Kategorie: Ungarn

Hoffnung 1839

Mihály Vörösmarty (* 1. Dezember 1800 in Kápolnásnyék/Pusztanyék; † 19. November 1855 in Pest) In ein Gutenberg-Album Wenn einst die Nacht sich erschöpft und der Trugträume Priester verschwinden und das erstrahlende Licht Wahnwissenschaft nicht mehr zeugt; wenn einst das Schwert der Gewalt den rohen…

Strichvogel Reflexion, Zugvogel Poesie

Nikolaus Lenau (* 13. August 1802 in Csatád, Königreich Ungarn; † 22. August 1850 in Oberdöbling bei Wien) Zweierlei Vögel   Strichvogel Reflexion, Zugvogel Poesie, Singt jeder andern Ton Und andre Melodie.   Strichvogel hüpft und pfeift Und pickt von Ast zu Ast, Und…

Trutz

Nikolaus Lenau (* 13.8. 1802 Csatád bei Temesvár, Ungarn, † 22.8.1850 Oberdöbling bei Wien) Trutz euch! Ihr kriegt mich nicht nieder, Ohnmächtige Tröpfe! Ich komme wieder und wieder, Und meine steigenden Lieder Wachsen begrabend euch über die Köpfe. Aus: Nikolaus Lenau’s Sämmtliche Werke, hrsg….

Nichts

Nikolaus Lenau (* 13. August 1802 in Csatád, Königreich Ungarn; † 22. August 1850 in Oberdöbling) Eitel nichts! ’s ist eitel nichts, wohin mein Aug ich hefte! Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern, Ein wüstes Jagen ists von dem zum andern, Und unterwegs verlieren…

An allem sind die Schmächtigen schuld

Sándor Weöres (* 22. Juni 1913 in Szombathely; † 22. Januar 1989 in Budapest) Antischmächtig Am Ende zeigt sich: an allem Sind die Schmächtigen schuld. Sie stehen in einer Gasse im Hinterhalt, und wenn eine alte Frau kommt, grüßen sie nicht. Ihre größte Sorge ist es,…

Gewaltmarsch

Miklós Radnóti (geboren als Miklós Glatter, 5. Mai 1909 in Budapest, Österreich- Ungarn; gestorben 9. November 1944 auf einem Gewaltmarsch* bei Abda nahe Győr)   Berlin: Volk und Welt, 1967, S. 89. Nachdichtung und Nachwort Franz Fühmann Forced March You’re crazy. You fall down,…

Autobiografie

Sándor Weöres AUTOBIOGRAFIE Für Imre Bori Was sollte schon sein: dies war mein Leben. Augen zu. Mund auf. Das dauernde Wunder. Aas. Schaum. Berge, die sich nicht erheben. Tal. Wiese. Sumpf. Blühender Holunder. Leben im Tod. Tod im irdischen Streben. Schwarzer Tag. Flackernde Nacht….

Besuch des Einhorns

Sándor Weöres ( * 22. Juni 1913 in Szombathely; † 22. Januar 1989 in Budapest) Besuch des Einhorns Zierlichen Schritts betritt ein Tier den Raum, durchschwimmt die dichte Masse meiner Möbel, durchsichtig ist sein Leib wie zarter Nebel, sein blauer Huf berührt den Boden…

ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG

Sándor Weöres ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG Auf die Gedichte von Tamas Szentjóby, Dezsö Tandori, Imre Oravecz und anderer unserer jungen Dichter, herzlich „Das Merkmal eines Verses ist der Sinn.” Wozu, gestattet, dann noch ein Gedicht? In Prosa packst du jeden Inhalt leichter, Präzisern…

Der Kritiker

Jede Zeit hat ihre eigenen neuen Kritiker. Der ungarische Dichter Sándor Weöres (1913-1989) hatte diese: Politico-Epidemia Heutzutage gilt das Gedicht, wie ein Parteibuch:   nach eingestandenen Prinzipien fragt der neue Kritiker. Denn, was ist schon wesentlich am Gedicht? der >Standpunkt<, der    >Aktionsbereich<‚  …

Die Dichter des 19. Jahrhunderts

Petöfi ist ein Asteroid mit der Nummer 4483. Sonst ein Dichter mit dem Vornamen Sándor (1. Januar 1823 Kiskőrös [Taufdatum] – 31. Juli 1849 Weißkirch bei Schäßburg, heute Rumänien) Vorbemerkung d. Hrsg.: Sollten einige Thema und Sprache zu wenig zeitgemäß finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann…

Lyrik im Ausland: Hanin, Kalász, Reinecke

Donnerstag 29. September 2016 – 20:00 Lyrik im ausland Ein Abend mit Lyriklesungen von Semjon Hanin (Riga – zweisprachig Russisch/Deutsch), Orsolya Kalász (Berlin – zweisprachig Ungarisch/Deutsch) und Bertram Reinecke (Leipzig). Unseren diesjährigen Programmfokus auf mehrsprachigen Lyriklesungen mit Bezug zum weitläufigen osteuropäischen Sprachraum führen diese Woche Semjon Hanin, der eigens aus Riga…

Puschkins Brüste

Umso erfreulicher ist es, dass mit „Ein guter Traum mit Tieren“ bereits der zweite Band von István Kemény (Jg. 1961) vorliegt und mit „Puschkins Brüste“ eine erste Auswahl von Arbeiten des Budapester Dichters Márió Z. Nemes (Jg. 1982) erschienen ist. Beide Dichter sind in…

Da steht der Niemand

Der 1961 in Budapest geborene István Kemény ist ein höchst vielseitiger und einfallsreicher Dichter. Nun ist er in einer deutschsprachigen Ausgabe als Lyriker zu entdecken. Einige seiner Gedichte nennt István Kemény schon im Titel Lieder, daneben taucht «John Andersons Song» auf, und darin singt…

Magical Mystery Tour

Marie Luise Knott schreibt in ihrer Lyrikkolumne Tagtigall (abgesehen von der Anmoderation über Lyrik im Auf- und Abwind) schöne Sätze über István Kemény, Uljana Wolf, Rosmarie Waldrop und Ulf Stolterfoht, zentriert um die Frage, „ob sie nicht verstanden werden wolle(n) oder ob man sie…