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In Afrika

(Afrika 2)

Zum Glück befinden wir uns hier in Afrika, wo die Sonne immer scheint, und nicht in der westlichen Welt; und in Afrika nehme ich kein Blatt vor den Mund. Meine kleine Rede von heute abend wird als politisch angesehen werden. Und das ist sie auch, unvermeidlich. Genau wie das Kunstwerk Politik ist, wenn es sich auf die Wirklichkeit bezieht, in der sich das Publikum befindet. Alles Gesprochene in diesem traurigen bitterbunten Begräbnisland ist Politik – ob es nun Geflüster, Geschwätz, Geflunker oder Gespräch ist. Das ist keine Wahl, die der Schriftsteller hat, kein Gebrauch oder Mißbrauch dichterischer Freiheit (und warum sollte der Hanswurst mehr Freiheit haben als der Fabrikarbeiter?); nein, das ist das Wesen der Kommunikation selbst.

Breyten Breytenbach: Ein Blick von draußen. 1973. In: Ich bin das Land. Prosa, Lyrik, Dokumente wider die Apartheid. Leipzig: Reclam, 1983, S. 68

Afrika (1..n) ist kein Reisebericht, sondern eine lose Folge von Lese- und Augeneindrücken.

Forwardpreis für Dichterin aus Trinidad

Die Dichterin Vahni Capildeo aus Trinidad gewinnt in diesem Jahr den Forward-Preis für Lyrik. Damit geht der Preis zum dritten Mal in Folge an AutorInnen aus der Karibik. Capildeo, die an der Universität Glasgow lehrt, erhält die mit £15,000 dotierte Auszeichnung für ihren Band Measures of Expatriation.

Auch der Debütpreis geht an eine Autorin aus der Karibik, Tiphanie Yanique, die von den Virgin Islands stammt. Ihr Buch Wife erhielt den Felix Dennis-Preis für das beste Debüt (£5,000).

Der Preis für das beste Einzelgedicht (£1,000) geht an die englische Dichterin und Übersetzerin Sasha Dugdale für das Gedicht Joydas zuerst in der PN Review veröffentlicht wurde.

Zur gestrigen Preisverleihung wurde ein jährliches Studienprogramm zur Unterstützung junger Dichter gestartet. Es geht 2016 an Shukria Rezaei aus Afghanistan, die an der Oxford Spires Academy zusammen mit der Dichterin Kate Clanchy Schreibgruppen mit Kindern von Flüchtlingen betreut. / Sian Cain, Guardian

 

Wawerzinek in Dresden

Seit Juni ist der Schriftsteller Peter Wawerzinek amtierender Stadtschreiber von Dresden und erlebt dort gerade die Urlaubszeit. Selbst Pegida sei gerade in Ferien, erzählt er von seinen Eindrücken aus der sächsischen Hauptstadt.

(…) Erkundet habe er nun auch die Dresdner Schriftstellerszene, sagte Wawerzinek. „Da sind ja die üblichen Verdächtigen“, sagte er und nannte den Lyriker Thomas  Rosenlöcher, den er schon kurz nach der Wende kennengelernt habe. „Es ist eine ganz agile,  schöne  Gruppe von neuen, jungen Autoren da, die dann  auch so eine Art Slam-ähnliche Treffen machen.“ Für sie sei das Literaturhaus schon überaltet, sie suchten nach Alternativen.  / DLR

Yisang

Der koreanische Erzähler und Lyriker Yisang (1910-37) ist im deutschsprachigen Raum wenig bekannt, hat in Südkorea hingegen beinahe unumstritten den Rang als bedeutendster Schriftsteller des 20. Jahrhunderts inne. Dabei ist er kein Vertreter einer verwässerten Moderne, die sich zuletzt doch am diffusen Kriterium der Lesbarkeit misst, sondern ein echter Avantgardist. (…) Als Lyriker weist er mit seiner unnachgiebigen Experimentierkunst in Richtung der konkreten Poesie, teilt in seiner assoziativen Traumästhetik auch einiges mit den Surrealisten, bleibt aber in der Wahl und Entwicklung der Motive unverwechselbar. Insgesamt ist Yisang ein erstrangiger Autor, der in den Kanon der klassischen Moderne gehört. Dank zwei hervorragend übersetzten und edierten Bänden, die, im Droschl-Verlag erschienen, jeweils das lyrische und das erzählerische Werk vorstellen, ist er deutschsprachigen Lesern leicht zugänglich geworden. Es stimmt mich deshalb traurig, dass wir nicht alle Yisang gelesen haben. / Samuel Meister, Fixpoetry

