69. Daniela Danz wird Tübingens Stadtschreiberin 2012

Daniela Danz erhält das Stadtschreiberstipendium 2012 der Universitätsstadt Tübingen. Bisher veröffentlichte die Autorin zwei Gedichtbände mit den Namen „Serimunt“ (2004) und „Pontus“ (2009) sowie Prosawerke. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Danz schätzt Tübingen, hat sie doch an der Eberhards Karls Universität Germanistik und Kunstgeschichte studiert. „Tübingen ist genau das, was jetzt zur ‚Hälfte des Lebens’ passt, um nachzudenken und in Ruhe zu arbeiten“, so Danz.

Eine fünfköpfige Jury hat die Schriftstellerin ausgewählt, die sich laut Florian Illies, dem ehemaligen Feuilleton-Chef der Zeit, durch ein „Gespür für die drückende Präsenz der Geschichte“ auszeichnet. Von April bis Juni wird Danz im ehemaligen Aufseherhäuschen am Stadtfriedhof leben und sich dort ihrer Arbeit widmen. Bei zwei Lesungen haben die Tübingerinnen und Tübinger die Gelegenheit, die Autorin und ihr literarisches Werk kennen zu lernen. Die Auftaktlesung findet am Donnerstag, 12. April im großes Sitzungssaal des Rathauses statt. Zudem wird die Stipendiatin ein Seminar beim Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen halten.

Daniela Danz wurde 1976 in Eisenach geboren und studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Tübingen, Prag, Berlin und Halle an der Saale. Sie lebt heute in der Nähe von Weimar. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit lehrt sie an der Universität Hildesheim und arbeitet als Kunsthistorikerin für die Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland.

Seit 2008 vergibt die Universitätsstadt jedes Jahr das dreimonatige Stadtschreiberstipendium. Dichterinnen und Dichtern wird so ermöglicht, ohne Zeitdruck und materielle Zwänge an ihrem aktuellen Projekt zu arbeiten. Enthalten sind monatlich 1.000 Euro und die möblierte Wohnung im ehemaligen Aufseherhäuschen.

70 Comments on “69. Daniela Danz wird Tübingens Stadtschreiberin 2012

  1. da kommen ja (wie ich mich da durch- & vorlesen kann) sehr realitätsnahe, differnzierte und auch brauchbare vorschläge zustande- warum sammelt die nicht jemand, der auch den namen dazu hat & den stand, und gibt sie mal an die öffentlichkeit weiter, als artikel oder brief oder umfage etc.?
    könnte mir vorstellen, dass manche förderGeber da flexibel wären und was neues schaffen womit sie sich sowie samt den damit gewonnenen förderNehmern gut darstellen können.
    (wie immer, es ist kleinlich, und auhc kleinbürgerlich, bürokratistisch, wenn sich die vergeber und vereinsvorsitzende und geschäftsführerInnen udn kulturämtler da zu sehr einmischen und bestimmen, wie oft & lang man weg darf? was hat sie das anzugehen? da sollte man herzögliche groszzügikeit walten lassen … außerdem, wenn es sich um DEN oder DIE handelt, dann sind sie froh, wenn sie ihn in den annalen führen dürfen und überschlagen sich in verständnis & entgegenkommen und toleranz und reden in nichts rein!)

    –> DER ANLASS
    mich hier wieder (nicht) auszulassen war ein aderer – die aus der umgreifenden praxis resultierende frage: finden es die betroffenen & getroffenen besser, wenn man die stipendiumssummen aufstockt und dafür die anzahl reduziert (also statt 4 im jahr nur 3 und dann 2 … oder statt insgesamt ca 24 nur noch 20 … oder statt 3 nur 2 monateusw.) oder wäre es angebracht, die summen zu begrenzen und dafür die zahl der förderungen nicht zu reduzieren?

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  2. Das wäre schon ein guter Ansatz: wenn z.B. die Zeiten viel flexibler gegliedert wären, es auch Wochenstipendien gäbe, überhaupt die heute beinahe ganz normalen Abhängigkeiten (bsp.weise vom Arbeitsmarkt) viel mehr Berücksichtigung fänden. Aber dafür müßten die Gremien, die über solche ja im Grund ja sehr lobenswerte Stipendien nachdenken, sich auch gut beraten lassen, denn man sollte lieber nicht davon ausgehen, daß sämtliche konkreten Bedingungen einer Autorenexistenz von selber in die Stuben der Kulturämter usw. vordringen. Aber das liesse sich ja alles regeln, ein wenig Kommunikation zwischen allen Beteiligten vorausgesetzt, oder?

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  3. vielleicht noch schnell ein konkreter vorschlag, nur einer von vielen, der mir einfällt, jetzt doch mal auf meine persönlichen bedürfnisse zugeschnitten: mir würde es am ehesten helfen, wenn ich mal eine woche wegkönnte, um intensiv zu arbeiten. alles andere ist für mich, in meiner speziellen situation, zu lange. aber eine woche wär prima, vielleicht dann wiederholbar nach ein paar monaten. und es müsste an bezahlung dann die fahrtkosten geben und das geld, um woche vor ort einfach aber gut zu leben – das wärs für mich schon.
    und so könnte man vielleicht eben mehr situationen schaffen, die angepasst sind an die bedürfnisse eines einzelnen. kostet etwas mehr mühe und ggf. auch geld. na ja.

