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Veröffentlicht am 8. Juni 2026 von lyrikzeitung
156 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Marija Stepanowa
(auch Maria Stepanova, russisch Мария Михайловна Степанова, * 9. Juni 1972 in Moskau)
K
Die Dichtung, absurdes vieläugiges
Wesen mit vielen Mündern,
Das in vielen Körpern zugleich lebt,
Ging zuvor durch viele andere Körper,
Die jetzt zwecks Erhalt auf Station sind
Wie etwas demnächst zu Gebärendes.
(Und doch kann eine archäologische Expedition,
ein wissbegieriger Schäfer,
ein Trupp Studenten in Shorts
dich jeden Moment aus der Erde holen
wie ein Kind vor der 30. Woche,
und sie stecken dir ihre Finger in den zahnlosen Mund)
Nach dem Phosphorgehalt der Knochen zu schließen
Aß die Dichtung englischer Zunge ziemlich viel Fisch.
Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja, aus: Uljana Wolf, Günter Blamberger und Michaela Predeick (Hrsg.), poetica7. Sounding Archives Poesie zwischen Experiment und Dokument. Tübingen: Konkursbuch VERLAG CLAUDIA GEHRKE, 2022, S. 19
Im März 2022 gehörte Stepanowa zu den Unterzeichnern eines Appells russischsprachiger Schriftsteller an alle Russisch sprechenden Menschen, innerhalb Russlands die Wahrheit über den russischen Überfall auf die Ukraine zu verbreiten.
Kategorie: Rußland, RussischSchlagworte: Archäologie, Übersetzung, Dichtung, Gedicht, Gegenwartsdichtung, kulturelles Gedächtnis, Literatur des 21. Jahrhunderts, Lyrikzeitung, Maria Stepanova, Marija Stepanowa, Metapher, moderne Poesie, Moskauer Literatur, Olga Radetzkaja, Poesie, poetica, russische Autorinnen, russische Gegenwartslyrik, russische Lyrik, russische Schriftstellerinnen, Sounding Archives, Ukrainekrieg
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