Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Kai Pohl'

Schlagwort-Archive: Kai Pohl

Im Netz seit 1.1.2001

Was aber heißt hier politisch?

Es bedeutet in jedem Fall, dass das Schwarzbuch nicht nur aus abgelehnten Texten besteht.

Das deckt sich mit Kai Pohls Aussage, das Schwarzbuch stelle kein Gegenbuch zum Jahrbuch dar, sondern eher einen „Ergänzungsband“. Ergänzt werden soll vor allem der Bereich der politischen Lyrik. Was aber heißt hier politisch? Hält man den Definitionsrahmen weit, dann wäre das Schreiben von Gedichten überhaupt schon politisch. Einmal in Hinblick auf den geringen Vermarktungswert eines Gedichtes, und dann auch in Bezug auf Bildungspolitik. Gedichte schreiben hieße dann, im weitesten Sinne Spracherziehung betreiben. Hieße, mittels einer zweiten, dritten, x-ten Alphabetisierung (des Autors, des Lesers) durch je verschiedene Texte Sprachkompetenz herzustellen, zu verbessern. Allerdings ergäbe sich mit diesem Blick ein Etikettierungsproblem. Der hypothetische Käufer einer „Anthologie politischer Lyrik“ wäre vermutlich erbost, fände er sich bei der Lektüre zwischen Naturgedichten und Liebeslyrik wieder. Und wenn man den Definitionssattel enger schnallt? Wäre ein Gedicht, das beispielsweise Angela Merkel im Titel trägt, allein deshalb schon ein politisches, weil es eine Politikerin herbei zitiert? Solche „inhaltlichen“ Zuordnungskriterien bergen die Gefahr für reine Schlagwortlyrik, andererseits muss gerade im politischen Bereich manches deutlich benannt werden.

Behält man die Frage im Kopf (wie sehen politische Gedichte aus?), fällt beim Lesen des Schwarzbuchs auf, dass besonders häufig listenartige Texte vorkommen. (…)

Das Schwarzbuch der Lyrik 2016 zeigt sich deutlich politisch – sowohl in der Gestaltung als auch in den Gedichten. / Christiane Kiesow, Signaturen

(Katja Horn, Kai Pohl, Clemens Schittko, Kristin Schulz:) Fünfzigtausend Anschläge. Schwarzbuch der Lyrik 2016. Berlin (Distillery) 2016. 132 Seiten. 16,00 Euro.

Gegendarstellung

So nennt Su Tiqqun ihren Verriß des „Schwarzbuchs der Lyrik“ in der Zeitung junge Welt. Auszug:

Wünschen sich die Herausgeber des »Schwarzbuchs« einen öffentlichen Dreifrontenkrieg zwischen Realverdichtern, hochdotierten Natur-und Konsensdichtern und marktgefällig kalauernden Surf-und Slampoeten? Dann sollte man die Konfrontation mit Umsicht vorbereiten und Aktionismus unterlassen, damit die Anerkennung einer literarischen Transformation forciert werden kann und sich nicht ad hoc demontiert um den Preis der Verballhornung einer ästhetischen Analyse, die »das Alltagsbewusstsein zurechtrückt mittels Irritation«, so Mitherausgeber Kai Pohl. Letztere ist dem Leser sicher: Irritation und dadaistisches »Pnüngse örken« von Ralf S. Werder, »Mörtel im Ohrstecker für Männer in Ausbildung« von Bert Papenfuß, »…hecklig kocht mit stihl brigitte diät…« aus der Feder des Antikommunisten Hermann Jan Ooster, »im halben gespräch kotzt deine / ganze scham ins seichte fahrwasser / der alltagsangst« von Lilly Jäckl oder »… Salamandra, Sorriso, Sackamatz …« von Ann Cotten. Es gibt Reinwaschungen der Beliebigkeit mit den Mitteln der Kapitalismuskritik, Hermetisches, dezentes und avanciertes Sprechen, das »im Einklang mit der Absicht, die Stimmen der Vergangenheit zu brechen« (Katja Horn) oft dem Duktus der Achtziger folgt: Turbobloßstellungen gegen den Turbokapitalismus von Clemens Schittko, aufmüpfig Seismographisches von Jannis Poptrandov, erhaben simple Cut-ups von Kai Pohl und viel kreativer Wahnsinn könnten den angepeilten Leser, unter anderem den Mob, der zwar zum Kotzen ist, aber ein Recht hat, Gedichte zu verstehen, wie Florian Günther sagt, der aber nicht vorkommt, wieder verprellen oder oder in abwinkende Ratlosigkeit stürzen.