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  4. lieber ulf, und weiter oben unter nr. 3 lieber andre, ich gönne euch und daniela und jedem, der so ein stipendium wahrnehmen kann, dieses wirklich von herzen. die frage ist aber für mich weiterhin, abgesehen von der finanziellen seite, wie das mit der gerechtigkeit aussieht. denn diese stellen und aufenthaltstipendien kann eben nicht jede/r wahrnehmen, wie ja auch der beitrag von k.s. zeigt. mich stört, dass das anscheinend überhaupt nicht mitbedacht wird. es gibt ja eh eine auswahl durch jurys, die festlegt, wer letztendlich das stip. bekommt – aber vorher müsste es theoretisch so ausgelegt sein, dass es jeder wahrnehmen kann. klingt vieleicht utopisch, aber ist schon durchaus ernst gemeint von mir. das wort chancengleichheit finde ich eigentlicht gar nicht so falsch. denn, wenn ich euch so schwärmen höre, wie viel und schön ihr arbeiten konntet während eures aufenthalts – ja, was sollen dann die sagen, die eben nie wegkönnen? ich quetsche meine schreibarbeit irgendwo in die halben stunden, die sich halt so ergeben – das geht auch, ich finds sogar ganz gut für mich – ich will wie gesagt nicht für mich klagen, sondern es geht mir um den grundsatz. in den usa zb könnte man wahrscheinlich ein aufenthaltsstipendium, das zb nicht rollstuhlgerecht ist, verklagen. nur ein beispiel, das vielleicht verdeutlicht, um was es mir geht. die stipendien müssen so gestaltet werden, vom gesamten modus her (zeitliche, räumliche, familiäre aspekte betreffend), dass im prinzip jede/r autor/in sie wahrnhemen könnte, gleich, in welcher beruflichen/familiären/gesundheitlichen situatioen er/sie sich befindet. das hieß, man müsste sehr vieles umstruktieren und ändern an so einer einrichtung, und ich finde, dass es dafür wirklich zeit wird.

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  5. lieber ulf, hier kann ich dir nicht zustimmen. ob sie es gelesen hat oder nicht: wenn sie kann wird sie nach tübingen fahren und e s t u n, aber daß es schlecht bezahlt ist weiß sie auch, und daß man darüber sprechen muß, über die summen und die wege der förderung weiß sie auch. und daß es gründe gibt, bedrängende gründe, auch kleine gaben, auch unter schwierigen bedingungen anzunehmen weißt du auch. hier wurden nicht nur die auch üblichen nebenfehden geführt sondern gute gedanken vorgetragen. dieses gespräch muß geführt werden. die etablierten medien halten sich zurück oder ergehen sich in sozialdarwinistischen phantasien, die örtlichen politiker dürfen sich in ihrer spenderlaune sonnen und mäzene dünken, alles ist wie immer, sozusagen gut so; und alles das weiß daniela danz auch. ach komm: warum sollte sie deswegen unglücklich sein?

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  6. Egal, ob sie es gelesen hat oder nicht, haben wir jetzt für Daniela eine Situation geschaffen, die unglücklicher nicht sein könnte. Und es tut mir leid, daß ich auch noch damit angefangen habe. Ich war letzten Sommer für tausend Euro einen Monat in der Steiermark und habe mehr hinbekommen als in einem Jahr Berlin. Man sollte Prinzipielles wahrscheinlich nicht am Einzelfall abhandeln, nie, und Tübingen ist nach wie vor die beste Stadt, um ES zu tun! Tu es!

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  7. Lieber Axel Kutsch, nein, wahrlich nicht. Möglicherweise habe ich zu syllogistisch aus anderen Debatten übersprungsgehandelt. Der Anwurf schwelt gleichwohl (allgemein).

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  8. 1) Weil mir gerade ein geschätzter Teilnehmer der Diskussion per e-Mail Kürze vorwarf, noch etwas mehr. Das Wort WERT ist bisher noch nicht gefallen. Ich stelle zugute, deswegen nicht, weil es viele DiskutantInnen implizit voraussetzen — im Gegensatz zu denen hier, die immer gleich ein Luxuslamento ausgedrückt sehen, Undankbarkeit, Verwöhntheit. Der Wert ist da, die schöne neue momenthafte Geworfenheit ins Fremde. In Abwandlung von Bobrowski: Neuland Ströme. Also Kontakte, Konstellationen, Einbindungen und auch Erweiterung des Tätigkeitenportfolios. Und täglich das Ungewisse als belebender Reiz – stärker noch als im Alltag.
    Formell sind diese Ämter und Stipendien Reisen. Man könnte einwenden, die könne ein Autor auch (gefälligst) eigenverantwortlich antreten, aber nicht jede/r ist dafür gemacht, und gereist wird ohnehin auch noch, und es wäre sensorisch auch etwas anderes. Ein Wert des Ganzen ist eben auch die (nicht dotierte, nicht dotierbare) wohlwollende – und öffentlich sichtbare! – Anerkennung, die die Gesellschaft dem Künstler und sich selbst damit zeigt.
    2) Daniela Seel hat Wichtiges genannt und schön formuliert. Sie hat auch der anderen Debatte – welchen (nicht)beruflichen Status ein Autor haben soll – gute Argumente beigegeben. Es liegt auf der Hand, dass die (gebetsmühlenartig) erwähnten Benn, Kafka, Stevens und Williams keine Mehrheit darstellen, es also überreichlich Gegenbeispiele gibt. (Abgesehen davon, dass Stevens und Williams einem anderen kulturlogistischen System entstammen. Die Systeme in ihren Fürs und Widers abzuwägen, wäre interessant, aber nun tatsächlich etwas anderes.) Ich verstehe aber nicht, aus welchen Motiven an den Errungenschaften der Kulturförderung herumgemäkelt wird. Soll am Ende etwa stehen: „Herrlich, dass ich in einem Land lebe, dass seine Künstler ignoriert“?
    Aber das ist jetzt vielleicht auch die falsche Rhetorik.
    Nur zu glauben, die Literatur von berufstätigen Autoren sei elementarer als die sogenannter freier, ist ein Irrsinn, letztlich eine Selbstentmündigung dessen, der sie äußert. Fester literaturfremder Beruf und Literatur: das kann gut gehen, aber auch schief gehen.
    3) Logischerweise gibt es eine Anpassung ans System: Dieser Staat bietet Freiräume an, also werden sie genutzt. Es gibt ein Stipendium, also bewirbt man sich drauf. Ein Preis proliferiert Wahrnehmbarkeit, also will man ihn haben (für die Literatur, die man schreibt und natürlich auch für andere als zuträglich erachtet). Ob das jetzt strukturell Evolution, Devolution oder Stasis bedeutet, ist eine anregende Frage, aber eher für Kultursystemiker als für Autor oder Leser.
    4) Dieses System nun geht von dem freien Autor aus. Wer Autorenresidenzen oder Stadtschreiberstellen vergibt, weiß um dessen zeitliche Verfügbarkeit (scheußliches Wort). Er sollte also auch wissen, was die Dotierung hierbei bedeutet. Dass es oft nicht (mehr) gewusst wird, ist die Crux. Stadtschreiber Dresden: 900 Euro per Monat, das entspricht der durchschnittlichen Armutsgefährdungsgrenze (in D) und ich weiß nicht wieviel 0,… Prozent des Kuturetats dieser Landeshauptstadt. Es ist doch legitim, hier mal Naivität oder Gönnerhaftigkeit der Stipendiumsgeber als Kritikpunkt vorzubringen. (Wohl wissend, dass die administrative Leistung der Stadt natürlich finanziell auch ins Gewicht fällt.)
    Hinzu kommt das Korsett an Verpflichtungen: unhonorierte Nebenleistungen (siehe Kommenar 5) und teils ein Verständnis von Präsenzpflicht, das beinahe der Amputation des Soziallebens gleichkommt. Einer Lyrikerin wurde einmal ein Aufenthaltsstipendium entzogen, weil sie ankündigte, dass sie während eines Monats zu zwei Lesungen fahren müsse.
    5) Lieber Emailschreiber, jetzt kannst du gern loslegen.

