Kategorie: Deutschland

Flehruf

Georg Kaiser (* 25. November 1878 in Magdeburg; † 4. Juni 1945 in Ascona) Flehruf Nicht, mächt’ger Schöpfer, lasse so geschehn, Wenn du zerfallne Formen wandelnd richtest. Daß Mensch ich wieder. Dies mein Sterbeflehn, Bevor du jetzt mich odemlos vernichtest. Mach mich zum Baum,… Continue Reading „Flehruf“

Die Kometen mit den Feuernasen

Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) UMBRA VITAE Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen. Und alle… Continue Reading „Die Kometen mit den Feuernasen“

In einer deutschen Stadt

Friedrich Wilhelm Wagner (* 16. August 1892 Hennweiler/ Hunsrück, † 22. Juni 1931 Lungensanatorium Schömberg) In einer deutschen Stadt Hier haben die Frauen müde Münder Und einen bescheidenen Blick. Sie meinen: Dienen ist viel gesünder Als ein großes Geschick. Und die Männer haben dicke… Continue Reading „In einer deutschen Stadt“

Schwitters

Hans Reimann (* 18. November 1889 in Leipzig; † 13. Juni 1969 in Schmalenbeck bei Hamburg) Schwitters Mit Vornamen heißt er Kurt, könnte aber auch Emil betitelt sein. Er leitet an künstlerischem Unbemitteltsein. Manchmal schwitterst er, manchmal nicht. In der Finsternis leuchtet sein merzliches… Continue Reading „Schwitters“

Dichter(in) und Liebe

Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus) Zwei Liebesgedichte Liebesreime XXXIV Goldnes Liebchen, Sonne, Perle, Blume, Und ihr Augen, liebe Weihnachtslichter! Ja, wär‘ ich der Kaiser aller Dichter, Dichtet‘ ich euch bald zu Ehr und… Continue Reading „Dichter(in) und Liebe“

Aus „Flegeljahre“

Jean Paul (* 21. März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth) »Ah ça!« wandt’ er sich zu Walten (mehr französisch konnt’ er nicht), »Ihre Polymeter!« – »Was sinds?« fragte Knoll trinkend. »Herr Graf,« (sagte Schomaker und ließ die Pfalz weg) »in… Continue Reading „Aus „Flegeljahre““

Eigenlob der Venus

Philipp von Zesen (* 8. Oktober 1619 in Priorau bei Dessau; † 13. November 1689 in Hamburg) Di Lustinne* rädet selbst.       i. Aus däm Mehre bin ich kommen /   aus däs bitren salzes kraft hab‘ ich dises sein gewonnen;  … Continue Reading „Eigenlob der Venus“

1917

Walter Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) 1917 Halte wach den Haß. Halte wach das Leid. Brenne weiter am Stahl der Einsamkeit. Glaub nicht, wenn du liest auf deinem Papier, Ein Mensch ist getötet,… Continue Reading „1917“

Dass ich das alles geschrieben habe

MARTINA HEFTER Essay Dass ich das alles geschrieben, also dass ich sowas harmlos Weiches wie Schreiben gemacht hab, während alle Leute draußen einfach so – zack: der Fakt, dass ich zu Hause fein auf dem Bettchen liege, während alle Leute draußen: Zack; der Fakt,… Continue Reading „Dass ich das alles geschrieben habe“

Ach Sprache

Werner Söllner (* 10. November 1951 in Horia, Rumänien; † 19. Juli 2019 in Frankfurt am Main) Was bleibt Das Haus der Welt ist schlecht gebaut, ich sitze krumm und schief darin. Ach Sprache, meine stumme Braut, sag mir, wo ich zuhause bin. Hier… Continue Reading „Ach Sprache“

Hommes à femme

Karin Kiwus (* 9. November 1942 in Berlin) Hommes à femme Wenn eine kleine unscheinbare Fraulange kluge und ein weniglispelnde Reden hältüber Don Juan und Casanovadann stehen so Männer aufund zischen Herrgottnochmalwas soll das überhauptdie ist doch viel zu fipsig dafür Aus: Karin Kiwus,… Continue Reading „Hommes à femme“

Hollands Blume

Eins der bekanntesten Gedichte der Greifswalder Barockdichterin Sibylla Schwarz (deren 400. Geburtstag im nächsten Jahr groß begangen wird) heißt „Ein Gesang wieder den Neidt“. Es ist eine Verteidigung der Poesie gegen ihre Verächter. 4 seiner 23 Strophen verteidigen das Recht des weiblichen Geschlechts auf… Continue Reading „Hollands Blume“

Romantiker-Bildnisse

Robert Jentzsch (4. November 1890 Königsberg – 21. März 1918 gefallen in Nordfrankreich) Aus: Romantiker-Bildnisse Herrn John Höxter gewidmet 4. Ich aber las, wo keine Nacht mehr leuchtet, Der schwarzen Blumen Schimmer und Verderb. Ich fuhr auf breiten Winden, meer-gefeuchtet, Auf zu den Sternen,… Continue Reading „Romantiker-Bildnisse“

Jamsids Spiegelkelch

Şafak Sarıçiçeks Gedichtband hat von der ersten Zeile („Wolkenscheiben des Flusses treiben ins Land des Hafis“), ja eigentlich vom Titel an eine ausgesprochen west-östliche Ausrichtung. Kommen 200 Jahre nach Goethe Dichter, die Osten und Westen auf neue Weise zusammenführen? Man kann es so lesen.… Continue Reading „Jamsids Spiegelkelch“

Ferdinand Kriwet

Für alle, die in der Nähe wohnen, Sonntag, 1.11., vorerst letzte Gelegenheit vor dem Lockdown: „Auch wende ich mich entschieden gegen die Institutionalisierung des Buches als der einzig rechtmäßigen Heimstatt von Poesie“ (Ferdinand Kriwet, 1965). Das Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck… Continue Reading „Ferdinand Kriwet“