Schlagwort: Felix Philipp Ingold

Worte gibt es

Sinaida Gippius (Hippius) Worte gibt es Wer plaudert nicht in Zauberworten vor sich hin? In Worten, die soviel wie nichts bedeuten! Die plötzlich da sind wie ein Ding, das blinkt und klingt, Und die zu allem passen — Leiden oder Freuden. Ich mag sie…

Sonett

Felix Philipp Ingold Fortschritt (1) Als Betonkeiler schießt an jedem Ende ein „Wir sind!“ empor, mit tollem Pathos und in blödem Einerlei nimmt das vereinte „Wir!“, bevor „Ich bin!“ zum letztenmal das Sagen hat, feist überhand und ist schon da und hält die Luft…

Macht die Nacht die Farben aus

Felix Philipp Ingold Vorspruch Macht die Nacht die Farben aus, dann ist es wieder Zeit und sind die Farben eins. (aus dem Notizbuch eines Malers, anonym, 1942) Ein Ah! ist der Anfang von allem und heisst soviel wie Schra… wie Schwarz. Soviel wie nichts….

o himmels blau

Sommergedichte nannte ich die Rubrik mal. Da der Sommer fast vorbei ist oder zumindest pausiert, suche ich an diesem grauen Tag was Passendes zu – Sommerblau. Blumen. Kornfeld. Sowas. Wer hat am 21. August Geburtstag? Bartholomäus Sastrow aus Greifswald, Jens Christian Djurhuus, färöischer Bauer…

Felix Philipp Ingold

 

L&Poe ’17-07

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser, seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Hadayatullah Hübsch, Tom Raworth, Dagmara Kraus,…

„Plappernde Plauderlyrik“

Nachüberlegungen zum NZZ-Essay „Sie schreiben, wie sie talken“ (2017-02-02) und zur anschliessenden Debatte in der Presse und im Internet Dass man meine nüchternen Beobachtungen und Überlegungen zur sprachlichen Verfassung der Gegenwartsliteratur für „polemisch“ halten kann, bleibt mir ebenso unbegreiflich wie deren Einschätzung als Plädoyer…

L&Poe ’17-02

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser, seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In den nächsten Wochen werde ich Logo und Leitbegriffe und…

Kandinsky – empfohlen

Felix Philipp Ingold, in: NZZ 2017-01-12 „Die Blüten der Poesie sind überall verstreut“ Wassily Kandinsky als Wortkünstler  Doppel- und Mehrfachbegabungen waren in der künstlerischen Moderne Russlands nichts Ungewöhnliches. Wladimir Majakowskij und Jelena Guro haben sich als Wort- und Bildkünstler einen Namen gemacht, Michail Matjuschin…

Schreibarbeit als Pfropfverfahren

Der noch im späten 19. Jahrhundert da und dort gepflegte Geniekult geht auf die mythische Vorstellung eines originären Schöpfertums zurück, das ab ovo oder ex nihilo etwas Neues, Niedagewesenes, Unverwechselbares in die Welt bringt. Das solcherart schöpferische Genie tritt in der Funktion eines gottähnlichen…

L&Poe-Rückblende: April 2001

Am 15. April starb im Alter von 73 Jahren der Slawist Ralf Schröder, der 1956 wegen konterrevolutionärer Verschwörung verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt wurde. In den letzten Jahren der DDR reiste er als eine Art Wanderprediger in Sachen Perestroika durchs Land. Einmal…

Gesang statt Literatur

Eine Nachbemerkung zur Nobelpreisvergabe an Bob Dylan Von Felix Philipp Ingold Wieso verweigert sich Bob Dylan so konsequent und regelwidrig* dem Ansinnen der Schwedischen Akademie, ihn mit dem Literaturnobelpreis auszuzeichnen? Tut er es aus grundsätzlicher Ablehnung offizieller Belobigungen oder des Literaturbetriebs generell? Oder vermutet er…

Nichts gegen Dylan als Musiker

Ein Kommentar von Felix Philipp Ingold Rund zwei Dutzend Autoren standen in diesem Jahr auf der Wettliste für den Literaturnobelpreis. Da die anstehenden Kandidaten in aller Regel für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet werden, stellt man sich – rein rhetorisch – die Frage, wer von den…

Wortkunst im Naturgedicht

Pierre Chappuis als Dichter des Übergänglichen Auf der Backlist seines Pariser Hausverlags, José Corti Éditeur, ist der welschschweizerische Dichter Pierre Chappuis mit mehr als einem Dutzend Einzeltiteln vertreten. Er steht dort in einer Reihe mit führenden internationalen Autoren wie John Ashbery, Paul Celan, René…

Die Kunst des Fortschreibens

Unter dem Titel „Fortschrift“ (Ein Gedicht in fünfzehn Würfen) legt Felix Philipp Ingold beim Ritter Verlag Literatur (Klagenfurt/Wien) einen Text vor, der als Überschreibung und Fortschreibung von Stéphane Mallarmés typographischem Poem „Niemals wird ein Würfelwurf den Zufall tilgen“ konzipiert ist. In einem dem Buch…