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Veröffentlicht am 3. Mai 2026 von lyrikzeitung
120 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Barbara Köhler
(* 11. April 1959 in Burgstädt; † 8. Januar 2021 in Mülheim an der Ruhr)
Endstelle
für Fritz
DIE MAUERN STEHN. Ich stehe an der Mauer
des Abrißhauses an der Haltestelle;
erinnre Lebens-Läufe, Todes-Fälle,
vergesse, wem ich trau in meiner Trauer.
SPRACHLOS UND KALT: mein Herz schlägt gegen vieles
– nicht nur die Gitterstäbe in der Brust –
und überschlägt sich für ein bißchen Lust
und schlägt sich durch zum Ende dieses Spieles.
IM WINDE KLIRREN Wörter, Hoffnungsfetzen,
Nach-Ruf für die, die ausgestiegen sind
vor mir. Warum noch schrein. Es reißt der Wind
DIE FAHNEN ab. Was soll mich noch verletzen;
Verlust liegt hinter mir, vor mir die Schlacht-
Felder im Halblicht, zwischen Tat und Nacht.
Aus: Barbara Köhler, Deutsches Roulette. Gedichte 1984-1989. FrankfurtMain: Suhrkamp, 1991, S. 39
Kategorie: DDR, Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Barbara Köhler, deutsche Gegenwartslyrik, Deutsches Roulette, Endstelle für Fritz, Friedrich Hölderlin, Gedicht über Abschied, Gedicht über Trauer, Gedicht Barbara Köhler, Gedichte 1980er Jahre, Haltestelle Gedicht, Hälfte des Lebens, Mauer Motiv Lyrik, moderne deutsche Lyrik, Suhrkamp Lyrik, Verlust und Erinnerung, Wind Motiv Gedicht
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