L&Poe ’17-17

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Nach der ersten längeren Unterbrechung in 16 Jahren jetzt wieder jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: RoN Schmidt, Büchnerpreis für Jan Wagner, übergangene Dichter, Ekkehard Maaß und sein Salon, Lavant, Marx, Celan, Tracy K. Smith – und manches andere. Lesen!

[✺] 

Die Themen in dieser Ausgabe

[✺]

IST DAS OFF ODER KANN DAS WEG? (Das neue Gedicht)

G&GN-INSTITUT, 3.Offlyrikfestival 7.7.2017 / Der Programmablauf des „wichtigsten Lyrikfestivals des Jahres“ (Twitter-Zitat KUNO Matthias Hagedorn) im Düsseldorfer HdU (Haus der Universität) gleicht einem Marathon; denn die 9 Performer treten in zwei Durchläufen ohne große Pause auf, damit die Veranstaltung pünktlich um 23 Uhr beendet ist. Daher beginnt der Einlass bereits um 16 Uhr, so daß der Moderator Herr De Toys das Festival um exakt 17 Uhr mit den üblichen Danksagungen eröffnen kann. Die Lyrikzeitung gehört zu den Medienpartnern und präsentiert nun von allen Beteiligten ein Beispielgedicht in der Reihenfolge ihres Auftretens (Programmablauf mit verlinkten Kurzbiographien siehe www.Lyrikmarathon.de):

  1. RoN Schmidt 17:05 + 20:05

Songtext 1996 © CD „wir werden fliegen“

ICH UND MEIN GEHIRN
MEIN LIEBLINGSTHEMA
DER NABEL DER WELT
ALS ÜBERLEBENSSCHEMA
PROBLEME OHNE LÖSUNG
KÖNNEN NUR ENTSTEHN
WENN WIR SIE ÜBERHAUPT
UND WIE WIR SIE SEHN

IMMER SIND WIR AUCH
EIN TEIL DER BETRACHTUNG
BEWUNDERUNG BEIM EINEN
IST BEIM ANDEREN VERACHTUNG
UNSCHÄRFE ENDLOS
FÜHRT ZU KATASTROPHEN
WIE DOMINOSTEINE
FALLEN ALLE PHILOSOPHEN

MUSIK VON HEUTE
MUSIK VON GESTERN
LIEBE UNTER BRÜDERN
UND LIEBE MIT SCHWESTERN
LIEBE IST NACH WIE VOR
DIE STÄRKSTE KRAFT
WENN AUCH IM KOPF
OFT EIN ZWEIFEL KLAFFT
WENN ICH DAS SEHE
KANN ICH NUR SEHN
DASS SCHILDKRÖTEN
IMMER AUF
SCHILDKRÖTEN STEHN

Gedichte der anderen Teilnehmer an den kommenden Tagen jeweils um 6:00 Uhr in der Früh.

[zurück]
[✺]

Büchnerpreis 2017 für Jan Wagner

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2017 an den Lyriker Jan Wagner.

Die Preisverleihung findet am 28. Oktober 2017 im Staatstheater Darmstadt statt.

Begründung der Jury:
»Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz. Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen, sind sie doch ganz und gar gegenwärtig. Seine Gedichte erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge. Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal. Für diese poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken, verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Georg-Büchner-Preis 2017 an Jan Wagner.«

Zur Pressemitteilung

[zurück]
[✺]

Gebt Elke Erb endlich den Büchnerpreis!

Als in der letzten Woche mit Jan Wagner ein Lyriker als diesjähriger Träger des Georg-Büchner-Preises gekürt wurde, war ich mir mit Jan Kuhlbrodt  einig, dass uns eine Lyrikerin lieber gewesen wäre, die diesen Preis schon seit Jahrzehnten verdient, ihn aber aus fadenscheinigen Gründen noch nicht bekommen hat: Elke Erb.

Nun hat diese großartige Autorin gleich drei Handicaps:

  1. Sie ist eine Frau und das ist ja nach wie vor eher ein Ausschlusskriterium für diesen Preis, der in den Jahren seines Bestehens 56 Mal an einen Mann und nur neun Mal an eine Frau ging. (Zur Seite gesprochen: Beim heutigen Stand also die nächsten 47 Jahre an eine Frau gehen müsste, aber wir wollen da mal nicht so kleinlich und spielverderberisch sein und schon gar nicht monieren, dass er zum vierten Mal in Folge an einen Mann ging.)
  2. Sie schreibt sogenannte schwierige Texte, die vielleicht nicht gleich beim ersten Lesen verstanden werden.

