Digest 19./20.6.

Peinlich

Nun schickt Lerner eine Programmschrift zum Status der Poesie hinterher… Es ist auch ein autobiographisches Spiel, denn häufig rekurriert der Autor auf eigene Erfahrungen. Lerner gefällt, dass ihm gegenüber jeder Nichtdichter Kenntnisse über Lyrik simuliere, „obwohl die einzigen Gedichte, denen er in den vergangenen Jahrzehnten begegnet ist, auf Hochzeiten und Beerdigungen vorgetragen wurden“. Bereits nach wenigen Seiten wird klar, dass die wahre Poesie eine unmögliche ist, eine, die sich nur im Scheitern, in der Ablehnung oder in der Markierung der Grenze greifen lässt.

Der Autor geht aus von Marianne Moores Gedicht „Lyrik“, das mit den Zeilen „Ich mag sie auch nicht“ beginnt (…). Schon als Kind habe ihn diese Selbstablehnung fasziniert. Sie munitionierte ihn, um gegen all die Zuschreibungen zu bestehen. Hartnäckig nämlich werde Dichtung mit Ruhm in Verbindung gebracht (anerkennende Blicke bei der Information, dass man publiziert wird), doch nicht als echte Arbeit anerkannt. Das dichterische Genie ist der Gesellschaft ein wenig peinlich. / Oliver Jungen, FAZ 19.6.

Ben Lerner: „Warum hassen wir die Lyrik?“ Rowohlt Rotation, E-Book, 2,99 €.

Deutsch-polnischer Preis für Jan Wagner

Der Lyriker Jan Wagner ist mit dem deutsch-polnischen Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis 2016 gewürdigt worden. Wagner nahm die Auszeichnung gemeinsam mit dem zweiten Preisträger, dem polnische Dichter und Literaturkritiker Kazimierz Brakoniecki, am Sonntag in Göttingen entgegen.

Der Linde-Preis wird von der Stadt Göttingen und ihrer polnischen Partnerstadt Thorn verliehen, er ist mit zweimal 5000 Euro dotiert. Mit der zum 21. Mal vergebenen Auszeichnung werden Künstler gewürdigt, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen, wie es in der Ausschreibung heißt. / Die Welt

Tadschikistan

Eine neue Dichtergeneration im persischsprachigen Tadschikistan benutzt die neuen Medien dazu, soziale, ökonomische und politische Probleme, wie sie im exsowjetischen Land in Mittelasien ständig anwachsen, auf Facebook und dem russischen sozialen Netzwerk Odnoklassniki anzusprechen. / albawaba

Tunesischer Literaturpreis

Der Abou El Kacem-Chabbi-Literaturpreis, der bis zur Revolution 2011 jährlich verliehen wurde, wird wiederbelebt, wie das Kulturministerium mitteilte. Der Preis wird von der Banque de Tunisie finanziert und soll kulturelle Leistungen arabischer Länder würdigen.

Abou  El Kacem Chabbi war ein tunesischer Dichter, der 1934 mit nur 25 Jahren starb. Besonders bekannt ist sein Gedicht „Hymne an das Leben“. / impact24

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