Kategorie: Tunesien

1. Mit dem Tode bedroht

Der Verlag Bruno Doucey informiert über mehrere Angriffe auf seinen Autor, den tunesischen Dichter Moncef Ouhaibi. Er ruft zur Unterstützung einer “großen progressiven Stimme Tunesiens” auf, die von Fundimentalisten bedroht wird.

Und dies in dem Maße, das seine körperliche Unversehrtheit gefährdet.

Der Dichter wurde 1942 bei Kairouan geboren. Er schuf Dokumentarfilme und veröffentlichte Erzähl- und Gedichtbände und ist auch Professor für arabische Sprache und Literatur an einer Universität.

Zu seinen Büchern gehört “Vor den Toren von Kairouan, oder Länder wie ich”, eine Geschichte, die von den Tunesienreisen Paul Klees im Jahr 1914 handelt. Außerdem die Gedichtsammlungen: “Table” (Tisch/ Tafel), “Manuskript von Timbuktu” und “Die Affairen der Frau, die zu wachsen vergaß”.

Der Verlag erklärt seine bedingungslose Unterstützung für Moncef Ouhaibi und fordert die tunesischen Behörden auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Schriftsteller zu schützen. / actua litté

4. Wir sind Raja Ben Slama

Abdelwahab Meddeb bei Facebook:

Damit sich jeder von uns in die Situation Raja Ben Slamas versetzen kann, schlage ich euch vor, daß ihn jeder in seinem eigenen Namen und in der ersten Person ausspricht

Habs getan:

Ich verlange von dem islamistischen Berichterstatter der Verfassungskommission M. Habib Kheder, mich zu verklagen, wie er es mit Raja Ben Slama getan hat, denn auch ich werfe ihm vor, illegal Artikel 26 des Entwurfs der Verfassung betreffend Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit geändert zu haben.

Wie Raja Ben Slama werfe ich ihm vor, in die von der Kommission für Rechte und Freiheiten vorgeschlagene Version Formulierungen eingefügt zu haben, die die Ausübung der Meinungs- und Informationsfreiheit aushöhlen, indem sie an die öffentliche Ordnung und die guten Sitten gebunden werden. Wie Raja Ben Slama halte ich diese Veränderung für eine Verfälschung, die aus Artikel 26 einen gegen die Freiheit gerichteten Artikel macht. Ich verurteile diese Handlung und halte sie für einen “Vertrauensbruch.” Wir alle sind Raja Ben Slama.

Michael Gratz

Kopie an alle Bundestagsabgeordneten, die vergangene Nacht für ein von Medienkonzernen eingebrachtes Gesetz zur Einschränkung der Informationsfreiheit stimmten sowie für alle, die evtl. der Abstimmung fernblieben, weil sie grad andres vorhatten (oder es sich nicht mit ihren Sponsoren verderben wollten?). Ich verurteile diese Handlung und halte sie für einen Vertrauensbruch. Wir sind das Volk. Wir sind Raja Ben Slama.

95. „der deutsch-arabische lyriksalon“ 2012

Poetische Begegnung der Kulturen

Der von dem deutschsprachigen, aus Syrien stammenden Dichter Fouad EL-Auwad ins Leben gerufene „deutsch-arabische lyriksalon“ kann seit 2005 auf eine stattliche Anzahl poetischer Soirées und auf eine eindrucksvolle Reihe erstrangiger Gäste zurückblicken. Interkulturelle Begegnung im Medium der Poesie – das ist das erklärte Ziel der Initiatoren. Waren Dichter wie Reiner Kunze, Raoul Schrott und Fuad Rifka bei früheren Ausgaben des „lyriksalon“ zu Gast, so steht das diesjährige Programm dem in keiner Hinsicht nach, zumal das Festival in diesem Jahr erstmalig – an zwei aufeinander folgenden Tagen – an zwei Orten stattfinden wird, nämlich in Aachen und in Bonn. Auf deutschsprachiger Seite sind diesmal – neben Gastgeber Fouad EL-Auwad – Ulrike Draesner, Ludwig Steinherr, Suleman Taufiq, Reinhard Kiefer, Gabriele Frings, Christoph Leisten und Nedjo Osman dabei, aus der arabischen Welt kommen Hussein Habbasch (Syrien), Hayet Raes (Tunesien), Emad Fouad (Ägypten), Fatima Mahmoud (Libyen) und Ali Al-Jallawi (Bahrain). Wie immer besticht das Programm dadurch, dass die Gedichte der Autoren jeweils in deutscher und in arabischer Sprache zu hören sein werden. Zum deutsch-arabischen lyriksalon erscheint bei der Edition Orient die zweisprachige Anthologie „einfach SO“, die an diesen beiden Abenden erstmalig vorgestellt wird.

