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Odes on tampons, stretch marks, fat

In 2008, the poet Sharon Olds came across a bilingual edition of Pablo Neruda’s “Odes” and got excited. In the poems, Neruda found cause to praise the common and the extraordinary, the concrete and the conceptual. He wrote of artichokes, and the moon, and friendship. Olds, who published her first collection, “Satan Says,” in 1980, at the age of thirty-seven, had written similar poems of tribute: “Diaphragm Aria,” “Socks,” “Material Ode,” “The Pope’s Penis.” But she liked to mix narrative into her verse, and always felt that she had trouble handling abstract concepts without attaching a story or a character to them. Now, when she sat down to write in her notebook, she found herself apostrophizing anything that crossed her mind, addressing concepts and objects directly, trying to name their component parts.

The results of Olds’s experiment are collected in her latest book, “Odes” (Knopf). In some six dozen poems, Olds sings in praise of things that are not often considered worthy of appreciation—tampons, stretch marks, fat, composting toilets, douche bags, menstrual blood—and reconsiders others that are. / Alexandra Schwartz, The New Yorker

Lyrikpreis München

Die Vorjury der dritten Vorrunde (Konstantin Ames, Karin Fellner, Àxel Sanjosé) hat folgende Autorinnen und Autoren ausgewählt:

Carla Hegerl (Berlin und Leipzig)
Cornelia Hülmbauer (Wien)
Christine Kappe (Hannover)
Rainer Komers (Berlin)
Pega Mund (Gröbenzell)
Marc Puszicha (Mainz)

Die Lesung findet am Dienstag, den 11. Oktober, in den Räumen des Kulturladens Westend statt (Ligsalzstraße 44 in München-Schwanthalerhöhe) ab 19:00 Uhr statt. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3.

Die Jury des Abends – Jan Kuhlbrodt, Ulrich Schäfer-Newiger, Johanna Schumm – wird zwei Autor/inn/en für das Finale im Herbst nominieren. Moderation: Andrea Heuser.

„Indian poetry in English“

The first newspaper in India, Hicky’s Bengal Gazette, reserved a section of the pages of its first issue in 1780 for a Poet’s Corner, a demarcated space which would carry one or more poem in each issue for the short period of the paper’s existence, a practice followed by every nineteenth-century newspaper published subsequently. The poem published in the first issue was called The Seasons, and described, expectedly, the English seasons; it took a few months for a long poem with the title A Description of India to make an appearance here.

Since then to the present day, poetry written in India in the English language has, of course, changed hands and, indeed, changed nationality – what was once written by Englishmen in India, English poetry, is now Indian poetry (and has been since the nineteenth century), and is currently generally called Indian poetry in English to distinguish it from poetry written by Indians in the classical languages in the past and in the many powerful modern Indian regional languages since the mid-nineteenth century. (…)

(…) Yet Indian poetry in English arguably has a more distinguished lineage than its counterpart, the novel; intrinsically, it has accomplished and achieved as much, if not more, than the celebrated fiction by well-known names that occupies so much shelf space, media space, and literary chatter nowadays, and it has done its work quietly, passionately, and to extraordinarily high standards through all these years.

Excerpted at Scroll.in with the author’s permission from the Introduction, by Rosinka Chaudhuri, to A History of Indian Poetry in English, edited by Rosinka Chaudhuri, Cambridge University Press, 2016.

Klopstock-Preis für Uwe Kolbe

Für sein lyrisches und prosaisches Gesamtwerk wird der Schriftsteller Uwe Kolbe am 2. Oktober mit dem Klopstock-Preis für neue Literatur des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotiert. Grit Warnat hat den Preisträger getroffen und mit ihm über Dichter und die Kunst des Dichtens gesprochen.

Auszug aus dem Gespräch:

Lyrik war einst eine Königsdisziplin. Heute ist sie schwer zu vermarkten. Verleger scheuen sich, Gedichte herauszubringen. Was ist Lyrik heute?

Es war und ist die Königsdisziplin. Sie wird es auch immer bleiben. Aber das Gedicht hatte noch nie einen Marktwert. Es ist noch nie verkauft worden.

Auch nicht zu DDR-Zeiten?