  3. Und sie ist bei den falschen Verlagen, klein, fein, aber ohne viel Einfluss.

/ Annett Gröschner, piqd

[zurück]
[✺]

Übergangener Dichter Wondratschek

Privatmann vergibt Alternativen Büchner-Preis
Und wer bekommt den Georg-Büchner-Preis wieder nicht? Wolf Wondratschek. Das geht nicht, findet ein Privatmann. Und machte den Dichter jetzt zum ersten Preisträger eines flugs ausgerufenen Alternativen Büchner-Preises. / Volker Weidermann, Spiegel

[zurück]
[✺]

Kladde
  • Wie wäre es, liebe Mitglieder der Akademie und Juroren des Büchner-Preises, eigentlich mit franz mon und Paulus Böhmer …? (Dieter M. Gräf)
    23. Juni um 09:49 · Caorle, Veneto, Italy
  • Dieter Gräf: Benn hatte das große Glück, dass sich Hitler und Goebbels nicht für ihn interessierten.
    23. Juni um 12:21
  • Jo Lendle: Wohin treiben wir eigentlich gerade? Als Land, als Welt. Ist es „Freiheit“, jetzt wieder Dinge sagen zu dürfen, die schon zur Adenauerzeit verquast waren? Hat man die all die Jahre im stillen Hirnkämmerlein gedacht und jetzt ploppen sie wieder ans Tageslicht (was den leichten Überdruck erklären würde)?
    30. Juni um 0:16
  • Robert Klages: … aber wenn der Typ der derzeit größte Schriftsteller Deutschlands sein soll, möchte ich dieses Land am liebsten verlassen – und freu mich gleichzeitig darüber, nicht mehr Student der Literaturwissenschaften zu sein.
    20. Juni um 11:51 ·

[zurück]
[✺]

Dem Denken wieder Bedeutung verschaffen

Perlentauchers Magazinrundschau über die spanische Wochenzeitung El Pais Semanal, 1.5.2017:

Guillermo Altares unterhält sich mit dem 1953 in Haiti geborenen und 1976 vor politischer Verfolgung nach Kanada geflohenen Schriftsteller Dany Laferrière, der seit 2014 Mitglied der Académie française ist: „Wenn Rassisten etwas hassen, dann dass der, den sie attackieren, sie versteht. Das macht sie krank. Sie können es nicht ertragen, dass der, den sie verachten, mit ihnen sprechen will und der Ansicht ist, dass sie einfach die Wirklichkeit nicht begreifen. So ging es James Baldwin, als er in den sechziger Jahren verkündete, dass die Weißen nicht nach Europa und die Schwarzen nicht nach Afrika zurückkehren würden – es bleibt keine andere Möglichkeit, als sich zusammenzusetzen und zu verhandeln, den anderen einfach ausscheiden, das wird es nicht geben und das ist auch nicht die Lösung. Für das Europa der Gegenwart gilt das genauso. Le Pen sagt, nachdem es in Frankreich mehrere Millionen Arbeitslose gibt, soll man mehrere Millionen Schwarze und Araber ausweisen. Das hat keinen Sinn, aber ich verstehe das Problem. Doch es werden nicht mehr Arbeitsplätze entstehen, wenn man diese Leute rauswirft. Wir müssen dem Denken wieder Bedeutung verschaffen.“

[zurück]
[✺]

Einfach und durchtrieben

Nicht ohne Koketterie beginnt sie ein Gedicht mit dem Geständnis: „Ich bin ein einfaches und durchtriebenes Geschöpf.“ Thomas Bernhard, der sie seit 1956 kannte und 1987 die schöne Auswahl „Gedichte“ veröffentlichte, muss diesen Vers im Kopf gehabt haben, als er an seine Lektorin Elisabeth Borchers schrieb: „Die Lavant ist eine völlig ungeistige, sehr gescheite, durchtriebene. Sie wohnt auf der Betondecke eines Supermarktes an einer Strassenkreuzung in Wolfsberg mit einer Riesentankstelle und tippt ihre Gedichte gleich in die Maschine. Das ist für mich grossartiger, als das verlogene Weltfremdmärchen mit katholischer Talschlussromantik, das gottbefohlene, das um sie bis heute immer verbreitet worden ist.“ / Harald Hartung, faz.net 13.5.

