Schlagwort: Lyrik

Himmel grüsst zart. Bietet dir Schluss

Niemand grüsst.
Niemand ein Wort.
Nie ruft den Namen
Dir Stimme des Menschen.
Würge dir ein
Hungers Wege.
Aufwärts! da oben
klingende Türe.
Verhungert.
Himmel grüsst zart,
Bietet dir Kommen und Schluss. //

Und dennoch

Als wär ich todkrank gewesen,
muß neu ich die Welt beginnen,
jede Gestalt neu erlernen,
neue Wortgefüge ersinnen. //

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Majestät stolziert durch die Straßen

269 Wörter, 1 Minute Lesedauer. In der ersten Ausgabe des „allerletzten Revolverblattes von Prenzlauer Berg“, TorTour, veröffentlichte Bert Papenfuß seine Fassung eines Gedichts des russischen Futuristen Welimir Chlebnikow. Ich verzichte heute auf das Original. Vielleicht können wir uns darauf einigen: Seine Fassung möchte nicht… Continue Reading „Majestät stolziert durch die Straßen“

Ihr Worte. Ingeborg Bachmann 100

Das Wort
wird doch nur
andre Worte nach sich ziehn,
Satz den Satz.
So möchte Welt,
endgültig,
sich aufdrängen,
schon gesagt sein.
Sagt sie nicht.

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Wer klopft da schon noch an?

Und mir fällt ein Gedicht ein /
Das mich mit vierzehn mal vor dem /
Abgang bewahrt hat /
Obwohl es von Reiner Kunze ist: //

„Die letzte aller Türen /
Doch nie hat man /
An alle schon geklopft“ ///

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Jüdischer Friedhof

Ein Nachmittag verbracht mit einigen Bewegungen /
des Lichts auf sehr alten Steinen. //

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Hellmut Seiler †

Fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung wirkt das Gedicht unvermindert kraftvoll. Es erinnert an eine Literatur, die unter schwierigen Bedingungen Freiräume schuf und deren Autoren für sprachliche Unabhängigkeit hohe persönliche Risiken eingingen.

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Der die Sprache beherrscht

Was hör‘ ich? Wer vor einem Bild sich nicht traut
zu sprechen, wird vor dem Gedichte laut?
Das macht, er selbst kann nicht malen, doch sprechen,
drum kann er sich gleich an dem Sprachwerk rächen.

Richard Pietraß 80

Im Strichjahr meiner Geburt
War die Welt nicht heil
Daß sie es wenig wurde
Trag ich geringes Teil

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Geborgn

Wenn man sich auch nur ein bißchen dafür interessiert, was man heute mit Sprache alles machen kann, dann sollte man sich Susanne Eules Gedichte anschauen. Wenn man sich aber dafür interessiert, was Sprache mit einem machen kann, dann muß man es sogar.

Wir sind so ermüdet von Träumen

Wir sind so ermüdet von Träumen,
Erstanden in dämmernden Räumen,
Und gleiten wie Blätter von Bäumen,
Die sonnenverlassen sind.

„Verdeckt nicht den Wahnsinn“ – Allen Ginsberg 100

Ein Nacktmahl ist unsrer Natur gemäß,
wir essen Brot mit Realität belegt.
Allegorien bilden so viel Blattsalat.
Verdeck nicht den Wahn.

Dagmar Nick zum 100.

Von den Kentauren
hab ich die Liebe gelernt
und den Raub
und schneller zu sein
als die Jäger

Befreie!

258 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Heute vor einem Jahr ist die Saßnitzer Lyrikerin Irmgard Senf kurz nach ihrem 90. Geburtstag an den Folgen einer Operation gestorben. Sie hinterließ das Manuskript eines neuen Gedichtbandes, aus dem ich hier ein Gedicht vorstelle. Eine Eigenart ihrer poetischen… Continue Reading „Befreie!“

Der Raum reißt

Da ist ein Riss in der Wand, geht quer
über die weiße Raufasertapete gleich hier.
Ist er über Nacht gekommen, will er bleiben?