Schlagwort: Gegenwartslyrik

was soll sich auch dadurch groß ändern

Allenfalls bleibt ein Eintrag im säuberlich geführten Terminbuch der Stationsschwester, kurz mag es die Katze verstören, wenn man dich polternd herausrollt, aber Ruckzuck ist der Raum angefüllt mit neuen Generationen.

ich aber küsse heute schon

und die konterrevolution wechselt die seiten

Die Verkündigung der Werte am Hindukusch

Die Schönheit grenzenlosen Feierabends
wird heutzutage immer häufiger missverstanden.
Viele denken, eine Flasche Bier, ein Mädchen,
etwas Rundes in der Hand, im Geldbeutel
– und schon ist die Klimax erreicht.

livestream & leichen

hörst du die vögel zwitschern & die bienen summen? ich auch nicht.

Geburtsstunde der virtuellen Lyrikerin Algori T. Misch

wir fluten das netz mit ungetauften vokalen bis der algorithmus im herzschlag ertrinkt nullen und einsen zerfallen zu sternenstaub während wir code in gefühl rückübersetzen

Gott atmete aus

… Ein Spiegelchen ja der Poet am Mund einer kranken Welt.

— Поэт есть зеркальце у рта больного мира —

Sollbruchstelle des Gedichts

Im Sommer Bienenschwärme des Verzichts
Auf windige Phrasendrescherei
Und dennoch Wärme des Lichts
Süßer Honig Effekthascherei
Im Winter Schattenspiele
Auch Gottgewolltheit bringt nichts
Der Sollbruchstellen sind viele

Chin-chin, der Weg führt ins Mondgestein

Möglichkeit fünf
zielt auf die Kinderseele, obwohl die, laut Fritzchen,
bloß eine zugige, fingernagelgroße Immobilie. Bloß
paar Wände aus Blätterteig; da drinnen ist’s arg kalt.

krähe und die kleinen füchse

(die füchse sind so schlau, das gibts ja gar nicht! die hasen
sind auch klug, keine frage, alle abi unter zweikommanull, aber
gegen die füchse? keine chance! nicht den hauch einer chance!)

Aber wollen wollte ich dich schon

Nie wollte ich mit dir
Umspannwerke fotografieren,
im „Salon des Amateurs“ feiern.
Auch wollte ich nicht
mein Collier
von Kiev Stingl
mit dir teilen

jemandes Krieg entrinnen, bis zum eigenen warten

noch nie traten wir so nah an den Rand der Welt,
uns traut bei den Händen haltend,
schauten so forschend über den Rand hinaus, so geschützt
wie tief ist es da? wie lange fliegt man denn?
lassen die ersten die nächsten weicher fallen?

Wer ist denn Theseus?

Was ist mit Theseus? frage ich
Wer ist denn Theseus? lächelt sie und bügelt sich aalglatt
und schließt die Tür
und schließt den Mund

Für Tadek Różewicz

115 Wörter, 1 Minute Lesezeit. LnPoe-Messelese #04 · Manfred Peter Hein Eine aktuelle Kolumne mit neuen Texten, Fundstücken und Wiederentdeckungen rund um die Leipziger Buchmesse. Am 10. Mai 2025 starb der Dichter Manfred Peter Hein in Espoo bei Helsinki. Sein Gedichtband „Spiegelungen Orte“ enthielt… Continue Reading „Für Tadek Różewicz“

niemand gewinnt die Wahl

»eines ist klar, der bundeskanzler wird gay«, schrieb die FAZ
»queer«, korrigierte die TAZ

Dichten über die Liebe

Unbeschwert reimt sich adrette Lyrik an kleinen Kuppen Adoleszenz, setzt sich mit Adonis in den Pathos, um als Phantasma leicht zu glühen, versteht die Benennung „Kipferl“ nicht, die Schwere der Erkenntnis