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Kempner in die Lesebücher (Aber es gibt die Tscherkessen)

Was ist ein gutes Gedicht? In den 50er Jahren schrieb Brecht: „Weder politische noch geschmackliche Urteile können gebildet werden nur an Gutem. (…) Wo bleibt der ‚Trompeter an der Katzbach‘ als Beispiel von Chauvinismus?“

Julius Mosen

Der Trompeter an der Katzbach

Von Wunden ganz bedecket
Der Trompeter sterbend ruht,
An der Katzbach hingestrecket,
Der Brust entströmt das Blut.

Brennt auch die Todeswunde,
Doch sterben kann er nicht,
Bis neue Siegeskunde
Zu seinen Ohren bricht.

Und wie er schmerzlich ringet
In Todesängsten bang,
Zu ihm herüberdringet
Ein wohlbekannter Klang.

Das hebt ihn von der Erde,
Er streckt sich starr und wild –
Dort sitzt er auf dem Pferde
Als wie ein steinern Bild.

Und die Trompete schmettert, –
Fest hält sie seine Hand –
Und wie ein Donner wettert
Victoria in das Land.

Victoria – so klang es,
Victoria – überall,
Victoria – so drang es
Hervor mit Donnerschall.

Doch als es ausgeklungen,
Die Trompete setzt er ab;
Das Herz ist ihm zersprungen,
Vom Roß stürzt er herab.

Um ihn herum im Kreise
Hielt’s ganze Regiment,
Der Feldmarschall sprach leise:
»Das heißt ein selig End‘!«

Zweifellos ein Beispiel von chauvinistischem Kitsch. Wie soll man Kunst von Kitsch unterscheiden lernen, wenn Kitsch nur im „Poosie“ der Freundinnen vorkommt? Wie soll man lernen, daß Sprüche von den von Storchs, den Gaulands Chauvinismus sind, wenn man keine Beispiele in der Schule diskutieren konnte? Chauvinismus, sagt der Duden, ist a) aggressiv Ÿübersteigerter Nationalismus [militaristischer PrŠägung] verbunden mit Nichtachtung anderer NationalitäŠten, b) auf Ÿübertriebenem SelbstwertgefüŸhl beruhende Grundhaltung von MäŠnnern, die bewirkt, dass Frauen geringer geachtet werden, gesellschaftliche Nachteile erleiden: mŠännlicher C.
© Duden – Deutsches Universalwöšrterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM].

Chauvisprüche und chauvinistische Losungen in unkorrektem Deutsch in die Lesebücher!

Hat Friederike Kempner Kitsch verfaßt? Offensichtlich ja. Liefert sie Beispiele für Chauvinismus? Kaum. Zu groß ihre Begeisterung für das Gute und Edle. Es gibt auch antichauvinistischen Kitsch.

Friederike Kempner wird als „schlesischer Schwan“ und „Genie der unfreiwilligen Komik“ verlacht. Die Kritik an ihr ist nicht frei von Chauvinismus, zum Beispiel wenn (männliche) „Kritiker“ von „Menstruationslyrik“ sprechen. Ist diese Ballade Kitsch oder Kunst?

Friederike Kempner

Die Tscherkessen

Sieh‘, drei Reiter, glänzend, prächtig,
Wie sie nur im Traume!
Scharlachrot auf schwarzen Rossen,
Und mit gold’nem Zaume.

Schwarz und golden, herrlich flimmert’s
Wie sie blitzschnell eilen.
Funken stäuben gleich Raketen,
Und es schwinden Meilen!

Purpurfedern auf Baretten,
Dolche an den Seiten,
Schienen sie die schnelle Runde
Um die Welt zu reiten.

Und die Rosse, wie arabisch
Ihre Blicke leuchten,
Wie die glänzend schwarzen Haare
Helle Tropfen feuchten!

Dreimal kam die Nacht gezogen,
Dreimal sah man’s tagen,
Und noch immer Rosseshufe
Samt den Herzen schlagen.

Dreimal kam die Nacht gezogen,
Dreimal sah man’s tagen,
Und es konnten Feuerkugeln
Sie noch nicht erjagen!

Nächtlich sieh‘ im Mondenscheine
Die drei Reiter knieen.
Brück‘ und Wasser hinter ihnen
Eine Linie ziehen.

In dem Grenzort auf dem Berge
Steht des Marktes Menge,
Und Bewunderung, Staunen, Rührung,
Wechseln im Gedränge:

Seht ihr, seht ihr die Tscherkessen,
Herr Gott! wie die reiten!
Feuer sprühen ihre Blicke
Hin nach allen Seiten!

Sie entfloh’n aus tiefen Reußen,
Heldenmut im Blute, –
So tönt’s in des Volks Geflüster –
»Wie den‘ auch zu Mute?« –

Vor des Preuß’schen Rathaus Schwelle
Stehet die Behörde,
Und die Reiter, heiß und glänzend,
Ruhen auf der Erde.

Ihre Zeichen, ihre Mienen,
Blicke, freudetrunken,
Streicheln sie die prächt’gen Rosse,
Wie im Traum versunken.

Ihre Zeichen, ihre Mienen,
Ihre dunklen Worte,
Sie enträtselt halb ein Dolmetsch,
Tief gerührt am Orte.

»Wir Cirkassien’s freie Söhne
»In der Sklaven-Ferne
»Hörten rühmend eure Freiheit,
»Dienten Freien gerne!

