Schlagwort: Gegenwartslyrik

Wo sind wir her Wo gehn wir hin

Wo sind wir her
Wo gehn wir hin
Vom Mutterkuchenfressen
bis zum Fraß der Würmer
Die Spur dazwischen spült der Regen

liebhaberzählen

liebhaberzählen. MAX, SEBASTIAN, KAI
und zweimal ein CHRIS oder CHRISTOS,
dann alle jungen im zug, schliesslich
du selbst, denn du magst dich ja sehr.

Melancholie

Der tag war schön. und war doch nur geliehn.

Vom Zusammenbruch

Die öffentliche Ordnung ist futsch,
Gangs marodieren,
Hunde zerfleischen Kadaver,
das Vertrauen ist zusammengebrochen.

Arbeitsvertrag für Musen

Ich will ja
deine Muse sein,
aber wie sieht der Arbeitsvertrag aus
Wie viele Stunden stehe ich
in der Woche Modell
in Bereitschaft
Wie oft rufst du mich
am Wochenende
für eine Nachtschicht

abschied ohne ende

gegenwart ohne eiszapfen
kollision ohne reue
laken ohne ziel

stillstand ohne chaos
grönland ohne usa
streichhölzer ohne flammen

Lasst alles fallen

lasst die fassaden fallen & die rücksicht
lasst die ängste fallen & den glauben
lasst die ansprüche fallen & den verdacht
lasst den vorhang fallen & das beil
lasst jedwede sache fallen ob groß ob klein
lasst nicht nur böse worte fallen
sondern auch lose bemerkungen

mein tod kennt mich nicht mehr

68 Wörter, 1 Minute Lesedauer. SAID kleines inventar 10- mein tod kennt mich nicht mehr wenn er kommt nass und erregt ihm voraus eine hundertschaft hornissen die vertreiben die schaulustigen derweil er mich sucht wie vereinbart auf offener straße um mitternacht zur stunde der… Continue Reading „mein tod kennt mich nicht mehr“

Verrückt und jung

als alles und nichts noch möglich
und die Silbe »un« nicht bekannt war
kam jemand vorbei und sagte
Du bist nicht jung sondern verrückt

Gute Gedichte

Klar sind gute Gedichte wie Rosen

(aber random blühende im Off (Hain, Halde

übertrieben schön aber nicht vorgesehen

Wenn alles stirbt

Ich hab getrunken, getrunken, getrunken den Tau
deines Haars an dem rauchigen, endlosen Tag,
als die Nacht kam am Mittag, als kein Morgen mehr kam.

J. H. Prynne †

Wozu das Herz befähigt ist sowie die Reise auf sich nimmt
über jede Wüste und durch die Luft, einer
Umkehrung und Schwebe ungeahnter Natur:
Liebe ist, stets, der
Flug an den Ort
zurück, an dem
wir uns befinden.

Einmal rief Thomas Kling mich an

Einmal rief Thomas Kling mich an, als ich in Berlin lebte,
auf Zeit in einem Raum mit aufblasbarem Bett
und Telefon, zweiter Hinterhof, lebendig begraben.

was soll sich auch dadurch groß ändern

Allenfalls bleibt ein Eintrag im säuberlich geführten Terminbuch der Stationsschwester, kurz mag es die Katze verstören, wenn man dich polternd herausrollt, aber Ruckzuck ist der Raum angefüllt mit neuen Generationen.

ich aber küsse heute schon

und die konterrevolution wechselt die seiten