Kategorie: Österreich

Hätte ich ein Fünkchen Glück

Theodor Däubler (* 17. August 1876 in Triest, Österreich-Ungarn; † 13. Juni 1934 in St. Blasien, Schwarzwald) Hätte ich ein Fünkchen Glück, wäre alles anders! Wollte blauer Tauwind hold meine Segel schweelen, Blitzte gleich durch mich der Geist eines kühnen Landers, Und ich müßte…

Ragnarök

Alfred Gong (geboren 14. August 1920 in Czernowitz, Rumänien als Alfred Liquornik; gestorben 18. Oktober 1981 in New York City) Ragnarök Für Bodo Scheurig Ach, wäre es Traum nur: Das schlafende Blut an der Mauer und dieses Fenster ohne Gesicht. Am Fadenkreuz auf der…

Nichts

Nikolaus Lenau (* 13. August 1802 in Csatád, Königreich Ungarn; † 22. August 1850 in Oberdöbling) Eitel nichts! ’s ist eitel nichts, wohin mein Aug ich hefte! Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern, Ein wüstes Jagen ists von dem zum andern, Und unterwegs verlieren…

Kommentar

Ernst Jandl (* 1. August 1925 in Wien; † 9. Juni 2000 ebenda) kommentar dass niemals er schreiben werde seine autobiographie dass ihm sein leben viel zu sehr als dreck erscheine dass auch nur wenige punkte, blutige er noch erinnere dass aber niemals er…

Lockergedicht

Andreas Okopenko (* 15. März 1930 in Košice (Tschechoslowakei); † 27. Juni 2010 in Wien) MIDLIFE O Tagebuch, o Tagebuch, wie grau sind deine Blätter. Wo blieb „des Lebens goldner Baum“, wo blieb das Meer im Pfeifenschaum? O Klagefluch, o Klagefluch, bald gibt es…

Ohne Titel

Ingeborg Bachmann (* 25. Juni 1926 in Klagenfurt; † 17. Oktober 1973 in Rom) Seht ihr, Freunde, seht ihrs nicht! daß ichs nicht überlebt auch nicht überstanden habe, seht ihrs nicht, daß ich einwärts gehe, daß fürderhin einwärts rede, daß ich mich einziehe, mein…

DAS G&GN-INSTITUT PRÄSENTIERT: 20 JAHRE NAHBELLPREIS 2000-2019

http://www.POESIEPREIS.de (1 Jahr lang bis zum 21.6.2020 = https://poesiepreis.jimdofree.com/aktuell/presse-2019/ ) WER BELLT AUS WELCHER NÄHE? DIE GEBURT EINES LYRIKPREISES AUS DEM GEISTE DER SATIRE & VISION: 3 JUBILÄUMSPREISTRÄGER(INNEN) 2019 – ERSTMALS VERGABE DES „FÖRDERPREISES“ AUFGRUND DER UNERWARTET VIELEN BEWERBUNGEN! DER NAHBELLPREIS GEHT 2019 DREIMAL…

Die Poesie

Ferdinand Raimund (* 1. Juni 1790 in Wien-Mariahilf; † 5. September 1836 in Pottenstein) Fragment Die Poesie ist jener goldgewebte Traum, Der nur vor das geweihte Aug‘ des doppelt Wachen tritt. Sie ist der Seele edelste und reinste Schwärmerei, Weil sie den Schwärmer nicht…

Alles versucht

Ada Christen (* 6. März 1839 in Wien; † 19. Mai 1901 in Inzersdorf) Letzter Versuch Ich habe mich zu erhängen gesucht:   Der Strick ist abgerissen. Ich bin in’s Wasser gesprungen:   Sie erwischten mich bei den Füßen. Ich habe die Adern geöffnet…

Jesus

Moses Rosenkranz (* 20. Juni 1904 in Berhometh am Pruth, Bukowina; † 17. Mai 2003 in Kappel, Deutschland) Erklärung der Judenmartern Jesus, Herz der Legenden, in deine ewigen Wunden stoßen sie hart ihre Hände an deinem Schmerz zu gesunden. Aber sie sind schon Millionen…

Ins Nichts gespannt

Rose Ausländer (* 11. Mai 1901 in Czernowitz, Österreich-Ungarn; † 3. Januar 1988 in Düsseldorf) Ins Nichts gespannt Fäden ins Nichts gespannt: wir liegen wund verwoben in das Material der Qual, ein Muster lückenlos auf grauem Grund wie es ein schwarzer Wille anbefahl. Das…

Nachschrift

[Konkrete Poesie als dokumentarische Literatur] Heimrad Bäcker (* 9. Mai 1925 in Wien; † 8. Mai 2003 in Linz) und zwar die tempel in der schiffamtsgasse, in der neuenwelt- gasse, in der tempel- und in der stumpergasse, die synagogen in der unteren viadukt-gasse, in…

Prosagedicht

Georg Kulka (* 5. Juni 1897 in Weidling/ Niederösterreich; † 29. April 1929 in Wien) CHARISMA Winkel. Wahn. Witzig. Fletschen. Überwältigt. Loch. Zuschnüren. Speere. Anfechten. Mager. Schlottern. Entzwei. Pupille. Aufgeschnitten. Erwägung. Besudeln. Jung. Stolpern. Zersinken. Schlaf. Mißgeschickt. Galopp. Kauern. Stellung. Brauen. Narkose. Geschehen. So….

Haus der Sprache

Karl Kraus (* 28. April 1874 in Jičín, Böhmen; † 12. Juni 1936 in Wien) Bekenntnis Ich bin nur einer von den Epigonen, die in dem alten Haus der Sprache wohnen. Doch hab’ ich drin mein eigenes Erleben, ich breche aus und ich zerstöre…

Aus den Sonetten an Ead

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien; † 3. Mai 1932 in Mödling, Niederösterreich) XXVIII. Sie ist die Eine, die wie ein Magnet Die Wünsche anzieht, daß sich nichts zerstreue. Sie ist die Gestrige und immer Neue, Die Ratende, die ohne Wink versteht….