Kategorie: Österreich

von mir selber

In seinem Gedicht „sieben kinder“ verwandelt Ernst Jandl eine alltägliche Frage in eine absurde Geschichte über Vaterschaft, Identität und die Möglichkeiten der Sprache. Die Pointe liegt in einem einzigen, scheinbar harmlosen Wort: „selber“.
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Als er dreizehn war

Mit dreizehn erlebt ein Junge die Scheidung seiner Eltern und sieht, wie sich ein Mann vor seinen Augen anzündet. Michael Köhlmeiers Gedicht erzählt das Verstörende fast ohne Kommentar – und endet mit der Flucht aus einem „unerforschten Haus“.

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Das ist mein Alter nun

Durch den Nachsiebzigerleib
Schiebt mir das Vorderhirn
Einen Vers durch den Zwerch

Der als er beim Kehlkopf
Seine Wucht im Zartgaren findet
Sich aufpflopft und

Die Wörter wie Tropfen verperlt
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Immer träumte ich nach Prag

Trauert Prag
um meinen Traum?
Mein Traum
trauert um Prag

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Höchstwahrscheinlichkeitspoesie

dieses gedicht klinkt sich aus der permanenten optimierung aus sucht die wärme im nassen sand wo wir zwischen treibgut zersetzten muschelschalen und braunalgen das nackte dasein feiern weil uns die schmelzenden gletscher im nacken sitzen wir leben die pure subversive anarchie der berührung direkt in den salzigen brandungswellen wo leuchtplankton unsere haut streift
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Mich flimmert das alles an

Am Ende sind alle müde & zufrieden, heißt es.
Ein wenig wird noch darüber geschwätzt, wie es denn ge=
Wesen wäre, hätte es tatsächlich schon gereicht, sich
Bloß zu bücken, um den entscheidenden Fund zu machen. //

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der körper hansi hat ein bewußtsein, das ich heißt

der körper franzi hat ein bewußtsein, das ich heißt.
otti ist ein körper. der körper otti hat ein bewußtsein, das sich
auch ich nennt.
lotti ist ein körper. dieser körper hat ein bewußtsein namens ich.
ich heißt das bewußtsein des körpers elfi.
die bewußtsein der körper heinzi, wolfi und brunhilde heißen ich
und sind sehr verschieden. ///

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Fuji

Fuji //

nie gesehen /
schon gar nicht /
erfasst /
erhebst du dich /
über träume /
wirr oder unwirr //

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Ihr Worte. Ingeborg Bachmann 100

Das Wort
wird doch nur
andre Worte nach sich ziehn,
Satz den Satz.
So möchte Welt,
endgültig,
sich aufdrängen,
schon gesagt sein.
Sagt sie nicht.

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Der die Sprache beherrscht

Was hör‘ ich? Wer vor einem Bild sich nicht traut
zu sprechen, wird vor dem Gedichte laut?
Das macht, er selbst kann nicht malen, doch sprechen,
drum kann er sich gleich an dem Sprachwerk rächen.

Zwei Geburtstagsgedichte

als sie mich gebar
könnte heute die mutter
meine tochter sein

kein ersatz

„mir fällt kein ersatz für mich ein“

Arbeitsvertrag für Musen

Ich will ja
deine Muse sein,
aber wie sieht der Arbeitsvertrag aus
Wie viele Stunden stehe ich
in der Woche Modell
in Bereitschaft
Wie oft rufst du mich
am Wochenende
für eine Nachtschicht

Das Männchen

In diesen Bäumen
bin
nur ich
nur ich
das Männchen

Tausend Jahre

Trinken die Kinder den Tau
fallen die Himmel ins Meer
singen die Fische wie Engel
träumend das Licht so blau.