  • Yisang, Mogelperspektive: Das poetische Werk, übersetzt von Hanju Yang, Marion Eggert und Matthias Göritz, Verlag Droschl 2005.
  • Yisang, Betriebsferien und andere Umstände: Erzählungen, übersetzt von Hanju Yang, Heiner Feldhoff und Gerda Kneifel, Verlag Droschl 2014.

Grenzsprengende Energie

Dana Ranga wurde 1964 in Bukarest geboren, mit 23 Jahren ging sie nach Deutschland. Neben ihrem Schreiben ist sie in der Welt des Films unterwegs und verfasst Hörspiele. Nicht von ungefähr hat sie ein großes Gespür dafür, wie unterschiedlich und zugleich durchlässig Medien und Sprachen sein können. „Ich werfe Wort für Wort über die rechte Schulter, unmögliche Spur durch das Dickicht des Ungewissen.“ Lateinische Termini sitzen in den Zeilen oder Cluster aus unterschiedlichen Sprachen: „cor, kardia, heart, cuore, inima, kokoro, corazón, xinzang, serce“. Mit ihrer grenzsprengenden Energie unterlaufen die Texte auch die Frage, ob es sich um Gedichte handle oder um Prosa. / Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung

Dana Ranga: Hauthaus. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 65 Seiten, 19,95 Euro.

Paulus Böhmer 80

Steffen Popp gratuliert in der Welt:

In meinem Regal finde ich „Kaddish I–X“ und „Kaddish XI–XX“, die Sammlungen des gleichnamigen, in der Summe über Hunderte Buchseiten füllenden Großgedichtes, an dem Böhmer jahrzehntelang schrieb, außerdem der Band „Säugerleid“, die Trilogie „Am Meer. An Land. Bei Mir“ und „Zum Wasser will alles, Wasser will weg“, jenen Gedichtband, für den er 2015 den lange verdienten Peter-Huchel-Preis erhielt.

Habe ich diese Bücher gelesen? Ja, aber anders als fast alle anderen. Die Eigenart der Böhmerschen Gedichte, die sich in weitausgreifenden, material- und bildsatten Bögen und Schleifen oft über viele Seiten hinziehen, verführt nämlich dazu, die Hierarchie der Seitenfolge über Bord zu werfen.

Zu blättern, sich an immer anderen Stellen festzulesen und über das Buch verteilte Archipele von Satz- und Bildfunden anzulegen: „Die Buße ist ein Molekulargedicht, der Priester ein Dioxyd“, „Erzengel hockten mit heruntergelassenen Schlüpfern auf den Pfeilern“, „Du aber bist schön wie eine Million Waggons“.

Hugo-Ball-Preis für Ann Cotten

Den Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens erhält im kommenden Jahr Ann Cotten. Die gebürtige Amerikanerin ist eine deutschsprachige Schriftstellerin und Übersetzerin. Wie die Stadt mitteilt, wird Cotten für ihr eigenwilliges und originelles Werk ausgezeichnet. Der Hugo-Ball-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird am 12. März kommenden Jahres in Pirmasens verliehen. / SWR