[zurück]
[✺]

Menschenleben von und mit Karl Marx

Karl Marx Menschenleben Stürmisch entfliehet Der Augenblick; Was er entziehet, Kehrt nicht zurück. Tod ist das Leben Ein ewiger Tod; Menschenbestreben Beherrscht die Noth; Und er verhallet In Nichts dahin; Und es verschallet Sein Thun und Glühn. Geister verhöhnen Ihm seine That; Stürmisches Sehnen, Und dunkler Pfad; Ewiges Reuen Nach eitler Lust; Ewiges Breuen In tiefer Brust; Gierig Bestreben Und elend Ziel Das ist sein Leben, Der Lüfte Spiel. Groß es zu wähnen Doch niemals groß, Selbst sich zu höhnen, Das ist sein Loos. / Mehr: über dieses und die 400 weiteren Seiten Marxscher Lyrik in FAZ 10.6. (Uwe Wittstock)

[zurück]
[✺]

Celan was a sadist with the German language

Drei Auszüge aus einem Aufsatz von Cathy Park Hong im Poetry Magazine über Paul Celan und Doris Salcedo:

(1)

Salcedo’s sculptures are anti-monumental. She works with humble domestic objects like wooden wardrobes, chairs, and tables that are sparely arranged in an exhibition space. Inspired by Paul Celan, she repeatedly refers to his poetry in her titles, like Unland: audible in the mouthShibboleth, and Unland: the orphan’s tunic.

(2)

Out of all his poems, “Death Fugue” was the most anthologized and the most quoted for its haunting, incantatory power and its clear references to the concentration camps. As his poetry became more idiosyncratic — 
his syntax more gnarled, his images more gnomic and mineralogical, his syllables more neologistic — Celan grew to loathe “Death Fugue.” It dogged him, overshadowing his other works, and fearing he was becoming a mouthpiece for Jewish Holocaust poetry, Celan later refused to let “Death Fugue” be further anthologized. Meanwhile, “Death Fugue” became a German obsession, a fixture at commemorative events. The scholar Sidra DeKoven Ezrahi wrote,

At some subliminal level the Germans have come to know the poem … at such an early age and on ceremonial occasions that it has become an incantational procedure rather than an intended text.

Rather than an act of rememberance, the recitation of “Death Fugue” turned into a mantra to ward off difficult engagement with the past. But this is how it is when a poem becomes commemorative. It 
becomes all pious gesture and drained of meaning. When a poem becomes commemorative, it dies.

(3)

This is the kind of literature that is lifeblood against the sanctimonious, sanctioned poetry that the establishment uses to exonerate themselves. It is not enough for a poem to be witness, to preserve a dated moment and give voice to puppets from the past. It’s not enough that a poem extol the virtues of survival and overcoming. What if the poet never overcomes? What if the poet hears the same bitter verdict when testimony after testimony has been given? What if that poet — and this is the ultimate emotional transgression that repels the reader who takes comfort in literature as forgiveness — still feels a shadow of hate and it is that hate that disfigures song into something broken? But see, the only way to get at that inalienable grief is to disfigure song. Celan was a sadist with the German language, shredding it down to find the kernel, and from those shreds, he created a third language:

Black
as memory’s wound
the eyes root for you
in this plot bitten
bright by the heart-teeth.
SCHWARZ
wie die Erinnerungswunde,
wüŸhlen die Augen nach dir
in dem von HerzzäŠhnen hell-
gebissenen Kronland,
das unser Bett bleibt:

[zurück]
[✺]

Salon und Asyl

Als Besitzer der Wohnung Schönfließer Str. 21 machte die Staatssicherheit 1981 „Maaß, Ekkehard, ohne Tätigkeit“ aus. Dabei war Untätigkeit so ziemlich das Letzte, was man dem umtriebigen Hausherrn dieser „gastlichen Wartehalle in der Bleiernen Zeit“ (Wolf Biermann) nachsagen konnte. Peter Böthig nennt das Institut, seit 1978 Treffpunkt der Dichter- und Künstlerszene im Prenzlauer Berg, in seiner Dokumentation „Sprachzeiten“ einen Literarischen Salon. (…)