Das Festival in Aachen findet statt am Donnerstag, dem 25. Oktober, 19.30 Uhr, im Couven-Museum (Hühnermarkt), der Bonner Abend ist am Freitag, dem 26. Oktober, 19.30 Uhr im Festsaal der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Am Hof). Beide Abende werden musikalisch kongenial begleitet durch den aus dem Irak stammenden Oud-Virtuosen Raed Khoshaba. Der Eintrittspreis zu beiden Abenden beträgt jeweils 10 Euro.

Weitere Informationen: www.lyrik-salon.de

 

 

73. Festival der modernen marokkanischen Lyrik

In der Stadt Chefchaouen fand das 27. nationale Festival der modernen marokkanischen Lyrik statt. Das Festival würdigte in diesem Jahr das Schaffen des Dichters Mohamed Mimouni, der zu den Säulen der modernen Lyrik Marokkos gezählt wird.

Zum erstenmal waren auf dem Festival Amazigh-(Berber-)Poeten aus dem westlichen Rif vertreten, außerdem Dichter aus den Maghrebstaaten wie Bouzid Harzallah, Lamiss Saidi und Abdellah Hamel aus Algerien und Fatima Ben Mahmoud aus Tunesien. / Libération (Marokko)

48. 13. poesiefestival berlin erfolgreich beendet

Mit einem großen Lyrikmarkt ging am Sa, 9.6.2012 das 13. poesiefestival berlin erfolgreich zu Ende.

Über 11.000 Besucher kamen zu den 52 Veranstaltungen, insgesamt waren mehr als 200 Beteiligte aus 51 Ländern zu Gast, darunter u.a. Michael Palmer (USA), Yan Jun (China), Abdelwahab Meddeb (Frankreich/Tunesien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Fátima Miranda (Spanien), Monika Rinck (Deutschland) sowie Max Prosa und die Band Erdmöbel.

Das 13. poesiefestival berlin hatte einen politischen Fokus. Autoren aus Syrien sprachen über ihre Sicht auf die Revolution im Land, Dichter aus Äthiopien, Kenia und Ägypten diskutierten über die Situation in den Ländern entlang des Nils und die Rolle, die die Poesie bei der Bewältigung der Probleme spielt. Mit renshi.eu feierte ein Kettengedicht seine Premiere, bei der Dichter aus allen EU-Ländern ihre Gedanken zur Krise Europas zu Wort brachten. Ausgang und Abschluss für das Kettengedicht schrieb der griechische Dichter Yannis Stiggas. Die Texte sind ab 13.9. auf der Webseite www.lyrikline.org zu hören und zu lesen.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg. Weitere Informationen unter www.literaturwerkstatt.org.

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

26. Islam Erwache

Der “Islamische Revolutionsführer” Ayatollah Seyyed Ali Khamenei betonte die wichtige Rolle der Literatur im “Islamischen Erwachen”.

Er sprach am Montag in Teheran bei einem Treffen mit iranischen und ausländischen Literaten beim “Internationalen Kongreß für die Literatur des Islam ischen Erwachens”.

Er forderte die literarischen Figuren der islamischen Länder auf, Gedichte zu schreiben, die die “Erhebung des Islamischen Erwachens” beförderten.

An dem Treffen nahmen Gäste aus Tunesien, Ägypten, Libanon, Bahrain und mehreren anderen Ländern teil und lasen Gedichte zu Ehren des Propheten Mohammed, des “Islamischen Erwachens” und des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution. / Tehran Times

135. Widersprüchliche Berichte

„Wir haben schon gewonnen.  Es fragt sich nur, wie viel,“ sagt der tunesische Internetaktivist Slim Amamou, der nach dem Sturz des alten Regimes für 5 Monate Staatssekretär in der Übergangsregierung war.

„Heute ist die Zensur weitestgehend aufgehoben“, sagte er. Das Agence Tunisienne d’Internet (ATI), die oberste Zensurbehörde, habe Berufung gegen alle Zensurbestrebungen eingelegt und einen Wandel zu einer Behörde vollzogen, die nun die Freiheit des Internets verteidige.

Nun ehrte ihn die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin mit dem Menschenrechtspreis.

Schlechtere Nachrichten aus Ägypten:

„Im Moment geht es wieder abwärts. Es gibt Verbote, Zensuren, die Talkshows im Fernsehen scheinen gesteuert und Journalisten werden verhaftet und gefoltert.“ Im September 2011 wurde etwa die Redaktion des Fernsehsenders Al Dschasira in Kairo durchsucht und danach geschlossen. Die Repressionen der Militärjunta werden als Rückkehr in die Ära Mubaraks gewertet.

