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Veröffentlicht am 26. April 2026 von lyrikzeitung
209 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Eine aktuelle Kolumne mit neuen Texten, Fundstücken und Wiederentdeckungen rund um die Leipziger Buchmesse.
Maybe Mary
für Ottilie
die wilde, bunte, irre Göttin
die keinen Bedarf hat
an Bedürftigen, an ungebetenen Seelen
aber im Vorübergehn gern
den einen oder anderen Kuss gewährt
sie will nicht mehr
sie gibt nicht mehr
weder unten noch oben;
sie ist die Himmelskönigin
sie schert sich nicht darum
wer den Platz beansprucht
zu ihrer Rechten
sie legt das blaue Kleid ab, die Krone
verjagt die süßen Engel, fällt
kippt auf den Boden unter ihren Füßen
geht durch die Straßen Jerusalems
mit leichten Schritten, voller Trauer
Aus: Olaf Wisch, Maria nimmt Gestalt an. Leipzig: Anderort – Verlag für Lyrik, 2025
Das Buch ist im Februar 2025 als Debut des Autors erschienen und wurde in diesem Jahr auf der Messe mit dem Verlagsprogramm des anderort-Verlages präsentiert. Christine Hoba schreibt dazu: „Heilige, Sünderinnen, Gottesmütter, Künstlerinnen, frisch Geborene (als Frau), Dichterinnen (vergessene, verehrte, verstorbene, suizidierte, luzide, mystische, verlachte) – der Lyriker Olaf Wisch macht sich in diesen Gedichten auf, Maria, weg von ihrer patriarchalen Überformung, Gestalt annehmen zu lassen.“
Olaf Wisch wurde 1973 in Wittenberg geboren, lebt und arbeitet in Halle (Saale). Im Juli 2026 erhält er den Klopstock-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt für sein lyrisches Debut.
Kategorie: DeutschSchlagworte: Anderort Verlag, Christine Hoba, Halle Saale, Klopstock-Förderpreis, Leipziger Buchmesse, LnPoeMesseLese, Lyrikdebüt 2025, Maria nimmt Gestalt an, Marienlyrik, Maybe Mary, Olaf Wisch, religiöse Motive, zeitgenössische Lyrik
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