Als Freund und Nachbar kam für ein Jahrzehnt der georgische Dichter deutscher Sprache, Giwi Margwelaschwili; der tschetschenische Dichter Apti Bisultanov floh 2002 hierher ins Exil. In Rheinsberg, wo Böthig Leiter des Tucholsky-Museums ist, wurde Bisultanov Stadtschreiber und erkämpfte sich das Asyl in Deutschland. Seit 1996 ist Maaß Präsident der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft mit Sitz in der Schönfließer Straße, die Nachtasyl für verfolgte Dichter und Künstler blieb. Schon die Stasi hatte in ihrer vielbändigen Ermittlungsakte „ständige Übernachtungen, Aufenthalt und Verpflegung negativ-feindlicher Personen“ festgehalten.

(…)

Widerlegt wird die Legende, die ganze Szene sei eine Inszenierung der Stasi gewesen. Nicht umsonst musste sich Sascha Anderson einmal heftig ins Zeug legen, um Uwe Kolbes Vorschlag für einen unabhängigen Schriftstellerverband zu sabotieren. Und sein IM-Kollege „Villon“ (alias Lutz Gattner) meldete der Stasi, die „Gedichte“ von Bert Papenfuß „sollten ausreichend sein, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen“. Boethig, selbst Salon-Teilnehmer, bis er 1988 verhaftet und abgeschoben wurde, beharrt deshalb darauf, in den Lesungen die „Keimzelle für einen in den 80er Jahren sich entwickelnden staatsunabhängigen Literatur- und Kunstbetrieb“ zu sehen. Die Textproben belegen das und fügen sich zu einer Anthologie, die man als Fundus einer damals von der Stasi verhinderten Anthologie lesen kann. / Hannes Schwenger, Tagesspiegel

[zurück]
[✺]

Tracy K. Smith wird neue Poet laureate

Die Library of Congress bestimmte die Lyrikerin Tracy K. Smith (45) zur neuen poet laureate der USA, der höchsten Ehre, die das Land auf diesem Gebiet zu vergeben hat. Sie folgt damit Autoren wie Rita Dove, Louise Glück, Billy Collins, W. S. Merwin, Charles Simic und zuletzt Juan Felipe Herrera.

Sie wolle in der Position als eine Art literarische Evangelistin kleine Städte und ländliche Gebiete besuchen, um Lyrikevents abzuhalten.

„Ich bin freudig erregt über die Gelegenheit, die Gute Nachricht der Poesie in Teile des Landes tragen zu können, wohin literarische Festivals eher selten gelangen.“

Frau Smith ist die 22. Inhaberin des 1937 begründeten Amts, das den offiziellen Titel „Poet laureate Lyrikkonsultant“(in) trägt.  / New York Times 14.6.

Mehr: 4 poets you need to read, from new poet laureate Tracy K. Smith, PBS Newshour

[zurück]
[✺]

Bescheidener Vorschlag

Ich hätte da einen Vorschlag. Nachdem Deutsche Bücherei und Staatsbibliothek zur Deutschen Nationalbibliothek wurden, könnte man nicht in gebührendem Abstand von acht Jahrzehnten dem amerikanischen Beispiel folgen und einen Konsultanten für Lyrik auch bei uns einführen? Wenn man einen repräsentativen Namen braucht: Poeta laureatus, „gekrönter“ oder lorbeerisierter,  National-Dichter, das gabs in Deutschland schon mal, vor vielen Jahrhunderten, auch damals nach ausländischem Vorbild. 1341 wurde Francesco Petrarca in Rom gekrönt. 1442 krönte Kaiser Friedrich III. in Frankfurt/Main Enea Silvio da Piccolomini (der später vom „Lyrikpapst“ zum wirklichen Papa der Kirche wurde). 1487 folgte mit Konrad Celtis der erste deutsche Dichter mit Lorbeerkrone. 

Wenn es erst ein repräsentatives nationales Amt gibt, werden Bundesländer, Städte und Universitäten folgen* und (wieder) ihre eigenen Dichter krönen. Sie müssen keine Gedichte auf den Geburtstag der Würdenträger schreiben wie früher im Vereinigten Königreich. Ein republikanischer National-, Stadt-, Betriebs- oder Universitätsdichter. Dann werden auch die Zeitungen wieder regelmäßig Gedichte abdrucken. Ein kleines Gedicht unter den vielen Nachrichten des Tages? Das ist machbar, Herr Nachbar, Frau Nachbarin. 

