13. Lyrikkatalog Berlin

Ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus*:

ann cotten: ausreden. Stocherung in den Grundlagen und Vorausannahmen der gegenwärtigen Literatur, in: Schreibkraft

1

Wenn also Germanisten auf die Formel kommen, „der Text erfülle oder erfülle nicht die Ansprüche, die er selbst aufstelle,“ so ist es so falsch nicht, wie man auf Anhieb meinen würde angesichts der Tatsache, dass die Formel meist von in irgendeiner Weise institutionell mit Macht ausgestatteten Interpreten dazu verwendet wird, durch demonstrativ unbestrafbare Missauffassung von Texten ihre Macht einem leidensbereiten Publikum vorzuführen.

2

Cool ist da Laura Riding, die im Laufe ihres denkenden Schreibens zur Erkenntnis kam, dass Poesie Quatsch ist, und aufhörte zu schreiben. Ich möchte mich nicht dabei ertappen, absichtlich so zu denken, dass ich ein solches Ergebnis vermeide. Das wäre unerträglich beschämend und würde mir die Poesie eklig machen.

3

Jetzt ein Panorama an zeitgenössischen Formen der Dichtung, wie sie mir einfallen, in Berlin. Fokussiere ein bisschen auf den alten sogenannten Lyriktrend (…)

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„Die Mitte ist Peripatie“ „und widersteht jedem Plan“ Dissoziationslyrik „Kirre lässt man sie dösen“ (?) „Sie platzieren alles“ (∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, Horae) Bei ∎∎∎∎∎∎s Lyrik gibt es viele, viele Wörter, und Plausibilität ohne Ende. Sie wirken auf mich wie ein Schmetterlingsschwarm, dessen Mitte und Grund nicht erkenntlich ist, und der mich zum Fuchteln mit den Armen bewegt: Seid doch still und lasst mich herausfinden, was mit euch ist!

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Auf Begriffe wie „like-like-like-Lyrik“ oder „47-likes-Lyrik“ komme ich bei einer Lesung von ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, einem intelligenten, irgendwie immer mithalten-wollenden, dabei sich selbst irgendwie verpassenden Amerikaner, der in Berlin lebt und im fortgeschrittenen Stadium Deutsch lernt. Seine Texte sind voller guter Ideen, Einfälle, komischer Seltsamkeiten und Schönheiten, und doch – und doch – bleibt alles seltsam optional. Vielleicht ist er der einzige reine Avantgardist, der keine organischen Zweitmotivationen hat, weiß einfach nicht, dass die anderen alle alle mit der Möse schreiben.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ etc. haben mit ihrem gleichzeitigen performativen und metareflektierenden Diskurs legitimiert, den Boden dafür zementiert, dass Assoziation oder, je nach Akademisierungsgrad, Wordfeldzugehörigkeit (Behördendenken?) als Rechtfertigung gilt für die Anwesenheit von Wörtern.

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Zwischen diesen kühlen Pfosten möcht ich gern die ganze Herde jagen, deren milde oder krass gemeinte Häufchen- oder Stilleben-Lyrik mir nichts sagt, und ihre Ausreden dafür werden sich mischen zu einem ohrenbetäubenden Gebrüll.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ auratisiert alles, macht aus den Wolken von Gleißen, die er so geil findet, immer wieder Blitzüberfälle auf politische oder philosophische Themen.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ lieben Resultate. ∎∎∎∎∎∎s ∎∎∎∎∎∎protokolle sind denkerischer Trost: in dem Aspekt lassen sie – eine Seltenheit – sehr wohl eine ernsthafte Antwort auf die Frage, wozu, zu. Als Resultate gelten auch Witze!

