnelligkeit folgen! Sie ist natürlich eine kinematographische Sprache. Ein großer Stummer wird nur in der großen Stummensprache sprechen! (Sa-Uh) Der Film siegt!… Er führt ein: Aeroplan, Zug, allmögliche technische Erfindungen und Tricks als handelnde Hauptpersonen. Und wenn der große Stumme spricht, dann wird seine Rede: Lärm der Maschinen, Kreischen und Quietschen des Eisens – natürlich eine sa-umnische sein!

Nicht heute, sondern morgen verlassen die „Leutchen“ die Szenen der Theater, ihren Platz nehmen Dynamo, Tunnels, magnetische Kanäle ein.

** Von Igor Sdanewitsch erfundenes sa-umnisches Drama

Nun das sa-umnische Gedicht des Tages, angewandte „Hygiene des Halses“: man muss es sich natürlich gesprochen vorstellen, oder besser gleich hören – deshalb steht darunter eine Version in phonetischer Umschrift):

Alexej Krutschonych

(Алексе́й Елисе́евич Кручёных; wiss. Transliteration Aleksej Eliseevič Kručënych; * 9. Februar jul./ 21. Februar 1886 greg. in Olywske, Gouvernement Cherson, in der Ukraine; † 17. Juni 1968 in Moskau)

Die Kehle

Горло
рахам
мах – раха
мойла хар
рахам мхе
матоха
трухан – лум
мул
хал

[gɔrlɔ
raxam
max raxa
mɔjla xar
raxam mxʲɛ
matɔxa
truxan lum
mul
xal]

Das Buch erschien 1925 in 2. Auflage. Noch gab es in Sowjetrussland Spielraum für Experimente.

Das Beispiel zeigt auch, dass Sa-um bei aller angestrebten Internationalität (die Kehllaute des Gedichts sind auch für deutsche Hörer wenigstens teilweise hörbar/verständlich) doch im Russischen verankert war. Ein paar teils subjektive Anmerkungen zum Originaltext.

Gorlo russ. Kehle, Gurgel, Hals
rach natürlich dt. Rachen (rachit: russ. Rachitis). Das saumnische Wort scheint im Russischen keine Bedeutung zu haben, man „versteht“ aber teilweise Deklinationsformen eines unbekannten Wortes: racham Dativ Plural, racha Genitiv Singular
mach russ. Schlag, Schwung, Umdrehung, mach racha wäre demnach: „Umdrehung des rach“ (für deutsche Hörer dreht es buchstäblich den Hals um)
mojla: ähnelt dem Wort für Waschen (mojka)
char: Anfang des Wortes charkatj, Spucken, Speien

Es geht nicht um „Entschlüsselung“, sondern um Mithören von Assoziationen. Der Autor selber gibt ja seinen Sa-um-Gedichten als Stütze eine russische Überschrift bzw. Anfangszeile. Auf jeden Fall bilden das russische Wort gorlo und für deutsche Hörer das Wort Rachen einen semantischen Rahmen für das kleine Rachenfest.

Texte aus: Alexej Krutschonych, Phonetik des Theaters. Hrsg. Valeri Scherstjanoi. Leipzig: Reinecke & Voß, 2011

Schwergereimt

Johann Heinrich Voß

(* 20. Februar 1751 in Sommerstorf, Mecklenburg-Schwerin; † 29. März 1826 in Heidelberg)

Schwergereimte Ode

Statt der Vorrede.

An Voß.[An mich selbst]

Januar 1776.

Was stehst du Spötter da, und pausbackst
Schwerreimende Lehroden her?
Gieb acht, daß man dich nicht hinausbaxt,
Für dein satyrisches Geplärr.

Nur selten liebt den losen Jokus
Apolls erhabner Tubaist;
Noch minder hält von Hokuspokus
Des ernsten Wodans Urhornist.

Verlaß den stachelvollen Jambos,
Womit du’s Dichterchor bestreitst,
Und leg was bessers auf den Ambos,
Das keines Barden Galle reizt!

Denn mehr als je herrscht jetzt das Faustrecht,
Mit Sense, Mistfork, Axt und Spieß
Auf dem Parnaß; besonders braust recht
Die Knotenkeule der Genies.

