Kategorie: Europa

o himmels blau

Sommergedichte nannte ich die Rubrik mal. Da der Sommer fast vorbei ist oder zumindest pausiert, suche ich an diesem grauen Tag was Passendes zu – Sommerblau. Blumen. Kornfeld. Sowas. Wer hat am 21. August Geburtstag? Bartholomäus Sastrow aus Greifswald, Jens Christian Djurhuus, färöischer Bauer…

Der Blinde geht durch die Welt

Jakub Deml (20. August 1878 Tasov, Tschechien, damals Österreich-Ungarn – 10. Februar 1961 Třebíč) Der Blinde geht durch die Welt Vielleicht erweckt es den Anschein, als könnte ich sehen,           denn im Grunde genommen geh ich wie andre Leute        …

Sonett in Góngoras Manier

Federico García Lorca SONETT IN GONGORAS MANIER, DARIN DER DICHTER SEINER LIEBE EINE TAUBE SCHICKT Vom Turia will ich dir dies Täubchen schicken mit seinem milden Aug und weißen Flaum, still hingegossen ruht’s im Lorbeerbaum, läßt tief ins Schwelen meiner Liebe blicken. Sein Unschuldsglanz,…

Alma Johanna Koenig

Gebet an einen Glücksgötzen Kleiner, peruanischer Glücksgötze an der Wand, gieße noch einmal die Gaben in meine hohle Hand. Kleiner, peruanischer Glücksgötze, der nach mir glotzt, gib, daß noch einmal die Tafel von Freuden des Festes strotzt. Kleiner, peruanischer Glücksgötze, der nach mir grinst,…

Aus: Nordlicht

Sahst du noch nie den Fall der Leoniden? Wenn Sterne lautlos durch den Äther zittern Und ringsum sich beim Sturze noch zersplittern, Erkennst du doch den großen Wunsch nach Frieden? Blick auf die Vögel! Ziehen sie nach Süden, So scheinen sie, vereint, kein Arg…

Der Schwarze in der Zuckerplantage

Von Matthias Claudius Weit von meinem Vaterlande Muß ich hier verschmachten und vergehn, Ohne Trost, in Müh‘ und Schande; Ohhh die weißen Männer!! klug und schön! Und ich hab‘ den Männern ohn‘ Erbarmen Nichts getan. Du im Himmel! hilf mir armen Schwarzen Mann! Dieses…

Morgendliche Rede an den Baum Griehn

Bertolt Brecht (10. Februar 1898 Augsburg – 14. August 1956 Ost-Berlin) Morgendliche Rede an den Baum Griehn 1 Griehn, ich muß Sie um Entschuldigung bitten. Ich konnte heute nacht nicht einschlafen, weil der Sturm so laut war. Als ich hinaus sah, bemerkte ich, daß…

»Den speisest du, den du, den ich.«

Die Drei Drei Reiter nach verlorner Schlacht, Wie reiten sie so sacht, so sacht! Aus tiefen Wunden quillt das Blut, Es spürt das Roß die warme Flut. Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, Und spült hinunter Staub und Schaum. Die Rosse schreiten sanft…

Das Lineament erfüllter Gier

Drei kurze Stücke aus Notizbüchern von William Blake, der am 12. August 1827 starb. Was ists das Männer von den Fraun begehren? Das Lineament begierigen Gewährens. Was ists das die Fraun von Männern begehren? Das Lineament begierigen Gewährens. ** Von einer Frau erwünscht ich…

Wer lieben wil / mus nicht so blöde seyn

HJer hab ich nun mein sehnliches Verlangen : hier liegt mein Lieb / hier ligt mein ander ich : hier giebt das Glück sich selbst gefangen mich[1] : hier mag ich nun mein Lieb vielmahl umfangen : ¶ hier mag ich nun auch küssen…

Röschen

Joachim Ringelnatz (7. August 1883 Wurzen – 17. November 1934 Berlin) Ein Liebesnachts-Wörtchen Ja – – ja! – -ja!! – – ja!!! – – Du hast so süße Höschen. Nun sind wir allein. Und es ist Nacht. Ach hätte ich Dir doch ein Röschen…

Hört weg!

Christa Reinig (6. August 1926 Berlin – 30. September 2008 München) HÖRT WEG! kein wort soll mehr von aufbau sein kein wort mehr von arbeit und altersrente hört weg – ihr helden – ich rede allein für asoziale elemente für arbeiter die nicht mehr…

Emily Brontë

Heute ohne gegebenen Anlaß ein Gedicht meiner Lieblings-Brontë. Emily Brontë wurde am 30. Juli 1818 in Thornton, Yorkshire geboren, sie starb jung am 19. Dezember 1848 in Haworth, Yorkshire. Wuthering Heights, Sturmhöhe, ist ein großartiger Roman. Hier ein kleines Gedicht von ihr. Was it…

Ein deutscher Dichter gallisch-alemannischen Geblüts

René Schickele (1883-1940) Sonnenuntergang Ich stieg vom Keller Bis unters Dach, Immer heller war das Gemach, Die Stadt, sonst verdrossen, Hob Kuppeln aus Gold, Es glühten die Gossen Wie Adern von Gold. Die Felder brandeten, Meer in Meer, Vögel landeten, Von Feuer schwer, Auf…

Merlin

Weil das Volk seine Reden alle wieder erfuhr, und jener Mann ihn auf die Probe zu stellen gedachte, beschloß Merlin, nun nicht mehr so offen zu sprechen, sondern alle seine Sprüche und Worte wurden nun dunkler und man verstand sie erst, nachdem sie eingetroffen….