(Zur Wiedervorlage)

[zurück]
[✺]

Cosmopolitan Ghazal

The two scenes collapse and expand in the same spectacular way as a ghazal couplet or sher does; these moments capturing convergence in divergence, the dance of the “contraries,” bringing together science and art, politics and spirituality, geography and history, East and West, led me to explore cosmopolitanism at the root of the ghazal form.

Cosmopolitanism is defined in the dictionary as “being free from local, provincial, or national ideas, prejudices, or attachments; at home all over the world”; it is necessarily an active appreciation of disparate entities, a rejection of narrow constructs of identities, in fact, a rejection of all strictures; it is an ownership as well as a divestment. It celebrates pluralism as fiercely as it forges an autonomous voice.

The ghazal, in its structure as well as its sensibility, not only allows contraries to cohabit but, in the best compositions, makes a demand to frame polarity in the same space. Once the matla, the opening couplet, introduces the refrain (or radif), the reader expects two things: one, that each successive couplet will be locked in by the same phrase/word/image of the radif, and two, that a wild freedom of perspective will be offered like a new puzzle piece that astonishes by fitting the given radif as perfectly as the previous one. / Shadab Zeest Hashmi, World Literature Today

[zurück]
[✺]

Ganz neue Herbste

L&Poe presents: Ganz neue Herbste nicht von Helmut Heißenbüttel

„le prix du poète de poésie libre au poète“ (Zeitungsmeldung), das ist so gut gesagt, daß man es nicht auch noch verstehen muß, n’est-ce pas? Mehr wäre dazu nicht zu sagen, es sei denn, man wollte es übersetzen. Da gibt es immer mehrere Möglichkeiten, Google entscheidet sich für diese: „der Preis des freien Verses Dichter zu Dichter“. Treffender vielleicht die Übersetzung des freien Online-Übersetzers PROMT: „Der Preis vom Dichter freier Dichtung dem Dichter“. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

[zurück]
[✺]

Gestorben
  • Am 20. Juni die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Jeannette Lander
  • Am 14. Juni die Schriftstellerin und Filmkritikerin Renate Holland-Moritz
  • Am 13. Juni der Maler, Grafiker und Lyriker Jens Lausen
  • Am 12. Juni der indische Schriftsteller und Komponist C. Narayana Reddy
  • Am 4. Juni der spanische Schriftsteller Juan Goytisolo in Marrakesch (86)
  • Am 1. Juni der portugiesische Lyriker Armando da Silva Carvalho (79)
  • Am 26. Mai der spanische Autor Tino Barriuso (69)
  • Am 19. Mai die amerikanische Lyrikerin und Friedensaktivistin Chana Bloch (77)
  • Am 17. Mai der kubanische Dichter Guillermo Rodríguez Rivera (74)
  • Am 17. Mai der spanische Dichter Cayo Luis Vea-Murguía (86)
  • Am 16. Mai der kubanische Essayist, Dichter und Hochschullehrer Guillermo Rodríguez Rivera (74)
  • Am 15. Mai der sowjetische und russische Lyriker Waleri Mutin (Мутин, Валерий Васильевич) (77)
  • Am 13. Mai der italienische Autor Oliviero Beha (68)
  • Am 12. Mai der brasilianische Dichter, Essayist und Literaturkritiker António Cândido (98)
  • Am 11. Mai die schwedische Künstlerin und Lyrikerin Elisabet Hermodsson (89)
  • Am 11. Mai der Kritiker Joachim Kaiser (88)
  • Am 9. Mai der spanische Lyriker José Manuel Borbón (81)
  • Am 8. Mai der sowjetische und weißrussische Autor und Übersetzer Nikolai Awramtschik (Аврамчик, Николай Яковлевич) (97)
  • Am 6. Mai der malaysische Lyriker und Journalist Saring Sirad (79)
  • Am 4. Mai die baschkirische Lyrikerin und Sängerin Kausaria Schafikowa (Шафиҡова Кәүсәриә Фиҙай ҡыҙы / Шафикова, Каусария Фидаиловна) (68)
  • Am 1. Mai der russische Autor Anatoli Aleksin in Luxemburg (92)
  • Am 1. Mai der russische Dichter Igor Gratsch, gefallen im Donbass (52 oder 53)
  • Am 30. April der ukrainische Dichter, Übersetzer und Politiker Borys Olijnyk (81)
  • Am 30. April die amerikanische Autorin Jean Stein, Herausgeberin der Paris Review (83)
  • Am 28. April der polnische Satiriker und Dichter Andrzej Bieńkowski, Teilnehmer am Warschauer Aufstand
  • Am 28. April der russisch-dagestanische Lyriker und Publizist Hasan Schachbanowitsch Kuruchow (Курухов, Гасан Шахбанович) (62)
  • Am 25. April der sowjetische und kasachische Schriftsteller Aleksandr I. Jegorow (Егоров, Александр Иванович) (91)