Ihr Fazit, das sie voranstellt:

Ein jeder planscht in seinem Teich: Die Konfektionisten der eher monokulturellen Auslese des »Jahrbuchs der Lyrik 2015« paddeln im Kreisverkehr lyrischer Indifferenz. Die Herausgeber der gegenliteraischen Inventur schwimmen ihnen trotzend entgegen. Das jüngst erschienene »Schwarzbuch der Lyrik 2016« demonstriert, dass die subventionierte Biopoesiecompany keine Betriebsstörungen von seiten aufsässiger Lyrikproduzenten befürchten muss. Weder im guten noch im schlechten.

Epidemie der Künste (Hg.): Fünfzigtausend Anschläge. Schwarzbuch der Lyrik 2016. Distillery, Berlin 2016, 131 S., 16 Euro

Radikalpoesie

Politisiert Euch könnte man in Anlehnung an das Motto eines inzwischen bekannten Berliner Verlagshauses Kai Pohls neue Arbeit übertiteln, die von den Ungeheuerlichkeiten der neoliberal geprägten kapitalistischen Gegenwart spricht, von unseren Verstrickungen darin und dem mehr oder weniger bewußten Reproduzieren entsprechender Strukturen. In schon bewährter Weise stellt sie eine Kompilation aus zum Teil abgewandelten Zitaten, Versatzstücken und persönlichen Einlassungen dar und ist auch geeignet, das Diktum gewisser Feuilletonisten, die zeitgenössische deutschsprachige und zumal junge Literatur sei belanglos, zu sehr auf sich selbst fixiert, ad absurdum zu führen.
Was Kai Pohl hier treibt, möchte ich Radikalpoesie nennen, eine Poesie der radikalen (Bild-)Schnitte und Des-illusionierung. / Jayne-Ann Igel, Signaturen

Kai Pohl: 1964 oder Das marktkonforme Schweigen der Seele des männlichen Marktsubjekts. Berlin (Distillery #42) 2015. 36 Seiten. 10,00 Euro.

„Krieg heißt jetzt Friedenssicherung“

Wie Flarf-Poeten und doch anders gehen auch Kai Pohl und Clemens Schittko vor, die auf meine Anfrage bei fixpoetry.com mit Hinweisen in eigener Sache reagierten. Interessant finde ich ihre Anthologie serieller Texte „my degeneration. the very best of WHO IS WHO“, die im freiraum-Verlag vorliegt. Das titelgebende sprachkritische Listengedicht „WHO IS WHO“ basiert auf Suchmaschinenergebnissen, die per Cut-up und Montagetechniken miteinander kombiniert wurden: „Krieg heißt jetzt Friedenssicherung, Angriffskrieg heißt jetzt Verteidigung vitaler Interessen, Destroy heißt jetzt Erase.“ Die Haltung der Berliner Kompilatoren ist ebenso unprätentiös wie die der Flarf-Poeten; allerdings sind ihre Texte nicht simulierter Nicht-Sinn, sondern Proteste gegen die Verfälschung von Wirklichkeit durch eine sinnentleerte Sprache. / Elke Heinemann, FAZ.net

Nachzutragen die erwähnten Bücher:

Fünfzigtausend Anschläge

Liebe Dichterin, Lyrikerin, Poetin, Verseschmiedin*, 

Lieber Verseschmied, Poet, Lyriker, Dichter**,

die Auswahl- und Lektoratsclique, bestehend aus Katja Horn, Kristin Schulz, Clemens Schittko und mir***, hat alle eingereichten Texte gesichtet. 

Uns lagen ca. 700 Gedichte von etwas weniger als 100 Einsendern vor. Gedichte, die uns nicht zugesandt wurden, konnten leider nicht berücksichtigt werden.

Die Auslese wurde nun zu einem Band zusammengestellt, der da heißt:

Fünfzigtausend Anschläge
Schwarzbuch der Lyrik 2016
60 Gedichte von 39 Schreibenden.
Mit einer Titelgrafik von Joerg Waehner und einem Motto von Christine Sohn.
Mit Klappentexten von Marina Büttner und Christoph Bruckner sowie einem Einbandzitat von André Hatting.
Weitere Zitate von Theo Breuer, Peter Engel, David Hoffmann, Eric Ahrens, Herbert Hindringer, Lukas Palamar, Sofie Lichtenstein und Markus Prem.
Grußworte von Hans Magnus Enzensberger, Cindy aus Marzahn, Marcel Reich-Ranicki, Michael Braun und Johann Wolfgang von Goethe.