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    • Ich bin nicht der E-Mail-Schreiber. Dennoch eine Bemerkung: Lieber Ron Winkler, eine Aussage, daß die Literatur von berufstätigen Autoren elementarer als die sogenannter freier sei, habe ich in den hier veröffentlichten Diskussionsbeiträgen nicht gefunden. Vielleicht habe ich da etwas übersehen. Eine solche Ansicht wäre Unsinn.

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    • übrigens, randbemerkung, hatte ich noch gar nicht bis hierher gelesen, als ich oben „ich will kein luxuslamento anstimmen“ schrieb…. koninzidenz

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    • Lieber Ron, ich lege zwar nicht los, aber ich will Dir sehr gerne endlich – und leider auch nur sehr skizzenhaft und punktuell – antworten.

      Das sind wichtige Punkte, die Du antippst: Wert, Anpassung an (ein spezifisches) System (der Kulturförderung), das Selbstverständnis eines Systems, Präsenzpflicht.

      Zur Präsenzpflicht hast Du – sehr höflich und diplomatisch – geäußert, was wohl eine Mehrheit der Diskutierenden darüber denkt.

      Beim nächsten Punkt schon ist Widerstand anzumelden: Es gibt „Anpassung ans System“ sicher nicht „logischerweise“, sondern aufgrund persönlichen Verfasstheiten. Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die drauf pfeifen, von diesem Staat in irgendeiner Geld anzunehmen. Integrität hat für diese Persönlichkeiten den höchsten Stellenwert in ihrem schöpferischen Koordinatensystem. Und zwar nicht, um später die Legende vom verdammten Poeten, der es dann doch („Aber fragt mich nur nicht: wie!“) geschafft hat einem Biografen in die Lakaienfingerchen diktieren zu können für das staunende Publiko: Integrität ist für diese Leute etwas so Selbstverständliches wie Popoabwischen. Wenn ich Dich richtig verstehe (?), konnotiert der Begriff des Wertes, so wie Du ihn hier verwendest, denjenigen der Integrität. Evolution, Devolution oder Stasis erachte ich in diesem Zusammenhang (der Kulturförderung durch Stipendien) für weniger zielführende Erkenntniskategorien als Disposition und Habitus (Sportsgeist, Fairness, Interesse).

      Politiken des Schreibens zu hinterfragen und – wenn nötig – an ihrer Veränderung mitzuwirken, ist von daher gesehen nicht nur für Kultursystemiker belangvoll. In diese Richtung zielten meine Bemerkungen betreffs Professionalisierung. Für die Errichtung eines literarischen Apartheidsystems – Du wirst es geahnt haben – findest Du mich ebenfalls weder bereit noch willens; Konsequenz und Beharrlichkeit der schriftstellerischen Betätigung indessen bewundere ich; das Gegenteil gilt für literaturexternes Strippenziehertum – dann lieber keine Wahrnehmbarkeit und Proliferation.

      Literatur ist (ochnö! nich schonnwieder!), Literatur ist, da bin ich bei Tom Bresemann, sehr viel mehr, als Produktplazierung, Talentselbstverwaltung und Stadtschreiberstellen.

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  9. Wütender Ausruf

    Die Gesellschaft ernährt
    ihre Flaneure nicht

    Ich will Zecke sein
    am Leib der Gesellschaft
    noch ein paar Tropfen zischen
    um dann schlaff
    in den Staub zu fallen
    aus dem ich kam

    Die Gesellschaft ernährt
    ihre Flaneure nicht

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  10. also was die „oben verhandelte summe“ betrifft,
    in bezug auf die, die auf so eine summe pro monat kommen, sicher andere ansichten akklamieren bzw. ihnen zu huldigen vermögen,
    als die, die darunter bleiben, kann ich nur jeder sich widersprechenden seite recht geben …

    aber ihr müsstet mal die wohnung sehen und wie sie eingerichet ist bzw. irgendwie hingerichtet & wie sie riecht!!
    (da sind die gräber vorm fenster noch das angenehmste.)

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  11. „ich bin ein großer schriftsteller“ – das sollte allerdings besser nicht die bedingung fürs grundeinkommen sein, für das ich auch jederzeit plädiere (und als alter luther-schüler gern auch ohne den rekurs auf verdienstlichkeit). selbst wenn dann eine offizielle zertifizierungsstelle eingerichtet werden müsste – das weltgericht der poesie, sektion germany 🙂 – diese würde nicht viel zu tun bekommen, fürchte ich, und zwar mangels kandidaten. der begriff der „größe“ hat sich spätestens mit unserer generation / unseren generationen (und wohl endgültig) verabschiedet. ich habe keine ausgebaute theorie dazu (und kenne auch keine, hat jemand einen tipp?). vielleicht ist der „große dichter“ ebenso wie einige andere halsbrecherische ideen der europäischen menschengeschichte (zum beispiel die liebe :D) ja auch so eine erfindung des bösen, bürgerlichen 19. jahrhunderts. es muss aber auch mit der verkürzung der reichweiten zu tun haben, den möglichkeiten konsensualen, universalen oder universalisierenden sprechens. sicher auch mit medialen, sozialen entwicklungen etc., die den schriftsteller nicht mehr ‚generationsfähig‘ und seine sprache nicht mehr ‚epochal‘ sein lassen. oder was wäre der roman (meinetwegen die fünf romane) (aus) ‚unserer‘ generation. oder wer von uns wäre ein ‚großer dichter‘. hat sich was, vermutlich. (eine andere frage wäre, ob das nicht ganz gut ist, und noch eine andere, dass natürlich das universum der ‚großen texte‘ besteht und ja auch oft genug in den / gegen die eigenen texte aufsteht). und das alles hat gewiss nicht damit zu tun, dass heute keine ‚guten gedichte‘ mehr geschrieben würden. da gibt’s bekanntlich einiges. aber den ‚großen dichter‘, die ‚große dichterin‘ gibt es nicht. ich weiß ja auch nicht, warum. – komme jemand und erklärs mir.

