Schlagwort: Ludwig Wittgenstein

Sauerstoffzufuhr für die Sprache

Verzauberung Nie wird sich die griechische Sprache von der Sauerstoffzufuhr erholen, die ihr durch Sapphos Gedichte zuteil wurde. Nie sich erholen vom unerhörten A-Laut, mit dem sich die Nacht anmahnt in einem der Fragmente, nie von dem Augenblick, als Aphrodites Epitheton poikilóthronos ein einziges Mal…

manuskripte 217

Zeitschriftenschau Michael Gratz Die österreichische Literaturzeitschrift manuskripte erscheint im 57. Jahr. Heft 217 eröffnet mit einer seltenen Marginalie. Die Schriftstellerin Aslı Erdoğan, die im August 2016 in Istanbul verhaftet wurde, schrieb der Redaktion, sie sei stolz, daß zwei ihrer Artikel 2013 in manuskripte publiziert…

Vermittler und Dienstleister

Beitrag von Bertram Reinecke zur Debatte um Lyrikkritik Die bisherige Debatte Das Uninteressanteste zuerst: Natürlich bin ich auch der Meinung, dass Lyrikkritik zu schlecht honoriert wird. (Ich würde gern öfters rezensieren, kann mir das aber nicht leisten.[1]) Aus diesem Grundproblem erwachsen viele der Probleme….

14. Gefährliche Lektüre

Vor 100 Jahren, am 3. November 1914, starb der Dichter Georg Trakl. Als Buchpreisträger Lutz Seiler dessen Verse als Student in der DDR zum ersten Mal las, veränderten sie sein Leben. / Süddeutsche Zeitung 3.11. „Das Werk Georg Trakls ist das Bild einer völlig…

63. Unmut

Wiederholte Unmutsäußerung Es gibt Texte, die lähmen. Sie sind irgendwie enttäuschend, tun eventuell etwas weh, aber sind zu verschämt, zu unverbindlich, als dass sie leicht darlegbare Irrtümer enthalten. Im günstigsten Falle muss man deren Autoren zu Gute halten, dass sie sie gedankenlos niedergeschrieben haben….

113. Tibor Szemzö Tractatus

Thementag Ungarn Tibor Szemzö Tractatus – Multimedia-Performance So 09.06.2013 – 22:00 Uhr »Bildmagier und Klangstürmer« nannte die FAZ den ungarischen Medienkünstler Tibor Szemző. Inspiriert von Ludwig Wittgensteins »Tractatus logico-philosophicus« lässt er seine klangvolle Sprechstimme, verschiedenen Sprachmelodien, Musik und poetische Super-8-Filmaufnahmen von Péter Forgács zu…

97. Mit Lyrik gegen die Krise in Ungarn

Wider die rhetorische Verwilderung – mit Lyrik gegen die Krise in Ungarn Es war ein Gedicht, das die Ungarn aufrüttelte: István Keménys „Abschiedsbrief“ aus dem Jahr 2011 bewegte Bevölkerung und literarische Szene gleichermaßen. Das Gedicht veränderte das Verhältnis von Dichtung und Politik: der politische…

54. Verstehen, eine schlechte Praxis

Von Bertram Reinecke Technische Anmerkung: Reineckes Aufsatz hat 50 Anmerkungen, die fast noch ein zweiter Aufsatz sind. Leider zickt wordpress bei den Sprungmarken. Ich suche nach einer Lösung (vielleicht hat jemand einen Tip?). Bitte behelfen Sie sich einstweilen mit Hoch- und Runterscrollen: es lohnt…

6. Eine Rose hat keine Zähne

01. Februar 2012, 20 Uhr (und nicht wie auf der Homepage 2011) Im Saal des Deutschen Literaturinstituts Eintritt frei Ulf Stolterfoht über den Abend: „Gegeben wird ein bunter Strauß von Ludwig Wittgenstein-Gedichten, also Gedichten von mir, in denen Wittgenstein auftaucht.“ Moderation: Michael Lentz Ulf…

2. „Ich verfalle recht oft in eine unsägliche Traurigkeit“

Der Unternehmer und Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951) stellte von Ficker einen großen Geldbetrag zur Förderung notleidender Dichter zur Verfügung. Trakl sollte neben Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) 20 000 Kronen erhalten, die alle seine Geldnöte für Jahre behoben hätten. Doch er sah…

40. „iwahaubbd“

Zu einfach wäre es, Friedrich Achleitner mit seinen frühen Dialektdichtungen aus „hosn rosn baa“ (1959), den experimentellen „konstellationen“ und „montagen“ aus den 1970er-Jahren, dem „quadratroman“ (1973) und der Kurzprosa der letzten Jahre zum Klassiker der zeitgenössischen Literatur zu erklären. Ungesagt bliebe dabei, dass Achleitner…

44. Das Gesicht des Gegenwartsgedichts

Bertram Reinecke  Auszug aus einem Essay für Band 3 des Almanachs „Gegenstrophe“  (erscheint im Herbst) […] Jenseits manifester poetologischer Aussagen scheinen Autoren Forderungen an die Gestalt ihrer Texte zu stellen, die sich nicht ohne weiteres festhalten lassen, sei es, weil sie halbbewusst vage sind,…

35. Das Schweigen der Dichterinnen und wie wir es lesen können

[…] Im Folgenden aber werde ich, wenn man so will, eine weibliche und komparatistische Hölderlin-Linie nachzeichnen. Der philosophische Kronzeuge und Stichwortgeber wird dabei nicht Wittgenstein, sondern Simone Weil sein. Zu entdecken in der Linie von Emily Dickinson, Simone Weil, Nelly Sachs, Ilse Aichinger und…

122. Nietzsche hat Wittgenstein gelesen

Jedes Wort des Librettos stammt von Nietzsche, aber der Text ist von Wolfgang Rihm, und bei ihm hat Nietzsche auch Wittgenstein gelesen. Einer älteren Äußerung nach hielt Rihm Nietzsches Texte einst für unvertonbar, aber die Bedenken haben sich erledigt. Seine Musik beweist eher, dass…

171. Anthropotechniken

Sloterdijks Buch behandelt die Anthropotechniken, die Übungserfahrungen der modernen Gesellschaften, heraufgeleitet von Buddha und Sokrates, den großen Alten. Ein Orchester, vollbesetzt mit Asketen, Artisten, allesamt verkleidet als Dichter wie Kafka oder Philosophen wie Nietzsche, und Wittgenstein musiziert eine prachtvolle Symphonie, deren Anfangs- und Schlussakkord…