Kategorie: Europa

ein reiches

Konrad Bayer (* 17. Dezember 1932 in Wien; † 10. Oktober 1964 ebenda) dann bin ich gestorben ich wurde geboren am 17. august bald wurde ich grösser doch war’s mir nicht bewusst ich lernte auch sprechen und bausteine brechen dann bin ich gestorben am…

Aus: Bulletin D

Johannes Theodor Baargeld (Zentrodada, * 9. Oktober 1892 als Alfred Ferdinand Gruenwald in Stettin; † 18. August 1927 am Mont Blanc) Ahehe: Cezanne ist chewing-gum. Der Grunewald verdaut van Goghs gelbes Gebiss. Van Gogh roch aus dem Mund und ist tot. Eljen dada! Behehe:…

Fragt uns aus

Hans Sahl (* 20. Mai 1902 in Dresden; † 27. April 1993 in Tübingen) Die Letzten Wir sind die Letzten. Fragt uns aus. Wir sind zuständig. Wir tragen den Zettelkasten mit den Steckbriefen unserer Freunde wie einen Bauchladen vor uns her. Forschungsinstitute bewerben sich…

An mich

Else Lasker-Schüler (geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld, heute Stadtteil von Wuppertal; gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) AN MICH Meine Dichtungen, deklamiert, verstimmen die Klaviatür meines Herzens. Wenn es noch Kinder wären, die auf meinen Reimen tastend meinetwegen klimperten. (Bitte nicht…

Liebeslied

Chaim Nachman Bialik „(hebräisch חיים נחמן ביאליק, vereinzelt auch: Chaim Nachum Bialik; geboren 9. Januar 1873 im Dorf Radi, in der Nähe von Schitomir, Russisches Kaiserreich [heute Ukraine]; gestorben 4. Juli 1934 in Wien) war ein jüdischer Dichter, Autor und Journalist, der auf Hebräisch…

Den Grobian verfolgt die Lust

Sergej Jessenin (russisch Сергей Александрович Есенин, wiss. Transliteration Sergej Aleksandrovič Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad) Den Grobian verfolgt die Lust, den Zärtlichen die Traurigkeit. Ich brauche niemanden, gewiss,…

Fremd bin ich / eingezogen fremd

Wilhelm Müller (* 7. Oktober 1794 in Dessau; † 1. Oktober 1827 ebenda) Gute Nacht Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh‘ ich wieder aus. Der Mai war mir gewogen Mit manchem Blumenstrauß. Das Mädchen sprach von Liebe, Die Mutter gar von Eh‘ – Nun…

Ach, wenn es der letzte ist!

Miguel de Unamuno (* 29. September 1864 in Bilbao; † 31. Dezember 1936 in Salamanca) Wir trennten uns in einem Kuß, ach, wenn es der letzte ist! Das Herz will uns zerspringen in diesem tiefen Schmerz! Küsse, die lachend kommen, gehn unter Tränen davon,…

Lest langsam

Vojtech Mihálik (* 30. März 1926, Dolná Streda, Slowakei, † 3. November 2001, Bratislava) Anleitung zum Lesen von Gedichten Noch ehe ihr euch entschließt, Gedichte zu lesen, bringt Erinnrungen, Phrenologie und Erdkunde in euch zum Schweigen. Schneidet euch die Nägel. Schiebt zwischen Umschlag und…

Kreuzbraves Lied

Günter Kunert (1929-2019) Junges Paar an der Ecke Plätze finden, fröhlich sich zu paaren, Das ist schwer für solche ohne Raum. Leichter seinen Samen aufzusparen Für die Nacht und für den kargen Traum. Traum von warmen Kammern und von Betten, Nicht nur drin zu…

Wie ich ein Fisch wurde

Günter Kunert (* 6. März 1929 in Berlin; † 21. September 2019 in Kaisborstel) Wolf Biermann singt Günter Kunert „Wie ich ein Fisch wurde“ Biermanns Vertonung ist für mich interessant, weil er (eigentlich bei allen Titeln auf der Platte „Hälfte des Lebens“) radikal das…

An die Verächter der Wissenschaft

Antioch Kantemir (russisch Антиох Дмитриевич Кантемир; * 10. September jul./ 21. September 1708 greg. in Konstantinopel; † 31. März jul./ 11. April 1744 greg. in Paris) Erste Satire: An die Verächter der Wissenschaft An meinen· Verstand Unreife Frucht flüchtiger Studien: mein Verstand, Gib endlich…

Krieg

Oskar Kanehl (* 5. Oktober 1888 in Berlin; † 28. Mai 1929 ebenda) Krieg Was jubelt ihr und schwenkt die bunten Tücher? Und brüllt den Krieg? Werdet vor heiligem Gottgeist schamrot! Hunger und Seuche und Tod feiern den Sieg. Was schießt ihr plötzlich auf…

Dichterhandwerk

EINGANG DES PILATUS (der Sage von Pilatus) (Straßburger Handschrift) 12. Jahrhundert Man sagt von der deutschen Zunge* Sie sei nicht bezwungen Sei hart zu fügen. Wer sie oft schlüge Dem würde sie schmeidig Wie Stahl zart und schneidig Der vom Hammergestoß Auf dem Amboß…

Verklärung

Tudor Arghezi (* 21. Mai 1880 in Bukarest; † 14. Juli 1967 ebenda) Verklärung Obwohl ich ihr sagte, daß ich’s nicht will, gab mir die Nacht im Schlaf ganz still die Urne des Dunkels, ich trank sie leer. Nun komme, was wolle, bald wissen…