„Ann Cotten erhält den Hugo-Ball-Preis 2017 für ihr eigenwilliges und originelles Werk. In Roman, Essay, Gedicht oder Versepos reizt sie die Möglichkeiten literarischer Formen aus und betrachtet die Sprache in erster Linie als Material der Kunst. Politik, Philosophie und ästhetisches Kalkül verbinden sich in ihren Texten zu oszillierenden Gebilden, die sich gleichermaßen der Revolte wie der Schönheit verschrieben haben. In der zeitgenössischen Literatur sticht ihre Arbeit dank der Furchtlosigkeit ihres Denkens hervor. Sie hinterfragt scheinbar Selbstverständliches, vereinbart das Unvereinbare, doch die Erschütterungen, die dies auslösen mag, werden aufgefangen durch ihren klaren und eleganten Stil“, so die Begründung der Vorschlagskommission, der die Schriftstellerin Marion Poschmann, die Germanistin und Essayistin Hannelore Schlaffer und der Journalist Lothar Müller angehören. / buchmarkt.de

Die Kunst des Fortschreibens

Unter dem Titel „Fortschrift“ (Ein Gedicht in fünfzehn Würfen) legt Felix Philipp Ingold beim Ritter Verlag Literatur (Klagenfurt/Wien) einen Text vor, der als Überschreibung und Fortschreibung von Stéphane Mallarmés typographischem Poem „Niemals wird ein Würfelwurf den Zufall tilgen“ konzipiert ist. In einem dem Buch beigegebenen Begleittext schreibt Magnus Wieland dazu:

Felix Philipp Ingold nennt das vorliegende Werk „Fortschrift“. Der Titel stammt zwar vom Autor selbst, er deutet aber zugleich an, dass sich das Werk auf einen bereits bestehenden Prätext bezieht, von dem aus fortgeschrieben wird. Der Untertitel „Ein Gedicht in fünfzehn Würfen“ verrät für den Kenner auch unschwer, was der Autor einleitend ohnehin offen legt: die Grundlage bildet Stéphane Mallarmés epochales, erstmals 1897 in der Zeitschrift Cosmopolis erschienenes Gedicht „Un Coup de Dés jamais n’abolira le hasard“ , das wohl als eines der einflussreichsten Werke der literarischen Moderne gelten darf.

Zahlreiche Künstler und Schriftsteller haben sich von Mallarmé inspirieren lassen und sein Gedicht mehr oder weniger offensiv angeeignet. Ein Grund für diese hohe Dichte an künstlerischen und literarischen Appropriationen liegt in der offenen Anlage von Mallarmés Gedicht selbst, das eine solche Weiterbearbeitung nachgerade herausfordert. Zumindest argumentiert Ingold in diese Richtung, wenn er einleitend darauf verweist, dass Mallarmé seinen „Würfelwurf“ bloss als Fragment verstanden habe, das er zu einer „grossen typographischen und kosmogonischen Dichtung“ ausweiten wollte, die alle Sinne umfasst. Mallarmés Gedicht ist kein statisches Gebilde, sondern ist wie der Kosmos in einer fortwährenden Expansion begriffen. […]

Die Lesbarkeit des Textes soll durch die „Fortschrift“ weder verringert noch verunmöglicht werden, stattdessen geht es Ingold darum, durch eine kompositorische Erweiterung des Originals einen permanenten Sinnzugewinn zu erzielen, indem das bereits von Mallarmé praktizierte Prinzip von „Hauptmotiv“ und „prismatischen Unterteilungen“ konsequent weitergeführt wird. Aus dem Original erwachsen durch dieses Prinzip weitere An- und Untergliederungen, die Ursprungszeilen des Gedichts erfahren sukzessive eine spektrale Auffächerung in semantischer wie typographischer Hinsicht. Denn ebenso frei wie mit dem Text geht Ingold mit dem Arrangement des Originals um. Zwar operiert er wie Mallarmé mit verschiedenen Schriftgrössen und -arten, setzt dabei aber eigene Akzente, und schafft damit neue Konstellationen, die zwar in konzeptueller Hinsicht dem Original folgen, dabei aber formal eine durchaus andere Gestalt annehmen. Darin unterscheidet sich Ingolds Aneignungspoetik von den Buchappropriationen im engeren Sinn, die besonderen Wert auf eine möglichst identische (typo-)graphisch-imitatorische Reproduktion des Originals bei gleichzeitiger materieller Manipulation oder Deformation des Textes legen. Ingolds Fortschrift ist deshalb eher eine kompositorische Nachahmung im Geiste Mallarmés zu nennen anstatt eine direkte Vereinnahmung seines Werks. […] Anstelle des Genies, das – als Naturgabe verstanden – gemäss Kants berühmter Definition der Kunst die Regel gibt, akzentuiert der chiastische Terminus vielmehr die Eigenständigkeit von derivativen und appropriativen Praktiken, die keine ,Kunst nach der Natur‘ mehr betreiben, sondern ,Kunst aus Kunst‘ produzieren.

