Das Männchen

Mal etwas Jahreszeitliches. Ich bin kein großer Freund der Verskunst von Erich Fried. Aber hört man nicht in diesem Gedicht das Flöten und Hacken der Nachtigall (oder auch unseres Sprossers)?

Erich Fried 

(* 6. Mai 1921 in Wien; † 22. November 1988 in Baden-Baden)

Philomel' mit Melodey

Wer Philomeles Herz
zerspringen läßt
vor ewigem Liebesleid
der lügt
der lügt

Was heißt das süße Lied
der Nachtigall
Es heißt
Hau ab
hau ab

In diesen Bäumen
bin
nur ich
nur ich
das Männchen

Aus: „Komm, heilige Melancholie“. Eine Anthologie deutscher Melancholie-Gedichte. Mit Ausblicken auf die europäische Melancholie-Tradition in Literatur- und Kunstgeschichte. Herausgegeben von Ludwig Völker. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1983, S. 506

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