Kategorie: Tschechisch

War ich? War ich nicht?

Ivan Sviták  (10. Oktober 1925 in Hranice na Moravě – 20. Oktober 1994 in Prag) Die Erkennbarkeit der Welt Wo ich war dort war ich nicht Ich war also dort wo ich nicht war Oder war ich dort wo ich war? War ich? War ich… Continue Reading „War ich? War ich nicht?“

Kriegsszene

Petr Křička (* 4. Dezember 1884 in Kelč; † 25. Juli 1949 in Okarec, heute Ortsteil von Třebíč) Medynia Głogowska Über den Kopf die erste, die zweite pfiffen, fliegen viel dichter schon. Tiefer geduckt, im ängstlichen Spott noch begriffen, bieten die Burschen Willkomm. Fünferhaubitzen, da sind sie herangaloppiert, Herrgott, dein Wille geschehe!… Continue Reading „Kriegsszene“

Bedenke

Marie Šťastná xxx Bedenke jede Landschaft beginnt und endet auf deinem Unterarm Eine feine furchige Geheimsprache unter der Haut Abdruck des Waldes der Straße des Gedächtnisses Aber was wenn man von dir etwas weiß etwas so Unglaubliches dass selbst du nur Andeutungen kennst die… Continue Reading „Bedenke“

Is the new

Olga Stehlíková Is the new Alt ist das neue jung Single ist das neue verheiratet Vegan ist das neue vegetarisch Remoska ist die neue Mikrowelle Neomarxismus ist der neue Marxismus Mama ist die neue Oma Hipster ist der neue Dandy DIY ist das neue… Continue Reading „Is the new“

Warum Bäume nicht fliegen

Jiří Kolář  (* 24. September 1914 in Protivín; † 11. August 2002 in Prag) WürdenfliegensieEierBäumekönnteMöbelwäreneßbaricheinausSchrankausgebrateneaufFurnierEssigdrucktedieauferschieneZeitungeinemschriebemitPeitschedenschriebemitPeitschedenführenLeutederführenLeutedergingeendlichLebendigees BäumelegtenauchlegtenEiermanessenMöbelmachtemirRippcheneinemSalatStühlenHobelspäneSägmehlmitundmanZeitungBeefsteakdieaufBeefsteakmanderaufRückenmanderaufRückendieausHautdieausHautesinsgingeendlich Aus dem Tschechischen von Konrad Balder Schäuffelen und Tamara Kafková. Aus: Jiří Kolář, Das sprechende Bild. Poeme – Collagen – Poeme. Mit einem Nachwort von Konrad Balder Schäuffelen. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1971, S. 63f

Wer zu einer Geige passt

Jan Skácel  (* 7. Februar 1922 in Vnorovy; † 7. November 1989 in Brünn)  WER ZU EINER GEIGE PASST Hab keine Angst vor nichts hab Angst und wär’s auch noch so kraß denn immer findet sich ein Mensch der gut zu einer Geige paßt In dieser Welt gibt’s schöne Zeiten auch üble… Continue Reading „Wer zu einer Geige passt“

Gelbe Blumen

Antonín Sova  (* 26. Februar 1864 in Pacov (Patzau); † 16. August 1928 ebenda) Gelbe Blumen Todesäcker gelb verglimmen, Land voll dunkler Saiten Stimmen. Brach die Blüte wer zur Stund, preßt’ sie auf den Fiebermund. Hocken Greise noch am Rain, schlucken sachte ihren Wein, gleitet Mond von ihren Haaren, welker, schlaffer… Continue Reading „Gelbe Blumen“

Die stalinistische Epoche

Zbyněk Havlíček (22. Mai 1922 in Jilemnice, heute vor 100 Jahren – 7. Januar 1969 in Prag), tschechischer Dichter, Literaturtheoretiker, Psychoanalytiker und Übersetzer Die stalinistische Epoche »Ich weiß sehr wohl, daß solch intime Prozesse auf einen hinzustoßenden Herrn, der zuschaut beziehungsweise assistiert, äußerst bezaubernd… Continue Reading „Die stalinistische Epoche“

Prolog

Viktor Dyk (* 31. Dezember 1877 in Pšovka bei Mělník; † 14. Mai 1931 auf der Adriainsel Lopud, Jugoslawien) Prolog Sohn einer finstren Generation war ich, die mit sich und der Welt entzweit. Irgendein Vers berichtet noch davon: „Nur einen Tag des Glücks kennt… Continue Reading „Prolog“

Gestern hat er meine Hände geküßt

Jindřich Hořejší  (* 25. April 1886 in Prag; † 30. Mai 1941 ebenda) Lied Gestern hat er meine Hände geküßt, ihr Mädchen. Meine Finger sind noch von den Küssen erfüllt, als hätte er sie mit schönen Ringen umhüllt; und immer wieder lächelt sie mich an wie eine Gemme aus roter Koralle,… Continue Reading „Gestern hat er meine Hände geküßt“

Jan Skácel 100

Jan Skácel  (* 7. Februar 1922 in Vnorovy; † 7. November 1989 in Brno)  NICHTGEDICHT In gegenwart dieses nichtgedächtnisses wenn das gedicht nein und nicht anders sagt und das nichtsagen herrscht und das nichtabsehen der worte und der vers ist das nichterlangbare wird uns das nichtachten zum nichtgedicht führen Und die nichtscham… Continue Reading „Jan Skácel 100“

Spleen

Jiří Karásek ze Lvovic (eigentlich Josef Karásek  („aus Lvovic“), * 24. Januar 1871 in Smíchov, heute Teil von Prag; † 5. März 1951 in Prag)  SPLEEN Mein einziger Freund, der stets mich treulich mußt begleiten, Mein Spleen! Wenn Mitternachts am Himmel stehn die Sterne, Seh ich der Hoffnung Grab, seh düstre Stunden schreiten… Continue Reading „Spleen“

František Listopad 100

František Listopad (eigtl. Jiří Synek), tschechischer Schriftsteller, Kritiker, Fernseh-, Theater- und Opernregisseur, geboren heute vor 100 Jahren in Prag. Ab 1941 im besetzten Böhmen untergetaucht. Vater, Großvater und Onkel werden Opfer der Deutschen. Gründet im Mai 1945 mit Freunden die Zeitung Mladá Fronta und… Continue Reading „František Listopad 100“

Tiroler Elegie

Karel Havlíček Borovský (* 31. Oktober 1821, heute vor 200 Jahren, in Borová bei Přibyslav; † 29. Juli 1856 Prag) Das Gedicht zum Anlass ist aus dem Zyklus „Tiroler Elegien“, einem jüngeren Bruder von Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Die Reise war nicht freiwillig, er… Continue Reading „Tiroler Elegie“

Ganz und gar Herbstliche

František Halas  (* 3. Oktober 1901 in Brno / Brünn; † 27. Oktober 1949 in Prag) Ein berühmtes Gedicht des tschechischen Dichters in 3 Fassungen Die ganz und gar Herbstliche Ihre Kleider waren ganz herbstliche ihre Haare waren ganz herbstliche ihre Augen waren ganz herbstliche Ihr Mund war ein ganz herbstlicher ihr… Continue Reading „Ganz und gar Herbstliche“