Gedichte von Gerd Adloff, Michael Arenz, Christoph Bruckner, Ann Cotten, Gerald Fiebig, Lütfiye Güzel, Jonis Hartmann, Katrin Heinau, Katja Horn, Lilly Jäckl, Angelika Janz, Alexander Krohn, Jan Kuhlbrodt, Gregor Kunz, Robert Mießner, Pega Mund, Niklas L. Niskate, Hermann Jan Ooster, Bert Papenfuß, Martin Piekar, Kai Pohl, Jannis Poptrandov, Bertram Reinecke, Clemens Schittko, Sigune Schnabel, Jürgen Schneider, Kristin Schulz, Christine Sohn, Michael Spyra, Lutz Steinbrück, Brigitte Struzyk, Su Tiqqun, HEL Toussaint, Tom de Toys, Joerg Waehner, A. J. Weigoni, Ralf S. Werder, Sebastian Wippermann.

Mit ergänzenden Beiträgen zur Entstehung des Schwarzbuchs.

Beteiligte Autoren erhalten ein Belegexemplar, weitere Exemplare mit Autorenrabatt

(Ladenpreis 16 Euro abzüglich 40 % = 9,60 Euro)

Vorbestellungen zum Subskriptionspreis von 12 Euro unter edk@pappelschnee.de.

i. A. d. Auswahl- und Lektoratsclique,

Kai Pohl

Fünfzigtausend Anschläge
Schwarzbuch der Lyrik 2016
1. Auflage 2016
Herausgegeben von der Epidemie der Künste zu Berlin am See
Erscheint im Verlag Distillery
Redaktion: Katja Horn, Kristin Schulz, Kai Pohl, Clemens Schittko
Titelgrafik: Joerg Waehner
Gestaltung und Satz: SkafA, Abt. Bornholmer Hütte
Druck: primeline print berlin
Bindung:  Reinhart & Wasser, Berlin
Französische Broschur, 132 Seiten, ca. 20 x 19 cm
ISBN 978-3-941330-40-5

*) Wo bleiben die Leserinnen?

**) Wo bleiben die Leser?

***) Kai Pohl

Kommunikationsguerilla

Aus einem Interview über den Aufruf der „Epidemie der Künste“ zu einem „Jahrbuch der Refusés“ und politische Lyrik, das Kristian Kühn mit Kai Pohl führte (Signaturen):

KP: Zu „Brecht oder Fried“ fallen mir spontan Andreas Paul und Jannis Poptrandov ein, die in der öffentlichen Wahrnehmung keine große Rolle spielen. Aber sie gehören zu den durchaus vorhandenen lebenden Verfassern renitenter Lyrik; nicht zu vergessen Bert Papenfuß, der 1998 den Erich-Fried-Preis bekam. Und klar, Auswahlprozesse sind mühsam. Man wühlt sich durch einen Haufen Müll, um eine Perle zu finden.

(…)

KK: Wollt ihr – wer ist eigentlich die Redaktion oder Jury, die die Auswahl trifft – hauptsächlich politische Texte bringen, sofern sie wirklich eingereicht wurden beim Jahrbuch? Was ihr als Kriterium in eurem Aufruf nennt, ist ja mehr als vieldeutig, fast verschwörungstheoretisch – im Nachwort schreibt die Mitherausgeberin des Jahrbuchs: „Und mancher wird in der Auswahl dieses Bandes natürlich Dinge vermissen, die die Herausgeber bei den Einsendungen nicht finden konnten.“ Oder wollten? Oder nicht eingereicht wurden? Ihr sagt: „Da könnte sie sich irren!

KP: Ich kenne ein paar Einsendungen von Kollegen, in denen sich Texte finden, die über den Horizont des heurigen Jahrbuchs hinausweisen. Insofern hat das Ganze mit Verschwörungstheorie nichts zu tun. Wir werden die Auswahl nicht auf eine Thematik bzw. Herangehensweise beschränken, wir werden sicher nicht ausschließlich „politische Texte“ aussuchen.