    wenn überhaupt im medium text, dann ist jetzt hier die „größe“, mitgeliefert die selbstinstallation, plus fünf millionen klicks:

    so siehts nämlich aus, freunde 🙂

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    • Also ICH lasse mich von der Postmoderne nicht klein machen. Ich stehe deutlich in der Tradiiton des bürgerlichen Künstlers und Schriftstellers des 19ten Jhdts.

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  12. Und um mal ehrlich zu sprechen: ich bin ein großer Schriftsteller, meine Werke sind gesellschaftliches Kapital. Ich will von der Gesellschaft angemessen bezahlt werden, dann können sie sich ihre Stadtschreiberstellen auch in den Arsch stecken.
    Ich will, dass alle guten und großartigen Schriftsteller und Schriftstellerinnen einen staatlichen Lohn von 1500 Euro monatlich bekommen. Und das ist keine krude Idee denn: alle deutschen Bühnenschauspieler und Opernsänger etc pp werden über Subventionen ähnlich hoch vom Staat bezahlt, und alle halten es für selbstverständlich.

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  13. moin konstantin, nein, denke ich nicht, es ist eben eine andere art von job … das soll keine absage an das schreiben sein, logo. ich bin gern autor. auch und gerade ohne bahnwärterhäuschenaufenthalte.

    ausbildungsmöglichkeiten? klingt jetzt leider doch sehr nach DLL. bin froh, dass es doch jede menge unausgebildeter (in diesem sinne jedenfalls) autorinnen gibt. weil: bei weitem nicht alle profis sind so lesenswert wie du. aber wem sag ich das. ich halte eher die selbstverständlichkeit, mit der stipendien eingefordert werden für fahrlässig im sinn der sache der literatur, was immer diese sein möge.
    und über solches scheiß wie den artikel der FAZ muss man nur dann länger reden, wenn man auf der anderen seite ernstnimmt, dort als wasauchimmer hoch- und runterstilisiert zu werden.

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    • Hey Tom! Es gibt sicher noch andere Professionalisierungsmöglichkeiten als das Leipziger Literaturinstut; das DLL ist nur eine unter vielen und wohl auch eine der bekannteren.

      Selbstverständlich möchte wohl jede_r, der_m (Anti-)Stilwillen, Selbstvervollkommnungsfantasien, Auftrag, Integrität, Bastelfreude und Enthusiasmus eigen sind (Angebot eines Koordinatensystems der Literatursache) und nicht nur monokulinarisch sein Buchstabensüppchen im snobby saloon oder im nihilistischen Herrenclub einschlabbert, sowas wie Anerkennung und auch ein Stück Absicherung. Wer freiwillig und/oder aus Prinzip auf Fördertöpfe verzichten mag: bitte!

      Ich möchte das nicht, aus Prinzip nicht; jemand der Handwerksernst mit einem Sinn für die Literatursache (s.o.) verbindet: sollte auch seine ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Kunst widmen können. Da gibt es eine Menge Leute, auf die das zutrifft; das weißt Du genauso gut wie ich, Tom. Gschaftlhuberei, Nepotismus und Strategismus (vielleicht sind die für die mit Professionalisierung konnotiert) find ich auch zum Kotzen; das sind so diese Karrieristentypen, die Hesslings, die es in allen Systemen der Gesellschaft gibt. (Einschlägig: Eine kurze Erzählung von André Maurois, „Naissance d´un maître“)

      Unbestreitbar gibt es Gentlemanliteratentum und Ladydichterinnen; die würd ich beneiden, wenn es mir irgendwas einbrächte. Deshalb zu jammern, das wäre müßiger Zeigefingereinsatz.

      Wer Medienwirkungen schafft, muss sich auch nach der Verantwortung fragen lassen, die er für Stammtischparolen („Hungert sie aus!“) oder geschmäcklerische Empfehlungen bzw. Verhinderungen trägt – ganz gleich, wie das Format heißt, und ob Du oder ich das ernstnehmen. Das scheint mir eine Gebot der Fairness zu sein.

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  14. Ulf Stolterfoht und Martina Hefter haben ganz Recht: diese Art der Stipendien sind Handicaps und Hürdenansammlung, aber keine Erleichterungen.

    Schriftstellerei ist ein Beruf – so wie Buchhändler, Lehrer und Arzt Professionen sind und kein Hobby; zur Professionalisierung gehören Ausbildungs-, Weiterbildungsmöglichkeiten und eben finanzielle Förderungen zur Ermöglichung bzw. Erleichterung der Arbeit.

    Anders zu argumentieren ist fahrlässig nicht im Sinn der Sache Literatur. Irgendein Meisterdenker hat vor einer Weile via bürgerliche Medien gefordert: „Hungert sie aus!“ Gemeint sind wir Schriftsteller. Dasselbe, was in den Kommentaren an Beschwichtigungen und Zynismen angeführt wurde (habt Euch nicht so!, ergreift bürgerliche Berufe und schreibt nebenher!, zu verdienen gibbt eh nüscht!), das wurde um 1900 Zeitungsmachern entgegengehalten, die eine Professionalisierung des journalistischen Tätigkeitsfelds forderten.