Das Leseland DDR war Not. In Notzeiten spricht das Gedicht. In solchen Notzeiten wurden Pablo Neruda groß und Majakowski. Das weltgrößte Poesiefestival der Welt wurde vor 25 Jahren zu Escobar-Zeiten in Medellin in Kolumbien gegründet. In der kriminellsten Stadt der Welt kamen damals zehntausend Leute zusammen, um Gedichte zu hören. Die Menschen wollten sich mit Lyrik ihrer selbst versichern und spüren, dass es etwas anderes in der Welt gibt als Gewalt, Kriminalität, Drogen. 2010 war es kleiner, aber noch immer berauschend.

/ Volksstimme

Poetopie

Zeit – der Staub, der sich zwischen den Tasten des PC festsetzt

Hansjürgen Bulkowski

In Afrika

(Afrika 2)

Zum Glück befinden wir uns hier in Afrika, wo die Sonne immer scheint, und nicht in der westlichen Welt; und in Afrika nehme ich kein Blatt vor den Mund. Meine kleine Rede von heute abend wird als politisch angesehen werden. Und das ist sie auch, unvermeidlich. Genau wie das Kunstwerk Politik ist, wenn es sich auf die Wirklichkeit bezieht, in der sich das Publikum befindet. Alles Gesprochene in diesem traurigen bitterbunten Begräbnisland ist Politik – ob es nun Geflüster, Geschwätz, Geflunker oder Gespräch ist. Das ist keine Wahl, die der Schriftsteller hat, kein Gebrauch oder Mißbrauch dichterischer Freiheit (und warum sollte der Hanswurst mehr Freiheit haben als der Fabrikarbeiter?); nein, das ist das Wesen der Kommunikation selbst.

Breyten Breytenbach: Ein Blick von draußen. 1973. In: Ich bin das Land. Prosa, Lyrik, Dokumente wider die Apartheid. Leipzig: Reclam, 1983, S. 68

Afrika (1..n) ist kein Reisebericht, sondern eine lose Folge von Lese- und Augeneindrücken.

Forwardpreis für Dichterin aus Trinidad

Die Dichterin Vahni Capildeo aus Trinidad gewinnt in diesem Jahr den Forward-Preis für Lyrik. Damit geht der Preis zum dritten Mal in Folge an AutorInnen aus der Karibik. Capildeo, die an der Universität Glasgow lehrt, erhält die mit £15,000 dotierte Auszeichnung für ihren Band Measures of Expatriation.

Auch der Debütpreis geht an eine Autorin aus der Karibik, Tiphanie Yanique, die von den Virgin Islands stammt. Ihr Buch Wife erhielt den Felix Dennis-Preis für das beste Debüt (£5,000).

Der Preis für das beste Einzelgedicht (£1,000) geht an die englische Dichterin und Übersetzerin Sasha Dugdale für das Gedicht Joydas zuerst in der PN Review veröffentlicht wurde.

Zur gestrigen Preisverleihung wurde ein jährliches Studienprogramm zur Unterstützung junger Dichter gestartet. Es geht 2016 an Shukria Rezaei aus Afghanistan, die an der Oxford Spires Academy zusammen mit der Dichterin Kate Clanchy Schreibgruppen mit Kindern von Flüchtlingen betreut. / Sian Cain, Guardian

 

Wawerzinek in Dresden

Seit Juni ist der Schriftsteller Peter Wawerzinek amtierender Stadtschreiber von Dresden und erlebt dort gerade die Urlaubszeit. Selbst Pegida sei gerade in Ferien, erzählt er von seinen Eindrücken aus der sächsischen Hauptstadt.