KK: Ihr geht noch mehr in die Verschwörungsschiene, indem ihr zum Schluss sagt, es seien auch Texte bei euch erwünscht, von denen der Einreicher oder Nichteinreicher glaube, „wenn ich sie eingesandt hätte, wäre ich nicht vertreten.“ Pappelschnee ist auch so ein Wort, das dionysisch dunkel und nahezu todesmutig ist. Habt ihr keine Angst, Ärger mit dem Verlag des Jahrbuchs und den Herausgebern zu bekommen? 
KP: (…) Nora Gomringer weiß doch, daß sie aus einer privilegierten Position spricht, wenn sie im Nachwort des Jahrbuches sagt, daß die Leser „Dinge vermissen“ könnten, “die die Herausgeber bei den Einsendungen nicht finden konnten.“ Unser Aufruf ist ja keine Kritik am Jahrbuch selbst, wir sind keine Rezensenten. Der Aufruf kritisiert die Intransparenz des Prozesses, wie das Jahrbuch zustande kam, in der merkwürdigen Art der Verschleierung, die durch die Äußerung der Herausgeberin belegt ist. Mir ist schon klar, daß Herausgeber autonome Entscheidungen treffen müssen. Nur sollen sie dann auch dazu stehen, und nicht in vorauseilender Entschuldigung Dinge behaupten, die ihnen keiner abnimmt.
(…)  Ein, zwei Tage nachdem wir den Aufruf gesendet hatten, wurde uns klar, daß die Sache ein großer Spaß ist. Mit Aufmerksamkeitsheischerei hat das nichts zu tun, uns geht es um die Brauchbarkeit der Lyrik und darum, den lyrischen Zirkel zu erweitern, damit ein besseres Bild entsteht. Ein stringenter Nachweis, welche Texte eingesendet wurden oder nicht, ein klares Wieso-Weshalb-Warum, wird nicht möglich sein und war auch nicht unsere Absicht.
 (…) Wir warten jetzt mal die Einsendungen ab und sehen dann, was daraus zu machen ist. Ein „Gegenbuch“ soll es nicht werden, eher ein Ergänzungsband, ein ernstgemeinter Scherz vielleicht, weil die Vorgehensweise die legitimen oder für legitim gehaltenen Formen des literarischen Diskurses unterläuft im Sinne einer Kommunikationsguerilla.

Jahrbuch der Einfalt

Liebe Dichterin, Lyrikerin, Poetin, Verseschmiedin,
Lieber Verseschmied, Poet, Lyriker, Dichter,

die aus dem Ruhezustand agierende Floppyredaktion läßt fragen:

gehörst Du zu den Einsenderinnen und Einsendern des heurigen Jahrbuchs der Lyrik, deren Gedichte nicht im Band vertreten sind(*)
Dann könnte dich Folgendes interessieren.

„Die Hauptsache ist, eine Geschichte zu erzählen.“ (Frank O’Hara) Und die Geschichte geht so.

Am 16. Juli kommentiert Heike Kunert, Literaturredakteurin der Zeit, in der Zeit (1) (Vorsicht: Remix!): „Das dreißigste Jahrbuch der Lyrik ist gewiss eine traurige Angelegenheit. Es ist kein guter Jahrgang: verhalten, trocken, unreif, artig – geistiges Brachland, magere lyrische Ernte. Viele Gedichte in diesem Buch berühren nicht, man verfällt in eine von Langeweile und Empörung angetriebene Schnappatmung. Für einen Einkaufszettel würde man mehr empfinden. Überdies fällt auf, dass sich so gut wie kein politisches, zumindest gesellschaftskritisches Gedicht im Jahrbuch findet.“
Am 18. Juli fragt die Lyrikzeitung (2) nach, „ob die Herausgeber vielleicht politische Gedichte herausgefiltert haben“.
Dazu schreibt Nora Gomringer, Mitherausgeberin des 30. Lyrikjahrbuches, (von Konstantin Ames kurzerhand zu Jahrbuch der Einfalt umtituliert) im Nachwort: „Und mancher wird in der Auswahl dieses Bandes natürlich Dinge vermissen, die die Herausgeber bei den Einsendungen nicht finden konnten.“

Wir sagen: „Da könnte sie sich irren!“, und bitten um Zusendung Deiner für das Jahrbuch eingereichten Texte an edk@pappelschnee.de. Wir wollen daraus eine Auswahl treffen und im Herbst in der neuen Publikationsreihe der EdK Berlin herausgeben. Es könnte ja immerhin sein, daß wir einige von den „Dingen“ finden, die andere „natürlich“ vermissen.