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ hat gezeigt, dass es Sport sein kann, nutzlose Disziplin und lustig. Dabei gehört er zu den Leuten, die mit dem Fuß aufstampfen könnten, wenn sie betonen, dass Lyrik nicht Kunstturnen sei! Ich glaube, sein perverser Geschmack fürs Bizarre und Opulente, nicht nur in der Dichtung, hat Herzensgründe, wenn auch konstruktionsmäßig alle Gedichte aus Bullshit bestehen.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎: Das Perverse, der Humor, der Geschmack für Bizarrerie: Vorliebe als Community-bildenden Wert. In welchem Verhältnis steht denn ein Besprechen oder gar Ausschlachten von Fetischen – die man ja in beliebiger Menge nachproduzieren kann –
zu normativen Poetiken oder einer Idee allgemein besprechbarer Qualität? Der Unterschied zwischen ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ ist übrigens deutlich: ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ begrüßen bekannte Topoi und zitieren Genres wie Fußfetischismus und Leichenschändung, die in der Lyrik bislang noch unpassend erschienen. ∎∎∎∎∎∎ erfindet neue Witze mit vielen Tieren und vergessenen Berufen.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ und diese Kling-Tradition: Dass es historische Referenzen haben kann und schmissig sein zugleich (Gerhard Richter); auffälliges Merkmal: Viel aufzulösendes historisches oder sonstiges Wissen steckt drinnen wie Schinken in einem Quiche, wie Vitamine in einer Brausetablette.

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Und ein Haufen irgendwie fader Dichter brachten auf die Idee, dass es langweilig wird, wenn es aus der eigenen Lebenswelt gezogen wird; dagegen ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, das ist ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, auch ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ betreiben, wie ein Fitnesscenter, eine kleine Kraftmeierei in krassen, bunten Bildern. Warum soll das langweilig sein? Es ist wie bei den Flarf-Gedichten in ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎‘ Flarf-Anthologie: Es wird alles in einen bestimmten Gedicht-Ton eingespeist, der so langweilig ist.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ dasselbe in sanft.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ aber, was ist ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎? Glatt – geht vielleicht Ideen und Einfällen auf den Leim noch mehr als ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, aber langsamer, nicht so heftig, systematischer, und man genießt diesen Raum – Textur, Figuration als Wert, aber niemand weiß genau, was das ist.

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Dann gibt es ein paar, die die ärgste Radikalität anstreben, aber die bleibt von der reaktiven Primitivität ihrer Gedanken beschränkt: ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎.

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∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎: halten noch die Berührung hoch, schlicht, wenn es schlicht IST, und dennoch subtil, Hinweise auf Komplexes, find ich gut die drei. ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, Herausgeber der ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, glänzt in bitter empfundenen Gedichten über Zivilisationsmüll und Natur, so blöd es klingt, mit Wortspielen, tief empfunden.

18

(∎∎∎∎∎∎)

*) Empfehlung der Red. L&Poe: hier nachsehen ob der eigne oder Lieblings-Gemüsegarten dabei ist und dann draufstürzen.

24 Comments on “13. Lyrikkatalog Berlin

  1. Betr. BEISPIELE FÜR LYRIKERTYPEN JENSEITS DER (AN)SCHWÄRZUNG:
    https://lyrikzeitung.com/2013/12/02/10-sein-novalis/
    2. Dezember 2013: 10. „Sein Novalis“

    Was Frank Kaspar in seinem „Die Welt“-Artikel vom 30.11.2013 über Steffen Popp erzählt, zeigt Popp als einen statistisch kaum zu erwartenden idealen glücksfall einer der lyrikertypen, die ich in meinen metasozialen antipoetik-essays unterscheide! Anhand von den skizzierten Poppschen poetologischen fantasien wie z.b.