(…) Erkundet habe er nun auch die Dresdner Schriftstellerszene, sagte Wawerzinek. „Da sind ja die üblichen Verdächtigen“, sagte er und nannte den Lyriker Thomas  Rosenlöcher, den er schon kurz nach der Wende kennengelernt habe. „Es ist eine ganz agile,  schöne  Gruppe von neuen, jungen Autoren da, die dann  auch so eine Art Slam-ähnliche Treffen machen.“ Für sie sei das Literaturhaus schon überaltet, sie suchten nach Alternativen.  / DLR

Yisang

Der koreanische Erzähler und Lyriker Yisang (1910-37) ist im deutschsprachigen Raum wenig bekannt, hat in Südkorea hingegen beinahe unumstritten den Rang als bedeutendster Schriftsteller des 20. Jahrhunderts inne. Dabei ist er kein Vertreter einer verwässerten Moderne, die sich zuletzt doch am diffusen Kriterium der Lesbarkeit misst, sondern ein echter Avantgardist. (…) Als Lyriker weist er mit seiner unnachgiebigen Experimentierkunst in Richtung der konkreten Poesie, teilt in seiner assoziativen Traumästhetik auch einiges mit den Surrealisten, bleibt aber in der Wahl und Entwicklung der Motive unverwechselbar. Insgesamt ist Yisang ein erstrangiger Autor, der in den Kanon der klassischen Moderne gehört. Dank zwei hervorragend übersetzten und edierten Bänden, die, im Droschl-Verlag erschienen, jeweils das lyrische und das erzählerische Werk vorstellen, ist er deutschsprachigen Lesern leicht zugänglich geworden. Es stimmt mich deshalb traurig, dass wir nicht alle Yisang gelesen haben. / Samuel Meister, Fixpoetry

  • Yisang, Mogelperspektive: Das poetische Werk, übersetzt von Hanju Yang, Marion Eggert und Matthias Göritz, Verlag Droschl 2005.
  • Yisang, Betriebsferien und andere Umstände: Erzählungen, übersetzt von Hanju Yang, Heiner Feldhoff und Gerda Kneifel, Verlag Droschl 2014.

Grenzsprengende Energie

Dana Ranga wurde 1964 in Bukarest geboren, mit 23 Jahren ging sie nach Deutschland. Neben ihrem Schreiben ist sie in der Welt des Films unterwegs und verfasst Hörspiele. Nicht von ungefähr hat sie ein großes Gespür dafür, wie unterschiedlich und zugleich durchlässig Medien und Sprachen sein können. „Ich werfe Wort für Wort über die rechte Schulter, unmögliche Spur durch das Dickicht des Ungewissen.“ Lateinische Termini sitzen in den Zeilen oder Cluster aus unterschiedlichen Sprachen: „cor, kardia, heart, cuore, inima, kokoro, corazón, xinzang, serce“. Mit ihrer grenzsprengenden Energie unterlaufen die Texte auch die Frage, ob es sich um Gedichte handle oder um Prosa. / Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung

Dana Ranga: Hauthaus. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 65 Seiten, 19,95 Euro.

Paulus Böhmer 80

Steffen Popp gratuliert in der Welt:

In meinem Regal finde ich „Kaddish I–X“ und „Kaddish XI–XX“, die Sammlungen des gleichnamigen, in der Summe über Hunderte Buchseiten füllenden Großgedichtes, an dem Böhmer jahrzehntelang schrieb, außerdem der Band „Säugerleid“, die Trilogie „Am Meer. An Land. Bei Mir“ und „Zum Wasser will alles, Wasser will weg“, jenen Gedichtband, für den er 2015 den lange verdienten Peter-Huchel-Preis erhielt.

Habe ich diese Bücher gelesen? Ja, aber anders als fast alle anderen. Die Eigenart der Böhmerschen Gedichte, die sich in weitausgreifenden, material- und bildsatten Bögen und Schleifen oft über viele Seiten hinziehen, verführt nämlich dazu, die Hierarchie der Seitenfolge über Bord zu werfen.

Zu blättern, sich an immer anderen Stellen festzulesen und über das Buch verteilte Archipele von Satz- und Bildfunden anzulegen: „Die Buße ist ein Molekulargedicht, der Priester ein Dioxyd“, „Erzengel hockten mit heruntergelassenen Schlüpfern auf den Pfeilern“, „Du aber bist schön wie eine Million Waggons“.