[zurück]
[✺]

Kurz gesagt
  • Der Versverstricker und Zitatmixer [Kai] Pohl schenkt sich nichts. Er ackert ohne Schwerstarbeiterzulage in den Gehegen der Parfümpoeten und entzaubert ihre wohlriechenden Reimblasen. Dafür wird man nicht geliebt. / Su Tiqqun, junge Welt über Kai Pohl: Penfields Traum. Gedichte und Montagen. Gutleut-Verlag 2016, 96 S.
  • Schnarch, ausgerechnet ein Lyriker? Haben wir gerade wirklich keine anderen Probleme, als uns mit Maulbeeren, Torf oder einem kleingeschriebenen „versuch über mücken“ zu beschäftigen? / Die Welt
  • Stahl porträtiert drei Gegenwartsautoren als ästhetische Nachfahren Dadas: die Dichterinnen Mara Genschel und Ann Cotten und den Sprachmystiker Oswald Egger. Die Qualifizierung des aus frühromantischen Quellen schöpfenden Sprachmagiers Oswald Egger als Neo-Dadaist ist zwar vollkommen abwegig – aber Mara Genschel mit ihren eigenwilligen Performances und Ann Cotten mit ihren Subversionsstrategien knüpfen tatsächlich direkt an die Antikunst-Energien der Dadaisten an. / Michael Braun, Poetenladen

[zurück]
[✺]

Kurz berichtet
  • Der Münchner A1 Verlag hört auf. „Der Palästinenser Mahmoud Darwish veröffentlichte hier, der Angolaner José Agualusa, die Brasilianerin Ana Paula Maia, der Südafrikaner Ivan Vladislavić. Manch einen Autor, wie den Inder Kiran Nagarkar, hat A1 hierzulande erst bekannt gemacht. Immer wieder wagte sich der Verlag an ehrgeizige Projekte; an den 1000-Seiten-Roman „Herr der Krähen“ von Ngũgĩ wa Thiong’o etwa habe man sich vor ein paar Jahren regelrecht „hingezittert“, sagt Woyke.“ / Süddeutsche Zeitung  – Bei A1 erschienen u.a. Gedichte von Dilip Chitre, Machmud Darwisch, Norbert C. Kaser, Günter Herburger, Adel Karasholi und Yang Mu.
  • Die Yale Review ist eine der ältesten Literaturzeitschriften der Welt. Ihr langjähriger Herausgeber, der Lyriker J.D. McClatchy (71), gibt jetzt sein Amt auf. Harold Augenbraum, früherer Direktor der National Book Foundation, wird als Interimsherausgeber fungieren. 27 Jahre (davor 10 Jahre als unbezahlter Lyrikredakteur) seien genug, teilte McClatchy mit. / Daily News
  • Liu Xiaobo, der chinesische Dissident und Träger des Friedensnobelpreises, verläßt das Gefängnis für die Behandlung einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Das teilten seine Anwälte und die Gefängnisverwaltung mit. / The New York Times
  • Appell an die chinesische Regierung von Herta Müller, Liao Yiwu und anderen, Liu Xiaobo und seine Frau nach Deutschland ausreisen zu lassen. Elfriede Jelinek, Eva Menasse, Madeleine Thien, Salman Rushdie, Wole Soyinka, Ian McEwan und 100 weitere Autoren haben unterschrieben.