Bei Felix Philipp Ingold kommt diese Auffassung in der sprechenden Formel „etwas anfangen damit“ zum Ausdruck, die nicht nur als poetologische Leitmaxime des Autors gelten kann, sondern auch die Logik der Appropriationskunst auf den Punkt bringt, indem sie zwei im Aneignungsprozess nicht mehr voneinander zu trennende Aspekte verschmilzt: das Moment der Übernahme (damit) sowie das Moment des Neuen (anfangen). Zwar basiert das poetische Verfahren auf bereits bestehenden Texten, mit denen aber ‚etwas‘ – und zwar: etwas Neues – angefangen wird. Jede Appropriation ist ihrerseits wieder ein (Neu-)Anfang und damit, zumindest etymologisch gesehen (lat. origo: Anfang, Ursprung) ein Original. […]

So verstanden löst Ingolds Fortschrift nur ein, was von Mallarmé programmatisch vorgedacht, ja antizipiert wurde. Es wäre deshalb so verkehrt nicht, Ingold nicht allein als Autor der vorliegenden Nachdichtung, sondern auch als Co-Autor an Mallarmés Buchprojekt zu bezeichnen, weshalb auch weniger von Appropriation als von Partizipation gesprochen werden müsste. Denn Original und Nachahmung verschmelzen unter dieser Perspektive zu einer fortlaufenden Fortschrift – to be continued.

Gestorben

Der algerische Dichter Hamid Nacer-Khodja starb in der Nacht zum Sonnabend im Alter von 63 Jahren. Als Literaturwissenschaftler lehrte er an der Universität von Djelfa. Seine ersten Gedichte erschienen in den 70er Jahren in der von Jean Sénac herausgegebenen Anthologie de la nouvelle poésie algérienne (Anthologie der neuen algerischen Dichtung). 1999 gab Nacer-Khodja das Gesamtwerk Sénacs in einer kritischen Ausgabe heraus. / Radio Algérienne

Lyriker NRW

Jury-Entscheidung postpoetry.NRW 2016 in der Kategorie „Lyriker NRW“

Am 13. September tagte die Jury „Lyriker NRW“. In ihr wirkten mit:

Dr. Karin Füllner (Literaturwissenschaftlerin, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf), Axel Görlach (Lyriker, Nürnberg), Mathias Jeschke (Lyrikherausgeber und Autor, Stuttgart).

Folgende Preistexte von Lyrikerinnen und Lyrikern wurden aus insgesamt 351 eingereichten Gedichten im Wettbewerb 2016 ausgewählt:

  • Engel von Silke Andrea Schuemmer (Aachen/Berlin)
  • fliehende zimmer von Jürgen Brôcan (Göttingen/Dortmund).
  • Im Rausch gegebene von Jan Skudlarek (Hamm/Berlin)
  • ohne gewicht von Ingeborg Brenne-Markner (Menden/Sankt Augustin)
  • wie regen entsteht von Sebastian Polmans (Mönchengladbach/Niederkrüchten)

In der kommenden Woche fallen die Entscheidungen in der Kategorie „Nachwuchs NRW“. / postpoetry