Hugo-Ball-Preis für Ann Cotten

Den Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens erhält im kommenden Jahr Ann Cotten. Die gebürtige Amerikanerin ist eine deutschsprachige Schriftstellerin und Übersetzerin. Wie die Stadt mitteilt, wird Cotten für ihr eigenwilliges und originelles Werk ausgezeichnet. Der Hugo-Ball-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird am 12. März kommenden Jahres in Pirmasens verliehen. / SWR

„Ann Cotten erhält den Hugo-Ball-Preis 2017 für ihr eigenwilliges und originelles Werk. In Roman, Essay, Gedicht oder Versepos reizt sie die Möglichkeiten literarischer Formen aus und betrachtet die Sprache in erster Linie als Material der Kunst. Politik, Philosophie und ästhetisches Kalkül verbinden sich in ihren Texten zu oszillierenden Gebilden, die sich gleichermaßen der Revolte wie der Schönheit verschrieben haben. In der zeitgenössischen Literatur sticht ihre Arbeit dank der Furchtlosigkeit ihres Denkens hervor. Sie hinterfragt scheinbar Selbstverständliches, vereinbart das Unvereinbare, doch die Erschütterungen, die dies auslösen mag, werden aufgefangen durch ihren klaren und eleganten Stil“, so die Begründung der Vorschlagskommission, der die Schriftstellerin Marion Poschmann, die Germanistin und Essayistin Hannelore Schlaffer und der Journalist Lothar Müller angehören. / buchmarkt.de

Die Kunst des Fortschreibens

Unter dem Titel „Fortschrift“ (Ein Gedicht in fünfzehn Würfen) legt Felix Philipp Ingold beim Ritter Verlag Literatur (Klagenfurt/Wien) einen Text vor, der als Überschreibung und Fortschreibung von Stéphane Mallarmés typographischem Poem „Niemals wird ein Würfelwurf den Zufall tilgen“ konzipiert ist. In einem dem Buch beigegebenen Begleittext schreibt Magnus Wieland dazu:

Felix Philipp Ingold nennt das vorliegende Werk „Fortschrift“. Der Titel stammt zwar vom Autor selbst, er deutet aber zugleich an, dass sich das Werk auf einen bereits bestehenden Prätext bezieht, von dem aus fortgeschrieben wird. Der Untertitel „Ein Gedicht in fünfzehn Würfen“ verrät für den Kenner auch unschwer, was der Autor einleitend ohnehin offen legt: die Grundlage bildet Stéphane Mallarmés epochales, erstmals 1897 in der Zeitschrift Cosmopolis erschienenes Gedicht „Un Coup de Dés jamais n’abolira le hasard“ , das wohl als eines der einflussreichsten Werke der literarischen Moderne gelten darf.

Zahlreiche Künstler und Schriftsteller haben sich von Mallarmé inspirieren lassen und sein Gedicht mehr oder weniger offensiv angeeignet. Ein Grund für diese hohe Dichte an künstlerischen und literarischen Appropriationen liegt in der offenen Anlage von Mallarmés Gedicht selbst, das eine solche Weiterbearbeitung nachgerade herausfordert. Zumindest argumentiert Ingold in diese Richtung, wenn er einleitend darauf verweist, dass Mallarmé seinen „Würfelwurf“ bloss als Fragment verstanden habe, das er zu einer „grossen typographischen und kosmogonischen Dichtung“ ausweiten wollte, die alle Sinne umfasst. Mallarmés Gedicht ist kein statisches Gebilde, sondern ist wie der Kosmos in einer fortwährenden Expansion begriffen. […]