[zurück]

[✺]

Lyrikkalender

Bei den Ernst-Jandl-Tagen (30.6. bis 2.7. in Neuberg an der Mürz) erhält Monika Rinck den Ernst-Jandl-Preis 2017. Es  lesen außerdem u.a. Ann Cotten, Daniel Falb, Mara Genschel, Birgit Kreipe, Ferdinand Schmatz, Christian Filips, Nancy Hünger, Kornelia Koepsell, Friederike Mayröcker und Anja Utler.

Ledbury Poetry Festival (30. Juni bis 9. Juli) – Großbritanniens größtes Poesiefestival findet zum 21. Mal statt

Am 4. Juli ist Independence Day in den USA. An diesem Tag im Jahr 1776 erklärten sich die 13 amerikanischen Kolonien zu einer neuen Nation.

Der 20. Hausacher Leselenz (5.-14. Juli)
Mit Carolin Callies (D), Safiye Can (D), Rocío Cerón (MEX), Valentina Colonna, (I) Zehra Çırak (D), Christoph Danne (D), Alice Gabathuler (CH), Nora Gomringer (CH / D), Simone Hirth (D / A),  Ranjit Hoskoté (IND), Semier Insayif (IRQ / A), Jan Koneffke (D / A / RO), Els Moors (B), Tom Schulz (D),  Tzveta Sofronieva (BG / D), Michael Stavaricˇ (CZ / A), Aleš Šteger (SLO), Suleman Taufiq (SYR / D), Ilija Trojanow (BG / D / A) u.v.a.

Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt (5. bis 9. Juli).  Am Sonntag, dem 9. Juli, werden fünf Preise vergeben: Der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis, gestiftet von der Stadt Klagenfurt. Der mit 12.500 Euro dotierte erstmals vergebene Deutschlandfunk-Preis, gestiftet vom Deutschlandradio. Der mit 10.000 Euro dotierte KELAG-Preis, gestiftet von der Kärntner-Elektrizitäts-Gesellschaft. Der mit 7.500 Euro dotierte 3sat-Preis, gestiftet vom Gemeinschaftsprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ZDF, ORF, SRG und ARD. Der BKS-Bank Publikumspreis in Höhe von 7.000 Euro, verbunden mit einem Stadtschreiberstipendium in Klagenfurt.

Drittes Offlyrikfestival 2017
10 Lyrik-Performer treten am 7.7.2017 in Düsseldorf auf: Maroula Blades, Kersten Flenter, Thomas Havlik, Stan Lafleur, Alexander Nitsche, Kai Pohl, Clemens Schittko, RoN Schmidt, Tom de Toys (Moderation) und Harald ‚Sack‘ Ziegler.

Internationales Poesiefestival in Medellin (8.-15. Juli)

Am 2. Juli 1964 wurde in den USA ein Verbot von Bildungstests als Voraussetzung zur Teilnahme an Wahlen verhängt. Manche denken darüber nach, ob man sie wieder einführen soll.

Geboren wurden am 30. Juni 1807: Friedrich Theodor Vischer, 1814: Franz von Dingelstedt, 1911: Czesław Miłosz, polnischer Dichter, Nobelpreisträger; am 1. Juli 1742: Georg Christoph Lichtenberg, 1886: Jizchak Katzenelson (ermordet am 1. Mai 1944 in Auschwitz), 1919: Hans Bender; am 2. Juli 1724: Friedrich Gottlieb Klopstock, 1877: Hermann Hesse; am 3.Juli 1883: Frank Kafka, 1928: Günter Bruno Fuchs, 1937: Joochen Laabs (80. Geburtstag); am 4. Juli 1715 Christian Fürchtegott Gellert; am 5. Juli 1889: Jean Cocteau, 1941: Barbara Frischmuth; am 7. Juli 1887: Marc Chagall

Todestage: am 30. Juni 1990 „Matthias“ BAADER Holst, 2006: Robert Gernhardt, am 1. Juli 1916 der Dichter Siegfried Schlösser (vor Beaumont gefallen), 1952 der tschechische Dichter Fráňa Šrámek, 2016 Yves Bonnefoy; am 2. Juli 1778: Jean-Jacques Rousseau, 1961: Ernest Hemingway; am 4. Juli 1888: Theodor Storm, 1964: Samuil Marschak; am 6. Juli 1533: Ludovico Ariosto (Der rasende Roland); am 7. Juli 1956: Gottfried Benn

[zurück]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: