Kategorie: Europa

Gute Gedichte

Klar sind gute Gedichte wie Rosen

(aber random blühende im Off (Hain, Halde

übertrieben schön aber nicht vorgesehen

Wenn alles stirbt

Ich hab getrunken, getrunken, getrunken den Tau
deines Haars an dem rauchigen, endlosen Tag,
als die Nacht kam am Mittag, als kein Morgen mehr kam.

Der Leser wird gebeten

Töne, töne hemmungslos – eine Mauer trennt uns bloß
Um so besser – niemand kann die Fehler hören
Ich werde heimlich dich auf dem Cello begleiten
Und das Licht ausmachen, denn im Dunkeln ist es schöner

Anti-Jazz, schreiben sie

zwitschernd und singend
beschwingt und beseelt
sehnend und trillernd
wild und begeistert

J. H. Prynne †

Wozu das Herz befähigt ist sowie die Reise auf sich nimmt
über jede Wüste und durch die Luft, einer
Umkehrung und Schwebe ungeahnter Natur:
Liebe ist, stets, der
Flug an den Ort
zurück, an dem
wir uns befinden.

Einmal rief Thomas Kling mich an

Einmal rief Thomas Kling mich an, als ich in Berlin lebte,
auf Zeit in einem Raum mit aufblasbarem Bett
und Telefon, zweiter Hinterhof, lebendig begraben.

Kassandro

So sehr man sonst mein hohes Wissen pries,
von meinem Warnen wollte keiner hören,
sie zürnten, weil ich wagte, sie zu stören,
wenn ich beschwörend in die Zukunft wies.

was soll sich auch dadurch groß ändern

Allenfalls bleibt ein Eintrag im säuberlich geführten Terminbuch der Stationsschwester, kurz mag es die Katze verstören, wenn man dich polternd herausrollt, aber Ruckzuck ist der Raum angefüllt mit neuen Generationen.

L&Poe gratuliert

kaum 20
eine junge arbeiterin
besucht mich
ihr schweiß
ist mir wohlbekannt
wir lieben uns
wir haben uns nichts besonderes zu erzählen
eine nacht lang
ja sage ich
ja sagt sie
sie weiß daß ich gedichte schreibe
wozu meint sie
deshalb sage ich

Haifische kommen vorbei

Haifische kommen vorbei und kommen zurück
sie wittern den hinterhalt
schrecklichen hinterhalt der häuser
der fensterklappen fallbeile

Was in mir tobt bin ich

91 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Kerstin Preiwuß Die Windsbraut schläft in mir.Ein schaukelndes Embryo in jeder Ohrmuschel.Wie beruhigt mich dass sie sich bewegt.Ich bin gut aufgehoben egal was in mir tobt.Die Windsbraut hat sich in mein Ohr gelegt.Übers Jahr ist es umgekehrt.Der Wind schläft… Continue Reading „Was in mir tobt bin ich“

Tausend Jahre

Trinken die Kinder den Tau
fallen die Himmel ins Meer
singen die Fische wie Engel
träumend das Licht so blau.

ich aber küsse heute schon

und die konterrevolution wechselt die seiten

Die Verkündigung der Werte am Hindukusch

Die Schönheit grenzenlosen Feierabends
wird heutzutage immer häufiger missverstanden.
Viele denken, eine Flasche Bier, ein Mädchen,
etwas Rundes in der Hand, im Geldbeutel
– und schon ist die Klimax erreicht.

Vegetativ

Ich schreibe, wie ich existiere:
Vegetativ. Ich treibe kein
Bedarfsgerechtes Kunstgewerbe.
Schreiben ist meine Form von Sein.