Auf! weihe dich dem Dienst der Cypris,
Und preise mit galantem Ton,
Was seit der Schöpfung der und die pries,
Das Tändelspiel mit ihrem Sohn.

Und male deines Liedes Hirtin
Mit bloßer Brust und hochgeschürzt,
Und fein von Welt, wodurch Frau Wirtin
Oft ungewürzte Suppen würzt;

Schön, wie die Leserin von Tischbein:
Doch merk! ein Möpschen statt des Buchs!
Ihr Haar ein Mehltalgturm! mit Fischbein
Umpanzert ihr Insektentwuchs!

Sing, wie ihr Hirn von Punsch und Witz dampft,
Wie sie im Rausch des Horngetöns
Den Taumeltanz bacchantisch mit stampft,
Und dann noch endlich dies und jens.

Von solchem Singsang, fein und sinnreich,
Druck‘ in den Almanach was rechts!
Er macht ihn zehnmal mehr gewinnreich,
Als all dein Ächzen und Gekrächz.

Von Nova Zembla bis Gibraltar,
Von Jura bis nach Astrakan,
Singt man daraus an Venus‘ Altar,
Und subskribiert nach Klopstocks Plan.

Ihn kauft Murx, Hasenfuß und Grützkopf,
Strohjunker, Schranz‘ und Bürgerochs,
Sogar der Seelenkäufer Spitzkopf;
Kurz, Ketzer, Jud‘ und Orthodox.

Ihn kleidet der verlaffte Fähndrich
Für seine Dam‘ in Gold und Mohr,
Und packert, wie ein geiler Entrich
Ihr deine süßen Zoten vor.

Sanft hinterm Fächer grinzt das Fräulein,
Errötet – nicht, und schnüffelt schnipp’sch:
»Herr Voß traktiert uns zwar wie Säulein,
Doch wie er’s thut, die Art ist hübsch.«

Der Herold der Journalenfama
Posaunt das Werklein deines Geists;
Selbst des Katheders Dalailama,
Des Kot die Purschen fressen, preist’s.

Hast du von diesen Leuten Kundschaft?
Am Pindus stand, lorbeerumgrünt,
Vordem ein Stall für Phöbus‘ Hundschaft,
Die ihm als Hirten einst gedient.

Klang vom Gebirg der Musen Paian,
Gleich Händels oder Bachs Musik;
So ging im Stall ein Zeterschrei an
Von grimmigbellender Kritik.

Wenn unter Marsyas‘ Anführung
Ein Faunenchor dann aufpfiff; hu!
Wie laut heult‘ ihm, voll tiefer Rührung,
Die Kuppel ihren Beifall zu!

Oft brannte schon der Zorn Apollos;
Er nahm die bleigefüllte Knut‘,
Und schlug aufs Rabenaas für toll los;
Der ganze Hundsstall schwamm in Blut.

Doch alles schien ihm zu gelind‘, und
Verwandelt ward das Rabenaas.
Professormäßig stellt‘ ein Windhund
Sich auf die Hinterbein‘, und las:

»Sehr wertgeschätzte Herrn! Das wichtigst‘
Und erste Prolegomenon
Ist nun wohl die baldmöglichstrichtigst-
e … hauf! … Pränumeration.«

Dann thut er wie Apolls Prophet dick,
Paukt auf sein Pult, und zeiget, bauz!
»Des Dichters Leitstern sei Ästhetik!«
Und bespaßvogelts und besauts.

Ein alter hagrer Mops voll Griesgram
Bleibt noch von Kopf und Pfot‘ ein Mops,
Bleibt noch den Werken des Genies gram;
Und wird Ausrufer Schimpfs und Lobs.

Schimpf bellt er beim Gesang des Orpheus;
Wer sein bierschenkenhaft Gelei’r,
Fix, wie der Musikant im Dorf, weiß,
Dem lobheult Mops wie all der Gei’r!

Die Gänsespul‘ in rascher Hundspfot‘,
Krizkrazt im Hui er sein Journal.
Daher kriegt‘ er den Namen Hundsfott;
Jetzt braucht man noch das Beiwort, kahl.

Quelle:
Deutsche Nationalliteratur, Band 49, Stuttgart [o.J.], S. 329-333.
Permalink:
http://www.zeno.org/nid/20005852358

Eine von Polens vergessenen Autorinnen

Mila Elin (auch Elinówna) gehört zu den vergessenen Autorinnen der polnischen Literatur. Sie war die einzige Frau im Umkreis der Krakauer Avantgarde. Sie wurde um 1907 geboren – der Dichter Tadeusz Peiper erwähnt eine 16jährige Elin zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Nummer der Zeitschrift Zwrotnica. Zwischen 1927 und 1932 veröffentlichte sie 16 Gedichte in Avantgardezeitschriften. Sie soll im Warschauer Ghetto gestorben sein.

Unter dem Gedicht, das Alexandra Bernhardt freundlicherweise aus dem Polnischen übersetzt hat,  folgen ein paar Auszüge aus einem Aufsatz über „Polens vergessene Autorinnen“.

Mila Elin

Erinnerung

Weinend sangen die Frauen beim Nachbarn
und hoben zum Himmel die Hände schmal und lang,
und lang fiel das Haar ihnen zu Boden
wogend wie streifiges Wasser.

Ich höre auf das Weinen, das die graue Stunde sättigt
und singt mit den Tropfen des Regens auf meinem Fenster.
… Wieder zurück kommst du in lautlosen Blitzen,
ein Raubfisch aus der Tiefsee.

(Übersetzung: Alexandra Bernhardt)

Wspomnienie

Płacząc śpiewały kobiety u sąsiada
i podnosiły do nieba ręce wąskie i długie,
i włos długi ku ziemi im opadał
falując jak wody smugi.

Słucham płaczu, który szarą godzinę nasyca
i kroplami deszczu śpiewa na szybach.
… Znów powracasz w cichych błyskawicach,
głębinowa drapieżna ryba.

Aus: Linja. czasopismo awangardy literackiel. #4. Krakow 1932, S. 93 https://monoskop.org/images/6/61/Linja_4_1932.pdf

Aus dem Aufsatz „Poland’s Forgotten Women Poets“ von Agnieszka Warnke:

Statistics state that during the Interwar period, every 10th Polish poet was a woman. When looking through biographical notes on women writers of the time, each is listed as the wife, sister, daughter, friend or acquaintance of a male writer. Men often exist independently (in encyclopaedias – but not, of course, in reality).

Therefore, in order to break the patriarchal model of the poetry groups of that period, a woman poet had to be at the very least talented, as it was assumed that even if she learned the rules of the craft, she would never transcend them.

(…)

Hier fehlt sie

It was customary to call women poets ‘only children’ (girls, of course). This is how the Kraków Avant-Garde group, with its exhaustive poetic programme, regarded Mila Elin. The more malicious probably referred to her as Tadeusz Peiper’s ‘bastard’, considering the fact that he was the only one who valued her at that time.

Mila Elin was the only woman associated with the Kraków Avant-Garde group. All you could really say for certain is ‘she existed’, as her biography leaves many questions.
When exactly was she alive? She must have been born around 1907, since Tadeusz Peiper mentioned a 16-year-old Elin who began to correspond with him shortly after the first issue of Zwrotnica (Points), a magazine issued by the Kraków Avant-Garde, appeared. Anecdotal evidence suggests that Elin died in the Warsaw Ghetto, although the Jewish Historical Institute is not able to confirm these hypotheses.

We know a few details from Marian Piechal, the co-founder of the Meteor poets’ group. For example, we can determine that she lived in Warsaw – first on Leszno Street, then on Elektoralna – and that she was the daughter of a watchmaker.

(…)

The period of flirtation between Elin and all that literature encompassed for her spans just six years. Beginning in March 1927, it ends in October 1932 in Kraków, taking place between the pages of the magazines Zwrotnica and Linia (Line). In the meantime, Elin became involved with the Łódź Meteor, a magazine devoted to verse which was issued in Warsaw in three editions under the same title.

(…)

Elin was always faithful to Peiper, with whom she had an intellectual affair. Its fruit is her poetry – a woman’s intimate response to an exceedingly masculine worldview, or, as Andrzej Waśkiewicz would have it, a negative of the works of Peiper, this ‘pope’ of the avant-garde.

