Kategorie: Polnisch

Hat sich meine Sprache verdreht

Zweisprachigkeit ist das eigentliche poetische Verfahren dieses Gedichts.

Die beiden Sprachen wiederholen, ergänzen und verschieben einander. Polnische Wörter werden übersetzt, andere bleiben in ihrem ursprünglichen Klang stehen. Schriftzeichen werden selbst zum Gegenstand der Betrachtung.

So entsteht eine Dichtung, die sprachliche Zugehörigkeit nicht als feste Eigenschaft beschreibt, sondern als etwas Bewegliches und Verletzliches.

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Du trauriger Larkin

Du trauriger Larkin, auch ich weiß vom Tod,
Der ständig allen Lebendigen droht,
Doch passend ist dieses Thema nie
In keiner Ode und in keiner Elegie.
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Ein Minenfeld

„Nie mów o Polakach i Żydach, / To pole minowe.“ – Sprich nicht von Polen und Juden: ein Minenfeld. In „Lekcja konwersacji“ zählt Kazimierz Wierzyński die historisch belasteten Beziehungen Polens zu Juden, Ukrainern, Tschechen und Litauern auf. Das Gedicht stammt aus seinem letzten Band Sen mara, der 1969 in Paris erschien. Deutsch in der Übersetzung von Frank Geerk.

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Und dennoch

Als wär ich todkrank gewesen,
muß neu ich die Welt beginnen,
jede Gestalt neu erlernen,
neue Wortgefüge ersinnen. //

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breite bündigkeit trauriger topoi

jetzt hängt alles davon ab: brüllst du oder donnerst du dich auf

Die Zunge wird uns verraten

Dass du wunderlich bist und ich wunderlich bin,
trifft sich fabelhaft, gemeinsam verwundern wir
die Welt. Spaziernde Familien werden mit
dem Finger auf uns zeigen, wir werden berühmt

werden und geheimnisvoll sein, sie werden auch Filme
über uns drehen, alles unwahres Zeug.

Die Welt aus dem Mund

Meine Tochter ist ein halbes Jahr alt und die Brust
der Mutter ist für sie die ganze Welt, Physik

und Metaphysik.

Antiidyll

die kirchenglocken bimmeln
und jemand holt sich beulen
im trog aus nebelhimmeln
dem hund vergeht das heulen

Gelogen

Nichts vom Gestank der Leber – züchtig
wie eine ältliche Jungfer zwickt der Geier Prometheus.
Nichts von unziemlicher Geilheit – Zeus berührt
Europa kaum mit dem Horn.

Zbigniew Herbert 100

ich weiß meine tage sind gezählt
es bleiben nicht mehr viele
gerade so viele daß ich es schaffe
den sand zu raffen
mit dem bedeckt wird mein gesicht

Krzysztof Kamil Baczyński (1921-1944)

Sie trennten dich, mein Sohn, von Träumen, die wie Falter zittern,
sie malten dir ein Landschaftsbild aus Bränden und Gewittern,
sie strickten feuchte Augen dir, mein Sohn, die rot verbluten,
und mit Gehängten säumten sie den Fluß der grünen Fluten.

Dantes Socken

Miron Białoszewski  (* 30. Juni 1922 in Warschau; † 17. Juni 1983 ebenda) ich öffne die Tür, sie quietscht ein Flüstern: „dieser Schrank ist der Eingang zur Hölle“ da seh ich: zwischen den Bügeln das rote Kleid und die schwarzen Socken von Dante Aus dem Polnischen von Dagmara Kraus, aus: Mütze… Continue Reading „Dantes Socken“

Die zeit drängt

das wär also das ganze leben gewesen

ja das ganze leben

Jeden Tag sterben

JEDEN TAG STERBEN jetzt jene die einst auferstanden
Sie sterben normal wie alle an Alter
Schlaganfall Herzinfarkt Zucker Verbitterung Krebs
Sie sterben in sauberen Betten mit angelegtem Tropf
#IritAmiel

Der Dichter rechtfertigt sich

So wie der Dichter ist, ist auch sein Publikum.

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