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Veröffentlicht am 28. Mai 2026 von lyrikzeitung
135 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Yōko Tawada
(jap. 多和田 葉子, Tawada Yōko; * 23. März 1960 in Nakano, Tokio, lebt in Berlin)
Ein arbeitsfreier Tag der Dichterin
Einmal möchte ich dir
die langweiligste Sache der Welt sagen
Du wirst glutrot
und kühlst dir mit dem Wasser
der Nordsee die Stirn
Das Meer lacht verlegen
und kitzelt einen Hai unter den Armen
Der Hai wird böse und beißt einen Politiker
der gerade schwimmt Die Radios
fangen gleichzeitig
ein riesiges Geschwätz an Die elektrischen
Wellen
umschlingen die Wassertropfen
dass das Klopfen am Küchenfenster
aus dem Takt gerät
und auch die Hand der Mutter
die das Brot schneiden wollte
Es war nicht geplant aber zufällig
schneidet ihr Messer
den Kopf der Literaturgeschichte ab
Aus: Frauen | Lyrik. GEDICHTE IN DEUTSCHER SPRACHE. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Stuttgart: Reclam, 2020, S. 655
Kategorie: Deutsch, Deutschland, JapanSchlagworte: Anna Bers, Brot, deutschsprachige Lyrik, Dichterin, Ein arbeitsfreier Tag der Dichterin, Frauen Lyrik, Gedicht, Gegenwartslyrik, Hai, interkulturelle Literatur, japanische Literatur, Literaturgeschichte, Medien, Mutter, Nordsee, Poesie, Politiker, Reclam, Tawada Yōko, Wüstenrot Stiftung, Yoko Tawada, Yōko Tawada, 多和田葉子
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