(…)

When in the 1970s, her poems were remembered, Jarosław Iwaszkiewicz asked:

The mysterious Elin, of which nothing is left, whom nobody remembers nor ever speaks of – is not this the most beautiful, and in any case, saddest tale in our poetry?

Bis heute gibt es auch in der polnischen Wikipedia keinen Artikel über Mila Elin, nur zwei Erwähnungen.

Gedicht und Kommentar

In diesem Buch stehen die Gedichte links, rechts daneben Zeilenkommentare der Autorin – Ermunterung für Leser.

Elke Erb

(* 18. Februar 1938 in Scherbach)

Assoziation

Eine Krähe flog am Fenster vorbei,
die heiße Luft wurde blauer.

Unabweislich schienen die Flügel zu – segnen,
verhuscht, aber doch.

Unten, beim See, der Acker,
so unten wie Aufblick, wie Nehmen in aller Breite.

Säen von Hand war. Gemessenen Schritts.
Perpetuum mobile bis an ein Ende.

12.11.03

die heiße Luft wurde blauer: von ihrem Flug
Unabweislich schienen: während ich hinsah, d.h. ich habe den Eindruck geprüft, es ließ sich nicht von der Hand weisen, verneinen
verhuscht: (zwar) verhuscht: verwischt. Von huschen: rasche, undeut­liche Bewegung
so unten wie Aufblick: ein Aufblick muß unten sein; als ob der Acker aufblicke, ich sehe ihn ja von oben.
wie Nehmen in aller Breite: zweite Definition des Ackers, er wird besät, er nimmt. Ihn abernten wäre: er gibt.
Säen von Hand war: Ich imaginiere zum Acker das Säen von früher.
Gemessenen Schritts: jetzt wird der Sämann gesehen. Das Säen kommt noch einmal vor in »Ein Begriff unter anderen« (9.3.07, jetzt S. 88).
Perpetuum mobile bis an ein Ende: Der Arbeitende ist ein Perpetuum mobile. Es hat einmal ein Ende. Die Formel verallgemeinert.

Aus: Elke Erb, Gedichte und Kommentare. Leipzig: poetenladen, 2016 (Reihe Neue Lyrik, Band 10), S. 8f

Schinkendank

B. K. Tragelehn

(* 12. April 1936 in Dresden)

Der Schinkendank

Tragelehn macht Kunst
Erwirbt keine Gunst
Leer ist der Magen
Seit mehreren Tagen.

Da kaufte Karl Mickel
Für etliche Nickel
Einen Schinkenroll.
Der Magen wurd voll.

Vom Hunger gerettet
In sich gebettet
Den Rollschinken fett
Lag Tragelehn im Bett

Und schickte zum Himmel
Ohn jed Gebimmel
Ganz still ein Gebet
Für Mickel. Und seht:

Ein Engel schwebt nieder
Bekränzt Mickels Glieder
Mit Flieder
Und schwindet wieder.

Aus: Das letzte Mahl mit der Geliebten. Gedichte. Hrsg. Rainer Kirsch u. Manfred Wolter. Berlin: Eulenspiegel, 1975, S. 80

Loblied auf Johann Klaj

Wann ist ein Dichter groß? Es ergibt sich nicht von selbst, es muss laut ausgesprochen werden. Entweder von ihm selber, siehe Horaz: Ich habe mir ein Denkmal errichtet dauerhafter als Erz; oder Paul Fleming: Mein Schall flog überweit, man wird mich nennen hören – oder von den Kollegen. Hier Johann Rist über Johann Klaj.

Johann Rist

(* 8. März 1607 in Ottensen bei Hamburg; † 31. August 1667 in Wedel (Holstein))

Johann Klaj

(* 1616 in Meißen; † 16. Februar 1656 in Kitzingen)

1.
Ein grosser Dichter ist Herr Klaj ohne zweifel/
denn seine Lieder sehn nicht nur auff solche lust/
die Schäfern/ Helden und Liebhabern sind bewust/
Nein; Er besinget Gott und spottet auch den Teufel.
Er preiset Michael/ der mit dem Drachen kriegt/
und Ihn der Christenheit zu Nutz und Schutz besiegt.