»Durch des höchsten Gottes Fügung
»Nun auf freier Erde,
»Flehen wir zum freien Preußen,
»Daß uns Hilfe werde!

»Dreimal vier und zwanzig Stunden
»Ohne Rast geflohen,
»Bieten wir uns, uns’re Schwerter
»Euch an voll Vertrauen!

»Dreimal vier und zwanzig Stunden
»Ohne Rast geritten,
»Wir um edle, große, deutsche
»Gastlichkeit nun bitten! – «

Also klagen ihre Worte,
Und mit starrem Munde
Still vernahm des Ortes Vorstand
Diese selt’ne Kunde.

Selbe Nacht noch, sieh‘, pechfinster,
Trotz des Vollmonds Lichte,
Lautlos durch die tiefe Stille
Lauschet die Geschichte.

Horch, zwei preußische Schwadronen,
Die Tscherkessen mitten,
Ziehen auf dem dunklen Boden
Hin mit festen Tritten.

Wieder sieht man durch die Gegend
Rosseshufe sprühen,
Brück und Wasser diesmal ihnen
Vorn die Grenze ziehen.

Horch, da öffnet sich der Schlagbaum,
Und am Brückenkopfe
Nicken durch die hohle Öffnung
Russen mit dem Kopfe.

Dumpf Gemurmel vom Kartelle,
Freundschaft, – ungeschwächte, –
Und man liefert unsere Helden
An Kosakenknechte!

Düster graut der vierte Morgen,
Einzeln leuchten Sterne,
Russen bilden einen Halbkreis,
Wetter leuchten ferne:

Düster flimmern die Laternen,
Donner westwärts grollen,
Von der Helden Haupt, gebücktem,
Große Tränen rollen:

Niederknien alle Dreie,
Und vom Regimente
Dreimal tönt die russ’sche Salve,
Daß die Erde dröhnte!

Der „poetisch“ verkürzte Teilsatz „Wie sie nur im Traume!“ in der ersten Strophe ist einerseits dem Reim geschuldet (Reiter, also Pferde, also Zaum, also Traum. Denkbar wäre auch gewesen Pferde – Zügel – Flügel), andererseits die triviale Aussage „sie waren traumhaft schön“, die unfreiwillig entwertet wird, weil solche Schönheit angeblich „nur im Traume“ existiert. Die Verkürzung in der vierten Strophe

Und die Rosse, wie arabisch
Ihre Blicke leuchten,

mag berechtigt und vielleicht sogar poetisch kühn, also stark sein, weil Kenntnisse über Pferderassen dahinter stehen. Es gibt nicht mehr Buchstabenauslassungen als durchschnittlich im 19. Jahrhundert bei jedermann: Brück‘ und Wasser, russ’sche Salve und so. Es gibt einen identischen Reim (Kopfe / Kopfe – das nahmen und nehmen die Kunstrichter übel) und ein paar gequetschte: Behörde – Erde, sprühen – ziehen. Im Schlesischen ein reiner Reim. Auch Goethe und Schiller reimen (unbewußt?) nach der Mundart ihrer Herkunft. Vor allem aber: geflohen – vertrauen. Das ist echter Kempner, ein Markenzeichen. Wir finden das komisch.

Amerika hatte es besser. Ihre Zeitgenossin Emily Dickinson reimt in einem einzigen Gedicht, ich zitiere sämtliche (Halb-)Reimpaare aus Gedicht #337: times – seems, rooms – comes, mold – world, things – wings, remained – mourned, go – do, fall – hill, sea – thee, know – go. Ja, sie wurde nicht gedruckt, die Kunstrichter kreideten es ihr an. Trotzdem gehörte ihr die Zukunft und sie wird heute auf allen Kontinenten gelesen. (Über Kempners Reimtechnik vielleicht an anderer Stelle mehr.)

Die Bilanz unserer Fehlersuche ist mager. Zwei mundartliche Reime, ein kühner Halbreim, ein identischer Reim, paar Elisionen, zwei kühne grammatische Konstruktionen… das soll alles sein? Bei Dutzenden heute noch in Auswahl gelesenen Dichtern des 19. Jahrhunderts finden sich mehr Schnitzer, zu schweigen von den tausend vergessenen. Was soll an dieser Dichterin besonders sein, daß wir sie heute noch lesen, sogar „Sämtliche Gedichte“ drucken und sie negativ als „Genie“ hervorheben? (Ich sehe, aus einem Artikel muß eine Serie werden! Gerechtigkeit für Kempner!😉 )

Aber kommen wir zum wichtigsten an der Ballade, das ist, wie jeder Schüler weiß, der epische Stoff in dramatischer Behandlung. Der Stoff ist eine echte Anekdote (an-ekdotos, nicht herausgegeben). Was wissen wir über tscherkessische Geschichte? Wenn deutsche Politiker darüber nachdenken, ob es ein ukrainisches Volk eigentlich gibt, was sollen sie über die Tscherkessen sagen? Müssen sie nicht, es gibt kein Land namens Tscherkessien. Ich greife drei Nachschlagewerke aus dem Regal. Kleine Enzyklopädie Weltgeschichte (DDR 1966): Zwischen Tschesme, Schlacht und Tschetniks: nichts. (Auch die zweibändige Ausgabe von 1973 schweigt.) Der 1300-Seiten-Klopper „Weltgeschichte in Daten“ (DDR 1973): Ah da. Zwischen Tscheradynastie (Indien) und Tschermissen (Rußland) findet sich Tscherkassy. Allerdings nur im 2. Weltkrieg:

24.Jan.-17.Febr. [1944] In der Operation von Korsun-Schewtschenkowski kesseln Truppen der 1. und 2. Ukrainischen Ft. bei Tscherkassy etwa 10 faschistische Div. ein und vernichten sie.

