Omar Chayyam

397 Wörter, 2 Minuten Lesedauer.

Omar Chayyam (Khayyam) gehört zu den bekanntesten Dichtern der persischen Literatur – obwohl über Leben und Werk wenig bekannt ist. Der zwischen 1021 und 1048 in Nischapur geborene Gelehrte war nicht nur Dichter, sondern auch Mathematiker, Astronom und Arzt. Die ihm zugeschriebenen Verse sind fast ausschließlich sogenannte Robāʿiyāt: kunstvoll gebaute Vierzeiler, deren Name sich vom arabischen Wort für „aus vieren bestehend“ ableitet. 

Die Robāʿī gilt trotz des arabischen Namens als spezifisch iranische Form. Sie entfaltet ihre Pointe oder Einsicht in vier Zeilen nach dem Reimschema aaba: Der erste Vers eröffnet den Gedanken, der dritte variiert oder steigert ihn, die vierte Zeile führt zur überraschenden Auflösung zurück. Gerade diese Verbindung von Kürze, gedanklicher Schärfe und philosophischer Offenheit machte Omar Khayyams Vierzeiler weltberühmt. 

Zur außergewöhnlichen internationalen Wirkung Omar Khayyams trug vor allem die englische Nach-Dichtung des britischen Schriftstellers und Orientalisten Edward FitzGerald bei. Seine erstmals 1859 erschienenen Rubáiyát of Omar Khayyám waren keine philologisch genaue Übersetzung, sondern eine freie poetische Neuschöpfung aus verschiedenen persischen Vorlagen. Gerade diese Fassung machte Khayyam im Westen berühmt: Aus dem persischen Gelehrten und Verfasser rätselhafter Vierzeiler wurde in Europa und Amerika die Gestalt eines skeptischen Lebensphilosophen, eines Sängers von Wein, Vergänglichkeit und sinnlichem Augenblicksglück. FitzGeralds Version, nicht die persische Dichtung, entwickelte eine kaum zu überschätzende Wirkung auf Literatur, Kunst und Populärkultur und prägte das westliche Bild Omar Khayyams bis weit ins 20. Jahrhundert.

Heute aber gehen wir zu den persischen Quellen zurück. Der Text folgt dem Band Die Verse des Omar Chayyām, ausgewählt und eingeleitet vom iranischen Schriftsteller Sādeq Hedāyat (1903-1951), aus dem Persischen übersetzt und mit einem Nachwort von Kurt Scharf versehen. Die Ausgabe leitet den Blick auf die historische und textkritische Problematik der Überlieferung – auf einen Dichter, dessen Werk in zahllosen Varianten kursiert und dessen authentische Stimme bis heute Gegenstand der Forschung bleibt. Die Collagen von Monica Schefold und die Kalligrafien der persischen Texte begleiten die Ausgabe visuell.

Omar Chayyām 

(persisch عمر خیام, geboren nach einer Überlieferung am 18. Mai 1048 in Nischapur, Chorasan, heute in Iran; gestorben vielleicht am 4. Dezember 1131 ebenda, oder doch 1122?)

Erst hat er gegen meinen Willen mich gemacht.
Das hat dem Leben außer meinem Staunen nichts gebracht.
Nur ungern scheide ich und frage mich: Wozu
hat er mir Ankunft, Dasein, Abschied zugedacht?

Aus: Die Verse des Omar Chayyām. Ausgewählt und eingeleitet von Sādeq Hedāyat. Übersetzung aus dem Persischen und Nachwort von Kurt Scharf. Collagen von Monica Schefold. Bremen: sujet verlag, 2025 (4. Aufl. – die 1. war 2022!)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..