Schlagwort: Nelly Sachs

Jerusalem

Jerusalem Deine Steine will ich schleifen bis meine Begierde sich in dir spiegelt – Stolz der Fichten, Harz ihres Herzens In den Kristallen des Morgens sammle ich das Abbild deines Tages der früh erwacht über der Stadtmauer. Eine Ähre aus Licht im erzenen Mörser…

Nobelpreis 1966: Celan und Sachs? Oder keiner von beiden?

Nach 50 Jahren werden die Akten des Nobelpreiskomitees der Öffentlichkeit zugänglich. Daraus erfährt man jetzt, daß auf den vorderen Plätzen der Auswahl Yasunari Kawabata, Graham Greene, W. H. Auden und Samuel Beckett standen. Der Japaner erhielt ihn 1968, Beckett 1969, während die beiden anderen nie dran kamen. Ganz…

Digest 21.6.

Flucht aus Wien Bereits 1953 setzte sich die gefeierte junge Autorin nach Italien ab, um niemals mehr in die Stadt an der Donau zurückzukehren. Zumal die Beziehung zu ihrem Mentor und Liebhaber Weigel – McVeigh wertet als Erster Bachmanns Briefe an ihn aus –…

55. Jüdische Dichtung der Schoah

Adorno mag das Verdienst gebühren, mit seinen Äußerungen die Problematik jeder Literatur nach Auschwitz und zumal über Auschwitz deutlich gemacht zu haben: Die unaufhebbare Spannung zwischen ihrer ästhetischen Verfaßtheit und den daraus sich ergebenden Verfahren einerseits und dem Grauen ihres historischen Gegenstands andererseits führt…

78. Blitze

Der jungen Christine Koschel bescheinigte Nelly Sachs, sie habe „viele Blitze aus den Nächtigkeiten der Worte geschlagen“. Man darf dies eine wahrhaft prophetische Formulierung nennen. Sie lässt sich auf „Den Windschädel tragen“ beziehen, den 1961 erschienenen Debütband der damals Fünfundzwanzigjährigen, aber auch auf das…

26. Meckels Vorlaß

Der Autor und Bildende Künstler Christoph Meckel (geb. 1935) hat sein schriftstellerisches Archiv dem Deutschen Literaturarchiv Marbach übergeben. Das Archiv von Christoph Meckel enthält Manuskripte und Vorarbeiten zu seinen Büchern sowie umfangreiche Korrespondenzen, u. a. mit Jurek Becker, Peter Bichsel, Johannes Bobrowski, Hans Magnus…

23. Gottesgedichte

Noch deutlicher spürt man die vorbestimmte Blickrichtung bei Helmut Zwanger, der bisweilen in einen hymnischen Predigtton verfällt. Da „wird der Mensch wahrgenommen als das Gefundene und als der zu Findende“ (dies anlässlich der Worte „fundus und findling“ in einer Zeile bei Ulrike Draesner), da „klingt das…

106. Lyrisches Gespür

Burkhard Meyer-Sickendiek Lyrisches Gespür. Vom geheimen Sensorium moderner Poesie (Inhaltsverzeichnis siehe unten) Burkhard Meyer-Sickendiek ist Privatdozent am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin. Das Buch erscheint Ende dieser Woche im Fink-Verlag. Hier als Leseprobe das Vorwort Das vorliegende Buch entstand in den…

99. Atemstärkende Übungen

… der Band „Szenische Dichtungen“ mahnt ein Rezeptionsdilemma an, das uns allen miteinander, den Lesern, den Nichtlesern, den Kritikern, den traditionsgemäß fast ausnahmslos männlichen Theaterintendanten, ihren Dramaturgen und Regisseuren die Schamröte ins Gesicht treiben müsste. … An früherer Stelle hat sie gefordert, das Wort…

46. Weltsprache der Poesie

Der Schwerpunkt des Rezensionsforums literaturkritik.de lautet  im Juni 2011: „Weltsprache der Poesie?“ Darin die Beiträge (vgl. auch hinweise #5 und#35 dieses monats): Eine „Weltsprache der Poesie“? Transnationale Austauschprozesse in der Lyrik seit 1960 Von Anna Fenner, Claudia Hillebrandt und Stefanie Preuß Die Übersetzbarkeit des „Besonderen“ Gibt es…

35. Das Schweigen der Dichterinnen und wie wir es lesen können

[…] Im Folgenden aber werde ich, wenn man so will, eine weibliche und komparatistische Hölderlin-Linie nachzeichnen. Der philosophische Kronzeuge und Stichwortgeber wird dabei nicht Wittgenstein, sondern Simone Weil sein. Zu entdecken in der Linie von Emily Dickinson, Simone Weil, Nelly Sachs, Ilse Aichinger und…

108. Neue Lyrik 1961

Goethe schrieb eine Rezension der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, in der er zu den über 200 Gedichten des Bandes „das unterhaltende Geschäft [übernahm], sie alle der Reihe nach, so wie es uns der Augenblick eingibt, zu charakterisieren“. Da heißt es „Lieblich konfus und deshalb Phantasie…

84. Schwieriges Gespräch

Ich habe mich nie über Nelly Sachs und ihre Lyrik geäußert. Aber ich habe sie doch im Februar 1965 in Stockholm besucht. Von Freunden aus dem Goethe-Institut wurde ich gewarnt: Das Gespräch werde schwierig und nicht ergiebig sein. Denn ihr psychischer Zustand sei sehr…

71. Im Dunkeln

Nelly Sachs wollte als Person hinter ihrem Werk verschwinden, im Dunkeln bleiben, damit nur ihre Worte wichtig seien. Vermutlich ein Hinweis darauf, wie die Gedichte der jüdisch-deutschen Schriftstellerin während des schwedischen Exils entstanden: in der Nacht und bei gelöschtem Licht, um nicht ihre kranke…

42. Poetologie des Schmerzes

Durchdringender noch als bei Heine lassen sich die Gedichte der Nelly Sachs, jene dunklen Lieder, gewoben aus der Sprache des Todes, als Erzeugnisse einer Poetologie des Schmerzes verstehen. In der Tat sind sie wesentlich entstanden aus der Erfahrung jenes grossen Leids, das der Holocaust…