Aber hat Tscherkassy überhaupt mit den Tscherkessen zu tun? Weder die deutsche noch die englische Wikipedia verraten es mir. Beide sagen, daß es eine Stadt im Zentrum der Ukraine ist, beide erwähnen ihre Rolle im 2. Weltkrieg und daß sie ein Zentrum der Kosaken war. Die deutsche erwähnt noch, daß sie beim Bau der Erdgastrasse „Freundschaft“ „Sitz der Baudirektion für den Abschnitt von Krementschuk bis Bar (war), der von der DDR übernommen wurde.“

Ukrainische und russische Wiki sind sich darin einig, daß die Herkunft und Etymologie des Namens bis heute ungeklärt sind und manche ihn von den Tscherkessen ableiten, was andere bestreiten. Also Fehlanzeige. Tscherkessen gibt es nicht.

Ich versuche es unter „Rußland“ und finde den Verweis auf „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“. Dort auf drei Spalten zwischen diversen Untereinträgen wie: Atomkraftwerk, Kiewer Rus, Komutsch, Rußland und Wolgakolonien: kein Tscherkessien. Aber es gibt einen Eintrag Kolonialpolitik mit vier Verweisen, ich prüfe: 1. expansionistische Kolonialpolitik Rußlands seit dem 16. Jahrhundert gegen China, 2. 1904/05 Korea: durch den verlorenen Krieg gegen Japan Zurückdrängen der russischen Konkurrenz, 3. 19. Jahrhundert Rußland besetzt Alaska und einen Teil der Westküste Nordamerikas und versucht vergeblich Ansiedlung auf Hawai 4. russ. Entdeckungsreisen im Nordpazifik. Kaukasus, Sibirien, „Noworossija“: null Treffer. Tscherkessen gibt es nicht, nicht einmal als Opfer von Kolonialpolitik.

Gegenprobe im „Großen Ploetz“. Zwischen Tscheka, Tschernenko, Tschernobyl und Tschetniks: Tscherkessen njet. Auf über 2000 Seiten: kein Platz für das Kaukasusvolk (zumindest keine Erwähnung im 180 Seiten starken Register. Deutschland Ost und West sind nicht interessiert.

Ich prüfe noch die wenigen ausländischen Quellen in meiner Bibliothek. Die aus dem russischen übersetzte „Geschichte der Sowjetunion“ von 1960 enthält einen Eintrag „Tscherkessisches autonomes Gebiet“. Inhalt: Auf der VI. Tagung des Obersten Sowjets im Februar 1957 wurde „die Wiederherstellung der nationalen Autonomie der Balkaren, Tschetschenen, Inguschen, Kalmücken und der Karatschaier“ beschlossen. „In Übereinstimmung damit wurde die Tschetscheno-Inguschische ASSR innerhalb der RSFSR wiederhergestellt, das Autonome Gebiet der Kalmücken innerhalb der RSFSR gebildet, die Kabardinische ASSR in die Kabardino-Balkarische ASSR und das Tscherkessische Autonome Gebiet in das Autonome Gebiet der Karatschaier und Tscherkessen umgebildet.“ (a.a.O.S. 751) Nun sagt der gesunde Menschenverstand, daß man nur wiederherstellen kann, was zuvor negiert wurde. Aber darüber kein Wort. Die Tscherkessen, erfahre ich, sind ein Volk, das nirgendwoher kommt und nirgendhin geht, aber von der sowjetischen Nationalitätenpolitik gut betreut wird.

Noch ein Versuch mit einer englischen Quelle. Dorling Kindersleys „Chronologie der Weltgeschichte“ von 2007 ist die Übersetzung eines englischen Titels. Hier gibt es kein Register, nur ein über 200 Seiten starkes „Lexikon“ im Anhang. Aber auch hier zwischen Abbas I. und Zypern kein Eintrag zu Tscherkessen. Ich suche unter der russischen Kolonialgeschichte:

1696 Rußland erobert Asow von den Osmanen. 1736 Russen erobern Asow von den Osmanen zurück und rücken nach Jassy vor. 1769 Rußland überfällt Moldawien und die Walachei. 1771 Rußland erobert die Krim. 1783 dasselbe. 1792 Rußland gewinnt Kontrolle über die Schwarzmeerküste. 1810 Rußland beginnt die systematische Expansion nach Sibirien und Zentralasien. 1827 Die Russen nehmen Persien Eriwan weg. 1828 Rußland erobert Teheran. Im Friedensvertrag fällt Armenien an Rußland. 1832 Herzogtum Warschau wird Teil Rußlands. 1837 Briten über den zunehmenden Einfluß Rußlands in Afghanistan besorgt. 1849 Russen und Türken kontrollieren gemeinsam die Donaufürstentümer. 1855 Russen erobern die Stadt Kars (Nordosttürkei). 1874 Rußland beherrscht jetzt ganz Turkestan.

Fazit: Kriege und Konflikte rundherum, aber kein Kaukasus, keine Tscherkessen. Ich schau noch in die sowjetische Geschichte, da gibt es eine einzige vielleicht relevante aber indifferente Spur: 1946 Stalin beginnt Massendeportationen ethnischer Minderheiten in Arbeitslager.