Herbstliche Grüße, & nur Mut!,

i. A. d. R. i. R.
Kai Pohl

(*) Es sind auch Texteinreichungen von Nichteinsenderinnen und -sendern erwünscht, von denen, die meinen: „Und wenn ich eingesandt hätte, wäre ich nicht vertreten.“


(1) http://www.zeit.de/kultur/2015-07/30-jahrbuch-der-lyrik-buchkritik/komplettansicht
(2) https://lyrikzeitung.com/2015/07/18/einsam-auf-der-saeule/

Prolog X4

Ausstellung und Release – 27.6. – 30.6.15

Wer wissen möchte, welche künstlerische Transformation das „Kapital“ von Marx im Jahr 2015 erlebt und wieso Thomas Morus sich kopflos geträumt hat, dem empfehlen wir die neue Ausgabe des Prolog- Heft für Zeichnung und Text zum Schlagwort u-TOPIEN. Außerdem in der neuen Ausgabe: stolpernde Gräser und Langsamgeher, ein utopisches Möglichkeitenuniversum, ein ganzer Schwall Schwalben, Enten, die barfuß gehen, Ikarus und Artemis, etwas zur Zukunft deutscher Mittelstädte, Zeichnungen, Bilder, Collagen, Gedichte, Gedanken, Texte und ein rotes Ufo…

Wir laden herzlich ein zur Heftrelease der 14. Ausgabe des Prolog. Prolog X4 versammelt auf 68 Seiten Arbeiten von 48 Künstler- und AutorInnen zum Thema u-TOPIEN. Vom 27.-30.6. stellen wir die neue Ausgabe mit Ausstellung und Lesungen vor. In der begleitenden Ausstellung werden Arbeiten der an dieser Ausgabe beteiligten KünstlerInnen zu sehen sein. Zu Gast sind wir dieses Mal im Pavillon am Milchhof in Berlin Prenzlauer Berg.

27.6. ab 17 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Heft-Release, parallel läuft das Sommerfest der Ateliergemeinschaft Milchhof e.V. mit Bar, Musik und…

28.6. und 29.6. 14 Uhr – ca. 21 Uhr geöffnet, ab 19 Uhr „Künstler-Tresen“

30.6. 14 Uhr – 21 Uhr geöffnet, ab 18 Uhr Finissage & Short-Lesungen u.a. mit Clemens Schittko, Kai Pohl, Stephan Brenn, Susanne Eules, Lars-Arvid Brischke

Programm ist noch in Arbeit…

Prolog X4 mit Arbeiten von: Albrecht Wild, André Patten, Anett Lau, Anke Becker, Andreas Koletzki, Anton Schwarzbach, Astrid Köppe, Ben G. Fodor, Christoph Vieweg, Clemens Schittko, Dorit Trebeljahr, Erwin Schumpeter, Franziska Peter, Georg Kakelbeck, Grazyna Zarebska, Hagen Klennert, HEL Toussaint, Ilse Ermen, Jonis Hartmann, Juliane Laitzsch, Kai Pohl, Katharina Seidlitz, Käthe Wenzel, Katrin Heinau, Katrin Salentin, Kirsten Klöckner, Lars-Arvid Brischke, Liana Zanfrisco, Margarete Lindau, Martin Bartels, Mikael Vogel, Moritz Schleime, Nicole Wendel, Norbert Bücker, Ottfried Zielke, Patrick WEH Weiland, Pega Mund, Petrus Akkordeon, Ross Henriksen, Simone Scharbert, Susanne Eules, Silvia Lorenz, Søren Bjælde, Stefan Malicky, Stephan Brenn, Susanne Koheil, Su Tiquun, Uta Protzmann

Das Heft ist während der Ausstellungstage vor Ort erhältlich oder hier zu bestellen für 8€+Versand.

Utopisches Überraschungs-Special: Einige Ausgaben des neuen Heftes sind mit kleinen Grafiken, Zeichnungen und Unikaten einiger Künstler- und AutorInnen erhältlich. Entweder vor Ort oder hier (Stichwort: Prolog X4 mit Unikat) für 15 €+Versand. So lange der „Vorrat” reicht.

Pavillon am Milchhof in der Schwedter Str. 232, 10435 Berlin, zwischen Kastanienallee und Mauerpark