2.
Ein grosser Dichter ist Herr Klaj meine Freude/
Er gibt die starcke Schlacht so prächtig an den Tag/
daß niemand seine Kunst mit Warheit tadeln mag/
In dem Er recht beschreibt die Kämpffer alle beyde/
den grossen Michael der seine Waffen trägt
vom Himmel und damit den alten Drachen schlägt.

3.
Ein grosser Dichter ist Herr Klai unser Singer/
Er bringet Fried vnd Trost der werthen Christenheit/
die nun errettet ist von aller Grausamkeit
Deß Satans und der Welt durch unsern Drachen-zwinger/
der uns durch diesen Sieg das frölich Himmels-hauß
eröffnet/ und das Thier geworffen hat hinauß.[328]

4.
Ein grosser Dichter ist Herr Klai bey den Teutschen/
Er bringet artig vor/ wie Michael der Held
Durch seinen Vatter sey von Ewigkeit bestellt
Das alte Schlangen Thier durch seinen Tod zu pejeschen/
zu schützen seine Kirch/ und Sie durch diesen Streit
zu führen auff den Thron der süssen Ewigkeit.

5.
Ein grosser Dichter ist Herr Klai der gekröhnter/
Er wird geliebet und geneidet trefflich sehr/
der reinen Engel Chor erzeigt Ihm Preiß und Ehr/
Es hasset ihn der Drach und zwar als ein verhöhnter.
O wie so selig lebt der Mensch zur jeden frist/
dem Gott sein Schöpffer hold/ der Satan neidig ist.

Seinem vielgeehrten Herrn und treuverbundenen Freunde/ übersendet dieses von Wedel auß Holstein.
Johannes Rist Prediger daselbst/ und
von der Röm. Käis. Majest. Hofe
auß Gekrönter Poet.

Quelle:
Johann Klaj: Redeoratorien und »Lobrede der Teutschen Poeterey«. Tübingen 1965, S. 328-329.
Permalink:
http://www.zeno.org/nid/20005163838

L&Poe Journal 1 (2021)

[✺] 

Herzlich willkommen im neuen L&Poe-Format. Das Gedicht des Tages wird es weiterhin geben, aber von Zeit zu Zeit kommt das Journal dazu als kompakte Ladung von Text, Betrachtung, Kritik & was anfällt, Texte von mir und Gästen. 

Ich freue mich ganz besonders, dass als Startnummer dieses Fest für Christian Morgenstern erscheinen kann, eine Initiative von Konstantin Ames zu Morgensterns 150. Geburtstag am 6. Mai.

Was Sie hier finden:

 

Konstantin Ames Editor’s Aal

➽ 𝐆𝐎

Elisabeth Wandeler-Deck Christian Morgenstern? Das Knie?

➽ 𝐆𝐎

Crauss. wie vieles muss zugrunde gehen, damit ein weniges gedeiht!

➽ 𝐆𝐎

Norbert Gutenberg &

Konstantin Ames

Re: morgenstern. Die Nachtseite der Rezitation von Morgensternpoesie

➽ 𝐆𝐎

Zé do Rock Morgenpük und Volastern

𝐆𝐎

Armin Steigenberger Das Bajuwarische bei Morgenstern

➽ 𝐆𝐎

Kerstin Preiwuß Galgenleider

➽ 𝐆𝐎

Michael Gratz Morgenstern in der DDR

➽ 𝐆𝐎

Markus R. Weber Bemerkungen zu Morgensterns Extremitäten

➽ 𝐆𝐎

Kristin Bischof Palmström, ein symbolistischer Sonderling

𝐆𝐎

W. M. Fues Bella Luna

➽ 𝐆𝐎

Diverse Stimmen zu Morgenstern

➽ 𝐆𝐎

Christian Morgenstern Ein Strauß Epigramme

➽ 𝐆𝐎

Christian Morgenstern Aus einer Literaturgeschichte neuerer deutscher Lyrik

➽ 𝐆𝐎

Christian Morgenstern Von neuer Lyrik

➽ 𝐆𝐎

Christian Morgenstern Ecce Civis

➽ 𝐆𝐎

  Viten

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