Schlagwort: Michael Hamburger

107. Wenn Hölderlin heute lebte…

Auszüge aus einem Aufsatz von Jürgen Brôcan in der NZZ vom 22.7. (L&Poe #87. Zu Viel Originalität): Der deutschsprachige Leser wird gegenwärtig mit zwei Phänomenen konfrontiert: Einerseits mit der unglaublichen Fülle an Gedichten in Anthologien, im Netz oder auf Poesiefestivals, die es ihm ohne…

87. Zu viel Originalität

Die NZZ diagnostiziert grundsätzliche Lesebereitschaft des Publikums trotz deutschsprachiger Avantgardelyrik, schreibt der Perlentaucher: Auch wenn die Lyrik in Zeitschriften, im Netz oder auf Festivals blüht, meint Jürgen Brocan, macht sich beim Leser Überdruss breit. „Die Lyrik heute gleicht jedoch nicht selten einem Laborversuch, dessen Ergebnisse dem Publikum in…

7. Friedrich-Hölderlin-Preis 2011 für Jan Wagner

Die Universität Tübingen und die Universitätsstadt Tübingen verleihen in diesem Jahr den Friedrich-Hölderlin-Preis an den Lyriker und Übersetzer Jan Wagner (*1971) so das einstimmige Ergebnis der Jurysitzung vom 24. Januar 2011. Der gebürtige Hamburger hat im vergangenen Jahrzehnt neben etlichen Veröffentlichungen in Anthologien und…

94. Gedichte über Bäume

Vielleicht muss man sich die Gedichte laut vorlesen, um sie in all ihren Feinheiten würdigen zu können. Wie Hamburger etwa über dunkle O-Laute die massige Eiche tatsächlich auf dem Blatt verwurzelt, ist eine Kunst für sich: ‚On wide floorboards four centuries old, / Sloping,…

133. Lyrikstationen 2009 (11)

Fortsetzungsessay von Theo Breuer 11 Endpunkt · Letzte Gedichte / Lebende Tote Das Wiedersehen Von fern gleicht er noch einem, den man kannte, das weiße Haar, wie Kohle, die verbrannte, wie Asche, noch warm von erloschenen Feuern, was nützt es, einem Toten zu beteuern,…

101. Lyrikstationen 2009 (4)

Fortsetzungsessay von Theo Breuer 4 Unübersetzbar – Die gelenkige Sprache das Englische Strike, churl; hurl, cheerless wind, then; haltering hail May’s beauty massacre and wisped wild cloud grow Out on the giant air; tell Summer No, Bid joy back, have at the harvest, keep…

99. Hölderlin im Blut

„Doch gut ist ein Gespräch und zu sagen/Des Herzens Meinung“, schreibt Friedrich Hölderlin in seinem Gedicht „Andenken“, das mit der bekannten Zeile endet „Was bleibet aber, stiften die Dichter“. Der Leiter der Volkshochschule Hartmut Boger hat sich mit dem eben von ihm durchgeführten Einabendseminar…

80. Guckloch zum Hades

Mitten im Warenhausgetümmel öffnet sich ein Guckloch zum Hades. Vielfältige Bezüge zur Musik, zu Orpheus, Odysseus und andere antike Gestalten oder zu Transzendenz und Herzensbildung der Romantik beleben die trivialsten Verhältnisse. Der seit 1998 in Norwegen lebende Sandell nennt sich selbst einen „Retrogardisten“. Seine…

2. „habe 1 punktuelle / Sprache erfunden“

„Meine Ärztin sagt“, so schreibt Friederike Mayröcker, „essen Sie ein Gedicht“. „Ich weisz nicht“, antwortet die Dichterin, „wie man es kocht“. Stefanie Kolowratnik-Seniow heißt die Ärztin, und sie ist nicht die Einzige, der Gedichte gewidmet werden, auch nicht die Einzige mit sperrigem Doppelnamen. Manchmal…

48. «Letzte Gedichte»

Es ist sicherlich eine gewagte Entscheidung des Herausgebers, Michael Hamburgers jüngst auf Deutsch erschienenen Band als «Letzte Gedichte» zu betiteln, denn ins bloss Faktische spielt zwangsläufig auch die Aura des Vermächtnisses hinein, des finalen, noch vorm Tod geäusserten Willens und Wortes. «Letzte Gedichte» enthält…

024. Nuance des Verstehens

Waterhouse: Vielleicht unterscheidet man zu sehr zwischen Verständnis und Missverständnis. Als ob das Gegensätze wären. Vielleicht kann man es ja auch so sehen, dass das Missverständnis eine Nuance des Verstehens ist. Nicht das ganz andere, sondern sehr nahe. Das Verstehen ist nicht eindeutig nur…

71. Entziffert

Als der Schriftsteller W.G. Sebald in den frühen achtziger Jahren Michael Hamburger in Middleton besuchte, entzifferte er an einem sprechenden Detail im Garten die Seelenverwandtschaft zwischen Hamburger und dessen großem Vorbild Hölderlin: „Ist es möglich, dass man sich später in diesem Haus in Suffolk…

53. Michael Hamburger 80

Fast alle Gedichte Hamburgers sind Verlauf- und Verlern-Gedichte. Verlust-Gedichte. Die Balance der Sätze, oft über viele Zeilen schwebend, bricht, Kunst löst sich kunstvoll auf in Natur; denn Sterben ist ja nur ein anderes Wort für Natur. Ach, Wörter, Wörter. „Lebt wohl, Wörter“, heißt es…

After Nature

W. G. Sebald: After Nature, translated by Michael Hamburger, reviewed by Eva Hoffman. (The New York Times.*) 22.9.02