Tscherkessen, ein alter Name, aber kein Land dazu. Aber hier hilft Wikipedia weiter. Da gibt es eine britische Karte von 1840, darin ein Land namens Circassia, das vom Asowschen Meer im Norden bis zum Fluß Terek im Südosten reicht. 1763 bis 1864 führte Rußland Krieg gegen Circassia, der 1864 mit der endgültigen Eroberung und der gewaltsamen Vertreibung der Überlebenden auf Schiffen in die Türkei endete. Tscherkessen waren die Nachbarn der Tschetschenen, von denen wir etwas mehr wissen, weil es eine Unabhängigkeitsbewegung in Rußland gab. Im Frühjahr kursierte ein Foto von Bodyguard-Typen, die vor dem Reichstag mit einem Schild posierten, auf dem in russischer Sprache Gegner des Tschetschenenführers bedroht wurden. Die Tscherkessen sind friedlich, deshalb nehmen wir sie nicht wahr.

Und jetzt sind wir bei dem Gedicht von Friederike Kempner. Ihre Ballade bewahrt ein Ereignis auf, das für unser Gedächtnis nicht existiert. Noch dazu in einer hochbrisanten Verbindung mit deutscher Geschichte. Das Nicht-Herausgegebene: Eine Gruppe tschetschenischer Reiter flieht vor den siegreichen Russen durch das ganze „Neu-Rußland“ hindurch bis zur preußischen Grenze, bittet um Asyl im „freien Preußen“, wird von preußischen Soldaten zur russischen Grenze zurückexpediert und drüben von den Russen exekutiert. Friederike Kempner hat etwas gewußt und aufbewahrt, worüber unsere Geschichtsbücher schweigen. Auf einmal bekommt die Aburteilung Kempners als unfreiwillig komische Kitsch- und gar „Menstruations“-Lyrikerin eine politische Dimension. Ihre Ballade „Die Tscherkessen“ gehört in unsere Lesebücher!

Circassia 1840

Zumal die Geschichte eine Fortsetzung in die Gegenwart hat. Nachkommen der 1864 umgesiedelten Tscherkessen leben auch in Deutschland. Für uns sind sie Türken, wie die hier lebenden Kurden und andere auch. Die deutsche Lyrikerin Safiye Can – geboren in Offenbach am Main – gehört dazu. Bei ihr fand ich auf Facebook diesen Text von Timaf Djengis Hatko, unterzeichnet: Berlin 14.05.2015 und in 4 Sprachen veröffentlicht. Ich rücke alle vier Fassungen hier ein. Lest selbst, und lest Kempner noch einmal! Die Ballade von einer bis heute unliebsamen Episode unserer Geschichte. Das Schweigen der Geschichts- und Lesebücher erzählt auch eine Geschichte – eine wichtige, brisante und hochaktuelle. Damals wie heute: Die „kleinen“ Völker sollen bitte unsere Beziehung zum großen Nachbarn nicht belasten.

21. Mai 1864:

An diesem Tag veranstalteten Russische Truppen eine Siegesparade in einer von ihnen zuvor eroberten tscherkessischen Siedlung nahe der Stadt Sotschi. Somit war der Russisch-Tscherkessische Krieg (1763-1864) und die Eroberung Tscherkessiens offiziell abgeschlossen, obwohl der tscherkessische Widerstand in einigen Ortschaften bis in die 1880er Jahre fortdauerte.

Aus diesem Grund ist der 21. Mai für die Tscherkessen ein Gedenktag.

Sie gedenken dem Völkermord und der Vertreibung an ihren Vorfahren. Sie gedenken dieser Tragödie. Die Tscherkessen wurden zwischen 1860 und 1864 von dem damaligen Russischen Zarenreich zu zehntausenden massakriert, ihre Dörfer niedergebrannt. Die Überlebenden wurden mit Schiffen über das Schwarze Meer in das damalige Osmanische Reich vertrieben (Türkei, Syrien, Jordanien, Israel).

Auch meine Vorfahren waren auf einem dieser Schiffe unterwegs. Sie kamen im Sommer 1864 in der türkischen Schwarzmeerstadt Samsun an…

21 May 1864: On this day the russian troops held a millitary victory parade in concuered Circassia. Now the Russian-Circassian war (1763-1864) was officially end but the Circassian resistance still had last in local form until the 1880s.

The May 21 marks the day of Circassian Genocide and Expulsion so the Circassians remembers worldwide every year on May 21 the genocide and expulsion against their ancestors. They remembers this tragedy. In the years 1860-1864 ten thousends of Circassians were killed, their villages destroyed and the survivors were expelled by ships to the Ottomanic Empire (Turkey, Syria, Jordan, Israel).

My ancestors were in one of these ships. They reached the turkish black sea city of Samsun in summer 1864…

21 Mayis 1864: Bu tarihte Rus ordusu Cerkesyada Soci yakinlarinda isgal ettikleri son Cerkes yerlesiminde bir zafer merasiminde bulundular. Böylece Rus-Cerkes savasi (1763-1864) ve Cerkesyanin isgali resmen son bulmus oldu. Cerkes direnisi yinede yerel yerel 1880lere degin sürdü.