    – Alles muss poetisiert werden
    – Poesie als Lebensform
    – die Mixtur für den Sprung durch die Sprachmauer
    – alle Bereiche des Lebens poetischen Kriterien unterwerfen
    – ein schöner-größer-tiefer angelegtes Ding jenseits von Gedichten
    – die Sehnsucht, die Grenzen der Sprache zu sprengen
    – symbolische Bewegungen begegnen im Gedicht Domänen jenseits der Sprache

    …wird jener „urschizophrene“ lyrikertypus (das ist NICHT im engeren sinne gemäß icd10 psychiatrisch zu verstehen sondern metaphorisch!) auf den punkt gebracht, den ich in meinem 2.essay-teil
    https://lyrikzeitung.com/2013/11/21/84-ggn-institut-metasoziale-antipoetik-teil-2/
    21. November 2013: 84. „G&GN-Institut: METASOZIALE ANTIPOETIK, TEIL 2“ so umschreibe:

    – „grundhoffnung in dem metaphysischen irrglauben an die magische macht der wörter als objekthafter ersatz…“
    – „motivation der ontologischen objektivierung von wörtern“
    – „entweder pubertär ichlos oder rational ichgläubig streng sachlich und sprachverliebt“
    – „den ich-zweifel als sprachzweifel unterdrücken und quasimythologische metaphern erfinden, die sich im wettstreit der wortspiele neologistisch verausgaben“

    …und dessen „urschizophrene objektkultiviertheit“ (vgl. zur begriffsklärung die blog-einträge somatoform.de nr.25-27 als grundlage der metasozialen essays!) aus der philosophisch dualistisch-„idealistischen“ gesinnung folgt, die eigentlich mit einsteins relativitätstheorie zu fall gebracht wurde, spätestens aber mit den empirischen beweisen der neurobiologie (die zu postmodernen philosophien wie dem „Radikalen Konstruktivismus“ und der „Evolutionären Erkenntnistheorie“ führten), aber aufgrund der LANGSAMKEIT INTERDISZIPLINIERENDER PROZESSE anscheinend immer noch nicht als solche erkannt (oder als solche zugegeben) wird, geschweige denn ihr anachronismus. das mag daran liegen, daß ein normaler rezipient von gedichten (sofern es diese normalität geben sollte) die wortspiele nicht automatisch auf ihre lebensphilosophische matrix hin analysiert (oder doch??? und deshalb die meiste lyrik als „lebensratgeber“ versagt?!?!?!), sondern sie eher wie einen guten oder schlechten kinofilm genießt, also die freude an (oder die abneigung gegenüber) den BILDERN an sich überwiegt anstatt deren existenzielle relevanz zu überprüfen. auch wird den lesern von poesie nur äußerst selten überhaupt „verraten“, daß gedichte NICHT NUR hedonistisch zu interpretieren sind, sondern vorallem eine psychologische ursache seitens des lyrikers haben! wie oft hört man die begeisterte frage eines lesers:

    „ach, wie kommt man bloß darauf, sowas zu schreiben? also mir würde sowas ja gar nicht erst einfallen, geschweige denn, daß ich mich trauen würde, das als gedicht zu veröffentlichen!“