Mehr

GENERATIONENÜBERGREIFEND: DER NAHBELLPREIS

G&GN-INSTITUT, Düsseldorf im Juni 2015 / Traditionell am 21.6. wird der neue Nahbellpreisträger bekannt gegeben und das Email-Interview mit ihm veröffentlicht, das in den letzten Monaten geführt wurde. Nur so viel sei schon vorab verraten: Der diesjährige 16.Nahbellpreis geht an einen absoluten Newcomer der Lyrikszene, ein blutjunges Talent mit einem permanenten Literaturauswurf wie ein Vulkan! Von Karl-Johannes Vogt (verstarb 2013 mit 93) über Hadayatullah Hübsch (verstarb 2011 mit fast 65) bis zu dem kommenden Preisträger (unter 20) reicht der Altersunterschied. Der Nahbellpreis richtet sich erstmals seit 2000 an deutschsprachige Lyriker, die sich selbst oder Kollegen vorschlagen dürfen. Laut Urkunde ist die „Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess“ für die Vergabe entscheidend, ein Kriterium, das sich nur selten im Anfangsstadium eines Künstlers abschätzen lässt. Mit 10 Millionen Euro ist der Nahbellpreis der weltweit höchstdotierte Literaturpreis – leider fehlen bis heute geeignete Sponsoren, so dass sich alle bisherigen Preisträger derzeit mit einer symbolischen Ehrung und der Internet-Präsentation begnügen müssen. Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. Gesellschaftlich engagierte Literaten, die mit ihren bibliophilen Kleinstauflagen und idealistischen Projekten oft selbstlos und selbstausbeuterisch zum kulturellen Mehrwert beitragen, brauchen eine viel souveränere Unterstützung als das herkömmliche profilneurotische Preissystem der etablierten Literaturszene, die nicht das Engagement kritischer, progressiver, visionärer Stimmen belohnt, sondern sich lediglich selbst inszeniert. Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet. Die freie, nicht institutionell gebundene Poetisierung des Alltags soll dadurch angekurbelt werden – gegen die Stagnation des etablierten Konformismus…

Preisseite: www.LYRIKSZENE.de (wird in den nächsten Stunden freigeschaltet) =
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/
Aktuell laufendes Interview mit dem Kölner Dichter stan lafleur (3.Nahbellpreisträger 2002):
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/03-nahbell-preis-2002-stan-lafleur/

Das große Interview mit dem noch amtierenden 15.Nahbellpeisträger Kai Pohl:
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/15-nahbell-preis-2014-kai-pohl/

My Degeneration

Kai Pohls „Auweia heißt jetzt Ai Weiwei“ (S. 117 ff.) mag auch als neodadaistische Textperformance mit dem Transformationsschutt aus der Sprache von Werbewirtschaft und Politik begriffen werden. In seinem Kompilierungsverfahren verknüpft er verschiedene Bedeutungs- und Sinnebenen. „Erwartung heißt jetzt Entwaldung“ ist da etwa zu lesen, oder: „beschleunigte Verschwendung heißt jetzt Zukunftsverbrauch oder Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Und spart dabei die Niederungen des politischen Alltags nicht aus: „FDP heißt jetzt fast drei Prozent“, „Hohn heißt jetzt Hoeneß“. Man muß diese Texte, in denen sich, wie z.B. in Lars-Arvid Brischkes manifestartigem Beitrag (S. 100 ff.), die Rasanz und die Atemlosigkeit der medial aufbereiteten Gegenwart widerspiegeln, einfach politisch lesen. Und das durchaus mit Genuß. Brischke läßt mittels Versatzstücken aus Pressemeldungen, Schlagzeilen und Statements, die er gelegentlich lakonisch kommentiert, die Szenarien von Mauerfall, Nachwendezeit, Finanzkrise und Fukushima-Katastrophe Revue passieren. Wie nebenher tauchen da auch Namen auf, die in jüngster Zeit mit Skandalen verbunden wurden, Kachelmann, Strauss-Kahn und Assange. Robert Mießner verbucht in seiner Enzyklopädie diverse Sinnverschiebungen: „separat bleibt separat doch siehe/ kontakt unter kontrakt/ intellektuell unter integriert/ anpassung unter sachzwang“ (S.88). In Benedikt Maria Kramers Variationen zum Drifting von Dingen, Begriffen und Namen nach Kai Pohl finden sich beispielsweise diese Zeilen: „Abzocke heißt jetzt Marketing./ Propaganda heißt jetzt Advertising.“ (S. 98).

Ja, es besteht Gefahr, irgendwann selbst in Kai Pohls Namedropping-Trommel oder den Fokus seiner Mitstreiter zu geraten und sich unvermittelt in einem illustren Kontext wiederzufinden. / Jayne-Ann Igel, Signaturen

(Kramer / Mießner / Pohl / Schittko et al.:) my degeneration: the very best of WHO IS WHO. Greifswald (freiraum verlag) 2014. 151 Seiten. 14,95 Euro. 

