Schlagwort: Gegenwartslyrik

Was mich glücklich macht

Guck, dort hinten taumelt
Das letzte süße Stückle dieser Welt

Unangebissen und unerreichbar
Ins ferne, weite Universum.

Geborgn

Wenn man sich auch nur ein bißchen dafür interessiert, was man heute mit Sprache alles machen kann, dann sollte man sich Susanne Eules Gedichte anschauen. Wenn man sich aber dafür interessiert, was Sprache mit einem machen kann, dann muß man es sogar.

Zwei Geburtstagsgedichte

als sie mich gebar
könnte heute die mutter
meine tochter sein

Gesang des Deutschen

Ein Blick genügt,
Um zu begreifen, daß
Der Gesang des Deutschen

Ein Irrtum
Hölderlins
War

Wir gehen in den Wald und zeigen die Zähne

wir gehen in den Wald und zeigen die Zähne
wir zeigen sie den Wölfen, das ist klar
aber auch Mutter und Vater
wir zeigen sie einander
das ist ein Wackelkandidat, sagen sie
und machen das Licht aus

„Verdeckt nicht den Wahnsinn“ – Allen Ginsberg 100

Ein Nacktmahl ist unsrer Natur gemäß,
wir essen Brot mit Realität belegt.
Allegorien bilden so viel Blattsalat.
Verdeck nicht den Wahn.

Dagmar Nick zum 100.

Von den Kentauren
hab ich die Liebe gelernt
und den Raub
und schneller zu sein
als die Jäger

Befreie!

258 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Heute vor einem Jahr ist die Saßnitzer Lyrikerin Irmgard Senf kurz nach ihrem 90. Geburtstag an den Folgen einer Operation gestorben. Sie hinterließ das Manuskript eines neuen Gedichtbandes, aus dem ich hier ein Gedicht vorstelle. Eine Eigenart ihrer poetischen… Continue Reading „Befreie!“

Der Raum reißt

Da ist ein Riss in der Wand, geht quer
über die weiße Raufasertapete gleich hier.
Ist er über Nacht gekommen, will er bleiben?

Kopf ab

Die Radios
fangen gleichzeitig
ein riesiges Geschwätz an Die elektrischen
Wellen
umschlingen die Wassertropfen
dass das Klopfen am Küchenfenster
aus dem Takt gerät

Kopf – Geschlecht

100 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Verena Stefan  (* 3. Oktober 1947 in Bern; † 29. November 2017 in Montreal, Kanada) KopfBrust und BrustHüfte und Bauch und HüfteGeschlecht Aus: Frauen | Lyrik. GEDICHTE IN DEUTSCHER SPRACHE. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Stuttgart: Reclam, 2020, S.… Continue Reading „Kopf – Geschlecht“

kein ersatz

„mir fällt kein ersatz für mich ein“

Wo sind wir her Wo gehn wir hin

Wo sind wir her
Wo gehn wir hin
Vom Mutterkuchenfressen
bis zum Fraß der Würmer
Die Spur dazwischen spült der Regen

liebhaberzählen

liebhaberzählen. MAX, SEBASTIAN, KAI
und zweimal ein CHRIS oder CHRISTOS,
dann alle jungen im zug, schliesslich
du selbst, denn du magst dich ja sehr.

Melancholie

Der tag war schön. und war doch nur geliehn.