    unter den leuten, die lyrik lesen, sind eben zahlreiche (vielleicht sogar die mehrheit?), die „fasziniert“ sind von der „künstlerischen freiheit“, zu der ein lyriker fähig ist, ohne zu ahnen, daß künstlerische FREIHEIT auch reziprok mit seelisch-geistiger UNFREIHEIT (zwanghaftigkeit, fixiertheit, ismischer fokussiertheit) einhergehen kann und nicht nur etwas „schönes“ zum konsumieren bereitgestellt wird, sondern eben auch ganz subtil dogmatische aussagen über das leben, den sinn, die welt, die seele etc pp gemacht werden, die der (aktuellen) LEBENSPHILOSOPHIE DES LYRIKERS entsprechen (der seine philosophische position während seines lebens durchaus verändern kann, wie z.b. manche dadaisten beweisen, die nicht immer weiter und noch mehr superdadaistisch altersweise wurden sondern ganz im gegenteil: zum tode hin erzkatholisch!!!), auch wenn dessen geistige voraussetzungen oftmals nicht explizit poetologisch erkennbar sind. insgesamt fehlt mir in allen „diskussionen“ (scheindebatten) über den wert der poesie und die bewertbarkeit von lyrikmachern deren ureigenes bedürfnis nach klärung psychophilosophischer grundlagen, als ob diese stillschweigend hingenommen würden, ohne sie literaturhistorisch-tiefenphilosophisch zu überprüfen und darzustellen. findet da nicht eine heimliche (vorsätzliche oder unbewußte?) VERTUSCHUNG VON VORAUSSETZUNGEN statt, weil manch ein eher „epigonisch“ oder „engagiert“ orientierter lyriker nicht als solcher enttarnt (& schubladisiert) werden möchte? angriffe seitens kollegen wie thien tran gegen mich, daß ich „esoterisch“ (und das hieß für ihn: nicht diskussionswürdig!) ausgerichtet sei, empfand ich in diesem zusammenhang wirklich erfrischend, weil es zumindest ein (wenn auch gürtellinienunterschreitender) versuch war, NICHT NUR nach dem persönlichen geschmack zu diffamieren, sondern theoretische ansätze/adjektive dafür zu bemühen! ich empfinde die tiefenanalytische seite des menschen in all dem fragen nach der bedeutung von lyrik meist als vernachlässigt und sehne mich nach einer echten, ernstgemeinten, existenziell authentischen SELBSTTRANSZENDENZ DER LYRIKSZENE in metapoetologisch-menschlichen modellen, mit deren hilfe sich die jeweilige arbeit eines lyrikers an sich besser begreifen (und vielleicht sogar wertneutral einordnen?) ließe, so wie Steffen Popps ansatz durch Frank Kaspars beschreibung für mich jedenfalls ein wenig deutlicher wurde (ohne daß ich zugegebenermaßen bisher ein einziges gedicht von ihm gelesen hätte, was ich allerdings nun neugierig nachholen werde!!), auch wenn sich dort die psychologische komponente ebenfalls vermissen lässt, die spannend und aufschlussreich sein könnte in dem sinne, wie ich es in meinem essay an dieser stelle meinte:

    „Aber worüber sich jeder, der denkt und poetisch schreibt, einigermaßen rechenschaft abzulegen bereit sein sollte, sind die psychologischen grundausstattungen seiner eigenen wahrnehmung von welt & seele, um die generelle motivation zur kreativität nachzuvollziehen, damit weder der dichter noch seine leser vom werk etwas verlangen, was rezensionen behaupten oder der klappentext einem verklickert.“

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  2. die Namen zu schwärzen, statt sie als konkrete Beispiele für etwas, dessen man „namhaft“ werden möchte, zu sehen, finde ich wenig produktiv für einen Diskurs, der auch Teil eines gesellschaftlichen Diskurses sein könnte – welche Empfindlichkeiten! Das kann ich nicht nachvollziehen …

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  3. Wie albern wäre ein Ratespiel. Nicht nur, weil es, wenn es sie überhaupt gibt, immer andere Parameter sind.
    »Im Sinn von Ann«: Ich weiß nicht, worin dieser Sinn besteht außer im Anncottenschen Spiel. Dafür mag ich den Text auch (und hätte nicht Michael Gratz darauf aufmerksam gemacht). Warum nicht mal Spielplatz. Warum sich nicht mal kurz schütteln und sagen: morph morph, Rinckotten, I’ll show you.
    Dass das mit Shane Anderson perfide ist, ist ein anderes Blatt. Müssen die beiden regeln, vielleicht per Schachboxsonett.

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    • mit „im sinn von ann“ meine ich, dass durch schwärzung/weißung des verfasser-ichs an der genannten stelle peinlichkeit getilgt wird. „gespielt“ oder nicht ist mir dabei egal, wie jede art von autor-intention, die schließlich immer nur banal sein kann oder verzwergt.

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  4. Namen schwärzen, come on – das ist doch Stasischeiße. Entweder Ann steht zu dem, was sie schreibt – und warum sollte sie nicht –, oder sie zieht es zurück. So ist es nur ein weiteres Abziehbild von zusammengekniffenen Pobacken, und davon (hier stimme ich Falkner mal zu) haben wir – im Gedicht wie im richtigen Leben – schon genug.

