Kategorie: Deutsch

Weil jetzt ein Gedicht

Dieter Roth (* 21. April 1930 in Hannover; † 5. Juni 1998 in Basel) Aus: Zwischen den Zeilen. Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik. Hrsg. Urs Engeler. #4, August 1994, S. 98

Für Günter Bruno Fuchs

Jenny Schon Für den Dichter und Graphiker Günter Bruno Fuchs (* 3. Juli 1928 in Berlin; † 19. April 1977 Berlin) 1969 zum Beispiel …geöffnet fliegt Otto Lilienthal uns entgegen auf einem Holzschnitt von dir im Berlin-Jahrbuch der Neuen Rabenpresse von V.O. Stomps Du… Continue Reading „Für Günter Bruno Fuchs“

Was war er denn? Er ist gewesen.

Günter Bruno Fuchs (* 3. Juli 1928 in Berlin; † 19. April 1977 ebenda) Fibel 1 Was war er denn? Er ist gewesen. 2 Was tat er denn? In einer Fibel lesen. 3 Was las er da? Ich weiß nicht mehr. 4 Besinn dich… Continue Reading „Was war er denn? Er ist gewesen.“

Gedancken bey Antretung des funffzigsten Jahres

Christian Hofmann von Hofmannswaldau (getauft 25. Dezember 1616 in Breslau; † 18. April 1679 ebenda) Gedancken bey Antretung des funffzigsten Jahres. 1. MEin Auge hat den alten Glantz verlohren /   Ich bin nicht mehr / was ich vor diesem war / Es klinget… Continue Reading „Gedancken bey Antretung des funffzigsten Jahres“

Lieber zu zweit verhungern

Sarah Kirsch (* 16. April 1935 in Limlingerode, Kreis Nordhausen; † 5. Mai 2013 in Heide (Holstein) LIEBER ZU ZWEIT VERHUNGERN ALS EINZELN In goldenen Wagen spazierenfahren: Gefahren Gefahren überall für unsere Treuen unbescholtenen Seelen Mein Freund bis hierher und nicht weiter Einer Sey… Continue Reading „Lieber zu zweit verhungern“

Das Flutgelall

Es steht nicht im Meyer und auch nicht im Grimm – und es existiert doch. Für das Wort „Flutgelall“ fand ich zwei Belege. Beide stehen unter dem Titel „Pegnesisches Schäfergedicht“ – eine Kollektivdichtung des „Pegnesischen Blumenordens“, das war eine der vielen Sprachgesellschaften des 17.… Continue Reading „Das Flutgelall“

Nur fort, vergnügtes Paar

Bei Sibylla Schwarz lernt das Sonett tanzen, schrieb Walter Hinck. Bei Johann Christian Günther, gut drei Generationen später, lernt sogar das Gelegenheitsgedicht tanzen. Hier die erste Strophe eines Hochzeits-Glückwunsch-Gedichts. Johann Christian Günther (* 8. April 1695 in Striegau/Schlesien; † 15. März 1723 in Jena)… Continue Reading „Nur fort, vergnügtes Paar“

Lumpenlied

Erich Mühsam (geboren am 6. April 1878 in Berlin; gestorben am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) Lumpenlied Kein Schlips am Hals, kein Geld im Sack. Wir sind ein schäbiges Lumpenpack, auf das der Bürger speit. Der Bürger blank von Stiebellack, mit Ordenszacken auf… Continue Reading „Lumpenlied“

Ein Osterlied

Sibylla Schwarz (24. Februar 1621 Greifswald – 10. August 1638 ebenda)         Triumph Lied        über die Aufferstehung             CHRJSTJ.        LAst uns frölich Alleluia singen / last uns frölich und vohn… Continue Reading „Ein Osterlied“

Der Knabenteich

Peter Huchel (* 3. April 1903 in Lichterfelde bei Berlin; † 30. April 1981 in Staufen) Der Knabenteich Wenn heißer die Libellenblitze im gelben Schilf des Mittags sprühn, im Nixengrün der Entengrütze die stillen Wasser seichter blühn, hebt er den Hamen* in die Höhe,… Continue Reading „Der Knabenteich“

Nossis / Kling

Am 1. April 2005 starb Thomas Kling. Hier zum Anlaß ein Gedicht aus dem Band Sondagen (DuMont 2002), wiederabgedruckt in Band 3 der 4bändigen Werkausgabe bei Suhrkamp 2020. Eigentlich handelt es sich um eine Übersetzung einer antiken Dichterin, Nossis, die um 300 vor unserer… Continue Reading „Nossis / Kling“

Der Beständige und der Flüchtige

Sophie Mereau (* 27. März 1770 in Altenburg; † 31. Oktober 1806 in Heidelberg; wiederverheiratete Brentano) Der Wein Einer Fackel vergleich‘ ich den Wein: beleuchtet sie liebliche Bilder,    frischt ein schimmernder Tag üppig die Farben nur an; aber erhellet ihr Strahl das Inn’re… Continue Reading „Der Beständige und der Flüchtige“

Drei Epigramme

Daniel Schiebeler (* 25. März 1741 in Hamburg; † 19. August 1771 ebenda) Guter Rath. Lies wenig, denke viel, geh viel mit andern um; Sonst bleibst du, glaub es mir, bey allen Büchern dumm. Die verliebte Verzweifelung. Sich Chloens Liebe zu erwerben, Was that… Continue Reading „Drei Epigramme“

Künstlers Abendlied

Johann Wolfgang Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar) Lied des phisiognomischen Zeichners O daß die innre Schöpfungskraft Durch meinen Sinn erschölle Daß eine Bildung voller Saft Aus meinen Fingern quölle. Ich zittre nur ich stottre… Continue Reading „Künstlers Abendlied“

Vom Übersetzen. Und Machen.

Frühlingsanfang, Geburtstag von Ovid und Hölderlin. Ich entscheide mich für Goethe, „Der Mann von funfzig Jahren“: Jene Stelle des Ovid fiel ihm wieder ein, und er glaubte jetzt durch eine poetische Umschreibung, so wie damals durch eine prosaische, sich am besten aus der Sache… Continue Reading „Vom Übersetzen. Und Machen.“