Schlagwort: Franz Fühmann

Dennoch schauen

Ágnes Nemes Nagy  (* 3. Januar 1922 in Budapest; † 23. August 1991 ebenda)  Dennoch schauen Und dennoch schauen, schauen, sagte wer, sobald der Rauchvorhang es zuläßt, in der spaltgroßen Pause in diesem Augenblick zwischen dem Rauch, der Säure, dem Ammoniak, den Angriffen, schauen, weißt du, wie einen Tisch die Form… Continue Reading „Dennoch schauen“

Begegnen

Konstantin Biebl (* 26. Februar 1898 in Slavětín nad Ohří; † 12. November 1951 in Prag) Begegnen Auf der Welt ist kein Platz so bitter und traurig Daß zwei nicht einander begegnen könnten Weit hinter dem Meer und selbst in solcher Ödnis Wie dem… Continue Reading „Begegnen“

Morgenstern in der DDR

[✺]  Von Michael Gratz Facts first. Ich wurde in der DDR geboren und überlebte sie. In der DDR habe ich lesen gelernt, besuchte die Grundschule („Polytechnische Oberschule“) und das Gymnasium („Erweiterte Oberschule“), begann im 16. Lebensjahr, privat Gedichte zu lesen, schloss die Universität in… Continue Reading „Morgenstern in der DDR“

Kurze Geschichte der bulgarischen Lyrik

Christo Botew (auch Hristo Botev, bulgarisch Христо Ботев, * 25. Dezember 1847 jul./ 6. Januar 1848 greg. in Kalofer; † 20. Mai jul./ 1. Juni 1876 greg. – bei einem Aufstand gegen die türkische Herrschaft erschossen bei Wraza) (Hoffen wir das Beste, dass kein… Continue Reading „Kurze Geschichte der bulgarischen Lyrik“

Hirtenlied in Kriegszeiten

Miklós Radnóti (* 5. Mai 1909 in Budapest; von Deutschen ermordet am 9. November 1944 bei Abda nahe Győr) Erste Ekloge Quippe ubi fas verstim atque nefas: tot bella per orbem, tam multae scelerum facies; …*) Vergil Hirt: Lange schon sah ich dich nicht;… Continue Reading „Hirtenlied in Kriegszeiten“

Orient

Konstantin Biebl (* 26. Februar 1898 in Slavětín nad Ohří; † 12. November 1951 in Prag) Orient Immer schon hab ich die Köchinnen Um Muskat Vanille Zimt beneidet Auch liebe ich Weihnachten so sehr Diese mohammedanischen Feiertage Abends zur Weihnachtsstunde teilte Mutter langsam die… Continue Reading „Orient“

Poetik

Vítězslav Nezval (* 26. Mai 1900 in Biskoupky; † 6. April 1958 in Prag) Poetik Zuerst den Geizhälsen Verhöhnung! Ein Bild das alles rings in Brände setzt! Des Pöbels Gaukelein bei einer Krönung und Liebe ganz zuletzt Wir sind aus Gossen ein Gelichter vereint… Continue Reading „Poetik“

Hoffnung 1839

Mihály Vörösmarty (* 1. Dezember 1800 in Kápolnásnyék/Pusztanyék; † 19. November 1855 in Pest) In ein Gutenberg-Album Wenn einst die Nacht sich erschöpft und der Trugträume Priester verschwinden und das erstrahlende Licht Wahnwissenschaft nicht mehr zeugt; wenn einst das Schwert der Gewalt den rohen… Continue Reading „Hoffnung 1839“

Gewaltmarsch

Miklós Radnóti (geboren als Miklós Glatter, 5. Mai 1909 in Budapest, Österreich- Ungarn; gestorben 9. November 1944 auf einem Gewaltmarsch* bei Abda nahe Győr)   Berlin: Volk und Welt, 1967, S. 89. Nachdichtung und Nachwort Franz Fühmann Forced March You’re crazy. You fall down,… Continue Reading „Gewaltmarsch“

Rückblende L&Poe Dezember 2001

Der Dichter Christian Saalberg lebt und begeht seinen 75. Geburtstag: Doch es war vor allem die surreale Lektüreerfahrung, die Saalberg „unmerklich veränderte, zu einem anderen Menschen machte“. Allerdings sah die Kunstironie des Nachkriegsschicksals für Deutschland kaum mehr die surreale Strömung vor (obwohl oder gerade… Continue Reading „Rückblende L&Poe Dezember 2001“

Keine Kritik

Der Fluch, keine Kritik zu haben, die uns zum Äußersten unserer literarischen Möglichkeiten zwingt… Damals, bei der Lesung meiner ersten Übertragungsversuche von Gedichten Józsefs und Adys hier in Budapest konnte ich an der Reaktion des Publikums an jeder Zeile ihr Gelungen- oder Mißlungensein merken,… Continue Reading „Keine Kritik“

Brecht und Eisler, Cremer, Busch / Und Heise, Bloch sowie sein Schüler Teller / Bahro und Biermann (als er jung gewesen) / Und Fühmann, Dresen

Unsere Verhältnisse, unsere deutschen, sie bleiben schrecklich. Ein »wüstes Reich« ist die Gegenwart, wie Braun in »Telephos an Papenfuß« ausführt. Und wie im Vorbeigehen findet er, Goethe paraphrasierend, die Worte, die die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung auf den Punkt bringen: »Willkommen und Abschiebung«. So sehr… Continue Reading „Brecht und Eisler, Cremer, Busch / Und Heise, Bloch sowie sein Schüler Teller / Bahro und Biermann (als er jung gewesen) / Und Fühmann, Dresen“

Am Körper des Wortes

Die deutsche Sprache ist vergleichsweise logisch, eindeutig, transparent – transparent in der Struktur wie in der Herleitung. Zusammenhänge, die bei uns in den Sprachschichten untergehen, sind spürbarer präsent. Sicher käme niemand, ohne nachzuschlagen, auf all das, was im Gedicht steckt. Aber dass etwas drinsteckt,… Continue Reading „Am Körper des Wortes“

Nicht ohne schamanische Reste

Ich lasse die Verbeugung vor dem Zweitgeist* weg und gehe gleich zum Wesentlichen in Gregor Dotzauers Rundblick um die Neue deutsche Lyrik im Jahr eins „nach Jan Wagners Sieg“: Ágnes Nemes Nagy, die bedeutendste ungarische Dichterin des 20. Jahrhunderts, hat aus gutem Grund die… Continue Reading „Nicht ohne schamanische Reste“

23. Der Wahrheit nachsinnen – Viel Schmerz!

Von Walter G. Goes (ARTus) • Bergen auf Rügen Auf den Dichter Georg Trakl (1887-1914) stieß ich zunächst durch Radierungen des Leipziger Künstlers Hans Schulze (1904-1982). Er zeigte mir Blätter zu Gedichten Trakls um das Jahr 1971 in seinem Atelier. Schulze, ein Solitär unter… Continue Reading „23. Der Wahrheit nachsinnen – Viel Schmerz!“