60 Jahre Schmallenberger Dichterstreit

Heimatdichtungen I: Blick nach vorn und Blick zurück

1956 kamen westfälische Autoren zu einem Dichtertreffen ins Sauerland. Aus der Veranstaltung entwickelte sich unvorhergesehen ein Dichterstreit, der einzige, den die westfälische Literatur der Nachkriegszeit überhaupt erlebt hat. Aus der Rückschau bedeutete das Schmallenberger Dichtertreffen von 1956 eine Weichenstellung in der Literaturgeschichte, da es der literarischen Moderne in Westfalen zum Durchbruch verhalf. Das Brisante an dem Schmallenberger Ereignis: Während des Dichtertreffens prallten zwei Dichtergenerationen aufeinander. Jene heimatverbundenen Schriftsteller der älteren Generation um Josefa Berens-Totenohl, Maria Kahle und Heinrich Luhmann, die an ihrer im Nationalsozialismus formulierten Literaturauffassung festhielten, und auf der anderen Seite die der literarischen Moderne verpflichteten jungen Schriftsteller um Hans Dieter Schwarze, Paul Schallück, Erwin Sylvanus oder Ernst Meister.

Um den Impuls des legendären historischen Ereignisses aufzugreifen, setzt die Stadt Schmallenberg im September 2016 einen besonderen Literaturschwerpunkt, der auf die Qualität und Stärke des literarischen Lebens in Westfalen verweist und sowohl einen Beitrag zur Erinnerungskultur als auch zum aktuellen Literaturdiskurs leistet.

Heimatdichtungen I: Blick nach vorn und Blick zurück

Lesungen mit Lütfiye Güzel, Ivette Vivian Kunkel, Hendrik Otremba, Christoph Wenzel. Dazu Kurzvorträge und essayistische Beiträge zum Thema Schmallenberger Dichterstreit von Moritz Baßler, Walter Gödden, Jochen Grywatsch, Arnold Maxwill, Peter Bürger.

Beachten Sie bitte auch die Veranstaltung Heimatdichtungen II: „Westfalian Aliens“ am 17.09.

16.09.2016 / 19:00 Uhr
Lenneatelier am kunsthaus alte mühle
Unter der Stadtmauer 4, 57392 Schmallenberg

„Die Angstverwalter lesen keine Bücher“

Der Ausgezeichnete ging dann ausführlich auf die jüngsten Entwicklungen und den Umgang Europas mit dem Flüchtlingsstrom ein. Europa habe selbst die Menschen in Bewegung gesetzt: „Wir verbreiten in der Welt Nachrichten darüber, dass wir unanständig reich, saturiert und friedlich leben. An die Armen dieser Welt haben wir Fernseher verteilt, in denen wir unseren pornografischen Wohlstand, unsere lüsterne Selbstzufriedenheit und unsere schamlose Sicherheit ausgestrahlt haben“, sagte Stasiuk. „Und jetzt wollen wir in den Keller gehen und das Licht abdrehen. Aber das wird uns nicht gelingen.“

Die Literatur sei in dieser Situation ratlos. „Sie kann die Welt nicht verändern. Die Angstverwalter lesen keine Bücher. Sie lesen Zeitungen sowie Biografien von Tyrannen und sehen fern. Das bedeutet aber nicht, dass wir, einfache Menschen, dasselbe tun sollten. Erzählungen bringen uns Mut bei. Allein schon deswegen, weil sie uns eine Welt zeigen, in der nicht nur Verbündete und Feinde leben. Unser Leben ist komplizierter als jenes von Tieren, deren einzige Wahl im Angriff oder der Flucht besteht. Dank der Literatur wird unser Leben viel komplexer. Dank ihr sind wir nicht mehr zur Gänze darin gefangen“, betonte Stasiuk.

Andrzej Stasiuk, aus der Dankrede zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für europäische Literatur, Die Presse 29.7.