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  15. hmm, ich denke schon, dass die existenz als freie autorin sich auf versch. arten von der einer bsp. freien zimmerfraus unterscheidet, bsp. dadurch, dass die meisten zimmerfrauen aufträge entgegennehmen, bei denen sie lösungen umsetzen, während doch viele freie autorinnen einfach das machen worauf sie selbst bock haben, und nicht auftragsgedichte zu diesem oder jenem thema gegen geld verfassen … wäre so ein unerschied, der mir recht offensichtlich erscheint …
    wenn man also positiv gewendet diese freiheit als stehen auf eigeneren füssen versteht, steht man doch schonmal auf einer gesprächsgrundlage. es ist ein unglaublich schöner luxus, vom eigenen schreiben zu leben, und das schönste daran: niemand zwingt einen dazu. ausser die eigene ambition bzw. das verständnis dessen, was frau darzustellen gewillt ist.

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  16. liebe/r poetom, darum gehts aber nicht – ich mag auch nicht ins bahnwärterhäuschen und geh auch nicht. aber es muss mal öffentlich ausgesprochen werden, wieso sich kulturelle institutionen mit solchen stipendien schmücken und zugleich auch herausreden – dann haben sie ja was für die kultur getan und wirklich nur ein minimum ihrer mittel ausgegeben.

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  17. Aaahh, wenn ich mal groß bin und zu Reichtum gekommen sein sollte, werde ich MäzenIn und verteile großzügige Summen an Dichter! Und um immer über die aktuelle Auswahl Bescheid zu wissen – man kann ja nie ach! alles wissen -, halte ich mir einen Lyriklieferanten als festen Angestellten. Der darf arbeiten, wo und wann er will, z.B. bei Frühstücksflockenverzehr, auf Parkbänken, in Wartezimmern hiesiger Tierarztpraxen, bei Weinverkostung, Auslandsaufenthalten, .. und ganz generell in Bad, Bett oder Bierschenke seines Vertrauens – Hauptsache er liest Gegenwartsdichter.

    Diese Stelle ist in meinem Kopf aber schon unlängst an einen unparteiischen Leser vergeben.
    Bekanntmachungen erfolgen unmittelbar nach Eintreten des oben genannten Falls. Man darf zittern und schwitzen und hoffen.

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  18. lieber axel kutsch, die allermeisten dichter_innen hierzulande üben doch „bürgerliche“ berufe aus. jedenfalls berufe, weil es sich vom dichten nicht leben lässt, über viele jahre oder jahrzehnte. auch daniela danz übrigens. vertrackt wird die sache z.b. deshalb, weil heute das interesse der öffentlichkeit an der person des künstlers beständig steigt und man kaum in seinem jeweiligen kunstbereich arbeiten kann, ohne dem nachzukommen, etwa indem man einladungen zu lesungen annimmt. was natürlich zugleich publikum und positive aufmerksam bedeutet, die man ja auch braucht. das wiederum lässt sich aber kaum mit vollzeit-festanstellungen verbinden, weshalb etliche dichter_innen ihre brotberufe also in prekären verhältnissen ausüben. und dann bei 1000 euro irgendwo sitzen (und es gibt ja auch noch deutlich schlechter bezahlte stellen) und sich nicht mal dort ganz aufs schreiben konzentrieren können, weil sie es sich nicht leisten können, kunde x oder anfrage y abzulehnen, die genau in der zeit grade reinflattern.

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    • aus welchem grund sitzt man denn da? wer zwingt einen dazu? wieso kann man nicht einfach zuhause sitzen und die kundschaft annehmen, wo man ja dann auch genauso viel oder wenig zeit zum schreiben hat? geht es um investition in eine karriere oder wieso? ich versuche ganz unpolemisch zu fragen, einfach weil es mir fremd ist, mich auf irgendein bahnwärterhäuschen zu bewerben alle nase lang,,aber sehe, dass das durchaus usus zu sein scheint, bei gleichzeitiger ablehnung des ganzen vorgangs. das hat etwas von selbstgewählter unmündigkeit. warum nicht einfach auf eigenen füssen stehen?

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      • für viele, vielleicht sogar die meisten, solcher stellen bewirbt man sich nicht, kann man gar nicht, man erhält einen anruf oder brief. natürlich kann man dann immer noch ablehnen. aber wenn man zu oft ablehnt, wird man eben irgendwann gar nicht mehr eingeladen, verliert also seinen resonanzraum, der heute viel stärker durch lesungen, festivalteilnahmen, anwesenheit in der öffentlichkeit (die wiederum auch mit stipendien/preisen zusammenhängen) als durch buchverkäufe (oder auch schlichter: bücher im umlauf, gelesenwerden) geschaffen wird. man muss das nicht mal karriere nennen, aber wer letztlich nur für die eigene schublade schreibt, ohne wunsch nach kommunikation, austausch, feedback, ist vielleicht gar kein autor. so wie ich z.b. keine köchin bin, obwohl ich doch regelmäßig koche. wie jeder andere bereich funktioniert doch auch literatur nur durch veröffentlichte wertungen, zuschreibungen, irgendeine art von referenzsystem, das eben öffentlich verhandelt wird. „angebot und nachfrage“. wie auch immer man das dann nennt. und irgendwoher muss das geld zum überleben ja immer kommen, egal was und wo und für wen ich arbeite, da unterscheidet sich die situation eines schreibenden nicht grundsätzlich von der irgendeines anderen berufstätigen. solange es kein grundeinkommen gibt jedenfalls. das aber ja auch nur von irgendwessen steuerabgaben umverteilt wäre, also nicht viel anders als so eine stadtschreiberstelle. und ich glaube wirklich nicht, dass die mündigkeit von angestellten größer ist als die von selbstständigen, freiberuflern. was soll das überhaupt heißen, auf eigenen füßen stehen. stehen professoren z.b. auf eigenen füßen? oder bischöfinnen oder präsidenten oder tänzerinnen oder pfleger oder anwälte oder architektinnen oder aussteiger oder banker?

