Kategorie: Schweiz

Branchenbuch

Beat Brechbühl (* 28. Juli 1939 in Oppligen, Schweiz) Aus: Branchenbuch. Auszüge aus dem Alphabet Skilifte Sie schleppen dich hinauf du rutschst hinunter das ist nur noch ½ Sisyphos. Waschmaschinen Oben füllst du das Kind ein unten kommt der Greis heraus ganz sauber durchgespült.… Continue Reading „Branchenbuch“

Weil jetzt ein Gedicht

Dieter Roth (* 21. April 1930 in Hannover; † 5. Juni 1998 in Basel) Aus: Zwischen den Zeilen. Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik. Hrsg. Urs Engeler. #4, August 1994, S. 98

Freunde

Erika Burkart (* 8. Februar 1922 in Aarau; † 14. April 2010 in Muri AG) Freunde Falsch, zu glauben, sie haben sich nichts mehr zu sagen; vieles wäre noch auszusprechen, doch die Worte kehren um auf den Lippen. Erschöpfung, Entfremdung, Verletzung: Leben heißt dieses… Continue Reading „Freunde“

Es kommt es geht

Heute vor 100 Jahren wurde der Schweizer Pfarrer und Dichter Kurt Marti geboren. Er starb vor vier Jahren, wenige Tage nach seinem 96. Geburtstag. Kurt Marti (* 31. Januar 1921 in Bern; † 11. Februar 2017 ebenda) wie geit’s? äs chunnt äs geit ganz… Continue Reading „Es kommt es geht“

Advent der Fabrikmädchen

Albin Zollinger (* 24. Januar 1895 in Zürich; † 7. November 1941 in Zürich) Advent der Fabrikmädchen Die Arbeiterinnen kommen in einem Geruche von Mandarinen. Ihr Feierabend neigt in das Dunkel hinein. Wenn sie, die Augen noch blaß vom Gebraus der Maschinen, Über die… Continue Reading „Advent der Fabrikmädchen“

Weil niemand sie ernst nehmen kann

Die Poeten, wenn sie Poesie machen, die hinter ihrem und unserem Bewußtsein zurückbleibt, sperrt man nur darum nicht ein, weil der Schaden, den sie anrichten, nur sie selber trifft; sie entlassen sich sozusagen selber: indem kein Zeitgenosse, kein bewußter, sie ernst nehmen kann. Max… Continue Reading „Weil niemand sie ernst nehmen kann“

Nur Worte

Worte können töten. Gerade wieder haben wir es im Fernsehen gesehen, aus Washington D.C.. Vor 60, 70 Jahren hatten es die Menschen gerade erlebt und – unterschiedliche – Schlußfolgerungen daraus gezogen. Nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, schrieb A. B (in einem… Continue Reading „Nur Worte“

Schurm und Stirm

Paul Klee (* 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee, Kanton Bern; † 29. Juni 1940 in Muralto, Kanton Tessin) Strophe: Rach und Degen ein Dach dem Regen Schurm und Stirm im Sturm ein Schirm Strophe: Rach und Degen im Sturm ein Schirm ein Dach dem… Continue Reading „Schurm und Stirm“

Breites Sonett

Der heutige Text ist genau, was die Überschrift verspricht: ein „unregelmäßiges Sonett“. Von heute gesehen erscheint er eigentlich ziemlich regelmäßig, nur dass es etwas breit aussieht… und 3 der 14 Verse schon optisch als noch einmal verlängert in die Augen stechen. Es ist sonst… Continue Reading „Breites Sonett“

Inventar

Mascha Kaléko (* 7. Juni 1907 im galizischen Chrzanów, Österreich-Ungarn; † 21. Januar 1975 in Zürich) Inventar 1 Haus ohne Dach Kind ohne Bett Tisch ohne Brot Stern ohne Licht. 2 Fluß ohne Steg Berg ohne Seil Fuß ohne Schuh Flucht ohne Ziel. 3… Continue Reading „Inventar“

Leichtes Extravagantenlied

Ferdinand Hardekopf (* 15. Dezember 1876 in Varel; † 26. März 1954 in Zürich) Wir Gespenster (Leichtes Extravagantenlied) Wir haben all unsere Lüste vergessen, In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen; Erleuchtete Tore locken uns sehr, Doch die Angst ist gering — wir brauchen… Continue Reading „Leichtes Extravagantenlied“

Hardekopf

Ferdinand Hardekopf (* 15. Dezember 1876 in Varel; † 26. März 1954 in Zürich) Aus der steilen, transparenten Nudel Quillt ein Quantum Quitten-Quark empor, Ballt sich (physisch) zum gewürzten Strudel, Kreist: ein Duft-Ballon aus einem Rohr. Wann (und wo?) war Schweben delikater? In der… Continue Reading „Hardekopf“

an allen enden

Hans Arp (* 16. September 1886 in Straßburg; † 7. Juni 1966 in Basel) Aus: Die Wolkenpumpe … an allen enden stehen jetzt dadaisten auf aber es sind im grunde nur vermummte defregger sie ahmen den zungenschlag und das zungenzucken der wolkenpumpe nach ein… Continue Reading „an allen enden“

Aus dem Deutschen

Felix Philipp Ingold Schwache Gedanken Kommt daher das Wanken Von Worten getragen? Länger zu fragen Verzögert das Ende Verhindert den Sinn. Feisten Gestalten Zum Gruß an sich halten (Schlimmer: sich beugen). Statt auszusteigen Hebt ihr die Hände Lebt weiter so hin … Aus: Felix… Continue Reading „Aus dem Deutschen“

„Reinstes Gold der Lyrik“

Gottfried Keller ist ein sehr vielseitiger Dichter. Natur- und Liebesgedichte finden sich ebenso wie polemische Sonette, politisch Streitlustiges, Pathos und verspielte Gaselen, Ironie und Melancholie und Gelegenheitsgedichte zu öffentlichen Festen. Alles das ist „Lyrik“, aber im engeren Sinne am (Lyrik, Lyriker, -) „lyrischsten“ wohl… Continue Reading „„Reinstes Gold der Lyrik““