Bu yüzden 21 Mayis günü Cerkesler icin bir yas günüdür. Atalarinin zamanin Rus carligi tarafindan soykirima ugratildigi tarihtir. Cerkesler dünyanin her tarafinda her sene 21 Mayis günü bu trajediyi anmaktadirlar. Rus carligi 1860-1864 yillari arasinda onbinlerce Cerkesi katletti, köylerini yok etti, bu katliamlardan kurtulabilenler ise gemiler ile Karadeniz üzerinden zamanin Osmanli Imparatorluguna (Türkiye, Suriye, Ürdün, Israil) sürüldüler. Benimde atalarim bu gemilerin birisindeydiler. 1864 yillinin yaz aylarinda Samsuna ayak bastilar…

21 ايار 1864: في مثل هذا اليوم عقدت القوات الروسية موكب النصر العسكري في احتلال شركيسيا. وا الحرب الروسية الشركسية نتهت رسميا (1763-1864) ولكن المقاومة الشركسية كان بثيت حتى 1880s.

ايار 21 يوم الإبادة الجماعية الشركسية والطرد وكل الشركس يتذكرون في جميع أنحاء العالم كل عام في 21ايار الإبادة الجماعية والطرد ضد أجدادهم.و هذه المأساة. و قتلوا بين 1860-1864 عشرات آلاف من الشركس، دمرت قراهم وطردوا الباقين على قيد الحياة وقد حملوا من قبل السفن الإمبراطورية العثمانية الى(تركيا، سوريا، الأردن، إسرائيل).

وكان أجدادي في واحدة من هذه السفن. وصلوا إلى المدينة التركية على البحر الاسود سامسون في الصيف 1864.

Timaf Djengis Hatko, Berlin 14.05.2015

Chamorro chants

The Festival of Pacific Arts Publications Committee has been opening daily activities with Chamorro chants. The chants I am familiar with are about our ancestors or legends. This morning’s chant was about latte stones. I smiled, thinking how latte stones represent our independence as a people before colonialism.

„I’m really happy that we (decided) to include chanting to set a tone at the beginning of these workshops,“ said Victoria Leon Guerrero, Guam delegate. „Just the use of our language and the rhythm in the chants that we’re doing connect us directly to our ancestors and the spirits that are likely in the earth, beneath this building. So that what we’re doing is always guided by something deeper and rooted in our culture. This is something throughout the Pacific that we share – this belief that there are spirits in the land that inspire our arts. I think that these chants by Leonard Iriarte convey a connection to the ancestors, which I think is very unique.“

It’s spiritually refreshing to open our FestPac writing workshops by paying tribute to our ancestors. My poetry focuses too much on my emotions and not my history or my culture. Yet, after listening to chants these past four days, I’m starting to feel inspired.

„Me, as a poet, I think chant is poetry and poetry is chants,“ said Kisha Borja-Quichocho, another Guam delegate. „(Chant) is our way of channeling our ancestors.“

Chamorros who promote our culture through artful acts are admirable. / Guam Daily Post

Guampedia: Chamorro chants

The Chamorro people are the indigenous peoples of the Mariana Islands; politically divided between theUnited States territory of Guam and the United States Commonwealth of the Northern Mariana Islands inMicronesia. Today, significant Chamorro populations also exist in several U.S. states including Hawaii, California, Washington, Texas, Tennessee, Oregon, and Nevada. / Wikipedia

Gestorben

Der amerikanische Liedermacher oder singer/songwriter Guy Clark starb im Alter von 74 Jahren.

Auch wenn der Name des amerikanischen Liedermachers Guy Clark in Europa nie besonders bekannt wurde, die Liste der Kollegen, die Clarks Lieder sangen, lässt bei jedem ein paar Glocken läuten: Emmylou Harris, Johnny Cash, John Denver, Willie Nelson und Kris Kristofferson zum Beispiel. Neidlos wurde er seit den frühen Achtzigern als einer der Besten, wenn nicht gar der Beste seiner Zunft anerkannt. „King of the Texas Troubadours“ hat die „New York Times“ den 1941 im texanischen Monahans Geborenen genannt, ein Etikett, das haften blieb.

Troubadour, dieser Ausdruck zeigt schon, wie wenig der in Deutschland verlegenheitshalber oft gebrauchte Begriff Countrysänger Clark und seinesgleichen fasst. / Stuttgarter Nachrichten

Not „nature“ but her backyard

few months ago, I began making my way through the complete set of Emily Dickinson’s 1,789 poems. Right from the start, I was struck by how often commonplace plants and animals—robins, bumblebees, dandelions—featured in her poetry. She devoted entire poems to such ubiquitous backyard creatures, describing them in ecstatic, even spiritual language. Whenever she needed a metaphor or a simile, she turned to the garden. When she required a symbol for herself, she chose the wren, clover, or spider. And she seemed to be deeply familiar with the biology of such species. Dickinson has long been classified as one of the great nature poets, but as I explored her work I started to see her as every bit the naturalist.

(…) What I learned is that Dickinson’s single biggest source of inspiration was not “Nature,” that grand abstracted entity supposedly external to human society, but quite simply—and quite literally—her backyard. (…)

In her 1,789 poems she refers to animals nearly 700 times, to plants almost 600 times, and to fungi four times. In her more than 350 references to flowers, the rose is most common (51 mentions) followed by daisies, clover, daffodils, and buttercups. She refers to birds 317 times, favoring the robin (47 mentions), followed by the bobolink, oriole, sparrow, blue jay, and blue bird. Although a few foreign species pop up now and then—the leopard, elephant, rhinoceros—the most frequently referenced creatures by far are the same ones she observed in her backyard every day—the bee, butterfly, and squirrel. But Dickinson’s descriptions of these creatures are entirely unexpected and linguistically innovative, urging the reader to look at the world anew: a hummingbird as a “Route of Evanescence / With a revolving Wheel”; a daffodil “untying her yellow bonnet”; an unseen choir of crickets ceaselessly eking out a “spectral canticle” from the grass.