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      • Mann, weil ich das Geld brauch, weil ich bettelarm bin. Weil ich in Berlin lebe, und hier die Jobs für über vierzigjährige Dichter rar gesät sind

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    • ich würde zustimmen: hier läuft was für den betrieb, aber nicht für die, die ihn füllen. ich habe das umgekehrte problem, mich auf manches gar nicht bewerben zu können bzw mir sehr gut überlegen zu müssen, ob eine bewerbung ginge, aus dreierlei gründen:
      1. macht da mein arbeitgeber mit? bei dem ich in vollzeit arbeite und arbeiten muss (da alleinerziehend), kann ich mir also zb. eine abwesenheit, und sei es nur für eine anreise zu einer wettbewerbslesung o.ä., erlauben, wenn gerade ein projekt läuft, für das ich verantwortlich bin? ganz zu schweigen davon, daß ich nicht mal offiziell urlaub für diese sogenannte nebentätigkeit des schreibens, die ich mir offiziell genehmigen lassen muss, nehmen darf (das heißt dann im verwaltungsdeutsch erholungsprinzip – urlaub ist die zeit, in der man die arbeitsfähigkeit sichert, und also eben keine nebentätigkeit ausüben soll…),
      2. muss ich mir vorwerfen lassen, auch das kam ja hier in der lyrikzeitung an anderer stelle schon, jemandem, der oder die es dringender nötig hat, ein preisgeld oder ein stipendium „wegzunehmen“? (ich verzichte im zweifel gern auf das geld, aber nicht auf die ehre, siehe dazu 3. – und das geld brauchen könnt ich schon auch, siehe oben: alleinerziehend) und
      3. lohnen sich, das ist eine kühle rechnung, stipendien, um die man sich bewirbt, für mich finanziell und karrieretechnisch, damit wäre die brotkarriere gemeint, nicht, weil ich die voll versteuern und trotzdem im zweifel vorübergehend auf teilzeit gehen muss, was wiederum, s.o., meine chancen beim arbeitgeber nicht verbessert, auch wenns mir vorübergehend beim am ende gleichen geld mehr zeit schenkt. aber die ehre wiederum brauchts, um wahrgenommen zu werden, auch das ist ja leider zum prinzip erhoben worden in unserem betrieb.
      das soll jetzt kein großes luxuslamento der vollzeitbeschäftigten sein – nur ein plädoyer, vielleicht in unser aller sinne mal seitens der kulturpolitikverantwortlichen über zeitgemäße rahmenbedingungen nachzudenken.

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  19. und nochmal: im freien zeitgenössischen tanz ist die lage ähnlich: es gibt mittlerweile unzählige tanzresidenzen, die die geldgeber (meistens städte und kommunen) weitaus weniger kosten als die produktion eines stücks zu fördern. was dazu führt, dass es eben immer weniger bühnenproduktionen gibt als kleine, inoffizielle „showings“ im rahmen der residenz, die nur zehn leute sehen und die dann auch nicht reisen können. da könnte man in der literatur auch mal schauen, wieso denn solche stipendien bei den geldgebern so beliebt sind und was zb dafür an veranstaltungen o.ä. hinter die tischkante fällt. ich denke wirklich, das geld könnte man sinnvoller anlegen.

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  20. ja, diese Praxis gilt es zu überdenken und vor allem den jetzigen Arbeits- und Lebensbedingungen anzupassen, und das betrifft nicht nur (Anwesenheits-) Stipendien, sondern z.B. auch Lesehonorare – da hat kaum eine Dynamisierung stattgefunden bzw. gibt es nur eine kleine Anzahl von Veranstaltungen, für die mehr als zwei- oder dreihundert Euro gezahlt werden, d.h. in der Höhe, wie sie vergleichbar auch schon in den 90ern üblich gewesen, ohne Inflationsausgleich. Und dies liegt wiederum zu einem Teil daran, daß die kulturellen Einrichtungen auch nur Jahr für Jahr fixe Zuweisungen bekommen, bei steigenden Ausgaben für Energie, Druck usw. …

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  21. Ich habe mich noch nie für ein solches Stipendium beworben, auch aus Gründen, die Martina Hefter in ihrem Beitrag nennt. Aber bitte: warum sollte man, auch wenn man sich beteiligt, nicht mit über die Spielregeln diskutieren dürfen? Nicht Vorschläge machen, Bedenken anmelden dürfen? Egal, ob man nun was genommen nichts genommen hat, ob man mit dem Schreiben begonnen oder es gerade eingestellt – was tut das, bitte schön, zur Sache? Hilfreich wäre doch vielmehr, daß z.B. Tübingen hier mitliest. Tut es aber wahrscheinlich nicht.

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  22. liebes poetom, ich denke, dass es (neben mir) eine ganze reihe leute gibt, die solche stipendien nicht annehmen können bzw. sich erst gar nicht drauf bewerben. bloß hört man davon nichts, es steht dann ja nicht in der zeitung. abgelehnt zb habe ich bereits zwei mal, nämlich das new york- und das london-stipendium des deutschen literaturfonds, und die reaktionen reichten vom vorwurf der undankbarkeit bis zu ganz merkwürdigen sprüchen, die ich hier gar nicht erst erwähnen mag. entschuldigung, dass ich jetzt so viel über mich schreibe, aber mich nervt diese stipendiumspraxis ganz ungemein – gar nicht, weil sie mich direkt so negativ betrifft, sondern weil das so eine piefige und ganz und gar unpraktische einrichtug ist, die völlig an der zeit vorbeigeht. ich finde wirklich, dass man da was tun muss. es gibt ja zb auch schriftsteller mit behinderung, und abgesehen vom wenigen geld ist es für sie doch gar nicht erst möglich, oder nur unter extrem schweren bedingungen, so eine stadtschreiberstelle anzunehmen oder in die klausur in den oberschwarzwald oder sonstwohin zu gehen. wer weiß denn, obs in dem haus nen aufzug gibt, zb? das sind fragen, mit denen wir uns ganz ernsthaft auseinandersetzen müssen, sonst ist das ganze schriftstellertum nicht ernst zu nehmen, im ernst.

