Schlagwort: L&Poe-Anthologie

Grabschrift des Wesens Mensch

Edna St. Vincent Millay (* 22. Februar 1892 in Rockland, Maine, USA; † 19. Oktober 1950 in Austerlitz, New York) Grabschrift des Wesens Mensch Hier liegt, unklagbar außer vor dem Meer Das bricht unwandelbar in leerer Welt, Mensch der Höchstvielfache, in Staub gefällt Um…

Winterbild

Hedwig Lachmann, verehelichte Landauer, (* 29. August 1865 in Stolp, Provinz Pommern; † 21. Februar 1918 in Krumbach, Bayern) Winterbild In meinem Zimmer ein paar frische Blumen, Die allen Wintermißmut mir vertreiben. Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen Und guckt dabei zutraulich durch…

Was waren das für Zeiten

Kirti Chaudhury Was waren das für Zeiten Als die Dinge vorüberglitten Und wir verharrten Als säßen im Zug wir und sähen Die Landschaft den Blicken entschwinden Von Augenblick zu Augenblick Was saß dort auf dem Draht Nachtigall Kuckuck Spatz? Hoch droben am Himmel War…

Nicht mit dem Schwerte

Schah Faqir Allah Affrin Lebte als Derwisch an der Tür einer Moschee in Lahore, wo er 1741 starb Auch mit dem Schwerte kannst du     nicht die Rebellen bessern: Noch stärker brennt die Kerze,     schlägst du ihr den Kopf ab. Aus…

Grundsätzlich

Elke Erb (* 18. Februar 1938 in Scherbach, Voreifel) Grundsätzlich ein sohn hat eine mutter wie die mutter einen sohn hatte und die welt stimmte so daß etwas alles veränderndes geschah der sohn der mutter entwuchs ihr verhältnis alterte, alterte die mutter darin wurde…

Tagesanbruch

Shahryar (eigentlich Akhlaq Muhammad Khan, * 1936) Qual bei Tagesanbruch Tau auf kühlen Ästen    noch immer verträumt Doch die Sonne    lenkt ihren Streitwagen In: Gelobt sei der Pfau. Indische Lyrik der Gegenwart. Hrsg. Alokeranjan Dasgupta. München: Schneekluth, 1986, S. 166

Nur wir beide

KAVITA SINHA Kavita Sinha (Jahrgang 1932), indische Schriftstellerin (Bengali), Radioproduzentin und Feministin, gab 1966 die sehr populäre, täglich erscheinende Lyrikzeitung Dainik Kavita heraus Nur wir beide Eben noch hunderttausend Lügen gesagt wir beide sechs Tassen Tee wir beide, sechs TasSen Tee und eben noch…

Sakontala

Goethe Will ich die Blumen des frühen, die Früchte des späteren Jahres,   Will ich was reizt und entzückt, will ich was sättigt und nährt, Will ich den Himmel die Erde mit Einem Namen begreifen;   Nenn ich Sakontala dich und so ist alles…

Liebeskampf und Liebeslaute

Man schlägt auf viererlei Art: Mit dem Handrücken, mit der ausgestreckten hohlen Hand, mit der Faust, mit der flachen Hand. Die aus den Schlägen erwachsenden Schmerzen äußern sich in pfeifenden Wehlauten, deren man acht Abarten unterscheidet: Den Laut „Him“, das Donnern, das Girren, das…

Verhangener Himmel

Shamsher Bahadur Singh (Śamaśera Bahādura Siṃha) (* 13. Januar 1911, Dehradun, Indien, † 12. Mai 1993, Ahmedabad, Indien) Verhangener Himmel Verzweifelt starr ich empor zum verhangenen Himmel: Tief in das Wolkendickicht verkriecht sich der Mond; Und von allen Seiten Schleicht sich leise lachend die Nacht heran….

Altindisch

Ganz unerwartet zieht die junge Frau den alten Gatten an den Haaren zu sich, umarmt ihn heftig und küsst ihn: hierzu wird sie einen besondern Grund haben. Aus: Indische Sprüche, Sanskrit und Deutsch. Böhtlingk, Otto von [Hrsg.] Band 1: A-Na. St. Petersburg, 1863.

Eva an Gott

KAVITA SINHA Kavita Sinha (Jahrgang 1932), indische Schriftstellerin (Bengali), Radioproduzentin und Feministin, gab 1966 die sehr populäre, täglich erscheinende Lyrikzeitung Dainik Kavita heraus Eva an Gott Ich wußte als erste einer Münze oben und unten sind Kopf und Adler Ich wußte als erste Licht…

jedenfalls war ich heut nacht im park

Lioba Happel (* 7. Februar 1957 in Aschaffenburg) «Ist mein Fräulein traurig soll sie sich zum Teufel scheren» zwei mal zwei ist sieben fünf acht drei mal drei alle viere jedenfalls war ich heut nacht im park jedenfalls gibt’s da wilde tiere der erste…

Zuweilen schläft auch der Dichter

Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) Zuweilen Zuweilen schläft auch der Dichter Der alte Verderber der Feste Ausgezählt hat er sich selber Gesunken ins Sterntalergras. Schnellwachsender Traum überspinnt ihm Die spähenden Augen Auf seiner Schreibhand Begatten sich Schmetterlinge Seine Sturmvögel plappern wie Spatzen Das liebliche Immer-schon-da….

Du Mann, den ich liebe

Henriette Hardenberg Eigentlich Margarete Rosenberg (* 5. Februar 1894 in Berlin; † 26. Oktober 1993 in London), expressionistische Dichterin Frühling Birkenweißes Bein, Liebeslandschaft, Hüften, Ihr Blumenbalkon, Zart und verwildert, Vollduftender Märzbecher, Du Mann, Den ich liebe! Aus: Henriette Hardenberg: Südliches Herz. Nachgelassene Dichtungen. Hrsg. Hartmut Vollmer. Zürich:…