87. Vermintes Feld

… hier kommt wirklich einmal zusammen, was zusammengehört. Insofern braucht man sich – wie im zitierten Fall – nicht zu wundern, wenn ein Sympathisant solcherart Textarbeit, der aus Güstrow stammende Dichter Bertram Reinecke, in seinem »Grußwort« zu diesem Band bemerkt: »Man könnte einwenden, es handele sich hier nicht um Sprachgebrauch, eher um Sprachverbrauch. Damit sind wir auf dem verminten Feld des politischen Gedichts angelangt.«

(…) von der manipulativen Funktion dieses »Sprachverbrauches« (B. Reinecke) einmal ganz abgesehen. / Wolfgang Gabler, Risse

Kramer/Mießner/Pohl/Schittko et al.: my degeneration. the very best of WHO IS WHO. Texte 2004-2013, Greifwald: freiraum-verlag, 134 S., 14,95 €.

94. Es sind Gedichte

… es sind politische Gedichte, mit der Betonung auf „Gedichte“, d. h. sie stehen auf der Seite der Komplexität und des gewitzten Kalküls, sind keine platten Spruch-Bekenntnis-Sachen. / Meinolf Reul, Fixpoetry, über

Kai Pohl
Solanum nigrum antichoc
Moloko+
2013 · 96 Seiten · 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943603-06-4

15. Poetische Horizonte in Greifswald

Dafür lohnt es glatt nach Greifswald zu pilgern:

Poetische Horizonte – Tagung zur Poesie: Dichter, Lyrikverlage, Literaturwissenschaft

13.-16.11.2014 im Koeppenhaus und Falladahaus in Greifswald

Ähnlich wie in den Wissenschaften schreitet die Differenzierung auch in der Poesie voran. Ein einzelner Dichter kann das Feld dessen, was probiert worden oder möglich ist nicht überblicken. Kein Kenner der Poesie hat für alle Richtungen der Poesie gleichermaßen Verständnis. Leider fehlt im öffentlichen Gespräch über Poesie weitgehend eine Reflexion über die Tendenz zunehmender Fragmentierung.
Für einige Tage versammeln sich Dichter und Herausgeber verschiedener Generationen und Szenen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands in Greifswald und diskutieren gemeinsam mit Literaturwissenschaftlern Probleme, an denen sie aus jeweils unterschiedlicher Perspektive arbeiten.
Die Tagungsbeiträge werden in der randnummer – literaturhefte (Berlin) publiziert.
Alle Veranstaltungen sind öffentlich und Gäste sehr willkommen!

Veranstalter: Literaturzentrum Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Verlag Reinecke & Voß (Leipzig)

Wir danken für die Unterstützung: Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V (ALG), der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald, der Universität Greifswald, randnummer – literaturhefte (Berlin) und dem pom-lit Verein/Falladahaus.

Veranstaltungsorte
Koeppenhaus, Bahnhofstr. 4-5 und Falladahaus, Steinstr. 59

Donnerstag, 13.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59)
17.30 Uhr, Begrüßung

18.00 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Sich selbst neu Erfinden – Poetische Utopien“
Norbert Lange, Bertram Reinecke, Elke Erb

21.00 Uhr, Lesung, Falladahaus, Eintritt 5/3 Euro
Norbert Lange, Elke Erb, Simone Kornappel, Bertram Reinecke

 

Freitag 14.11.2014, Falladahaus + Koeppenhaus
Fremde Literaturen

10.00 Uhr Vortrag, Falladahaus
„Pindars Traum“
Immanuel Musäus

10.30 Uhr Vortrag, Falladahaus
„Untote – Vom Weiterleben antiker Formen und Motive“
Dirk Uwe Hansen
anschließend Diskussion

12.00 Uhr Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Übersetzungen“
Christian Filips, Dirk Uwe Hansen, Ann Cotten

++++ Koeppenhaus ++++
16.00 Uhr Lesung, Koeppenhaus
Christian Filips, Jan Kuhlbrodt, Ann Cotten, Dirk Uwe Hansen lesen und kommentieren Übersetzungen von Texten von Pier Paolo Pasolini, Christian Prigent, Keith Waldrop, Konstantín Kavafis und Anderen

19.30 Uhr Buchpremiere, Koeppenhaus
„Muse, die zehnte: Antworten auf Sappho von Mytilene“
Dirk Uwe Hansen, Anne Martin, Georg Christoph Rohrbach, Bertram Reinecke