In fact, an intimate knowledge of gardening and local wildlife is so integral to Dickinson’s work that the subjects and meanings of her poems can be rather opaque to readers who do not draw on similar expertise. / Ferris Jabr, Slate

Never try to lift the words which you cannot hold

While Julia Ward Howe was writing her saber-rattling “Battle Hymn of the Republic,” and Whitman his “Drum-Taps,” [Emily] Dickinson was quietly demolishing myths of heroic pomposity:

Finding is the first Act
The second, loss,
Third, Expedition for the “Golden Fleece”

Fourth, no Discovery—
Fifth, no Crew—
Finally, no Golden Fleece—
Jason, sham, too—

Dickinson’s language, oblique and sharply objective, can be seen as one response to the degraded verbiage of the Civil War era, and the Gilded Age pieties that followed. This is one explanation for her special appeal to such poets and translators of her work as Paul Celan (discussed in an essay in The Emily Dickinson Handbook by Kerstin Behnke) and Eugenio Montale. In these poets we find a kindred prosody of obliquity and harsh specificity in the face of the degradation of the Italian language under Mussolini and the German language under the Nazis. That the leading German-language poet of the post-Nazi era and the leading Italian poet of this century looked to Emily Dickinson should invite us to read her in this way, as a voice raised against the pompous posturing of both sides. She once mentioned to Higginson her adamant resolution to “never try to lift the words which I cannot hold.” She never did. / Christopher Benfey, New York Review of Books

Gestorben

Michael S. Harper, dessen vom Jazz beeinflußte Gedichte mit seinen persönlichen Erfahrungen als Schwarzer mit Einblick in die von schwarzen und weißen Amerikanern geteilte Geschichte durchwirkt sind, starb am Sonnabend im Alter von 78 Jahren. 1978 war er für den National Book Award für Lyrik nominiert. / New York Times

Auszug aus seiner Elegie für John Coltrane

Why you so black?
cause I am
why you so funky?
cause I am
why you so black?
cause I am
why you so sweet?
cause I am
why you so black?
cause I am
a love supreme, a love supreme.

Hier komplett von ihm vorgetragen:

Songs from a Yahi Bow

The 100th anniversary of Ishi’s death brings to mind the publication several years ago of a small book, Songs from a Yahi Bow – really a mini-anthology of writings on Ishi – assembled by Scott Ezell & including poems by Ezell, Yusef Komunyakaa, & Mike O’Connor, along with Thomas Merton’s 1968 essay “Ishi: A Meditation.”  Ishi (the Yahi word means “man” or “human”) is well known through the writings of Theodora & Alfred L. Kroeber as the last known survivor of a small Indian community that suffered displacement & genocide during the final European conquest of America.  That memory of course is a warning of dangers & holocausts to come, and much of Ezell’s work is concerned with a range of non-state cultures & a chronicling thereby of globally diverse crises & survivals.

Scott Ezell is a Pacific Rim poet & multi-genre artist with a background of  independent study with the indigenous peoples of Taiwan, China, & Southeast Asia. He has published three volumes of poetry & over a dozen albums of original music, & has exhibited paintings in the US & internationally, as well as being involved in installation & performance art projects.   His recent memoir, A Far Corner: Life and Art with the Open Circle Tribe (University of Nebraska Press), explores indigenous Taiwan through immersion in a nonconformist community of aboriginal musicians & artists.  Since 2010 he has been working on a multi-volume poetry project, Zomia, about marginal landscapes & communities in the China-Burma-Laos border region. / Jerome Rothenberg, poemsandpoetics

Whitmans Ratgeberprosa

Zachary Turpin aus Houston (…) hat (…) längst vergessene Zeitungen nach Whitman-Pseudonymen durchsucht und ist in einem Blatt namens „New York Atlas“, das sich in nur wenigen Exemplaren erhalten hat, auf die dreizehnteilige Fitnessserie eines gewissen Mose Velsor gestoßen, hinter dem sich nachweislich Whitman verbirgt.

Das 1858 erschienene Plädoyer „Manly Health and Training“ summiert sich in der Druckfassung des „Walt Whitman Quarterly“ auf reichlich hundert Seiten; es dürfte damit einer der umfangreichsten Texte Whitmans überhaupt sein und verwandelt den Barden der Demokratie in Amerikas Turnvater Jahn – einen gewissen Hang zum Teutonischen eingeschlossen. Der Rest – jedenfalls bis der Zeilenschinder Mose Velsor auf Hölzchen, Stöckchen und seine Weltanschauung kommt – ist klassische Ratgeberprosa und verblüffend modern. / Wieland Freund, Die Welt

On beards: „The beard is a great sanitary protection to the throat — for purposes of health it should always be worn, just as much as the hair of the head should be. Think what would be the result if the hair of the head should be carefully scraped off three or four times a week with the razor! Of course, the additional aches, neuralgias, colds, &c., would be immense. Well, it is just as bad with removing the natural protection of the neck; for nature indicates the necessity of that covering there, for full and sufficient reasons.“