Preisgeschehen

Da wir grad beim Standard waren, die österreichische Zeitung bietet eine lange Liste jüngst verliehener Literaturpreise, interessant sind auch die Preissummen:

Christine-Lavant-Preis an Kathrin Schmidt, Höltry-Lyrikpreis an Christoph Meckel
Überreichung der mit 15.000 Euro dotierten Auszeichnung am 13. November in Wien – Mit 20.000 Euro dotierter Hölty-Lyrikpreis an 81-jährigen Dichter

Man Booker Prize: Romane der Shortlist „erkunden die Kultur“
Nominiert sind je zwei britische, kanadische und US-amerikanische Autoren, vergeben wird der mit 50.000 Pfund dotierte Preis am 25. Oktober

Erster Österreichischer Buchpreis (20.000 Euro): Keine Überraschung auf Longlist
Insgesamt zehn Autoren in der Vorauswahl, darunter Michael Köhlmeier, Friederike Mayröcker und Sabine Gruber

Argentinischer Autor Cesar Aira erhält Literaturpreis Manuel Rojas
60.000 Dollar für „wunderbare Vielfalt seines Werkes“

Rumänischer Autor Norman Manea erhält FIL-Preis
Lateinamerikanischer Literaturpreis ist mit 150.000 Dollar dotiert

Deutscher Buchpreis (25.000 Euro): Vier Österreicher auf der Longlist
Reinhard Kaiser-Mühlecker, Hans Platzgumer, Eva Schmidt und Anna Weidenholzer mit Chancen auf die Auszeichnung – Gewinner wird am 17. Oktober bekanntgegeben

Pietro De Marchi bekommt Gottfried-Keller-Preis
Literaturpreis ist mit 25.000 Schweizer Franken dotiert

Andrzej Stasiuk: Hohelied auf die Annullierung der Materie
Der polnische Autor erhält am Freitag den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (25.000 Euro). Porträt eines Ruhelosen, der im endlosen Osten nach Sinn fahndet

Margit Schreiner bekommt Anton-Wildgans-Preis (15.000 Euro)
Die Autorin sei eine kluge Chronistin unserer Alltagskultur, die sie nuanciert und auch befreiend komisch literarisch verarbeitet

Nicolas-Born-Literaturpreis (20.000 Euro) für Draesner und Meyerhoff
Ulrike Draesner wird für ihr vielfältiges schriftstellerisches Werk ausgezeichnet, Joachim Meyerhoff erhält Debüt-Preis (10.000 Euro)

Autorin Shida Bazyar bekommt Ulla-Hahn-Preis (10.000 Euro)
Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ sei ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion und ein Stück großartiger Literatur

Edgar Hilsenrath bekommt Hilde-Domin-Preis (15.000 Euro)
Der Autor habe der Erfahrung von Exil in literarisch einzigartiger, kühner Weise Ausdruck verliehen

Der Niederschlag der Welt: Sharon Dodua Otoo gewinnt Bachmannpreis (25.000 Euro)
Die einzige teilnehmende Österreicherin Stefanie Sargnagel sicherte sich den Publikumspreis (7.000 Euro)

Merck-Preis für Autorin Kathrin Passig
Auszeichnung für literarische Kritik und Essay (20.000 Euro)

Georg-Büchner-Preis geht an Marcel Beyer (50.000 Euro)
Der deutsche Autor habe „den Sound der Straße im Ohr“, befindet die Jury

Reinhard-Priessnitz-Preis (4.000 Euro) für Sandra Gugic
Die Jury lobt „konsequente und sprachlich avancierte Darstellung der großstädtischen Lebenswirklichkeit“ der Wiener Autorin

US-Autor Richard Ford erhält Prinzessin-von-Asturien-Preis (50.000 Euro)
Der 72-Jährige sei ein herausragender Chronist der nordamerikanischen Gesellschaft

Literaturpreise an Shumona Sinha, Karen Duve und Elisa Shua Dusapin
Internationaler Literaturpreis des Berliner Haus der Kulturen der Welt (20.000 Euro) – Robert-Walser-Preis für Erstlingswerk (20.000 Franken) – Literaturpreis für grotesken Humor (10.000 Euro)

Wolfram Höll bekommt zum zweiten Mal Mülheimer Dramatikerpreis (15.000 Euro)
„Drei sind wir“ sei ein tiefes und existenzielles Thema, das gesellschaftliche Brisanz hat

