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Veröffentlicht am 2. Mai 2026 von lyrikzeitung
101 Wörter, 1 Minute Lesedauer
Tanja Dückers
Als ich noch betrunken war
Als ich noch betrunken war
habe ich dich gezeichnet
mein Zeigefinger blutverschmiert
Als die Zeichnungen noch
unbeholfen waren
wurde ich für alles und nichts gelobt
als alles und nichts noch möglich
und die Silbe »un« nicht bekannt war
kam jemand vorbei und sagte
Du bist nicht jung sondern verrückt
Als ich verrückt und jung nach dir war
habe ich aus dem Nichts heraus
gezeichnet nicht einmal dich
nur Zeichen aufs Papier geschmiert
deren schwungvollem Lauf
die Linie deines Nackens inne war
Aus: Tanja Dückers, Fundbüros und Verstecke. Gedichte. Frankfurt/Main: Schöffling & Co., 2012, S. 31
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Als ich noch betrunken war, deutsche Lyrik, Erinnerung, Fundbüros und Verstecke, Gedicht, Gegenwartslyrik, Identität, Jugend, Liebesgedicht, Schöffling & Co., Selbstfindung, Tanja Dückers, Zeichnung
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