On dancing: „We recommend dancing, as worthy of attention, in a different manner from what use is generally made of that amusement; namely, as capable of being made a great help to develop the flexibility and strength of the hips, knees, muscles of the calf, ankles, and feet. Dancing, on true principles, would have ultimate reference to that, and would then, as an inevitable result, bring grace of movement along with it.“ / NPR

Das lange Gedicht

Mit der unterkomplexen Rezeption der Thesen zum langen Gedicht wurde leider eine der letzten Ausfahrten verpasst, Lyriktheorie ausgehend von einer ästhetischen Theorie der Literatur zu denken. Es wurde zu wenig über das poetologische Potential der Thesen gestritten, stattdessen zankten sich die Beteiligten um Bagatellen wie das richtige Verhältnis zur lyrischen Tradition und den unmittelbaren Mehrwert von tagespolitischem Agitprop. Der Literatur wurde nichts zugetraut, in die Politik als Streit herrschte kein Vertrauen. (…)

Was also soll es sein, das lange Gedicht? Die Thesen beantworten die Frage nahezu agitatorisch. Das lange Gedicht gilt Höllerer entsprechend der Logik seiner Begründung paradigmatisch als freizügig, was die Weise, die Welt zu betrachten, betrifft. Da es nicht durch den Anspruch eines regelpoetischen Gesetzes fixiert ist, wirkt das lange Gedicht demokratisch, alles soll darin Platz finden (Hoch- wie Unkultur), der Emanzipation soll eine Schaubühne bereitstehen: »Die Republik wird erkennbar, die sich befreit« (These 3). Als Gattung der Moderne ist das lange Gedicht »schon seiner Form nach politisch« (These 2). Die Darstellung einer möglichen Welt (These 5) ist dem Rückzug aus der Realität und der Tendenz zum Verstummen (These 14) vorzuziehen. Nichts zuletzt geht es um die Parteinahme für eine freie Gesellschaft, die der in zu vielen Gedichten noch bedachten eitlen und elitären »Preziosität und Chinoiserie« unbedingt und gerade jetzt entgegenzuhalten ist. – Das lange Gedicht hat nach Höllerer vielleicht nur ein Thema: die Gemeinschaft – und damit ein Thema, groß genug, tonnenweise heterogensten Stoff in seiner Zusammensetzung durchzuspielen (These 13). Und es verweist, nicht ausschließlich, aber zwangsläufig, auf einige US-amerikanische Säulenheilige wie Gregory Corso, Allen Ginsberg und vor allem Charles Olson, die es Stand 1965 alle zumindest einmal geschafft hatten, ein Gedicht fertigzustellen, von dem in den Thesen die Rede sein könnte. / Maximilian Mengeringhaus: »Zur Hölle mit den kurzen Gedichten …  … zu Höllerer mit den langen.«. Die Erfindung des deutschsprachigen Langgedichts, Suhrkamp Logbuch

Walter Höllerer: Thesen zum langen Gedicht, in Akzente (1965, Bd. 2), S. 128-130, wiederabgedruckt in Hans Bender / Michael Krüger (Hg.), Was alles hat Platz in einem Gedicht. Aufsätze zur deutschen Lyrik nach 1965, München 1977

Unsichtbare Szene

Juan Felipe Herrera, der erste Latino-Poet laureate der Vereinigten Staaten, wurde gerade für eine zweite Amtszeit eines der prominentesten Posten innerhalb der amerikanischen Lyrik nominiert. Trotzdem werden die Latino-Dichter weiterhin marginalisiert, wenn nicht völlig ausgeschlossen. Jedes Jahr im Nationalen Lyrikmonat April sehe ich die zahllosen Artikel und „Listikel“ mit vielversprechenden Überschriften wie „31 zeitgenössische Dichter die du kennen mußt“ und „Feiere den Nationalen Lyrikmonat mit 10 neuen Bänden, die du unbedingt lesen mußt.“ Und jedes mal muß ich feststellen, daß wir auf diesen Listen, die von meinen Kollegen zusammengestellt wurden, welche von sich sagen, daß sie den Finger am Puls eines angeblich wachsenden und umfassenden literarischen Feldes haben, gar nicht vorkommen.

(…)

Ich frage euch ganz offen: Wo sind die Autoren aus einer Gemeinschaft von 55 Millionen in diesem Land? / Rigoberto González, Los Angeles Times

Free Download

National Poetry Month Special: Download Poetry Magazine April 2016 Issue for Free

In celebration of National Poetry Month, we’re happy to offer you, dear readers, a free download of the April 2016 issue of Poetry magazine. It’s available in our iTunes app or as a PDF for your other devices.

The April 2016 issue features a portfolio of poets associated with Split This Rock, a national organization that cultivates, teaches, and celebrates poetry that bears witness to injustice and provokes social change. The issue also includes remarks from members of the Academy of American Poets—the organization that founded National Poetry Month twenty years ago this month—describing what poetry means today; the occasional feature “The View from Here”; and much more. In the digital edition you’ll also find a reading list from contributors to this issue, a curated playlist, and Alice Lyons’s reflection on Hollis Frampton’s film Gloria! as a lyric poem. Listen to this month’s Poetry magazine podcast, hosted by the editors, and watch videos of our “The View from Here” contributors talking about how they encounter poetry in their daily lives. / Poetry foundation

Pulitzerpreis 2016

Zum 100. Mal wurden in den USA die Pulitzerpreise vergeben. In diesem Jahr sind es 15 in journalistischen Sparten und 7 im Bereich „LETTERS DRAMA AND MUSIC“. Dieses sind

Hier eine Leseprobe aus dem Gedichtband von Peter Balakian.