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  23. ja, es ist eine frechheit, und nein, niemand wird gezwungen. oder doch? selbst auf die paar kröten ist mancher angewiesen, und auf die prise beachtung doch auch. ich betätige mich mal als bewerter und sage, die ersten beiträge in dieser diskussion fand ich am stärksten, weil sie auf das problem zielten, das man doch wohl zur debatte stellen muß, während danach mancher beitrag in die rublik selbstzerfleischung zählte. jene selbstzerfleischung, auf die immer wieder hämische stimmen hinweisen, obwohl sie nur resultat der misere der kulturförderung und der durch den stand der arbeitsteilung bedingten marginalstellung der literatur ist. ich wünschte mir mehr fokussierung auf die probleme und weniger kollegenschmäh.

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    • mir geht es nicht um selbstzerfleischung, und dass es nicht um kollegenschmäh geht, versteht sich von selbst, ausser man legt es auf eine andere lesart an, warum dann auch immer. ganz konstruktiv: wenn man bsp. in welcher branche auch immer auf eine ausschreibung reagiert, mit festem budget u.ä., dann versteht sichs von selbst, nach auftragserteilung nicht den preis umzuverhandeln oder? is jetzt gar nicht so wahnsinnig spektakulär, der vorgang. wenn also eine ausschreibung so schlecht ist, dass niemand ernstzunehmdes mehr darauf reagiert, wird der ausschreiber wohl gezwungen sein, seine ausschreibung anzupassen. daher sehe ich das ablehnen der stipendien durchaus als konstruktiven vorschlag an.

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      • Das ist neoliberale Scheißlogik! Nicht sind es die besseren Dichter, die das bessere Auskommen haben, dass sie zu niedrige Angebote ausschlagen können. Um die Kräfte des Widerwillens gegen die Gängelei nicht in solchen Chats verpuffen zu lassen, sollten wir uns gewerkschaftsähnlich organisieren. Es ist tatsächlich eine Peinlichkeit, dass es so leicht ist, uns mit kargen Angeboten auch noch gegeneinander in Konkurrenz und Miesmacherei zu hetzen. Dagegen muss man gemeinsame Beschluesse fassen, an die sich alle halten. Lächerlich sind wir, weil wir, als durch ständige Aufenthaltsstipendien vereinsamte Hofnarren, am Ende den gastgebenden Dorftrotteln näher sind als den Kollegen. Das meinst du doch eigentlich, Tom, oder? Hilfreich ist aber auch nicht das Selbstbild des Lyrikers als stabiler Mittelstand, angestelltengleich. Sich mit Angestellten zu vergleichen ist ein wenig irrefuehrend, gute Dichtung wird nicht als Nebenprodukt eines gesicherten Lebens im Wohnzimmer erzeugt. Aber das ist von jedem die persönliche Entscheidung. Jedenfalls, soll etwas in der Sache der Aufenthaltsstipendien entschieden werden, muessen wir uns auf gemeinsame Grundsätze einigen, die wir dann konsequent den lieben Provinzgastgebern gegenueber vertreten und vermitteln. Sie meinen es ja, wie die meisten Charity-Vereine, nur gut.
        1000 Euro sind immerhin fast 4-Mal so viel wie Hartz-4 Satz. Aufenthaltsstipendien sind auch offensichtlich nicht bloß Möglichkeiten, sondern Erziehungsangebote – vorallem junge Schriftsteller ueben sich in einem Modell zwischen Klause und Repräsentation. Im Prinzip kann das, wie vielfach anerkannt wurde, ja gut sein. Chancengleichheit ist ein farce-Wort, bei Afrikanern wie Fliegen an den Grenzen, bei den so unterschiedlich ausgebildeten Intelligenzen der Individuen. All dies kann nicht prinzipiell entschieden werden. Wir könnten nur beschließen, uns zusammenzutun, um die Geber von Aufenthaltsstipendien zu einem anderen Verständnis der Situation zu bringen. Was wirklich wichtig ist, ist, dass wir uns nicht, wie Siegfried Krakauer von der Angestelltenklasse beobachtet hat, durch neoliberale Logik gegeneinander aufhetzen lassen. Wir sind Individuen mit einem zerbrechlichen Berufsbild, die einander Reflexion und geistige, ja sogar materielle Unterstuetzung brauchen, nicht Konkurrenten in einem Markt, der fuer Lyrik ja sowieso einem Spielgeld-Markt ähnelt, nur dazu da, um uns am Sabbern zu halten.

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      • bin schon sehr gespannt auf die gewerkschaft der anonymen lyriker. wann werdet ihr scheißaufklärer begreifen, daß eine meinung nur mit einem namen zusammen wert hat?

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    • So geht’s auch: Viele Jahre und Jahrzehnte hindurch haben u. a. Gottfried Benn, Franz Kafka, Wallace Stevens und William Carlos Williams einen „bürgerlichen“ Beruf ausgeübt, vorzugsweise dort ihre Brötchen verdient und nach Feierabend literarisch geschrieben. Herausgekommen ist dabei mehr als Feierabendliteratur. Und auf ein paar öffentliche Kröten waren sie nicht angewiesen.

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      • Ja, aber Kafka hat darunter massiv gelitten, und hätte ohne die Versicherung möglicherweise mehr und noch besseres geschrieben. Und der Herr Doktor Benn hat acht Stunden praktiziert – in der Woche! Sein altes Praxisschild existiert noch: Öffnungszeiten täglich von drei bis fünf Uhr Nachmittags.

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  24. 1974 wurde Wolfgang Koeppen in Bergen-Enkheim der erste Stadtschreiber der deutschen Literatur. Wenn ich mich richtig erinnere, sagte er damals, genausogut hätte man ihn zum Hofnarren von Bergen-Enkheim machen können. Bedenkt man, daß diese Auszeichnung inzwischen mit 20 000 Euro dotiert ist, dann ist es erst recht angebracht, bei einem kümmerlich ausgestatteten Preis wie in Tübingen von einer (milden) Gabe für Hofnarren zu sprechen. Man könnte es auch eine Frechheit nennen. Aber niemand ist gezwungen, Hofnarr von Tübingen zu werden.

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  25. wie wärs denn einfach damit: stipendium ausschlagen? ich find es einigermaßen seltsam, angebote wahrzunehmen (zu konditionen, die vorher klar ausgeschrieben werden) und sich nach erhalt dann über die spielregeln zu beschweren …

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  26. Auf zu den Rathäusern, und dann beginnt das große Abmurksen. Den Ratsschatz teilen wir, und ich bekomm die Bürgermeister-Kette.