(…) „Der Protest ist noch im Gange. Die Menschen werden nicht mehr ihren Mund halten“, sagte Kassem.

/ Tagesspiegel 27.9.

Skeptisch ist dagegen der kürzlich mit dem Goethepreis geehrte Dichter Adonis. “Es gab keine arabische Revolution”, sagt er. Köpfe seien ausgetauscht worden, aber die Strukturen blieben. Der Nouvel Observateur sprach mit ihm.

Lang ist die Liste seiner auf Französisch vorliegenden Bücher:

Le regard d’Orphée
Adonis
Editions Fayard, 20,90 €

Mémoire du vent
Adonis
Gallimard, 8,46 €

Le livre
Adonis
Seuil, 23,75 €

La priere et l’epee
Adonis
Mercure de france, 18,83 €

Le temps des villes
Adonis
Mercure de france, 18,83 €

La forêt de l’amour en nous
Adonis
Mercure de france, 15,96 €

Introduction à la poétique arabe
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 12,32 €

Identité inachevée et ouverte
Adonis
Rocher Eds Du, 10,93 €

Commencement des corps, fin de la mer
Adonis
Mercure de france, 13,30 €

Chronique des branches
Adonis
La Difference, 5,08 €

Chants de Mihyar le Damascène
Adonis
Gallimard, 9,98 €

Celebrations
Adonis
La Difference, 14,25 €

Tombeau pour New York Prologue à l’histoire des tâ’ifa Ceci est mon nom
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 10,00 €

132. Arabische Lyrik beim poesiefestival

Schnelle Veränderungen erwartet Hint Shoufani nicht, solange es an demokratischer Gesinnung mangelt. Die Palästinenserin, Jahrgang 1978, gehört zu den schillerndsten Figuren der arabischen Frauenliteratur, ihre Themen sind: „Tod, Politik und Sex“.

Aus ihren englischen Gedichten spricht Pessimismus, aber auch eine kraftvolle Sinnlichkeit, die sich in assoziativen Wortketten den Weg bahnt. …

Aggressiven Rap zu hämmernden Hip-Hop-Beats schmettert der 22-jährige Tunesier El Général. Seine Protesthymne „Rais Lebled“ (Chef meines Landes) ist eine direkte Aussprache mit Staatschef Ben Ali. Über Facebook fand das zensierte Video seinen Weg in die Welt, mittlerweile gilt es als Auslöser für den Sturz des Kleptokraten. Die provokative Diktatoren-Konfrontation sucht auch die junge Ägypterin Hend Hammam. Ihr Gedicht „Brief an den Präsidenten der Republik“ formuliert eine in rhythmischen Reimversen verfasste Anklage gegen Hosni Mubarak: scharfzüngig, in einfachem Umgangsarabisch. Mit ihrem Landsmann Deeb teilt sie ein zentrales Anliegen: die Demokratisierung in der Kunst antizipieren, durch den Gebrauch des landeseigenen Dialekts, der noch die untersten Schichten erreicht. / Martin Ernst, Tagesspiegel

78. Neue Arabische Welt

Colloquium: Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 18:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt €5/3

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Arian Fariborz Politologe, Islamwissenschaftler und Journalist, Köln

Revolution, politischer Umsturz, Protest: Die Arabische Welt ist in Bewegung. In der Diskussion wird nach dem künstlerischen Umgang mit den derzeitigen Umbruchprozessen und gewaltvollen Auseinandersetzungen gefragt. Wie manifestieren sich Wünsche und Sehnsüchte in dichterischen Formen? Inwieweit bahnt sich die Wut ihren Weg in die Texte? Wie sieht die Situation in den unterschiedlichen Ländern und regionalen Wirklichkeiten aus? Welche Rolle spielen die Dichter in den Protesten, sind sie Beobachter, Katalysatoren oder gar Tongeber?

Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Plenarsaal
Eintritt €10/7

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Pyranja Rapperin, Journalistin, Berlin

Die jungen Poeten und Performer aus der Arabischen Welt stellen ihre Werke und ihre Sicht auf das Alltagsleben vor. Jenseits von gängigen Orientalismen wird ein Wortkaleidoskop dargeboten, das von klassischer Poesie  über poetry performance bis hin zu Rap reicht. Die Vielstimmigkeit der jungen Künstler spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Ägypten, Bahrain, Libyen, Tunesien und dem Libanon wider und ermöglicht einen facettenreichen Einblick in eine heterogene Region aus erster Hand.