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    • stasi, nana. die ham infos gehortet, nicht gelöscht. höchstens die heutige behörde schwärzt da, um täter? oder im zweifel unschuldig betroffene zu „schützen“, oder vielleicht ehen nicht zu gefährden. sowas steht wohl hier nicht zu befürchten. außerdem gabs hier gut 2000 klicks vor schwärzung, jeder ders wissen wollte hat es lesen. jetzt ists eher ein spiel – die namen stehn ja drunter. wünsche fröhliches namenraten. steffen popps honigprotokolle ha’ck schon ma identifiziert.

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      • du hast natürlich recht – ich wollte auch erst „gauchbehörde“ schreiben, euch dann aber etwas ärgern lieber. egal – wenn das ratespiel funktionieren soll, müsste man auch die titel der gedichtbände schwärzen, sonst ist das ganze nutzlos. und vlt. auch das bereits in den kommentaren belachte „ich“ der verfasserin nach monika rinck – auch das kann glaube ich nur im sinn von ann sein. aber, mal ehrlich, all das ist doch ein ziemlicher schmarrn, ohne genauere text-analyse – genau die art von allgemeinem zeug, das keiner mehr lesen mag. das fällt nur auf ann zurück, was schade ist, weil sie’s klar besser kann – siehe ihren aufsatz im jüngsten text+kritik-heft zu falkner, der richtig gut ist.

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  5. ich wollte ja erst nicht, bin aber dann dem vorschlag von ann cotten gefolgt und hab alle namen geschwärzt. jetzt ists hat ein ratespiel, die meisten kann man eh erraten. und es sagt ja auch so was über die lyrikszene aus. jetzt könnte man ja auch durch mischung der namen andre karten erstellen.

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  6. wenn angeblich alle so verwirrt sind, mit verlaub, dann hätte ich eine idee, wie man das in anns essay symbolisch darstellen könnte (und bei der idee muß ich an den angeblich ach so „primitiven“ schittko denken, der GANZ VORZÜGLICH KOMPLEXE AUF DEN PUNKT GEBRACHTE lyriken fabriziert, die von verwirrten garantiert als verwirrend empfunden werden, obwohl sie galsklar sind): indem eine unzahl von versionen der „ganz schnell für einen abend in graz“ ingeworfenen weddinger metaphernkultur hergestellt werden, in denen jeweils ALLE autorennamen gegen jeweils EINEN EINZIGEN ausgetauscht werden, so daß JEDEM autor pro version ALLE stichelein angehängt werden. dann fühlt sich zumindest JEDER KOMPLETT mißverstanden und in ALLEN facetten des gestocherten legitimiert anstatt nur 1 einzige kleine fettecke abzukriegen 🙂 auch die putzfrau der ddorfer akademie hat ja die GANZE fettecke aus der beuysianischen badewanne entfernt, es wäre viel kunstfeindlicher gewesen, nur einen kleinen teelöffel abzuschöpfen, als ob der rest dann noch kunst sei. also, ICH jedenfalls würde mich geehrt fühlen, wenn anns text NUR MEINEN namen beinhalten würde, dann würde ich denken: wow, die frau hat sich wirklich die mühe gemacht, mich RUNDUM mißverstehen zu wollen – was für ein feiner guerillaspaß!!! aus dem blickwinkel einer verwirrten erscheint einfach alles als projektion der EIGENEN unzufriedenheit mit sich selbst, und DARUM empfinde ich die (zumindest versuchte) sublimierung auf abstraktere levels zur veröffentlichungstauglichkeit sinnvoll. DESHALB habe ich auch zum beispiel in meinem eigenen „metasozialen antipoetik“ essay NICHT anns verwirrtheit im salon explizit erwähnt, sondern mich bemüht, „wohlwollend“ der SACHE, dem THEMA der veranstaltung gerecht zu werden… (außerdem hatte ich natürlich schiss, wiedermal angegiftet zu werden, so wie ann nun getadelt wird) – ach, wenns doch nur ein privater stammtisch-tratsch wäre, dann hätte ihr text einen riesen unterhaltungswert unter alkoholeinfluss, denn da macht das sticheln & stochern ja durchaus spaß, aber vorallem, weil ALLE am tisch AKTIV daran mitbeteiligt sein können, sich gegenseitig zu vernichten und dabei herzlich zu lachen… so hab ich ann jetzt jedenfalls verstanden, und diesen derben humor mag ich (und hab ihn ja auch selbst früher schon falsch/einseitig hier „öffentlich“ gemacht…) – und die DÜNNHÄUTIGKEIT, tja, die haben wir künstler zum glück noch nicht im alltagsschwachsinn verdickt!

