Kategorie: Deutsch

Advent der Fabrikmädchen

Albin Zollinger (* 24. Januar 1895 in Zürich; † 7. November 1941 in Zürich) Advent der Fabrikmädchen Die Arbeiterinnen kommen in einem Geruche von Mandarinen. Ihr Feierabend neigt in das Dunkel hinein. Wenn sie, die Augen noch blaß vom Gebraus der Maschinen, Über die… Continue Reading „Advent der Fabrikmädchen“

Jesse Thoors Dankrede

Jesse Thoor (* 23. Januar 1905 als Peter Karl Höfler in Berlin; † 15. August 1952 in Lienz/Osttirol) Dankrede Dies ist die Rede des Einzigen und aus Jesse und Lob und Dank. Der viel gesehen hat, mancherlei gehört und mehr noch erfahren. Und zur… Continue Reading „Jesse Thoors Dankrede“

Weil niemand sie ernst nehmen kann

Die Poeten, wenn sie Poesie machen, die hinter ihrem und unserem Bewußtsein zurückbleibt, sperrt man nur darum nicht ein, weil der Schaden, den sie anrichten, nur sie selber trifft; sie entlassen sich sozusagen selber: indem kein Zeitgenosse, kein bewußter, sie ernst nehmen kann. Max… Continue Reading „Weil niemand sie ernst nehmen kann“

Der Wind

Bolesław Leśmian (* 22. Januar 1877[1] in Warschau; † 5. November 1937 ebenda) Der Wind Der Wind weiß gut, wie die Stimme taut … Die Dämmerung schaukelt die Föhre. Man sieht keine Welt, man hört keinen Laut, Doch ich sehe etwas und höre …… Continue Reading „Der Wind“

Kinder reicher Leute

Mascha Kaléko (Golda Malka Aufen, * 7. Juni 1907 in Chrzanów, Galizien, Österreich-Ungarn; † 21. Januar 1975 in Zürich) Kinder reicher Leute Sie wissen nichts von Schmutz und Wohnungsnot, Von Stempelngehn und Armeleuteküchen. Sie ahnen nichts von Hinterhausgerüchen, Von Hungerslöhnen und von Trockenbrot. Sie… Continue Reading „Kinder reicher Leute“

Nur Worte

Worte können töten. Gerade wieder haben wir es im Fernsehen gesehen, aus Washington D.C.. Vor 60, 70 Jahren hatten es die Menschen gerade erlebt und – unterschiedliche – Schlußfolgerungen daraus gezogen. Nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, schrieb A. B (in einem… Continue Reading „Nur Worte“

Stirn und Scheitelknochen

Werner Riegel (* 19. Januar 1925 in Danzig; † 11. Juli 1956 in Hamburg) Stirn und Scheitelknochen Inseln unter dem Wind, Wo tief die Zitterrochen Meiner Gedanken sind. Thule und beide Sizilien Hinter Heu irgendwo. Ich schweige im Blau, ich spiele Träumerisch mein Jo-Jo.… Continue Reading „Stirn und Scheitelknochen“

„Höllerer, wo ist dein Sieg?“

Klaus M. Rarisch (* 17. Januar 1936 in Berlin; † 20. Juli 2016 ebendort) DEUTSCHER LENZ IN CEFALU Brände brechen aus in mir, grelle Kastagnetten knallen hinter Adern her und hallen allmetallisch Gischt hoch Gier. Durch Aortapforten schweigt Mumienmulm der Urboviste; fahnenfarb das Ungehisste… Continue Reading „„Höllerer, wo ist dein Sieg?““

Jungfern-Glück

Sidonia Hedwig Zäunemann ging nicht ins Kloster, ihr Gedicht spricht nur davon. Es beschreibt, wie nur die Unverheirateten von Unterdrückung und Schlägen durch Männer frei sein können. Sie selber hatte durchaus „Glück“, sie durfte unverheiratet im Haus ihrer Eltern in Erfurt leben und sich… Continue Reading „Jungfern-Glück“

1heit

Adolf Glaßbrenner (* 27. März 1810 in Berlin; † 25. September 1876 ebenda) 1 – 10. An Deutschlands bald’ger 1heit Da 2fle ich noch sehr; Ick jebe keenen 3er 4 diese Hoffnung her. 5 Nationalitäten Sind, wo 6 Deutsche stehn, Die Alle abzu7, Gebt… Continue Reading „1heit“

Die Amazone

Nachrichten über Elisabeth Paulsen seien spärlich, schreibt Gisela Brinker-Gabler in ihrer berühmten Anthologie, aus der ich heute ein Gedicht bringe. „Sie wuchs in Holstein als Tochter eines Kirchenpropstes auf und lebte später verheiratet in Hamburg. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, die in Bibliotheken nicht mehr… Continue Reading „Die Amazone“

jemand geht & sie weiß

Heute leider ein Ehrengedicht von der Dichterin. Barbara Köhler ist am 8.1. mit nur 61 Jahren gestorben. Barbara Köhler (* 11. April 1959 in Burgstädt; † 8. Januar 2021) Hier der erste Teril des Permutationsgedichts „Jemand geht“. Jemand geht 3 Fortschritte beziehungsweiser Logik für… Continue Reading „jemand geht & sie weiß“

Ehrengedicht für die Dichterin

Johann Peter Titz (* 10. Januar 1619 in Liegnitz, Schlesien; † 7. September 1689 in Danzig) Ehrengedicht für Sibylla Schwarz in der Ausgabe ihrer „Deutsche(n) Poetische(n) Gedichte“, die 1650, zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und 12 Jahre nach dem Tod der jungen… Continue Reading „Ehrengedicht für die Dichterin“

harbst-lid

Paul Verlaine (* 30. März 1844 in Metz; † 8. Januar 1896 in Paris) Chanson d’automne Les sanglots longs Des violons     De l’automne Blessent mon cœur D’une langueur   Monotone. Tout suffocant Et blême, quand   Sonne l’heure, Je me souviens Des… Continue Reading „harbst-lid“

Psalm

Heute vor 60 Jahren schrieb Paul Celan dieses Gedicht, vermutlich in Paris. Psalm Niemand* knetet uns wieder aus Erde und Lehm, niemand bespricht unsern Staub. Niemand. Gelobt seist du, Niemand. Dir zulieb wollen wir blühn. Dir entgegen. Ein Nichts waren wir, sind wir, werden… Continue Reading „Psalm“