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Veröffentlicht am 11. Juni 2026 von lyrikzeitung
202 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Zum 80. Geburtstag des Lyrikers Richard Pietraß sein Gedicht auf das Geburtsjahr 1946.
Richard Pietraß
(* 11. Juni 1946 in Lichtenstein (Sachsen))
1946
Im Stichjahr meiner Geburt
War die Welt nicht heil
Meinem gejagten Vater
Brannte das Hinterteil
Meine brave Mutter
Hat mich hungernd getragen
Ihre wortlose Güte
Ist nie zu Buche geschlagen
Den Geschwistern dreien
Bin ich Mitesser gewesen
Sie werden mir verzeihen
Wenn sie die Zeilen lesen
Der Himmel lag in Scherben
Noch Gott gebrachs an Leim
In Asche gingen die Erben
Und suchten die Wälder heim
Wer einen Schuppen gefunden
Genoß die ärmliche Lust
Die Mütter zählten die Stunden
In der milchleeren Brust
Im Strichjahr meiner Geburt
War die Welt nicht heil
Daß sie es wenig wurde
Trag ich geringes Teil
Aus: Richard Pietraß: Notausgang. Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau, 1980, S. 47
Heute wird der Dichter, Übersetzer und Herausgeber Richard Pietraß achtzig Jahre alt. Seit den 1970er Jahren gehört er zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Lyrik. Besondere Bedeutung gewann Richard Pietraß auch als Entdecker und Förderer anderer Autorinnen und Autoren. Als Herausgeber (Poesiealbum, Temperamente), Anthologist und Gesprächspartner hat er die deutschsprachige Lyrik über Jahrzehnte mitgestaltet und zahlreichen Stimmen Öffentlichkeit verschafft.
Lieber Richard, alles Gute zum 80. Geburtstag! Sto lat!
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: 1946, 80. Geburtstag, Aufbau-Verlag, Übersetzer, DDR-Literatur, deutsche Lyrik, Deutsche Nachkriegsliteratur, deutschsprachige Dichtung, Geburtsjahrgang 1946, Gedicht, Gegenwartslyrik, Herausgeber, Kriegskinder, Literaturgeschichte, Lyrik, Nachkriegserfahrung, Nachkriegszeit, Notausgang, Poesiealbum, Richard Pietraß, Sto lat, Temperamente
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