    „Verarmt nicht eine Gesellschaft, die den dünnhäutigsten ihrer Mitglieder nicht mehr zuhört? Jenen, denen das selbstverständliche Leben unerträglich ist, die verrückt werden über Zynismus, Selbstzufriedenheit und Grausamkeit?“
    Julia Friedrichs, in: WAREN DIE HEILIGEN VERRÜCKT?
    (27.3.2013, Zeitmagazin Nr.14)

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  7. K. Ames hätte seinen vernünftigen Kommentar ruhig stehen lassen sollen. So ganz verstehe ich seinen Rückzug nicht. Herrn de Toys stimme ich zu, Kompliment. Hat mir gut gefallen. Passt wohl genau. Es bleibt die Frage:
    Glaubt Frau Cotten denn tatsächlich, dass sie so „schnoddrig“ irgendwas anregen könnte? Vergessen hat sie übrigens einen ganzen Haufen von fest in Berlin verwurzelten jüngeren Dichtern…Ich frage mich,, ob man diese selbstgerechten Thesen und Verknüpfungen (Monika Rinck und ich) tatsächlich ernst nehmen soll? Und ja, hier lesen auch Menschen, die keine Gedichte schreiben, aber ungefähr alles kaufen und lesen, was in diese Genre aufgelegt wird.

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  8. auf bitten eines autors und ann cottens habe ich zwei namen gestrichen. wenn noch jemand dasselbe wünscht, mail an mich (bitte nicht per kommentar, ist schon so genug heckmeck).
    ich finds unnötig, aber was solls. kürzlich hatten wir eine reihe anonymer schmähkommentare, auch da wurde zensur gewünscht, was bei anonymen stellungnahmen nachvollziehbar ist. in diesem fall eher nicht. es gibt dieses gedicht von peter paul zahl, zu widersprüchlichen gerichtsurteilen im namen des volkes gegen ihn, das endete: „können das die völker nicht unter sich ausmachen / und mich da rauslassen?“ (aus dem gedächtnis zitiert, zahl wird mich nicht verklagen. würde auch wenn er lebte nicht.) ann cottens schnoddrige kartierung „der berliner szene“ ist ja nicht im namen des volkes gesprochen und geht nicht als geltendes urteil in die geschichte ein. es ist einfach ann cottens momentane äußerung, mehr nicht. ich hätte mir vorstellen können, daß man andere danebenstellen oder positionen diskutieren könnte. aber das ist wohl nicht üblich. schade eigentlich.

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  9. alle geben doch andauernd in allen medien ad nauseam zu dass sie verwirrt sind, was bringt das irgendwen weiter? was den abend im salon des amateurs in düsseldorf betrifft, hatte meine verstörung ganz andere gründe, von denen du nichts wissen kannst, wurde aber augmentiert durch das kleine dilemma, jemandem, der mir immer schon persönlich unsympathisch war und das nicht schnallte oder so tat als ob er es nicht schnallte um bei den üblichen reziprozitätsheischenden nettigkeitsritualen bleiben zu können, bei jemandem, der grad woanders war, freien eintritt verschaffen zu sollen, es tut mir leid, dass es mir nicht gelang. und in der tat, sobald er drinnen war, was ich ja eben im herzen grad so gar nicht wollte, missverstand er schon wieder alles und giftelte innerlich vor sich hin, ohne es nach aussen zugeben zu können, weil er ja so ein netter ist.