21.00 Uhr Gespräch & Lesung, Koeppenhaus, Eintritt 5/3 Euro
Gespräch zwischen Bert Papenfuß, Alexander Pehlemann und Michael Gratz über die Kulturlandschaft der späten DDR
anschließend
Sounds’n’Poetry „1648“
Bert Papenfuß feat. Underwater Agent Alexander Pehlemann

 

Samstag, 15.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59) + Koeppenhaus (Bahnhofstr. 4-5)
Moden – Zeiten – Räume

10.00 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Hausse und Baisse. Über Konjunkturen und Moden in der Poesie“
Kai Pohl, Jan Kuhlbrodt, Alexander Pehlemann, Tom Bresemann

12.00 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Geschichte des Politischen Witzes der DDR“
Karl-Heinz-Borchardt

13.30 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Experiment Textanalyse“
Monika Schneikart und Gudrun Weiland

14.15 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Zukunft schreiben“
Eckhard Schumacher

15.30 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Das Zentrum und die Ränder“
Wie prägt Herkunft Schreibstile und die Wahrnehmung eines Lyrikers in der Öffentlichkeit?
Daniela Seel, Angelika Janz, Martin Holz, Simone Kornappel

++++ Koeppenhaus ++++
18.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus
tEXTRAbatt
Odile Endres, Irmgard Senf, Ulrike Sebert

19.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus
„Lyrik aus dem Hinterland“
Martin Holz, Tobias Reußwig, Christoph Georg Rohrbach, Christiane Kiesow

21.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus, Eintritt 5/3 Euro
Daniela Seel, Angelika Janz, Kai Pohl, Ron Winkler

 

Sonntag, 16.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59)

10.00 Uhr, gemeinsames Frühstück

11.00 Uhr, Schlussdiskussion & Lesung
Silke Peters und Tom Bresemann

76. Wie der Dichter einmal nicht recht hatte

Peter Hacks

Auf die Spaltung der linken Zeitschrift „Sklaven“ in die linken Zeitschriften „Sklaven“ und „Sklaven Aufstand“

Wer untergehen will, muß sich entzwein.
Der Schwache ist am sterblichsten allein.

In: Peter Hacks: Die Gedichte. Hamburg: Edition Nautilus, 1998, S. 324.

Anmerkung:

Die Überschrift besagt nicht, daß der Dichter Peter Hacks nur einmal irrte; denn auch der Dichter ist nur humanum. Es bezieht sich ausschließlich auf einen einzigen hier dokumentierten Vorgang, insofern der überprüfbar ist.

Die SKLAVEN (erschienen zwischen Mai 1994 und Mai 1999) wurden mit der Nummer 50 eingestellt. Parallel wurden 1998 neun Ausgaben SKLAVEN AUFSTAND (Hefte 44/45, 46, 47/48, 49, 50, 51, 52, 53, 54/55) infolge der Spaltung nach Heft 43 bei Petersen Press herausgegeben. Auf der Titelseite des Abschlußheftes DIE LETZTEN SKLAVEN (Juni-September 1999) wird der Übergang der SKLAVEN zum GEGNER erklärt.

Oktober 1999: Aus Sklaven werden Gegner. Von der Zeitschrift „Gegner“ erscheinen bis 2013 32 Hefte.

Ab März 2014 erscheint die Zeitschrift ABWÄRTS als Gemeinschaftsprojekt folgender Zeitschriften: Es beerbt die seligen Sklaven, den unregelmäßig erschienenen Nachfolger Gegner und integriert die floppy myriapoda (als „Subkommando für die freie Assoziation“), den politjournalistisch ausgerichteten telegraph, der dem katastrophalen Abbau ostdeutscher Ökonomie, Kultur und Identität seit 1989 – als Nachfolgeblatt der Ostberliner Umweltblätter – nachgeht, und den kulturpolitischen Almanach Zonic. Das neue literarisch-politische Periodikum wird ab März 2014 alle zwei Monate herausgegeben.

Gerade erschien Heft 3 von Abwärts. Die Zeitschrift bringt, was man in Baden-Württemberg mit Grundschauer Anarchosyndikalismus nennt, aber auch z.B. Gedichte (Elke Erb, Kai Pohl, Bert Papenfuß).

Wie man hört & hofft, wird zumindest Zonic trotzdem weiter bestehen.

 

63. Nahbellpreis für Kai Pohl

Der 15. Nahbellpreisträger 2014 für Zeitgeistresistenz und Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess seiner Lyrik lautet: KAI POHL – das große Interview: http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/15-nahbell-preis-2014-kai-pohl/ (eine Unterseite von www.NAHBELLPREIS.de)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 451 Followern an