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  27. Man muss zudem berücksichtigen, dass hier de facto ein Lehrauftrag erteilt wird, der allein schon mit einem Großteil der 3.000 Euro zu vergüten wäre. Hinzu kommen die Lesungen und sonstige Verfügbarkeit. Von der fehlenden Anpassung dieser Besoldungen an die Inflation ganz zu schweigen — man kann das generell beobachten.

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    • Analogon: Ein Artikel in der FAZ [ »Das akademische Prekariat hat einen Namen: PD.« | 22.02.2012 ] bietet eine Berechnungsgrundlage für Lehrveranstaltungen, wie sie üblich sein könnte/ sollte: »Bei einem Monatsgehalt von 5000 Euro steht einem Professor ein Semestergehalt von 30000 Euro zur Verfügung. Wenn vier zweistündige Lehrveranstaltungen gehalten werden und man fünfzig Prozent der Arbeitszeitbelastung auf die Lehre entfallen lässt – meist ist der Anteil höher –, dann entfallen auf die Lehrveranstaltungen rund 15000 Euro Gehalt, pro Lehrveranstaltung also 3750 Euro. Übertrieben wäre ein Honorar in dieser Höhe keineswegs.« Für ein drei Monate laufendes Semniar könnte man also 1875 Euro veranschlagen. Wenn man wollte.

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  28. dem ganzen stadtschreiber- und aufenthaltsstipendienwesen geht ein völlig veraltetes verständnis vom begriff des „schriftstellers/der schriftstellerin“ voraus, nämlich das des lonesome wandervogels, völlig ungebunden. und dass man sich mehr schlecht als recht durchfüttern lassen muss und bitte schön abhängig ist vom staatswesen gehört da irgendwie dazu. dagegen muss man dringend was tun. im übrigen sollte noch erwähnt werden, dass man nach ahrenshoop keine kinder mitbringen darf. ich wollte es dort mal für einen familien-arbeitsurlaub versuchen. begründung: das haus sei zu alt, man fürchte, kinder würden alles kaputt machen. nanu? es ist wohl eher so, dass man fürchtet, kinder störten die ruhe der übrigen dichterinnen und dichter.

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  29. Das hab ich auch sofort gedacht. 1000 Euro im Monat für eine Stadtschreiberstelle? Im bürgerlichen Tübingen? Es ist schon beinahe unverschämt, jemandem für so einen Job eine Bezahlung anzubieten, die in BW zutiefst im Niedriglohnsektor angesiedelt sein dürfte. Mag sein, dass es für einen allein vielleicht gerade noch hingehen kann, für den Luxus hinreichender Schreibzeit, aber dann hast du Familie, und in Danielas Fall ja auch Kind, kommst mit dem Tausender vielleicht irgendwie hin, bist sonst ziemlich weg von der Bildfläche, und ob du zufällig gerade ernsthaft an Texten arbeiten kannst, weißt du sowieso nicht. – Mit Grüßen aus Ahrenshoop, wo das 900-Euro-Stipendium schon den ganzen Monat nicht ausgezahlt wird (aber immerhin das Schreiben funktioniert).

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    • das land m-v zahlt seit paar jahren das gehalt erst am 30. des monats, nimmt also bei seinen angestellten kredit auf. in ihren augen folgerichtig dann offenbar auch bei stipendien usw. eigentlich ist das in beiden fällen eine frechheit, aber um wievielmehr bei leuten, die man auszeichnen will, und zwingt, erst mal 4 wochen in vorkasse zu gehen.

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      • nein, es liegt hier ein wenig anders (in sachsen und sachsen-anhalt ist das o.g. auch schon seit jahren usus), aber dies dann im zweifel privatissime. – mir gehts freilich auch inzwischen schon wieder wie ulf, indem ich daran denke, dass ich in den letzten drei wochen sehr glücklich den auftakt zu einem zyklus gemacht habe, der dann vielleicht auch mit den einschränkungen des familien- und gelderwerbs-alltags weiterwachsen kann, was ich zuhause derzeit nicht geschafft hätte. also war es für mich genau richtig (und daniela lässt ja in ihrem statement ähnliches anklingen, im vorhinein – möge das eintreten) ich konnte mir hier phasenweise wirklich nicht mal mehr eine busfahrkarte leisten, aber ich hatte zu essen und zu trinken, auf vorrat auch tabak und wein, und gute gesellschaft. ich finde die höhe des stipendiums für einen solchen ort (immerhin ist man ja auch am meer und hat hier manchmal schon 50 euro für ein quartier bezahlt) und in mv durchaus ok., um das auch mal festzustellen. das land ist einfach arm. mein erster kommentar zielte schon auf „stadtschreiber“ und „tübingen“ und das evoziert einfach finanziell eine etwas komfortablere dimension.

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  30. Guter Vorschlag, mit dem den Autoren wohl mehr geholfen wäre, als mit diesen doch zweifelhaften Stadtschreiberstellen, mit denen sich die Auslobenden oft nur für lächerlich wenig Geld selbst einen Lorbeerkranz aufsetzen wollen. Andernfalls sollte in den betreffenden Städten doch wenigstens ein (rathaus)übliches Abteilungsleitergehalt drin sein.

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  31. „Dichterinnen und Dichtern wird so ermöglicht, ohne Zeitdruck und materielle Zwänge an ihrem aktuellen Projekt zu arbeiten. Enthalten sind monatlich 1.000 Euro und die möblierte Wohnung im ehemaligen Aufseherhäuschen.“

    Ich freue mich sehr für Daniela, wirklich, aber ob 1000,- € die materiellen Zwänge auch nur zu lindern vermögen, das scheint mir doch sehr die Frage! Was denken die Leute: Daß man für drei Monate seine Wohnung aufgibt und sich anschließend eine neue sucht? Im Grunde stellen solche Stipendien eine Drohung dar, keine Hilfe. Sie sollten die 3000 bar ausbezahlen und die Wohnung einer/m Wohnsitzlosen zur Verfügung stellen. Oder es ganz lassen.

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