    tatsächlich, die meisten habe ich in meiner farce nicht erwähnt, hab ich das nicht im text selbst erwähnt? es war übrigens ganz schnell für einen abend in graz im vereinslokal CunTra la Kunsthure geschrieben mit dem nebenzweck, die berliner szene vorzustellen. dabei wollte ich die diskussion öffnen auf die vielleicht nicht immer (bei mir gewiss nicht immer) hehren hinterzimmer des kunstwillens, indem ich so karikiere, dass es zur verteidigung reizt. etwas fahrlässig stimmte ich der veröffentlichung zu, ohne den text nocheinmal zu bearbeiten.

    ich will also möglichst deutlich noch nachträglich dazusagen, dass mir erst jetzt so richtig bewusst wird, dass dieser spaß auch wirklich verletzend sein könnte (so veröffentlichungsverkommen bin ich in der tat leider schon, dass mir eben so was passiert), und mich dafür entschuldigen, und versichern, dass die stocherei wenn sie stichelei ist so doch wenigstens in meinem kopf als freundliche gemeint war, weil ich es als selbstverständlich ansehe, dass man es wirklich nur liebenswert finden kann, wenn leute gedichte schreiben. die unterschätzung der dünnhäutigkeit der kollegen schuldet sich mithin auch der recht robusten häuslichen metaphernkultur bei uns im Wedding.

    Im Spezifischen möchte ich eine Bitte von NN an die Redaktion weiterzuleiten, sein Name möge ausgeweißelt werden. Eventuell wäre es reizvoll, dies gleich bei allen Namen zu tun, sodass nur mehr geraten werden kann, wer gemeint ist.

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  10. „Es ist das Zeitalter der Dissoziierung, der Zersplitterung, wo man zwar unter ihr leidet, aber sein Heil nirgends sucht als in ihr. Ja?“

    „DISSOZIATIVE LYRIK“ nennt übrigens der kölner lyriker und kunsttherapeut prof. dr. peter rech seine gedichte schon lange, aber mit „leiden“ und „heil“ hat das nicht notgedrungenermaßen zu tun, sondern mit postmodernen tendenzen und einem psychoanalytischen blickwinkel, der eher von lacan als von freud kommt. hier ein beispiel, das gedicht „P“, das die so gut informierte ann bestimmt kennt, auch wenn sie peter rech und andere AUSSERHALB BERLINS nicht erwähnt:

    http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/09-nahbell-preis-2008-prof-peter-rech/

    insgesamt wirkt anns essay ebenso tunnelblickmäßig hyperventilativ wie ich sie auch im salon des amateurs leibhaftig empfunden habe: sie wirkt restlos überfordert auf anfragen und zittert & zitiert verwirrt irgendwas anstatt zuzugeben, daß sie verwirrt ist – weshalb ihr titel AUSREDEN für mich sehr viel über ihren versuch aussagt, irgendetwas unbedingt aussagen zu wollen – sie ist wie ein küken, das man zu früh auf die rennbahn zum eierlegen geschickt hat und nun nur loser dotter ohne schale herauskommt. aber vielleicht hätte sie diesen doch amüsanten text sonst gar nicht schreiben können, und trotz seiner eindimensionalität des begriffsdroppings ist er ja eine nette bettlektüre. UND ÜBERHAUPT: MEHR META! VON ALLEN SEITEN! DAS SPIEGELKABINETT DER POETIKEN ERWEITERN, aber im mittelpunkt den menschen fokussieren, der durch das kabinett wandelt, anstatt den glanz oder die mattheit der spiegelflächen zu beanstanden, wozu ich mich jetzt auch herabließ, weil der essay einfach eine farce ist. ja, da bekenne ich farbe, leider nötig…

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