Robert Seethaler bekommt Buchpreis der Wiener Wirtschaft
Die Auszeichnung ist mit 8.000 Euro dotiert

Kein Man Booker International Prize für Robert Seethaler
Gewinnerin ist die Südkoreanerin Han Kang mit „The Vegetarian“

Schriftsteller Adam Zagajewski bekommt Leopold-Lucas-Preis
Mit 50.000 Euro einer der höchstdotierten Preise für Geisteswissenschafter in Deutschland

Thomas-Mann-Preis für Jenny Erpenbeck
Auszeichnung mit 25.000 Euro dotiert

Cervantes-Preis (125.000 Euro): Del Paso kritisiert Gewalt in Mexiko
„Die Lage in Mexiko wird immer schlechter“, so der 81-Jährige

Andrzej Stasiuk erhält Staatspreis für europäische Literatur (25.000 Euro)
Österreichischer Kunstpreis für Literatur an Sabine Gruber (15.000 Euro), Angelika Reitzer erhält Outstanding Artist Award (10.000 Euro) – Staatspreis für Kulturpublizistik an Alfred J. Noll

Die Preissummen einiger weiterer Preise

Oskar-Pastior-Preis (40.000 Euro)

Joachim-Ringelnatz-Preis (15.000 Euro)

Ernst-Jandl-Preis (14.600 Euro)

Peter-Huchel-Preis (10.000 Euro)

Wolfgang-Koeppen-Preis (5.000 Euro)

Christine-Lavant-Preis für Kathrin Schmidt

Die deutsche Autorin Kathrin Schmidt wird mit dem ersten Christine-Lavant-Preis* geehrt. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft vergeben, die im Vorjahr anlässlich des 100. Geburtstages der österreichischen Dichterin gegründet wurde. Die Überreichung findet im Rahmen einer Matinee am 13. November im ORF-Radiokulturhaus in Wien statt. Mit der Auszeichnung sollen laut einer Aussendung vom Donnerstag Schriftsteller prämiert werden, die „in ihrem literarischen Schaffen – so wie auch Christine Lavant – einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und gesellschaftskritischem Blick vereinen“. Die Vergabe erfolgt auf Vorschlag eines Beirats, dem die Schriftstellerinnen Friederike Mayröcker und Terezia Mora, Literaturwissenschafterin Daniela Strigl, der Schweizer Universitätsprofessor Thomas Strässle sowie Karl Wagner und Klaus Amann angehören. Die 1958 in Gotha geborene Schmidt sei „eine herausragende Vertreterin der deutschsprachigen Literatur, eine Schriftstellerin, die sich als psychologisch versierte, politisch hellwache und sprachlich virtuose Autorin einen Namen gemacht hat“, heißt es in der Begründung. / Der Standard

*) zumindest mit dem ersten Christine-Lavant-Preis der Christine Lavant Gesellschaft. Frühere nach der Dichterin benannte Preise siehe unter Christine-Lavant-Lyrikpreis

Auszeichnung

Der Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel erhält heute den mit 20.000 Euro dotierten Hölty-Preis für Lyrik der Stadt Hannover. Die Auszeichnung ist eine der höchstdotierten Lyrik-Preise im deutschsprachigen Raum. Meckels Lyrik sei „jenseits von allen Trends und Moden des Zeitgeistes inspiriert, eine ästhetische Subversion gegen jede Hierarchie und Routine“, begründete die Jury ihre Entscheidung und würdigt damit Meckels lyrisches Lebenswerk.

(…)

Eine Gesamtausgabe seiner 29 Gedichtbände erschien im vergangenen Jahr anlässlich seines 80. Geburtstags unter dem Titel „Tarnkappe“. „Darin erweist er sich noch einmal als einer der großen, zugleich eigenwilligsten und vielseitigsten Lyriker der deutschsprachigen Gegenwartliteratur“, heißt es in der Jurybegründung.

(…) Die Preisverleihung findet am Abend in der Orangerie Herrenhausen statt.

/ NDR

Christoph Meckel in L&Poe

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