Die Lesbarkeit des Textes soll durch die „Fortschrift“ weder verringert noch verunmöglicht werden, stattdessen geht es Ingold darum, durch eine kompositorische Erweiterung des Originals einen permanenten Sinnzugewinn zu erzielen, indem das bereits von Mallarmé praktizierte Prinzip von „Hauptmotiv“ und „prismatischen Unterteilungen“ konsequent weitergeführt wird. Aus dem Original erwachsen durch dieses Prinzip weitere An- und Untergliederungen, die Ursprungszeilen des Gedichts erfahren sukzessive eine spektrale Auffächerung in semantischer wie typographischer Hinsicht. Denn ebenso frei wie mit dem Text geht Ingold mit dem Arrangement des Originals um. Zwar operiert er wie Mallarmé mit verschiedenen Schriftgrössen und -arten, setzt dabei aber eigene Akzente, und schafft damit neue Konstellationen, die zwar in konzeptueller Hinsicht dem Original folgen, dabei aber formal eine durchaus andere Gestalt annehmen. Darin unterscheidet sich Ingolds Aneignungspoetik von den Buchappropriationen im engeren Sinn, die besonderen Wert auf eine möglichst identische (typo-)graphisch-imitatorische Reproduktion des Originals bei gleichzeitiger materieller Manipulation oder Deformation des Textes legen. Ingolds Fortschrift ist deshalb eher eine kompositorische Nachahmung im Geiste Mallarmés zu nennen anstatt eine direkte Vereinnahmung seines Werks. […] Anstelle des Genies, das – als Naturgabe verstanden – gemäss Kants berühmter Definition der Kunst die Regel gibt, akzentuiert der chiastische Terminus vielmehr die Eigenständigkeit von derivativen und appropriativen Praktiken, die keine ,Kunst nach der Natur‘ mehr betreiben, sondern ,Kunst aus Kunst‘ produzieren.

Bei Felix Philipp Ingold kommt diese Auffassung in der sprechenden Formel „etwas anfangen damit“ zum Ausdruck, die nicht nur als poetologische Leitmaxime des Autors gelten kann, sondern auch die Logik der Appropriationskunst auf den Punkt bringt, indem sie zwei im Aneignungsprozess nicht mehr voneinander zu trennende Aspekte verschmilzt: das Moment der Übernahme (damit) sowie das Moment des Neuen (anfangen). Zwar basiert das poetische Verfahren auf bereits bestehenden Texten, mit denen aber ‚etwas‘ – und zwar: etwas Neues – angefangen wird. Jede Appropriation ist ihrerseits wieder ein (Neu-)Anfang und damit, zumindest etymologisch gesehen (lat. origo: Anfang, Ursprung) ein Original. […]

So verstanden löst Ingolds Fortschrift nur ein, was von Mallarmé programmatisch vorgedacht, ja antizipiert wurde. Es wäre deshalb so verkehrt nicht, Ingold nicht allein als Autor der vorliegenden Nachdichtung, sondern auch als Co-Autor an Mallarmés Buchprojekt zu bezeichnen, weshalb auch weniger von Appropriation als von Partizipation gesprochen werden müsste. Denn Original und Nachahmung verschmelzen unter dieser Perspektive zu einer fortlaufenden Fortschrift – to be continued.

Gestorben

Der algerische Dichter Hamid Nacer-Khodja starb in der Nacht zum Sonnabend im Alter von 63 Jahren. Als Literaturwissenschaftler lehrte er an der Universität von Djelfa. Seine ersten Gedichte erschienen in den 70er Jahren in der von Jean Sénac herausgegebenen Anthologie de la nouvelle poésie algérienne (Anthologie der neuen algerischen Dichtung). 1999 gab Nacer-Khodja das Gesamtwerk Sénacs in einer kritischen Ausgabe heraus. / Radio Algérienne

Lyriker NRW

Jury-Entscheidung postpoetry.NRW 2016 in der Kategorie „Lyriker NRW“

Am 13. September tagte die Jury „Lyriker NRW“. In ihr wirkten mit:

Dr. Karin Füllner (Literaturwissenschaftlerin, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf), Axel Görlach (Lyriker, Nürnberg), Mathias Jeschke (Lyrikherausgeber und Autor, Stuttgart).

Folgende Preistexte von Lyrikerinnen und Lyrikern wurden aus insgesamt 351 eingereichten Gedichten im Wettbewerb 2016 ausgewählt:

  • Engel von Silke Andrea Schuemmer (Aachen/Berlin)
  • fliehende zimmer von Jürgen Brôcan (Göttingen/Dortmund).
  • Im Rausch gegebene von Jan Skudlarek (Hamm/Berlin)
  • ohne gewicht von Ingeborg Brenne-Markner (Menden/Sankt Augustin)
  • wie regen entsteht von Sebastian Polmans (Mönchengladbach/Niederkrüchten)

In der kommenden Woche fallen die Entscheidungen in der Kategorie „Nachwuchs NRW“. / postpoetry

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