Die anderen Finalisten im Bereich Lyrik waren

Four-Legged Girl, by Diane Seuss (Graywolf Press)

A richly improvisational poetry collection that leads readers through a gallery of incisive and beguiling portraits and landscapes.

Alive: New and Selected Poems, by Elizabeth Willis (NYRB)

A book worthy of its title in which the poet calls readers to look deep within themselves and regard anew the struggle to live.

Nikky Finney (Chair)

John H. Bennett, Jr. Endowed Professor of Creative Writing and Southern Letters, University of South Carolina

Rafael Campo

Associate Professor of Medicine, Harvard University

Al Filreis

Kelly Professor of English, University of Pennsylvania

Mehr

Griffin Poetry Prize Shortlist

TORONTO – April 12, 2016 – Scott Griffin, founder of The Griffin Trust For Excellence In Poetry is pleased to announce the International and Canadian shortlist for this year’s prize. Judges Alice Oswald (UK), Tracy K. Smith (USA) and Adam Sol (Canada) each read 633 books of poetry, from 43 countries, including 25 translations.

The seven finalists—four International and three Canadian—will be invited to read in Toronto at Koerner Hall at The Royal Conservatory in the TELUS Centre for Performance and Learning, 273 Bloor Street West, Toronto, on Wednesday, June 1st at 7.30 p.m. The seven finalists will each be awarded $10,000 for their participation in the Shortlist Readings.

The winners, to be announced at the Griffin Poetry Prize Awards on Thursday, June 2nd, will each be awarded $65,000.

International

  • The Quotations of Bone ● Norman Dubie. Copper Canyon Press
  • Conflict Resolution for Holy Beings ● Joy Harjo. W. W. Norton & Company
  • 40 Sonnets ● Don Paterson. Faber and Faber
  • Heaven ● Rowan Ricardo Phillips. Farrar, Straus and Giroux

Canadian

  • Frayed Opus for Strings & Wind Instruments ● Per Brask and Patrick Friesen, translated from the Danish written by Ulrikka S. Gernes. Brick Books
  • Infinite Citizen of the Shaking Tent ● Liz Howard. McClelland & Stewart
  • Tell: poems for a girlhood ● Soraya Peerbaye. Pedlar Press

Durch die Brille der Poesie

Als er jung war, wollte Juan Felipe Herrera Redner werden. „Ich träumte davon, vor Publikum zu stehen und lange Reden zu halten“, erklärt er am Telefon. Doch dann entdeckte er die Lyrik, und die Welt änderte ihre Farbe. „Man spricht davon, die Dinge durch eine rosafarbene Brille zu sehen, ich fing damit an, die Dinge durch eine poesiefarbene Brille zu sehen.“

Gestern erhielt Herrera den L.A. Times Buchpreis / Robert-Kirsch-Preis für ein Lebenswerk.

Juan Felipe Herrera, der 1948 in einer Einwanderer-Landarbeiterfamilie in Kalifornien geboren wurde, ist gegenwärtiger U.S.-Poet laureate. Er schrieb mehr als 30 Bücher, darunter die Gedichtbände „Notes of the Assemblage“ (2015), „187 Reasons Mexicanos Can’t Cross the Border“ (187 Gründe, warum Mexikaner nicht die Grenze überqueren können, 2007) und „Crashboomlove: A Novel in Verse“ (1999) sowie Bücher für Kinder und Jugendliche wie „Portraits of Hispanic American Heroes“ (2014). / Alex Espinoza, Los Angeles Times

 

The pataquerical imperative

Here Charles Bernstein is pitching poetry, pitching for poetry, and describing both the acoustic and visual pitch of poetry, and the field, the pitch, of poetry. He’s at once a shill, a carney, a huckster, a used-poem salesperson, a showman, a shaman, a promoter, a master of ceremonies, a promoter, a provocateur, a pitch-man – but only occasionally an apologist. The likes of Sophocles, Longinus, and Sydney all beat him to it, but it’s never too late to pitch again for poetry. A relief pitcher. Plato and his followers have kept hitting dingers. Bernstein is and wants to be the reason the poets were expelled from the Republic. He reads askance the ‘official verse’ poets who have tried not be expelled.

In one possible reading this book is 350 pages of Whitman saying “Do I contradict myself? / Very well then I contradict myself, / (I am large, I contain multitudes.)” For Bernstein, Poetry contains multitudes. He spurns poetry that is orthodox, normal, conventional, predictable, standard. “I can’t bear standards,” he writes, “or, rather, I want to lay them bare” (28). He describes the magazine L=A=N=G=U=A=G=E that he co-founded with fellow poet Bruce Andrews in 1978 as having “pursued a poetry aversive to convention, standardization, and received forms, often prizing eccentricity, oddness, abrupt shifts of tone, peculiarity, error, and the abnormal – poetry that begins in disability…. This is what I call the pataquerical imperative (a syncretic term suggesting weirdness, wildness, and precarious querulousness by combining inquiry with ’pataphysics…)” (76-77). / Frank Davey, London poetry open mic

Pitch of Poetry, by Charles Bernstein. Chicago: U of Chicago P, 2016. 350 pp. $34.44.

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