dunst

89 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Simone Scharbert

ein gebrechen im tag: wir 
nennen es angst und 
flüstern uns fäden zu, lang 
und endlos, die 
wir um unsere hände 
spulen, so machen wir 
garnrollen aus angst, die 
wir durch unsere rippen 
ziehen, durch deine und durch 
meine, ineinander die fäden 
weben, einen über den anderen 
legen, immer wieder, bis 
etwas außerhalb der sichtbarkeit 
entsteht, ein dünnes 
brustkorbgeflecht, farblos 
bestimmt, zerbrechlich 
vielleicht, und 
das uns doch hält:

wir nennen es dunst.

Aus: Sachen mit Wœrtern. Zeitschrift für Literatur und Ähnliches, 4. Ausgabe Juli 2014, S. 9

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