Getagged: Anthologien
49. Formbewusste Kollektivgedichte
Trotz Google-Word-Dokumenten und aller technischen Finesse, die das Herz der Kollektive höher schlagen ließe: Es gibt gar nicht so viele Autoren, die ernstzunehmend in literarischen Arbeitsgemeinschaften produzieren. Dabei hat das italienische Kollektiv Wu Ming, eine Nachfolgegruppierung der anarchischen Luther-Blissett-Bewegung, vorgeführt, wie solche Formationen Literaturgeschichte schreiben können. Das Berliner Lyrikkollektiv G13 geht bescheidener zu Gange. Seit fünf Jahren treffen sich seine nach 1980 geborenen Mitglieder, um ihre Gedichte zu diskutieren und gemeinsame Formen von lyrischer Performativität auszuprobieren. Nun haben die derzeit vierzehn Berliner Orpheuse die Anthologie „40 % Paradies“ herausgebracht, mit deren Qualität sie ihrer Gruppendidaktik ein großes Kompliment machen. Die Gedichte sitzen. Dabei sind sie weder großspurig noch experimentell angelegt, sondern auf tastende Art formbewusst, als suchten sie zumindest nach formalen Schutzräumen, „irgendwas, an dessen wundgescheuerter innenseite man einschlafen könnte“. / Astrid Kaminski, Berliner Zeitung 9.2. S. 10
G13: 40 % Paradies Luxbooks, Wiesbaden 2012. 152 Seiten, 24 Euro.
39. Sonst nichts? Doch.
Warum trifft man immer wieder auf jüngere Dichterinnen und Dichter, die auf irgendeine Weise mit Westfalen verbandelt sind?
Nicht daß mich die Frage sonderlich umtreibt. Ich gucke mal lieber, ob außer Westfalen auch gutes Texte da sind. Und tatsächlich, viele gute Namen. Na also.
Dabei hatten sie es nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, auf eine historische Anthologie abgesehen – etwa von Annette von Droste-Hülshoff bis Herbert Grönemeyer – , sondern trugen junge gegenwärtige Lyrik zusammen, insgesamt zweiunddreißig Dichter und Dichterinnen in alphabetischer Reihenfolge, Herausgeber eingeschlossen, darunter mit Nicolai Kobus, Jan Skudlarek, Dagmara Kraus, Hendrik Jackson, Sabine Scho und Hendrik Rost weitere GWK-Förderpreisträger. Und es ist bereits bezeichnend für die Sinnhaftigkeit des Unternehmens, dass – würde man in dem Buch etwa nicht den geringsten Hinweis auf den Landstrich Westfalen finden – diese Anthologie trotzdem als aktuelle Sammlung deutschsprachiger Gegenwartslyrik durchgehen würde. In diesem Sinne ist der Titel „Westfalen, sonst nichts?“ auch eher augenzwinkernd zu verstehen, die Betonung liegt also schwergewichtig auf dem Fragezeichen. (…)
Eine ganz andere Saite schlägt die aus Iserlohn stammende Lyrikerin Angela Sanmann an. Sie steuert der Sammlung mit den Gedichten „mandeln und mahdia“ oder „ticken“ (Seite 130/131) bezaubernde surreale Gleichnisse bei: „du hast den wecker an den baumstamm genagelt // jetzt sitzen wir davor und fragen / uns jede stunde abwechselnd nach der uhrzeit // wir wollen so genau wie möglich sein / in der bestimmung unseres kleinsten / gemeinsamen nenners“
Den Facettenreichtum der Anthologie unterstreicht schließlich der Hammenser Jan Skudlarek, der sich als ein Meister des Enjambements erweist, dessen Texte durchgängig Überraschungsmomente bergen und eine stete Spannung bis zum Ende halten: „ich leuchte im dunkeln – wie ein hirn in seinem / tank. ein kurzer moment der unachtsamkeit und / der kirchturm perforiert den himmel“ („magische pilze, sixtinische lamellen“, Seite 153) Kurz gesagt, in diesem Buch kann jeder seine Favoriten finden, aber vor allem nichts Uninteressantes. Mein persönliches Highlight sind die fünf Gedichte des Warendorfers Daniel Ketteler auf den Seiten 79-83, die mit ihrem musikalischen Drive, ihrem Ideen- und Bilderreichtum, ihrem liebevollen Sarkasmus mich zu wiederholtem Lesen animieren. / Dominik Dombrowski, Fixpoetry
Adrian Kasnitz / Christoph Wenzel (Hrsg.): Westfalen, sonst nichts? Eine Anthologie. Gedichte, 200 Seiten, 14,00 Euro, ISBN: 978-3-9813587-2-8. parasitenpresse Köln + [SIC]-Literaturverlag Aachen, Zürich 2013
101. Grünbein wie ein Hund (19 zu 70)
Eine schöne Idee*: „Lyrikerinnen und Lyriker der Gegenwart stellen sich vor“. Dirk von Petersdorff legt 19 Gedichte von Frauen und 70 von Männern vor, die die sich ausgesucht hatten, um zu sagen, zu zeigen, wer sie sind. 17 von ihnen sind vielleicht nicht für diese Sammlung geschrieben, aber hier doch erstmals veröffentlicht. Wolf Wondratscheks Gedicht zum Beispiel hat er zwar geschrieben, stammt aber, wie hinten bei den Nachweisen erklärt wird, aus dem Besitz von Dr. med. Wolfgang te Breuil. Man stellt sich vor, wie Wondratschek seinem Arzt Gedichte geschenkt hat wie mancher Maler mit seinen Bildern Rechnungen bezahlt. Vielleicht aber ist es ein Geschenk unter Freunden, und es gibt überall auf der Welt bisher unveröffentlichte Gedichte von Wondratschek, die er verstreut hat. Einfach aus Lebensfreude. Dieses hier ist ein Gedicht vom Ende, ein Gedicht auch wie von Descartes:
„Es kommt vor, daß wir in Zügen sitzen,
die durch die gelbe indische Nacht fahren.
Wir haben aufgehört zu schlafen.
Wir glauben nicht mehr, daß wir träumen.
Ja, es kommt vor! Es kommt vor, daß es dort,
wo wir hinfahren, keine Bahnhöfe mehr gibt,
keine anderen Reisenden außer uns,
am Ende nicht einmal mehr den Zug,
in dem wir sitzen.“
Der älteste Dichter in diesem Band ist Günter Grass, Jahrgang 1927. Die jüngste Autorin Theresa Hahl, geboren 1989 in Heidelberg. Sie hat eines der längsten Gedichte beigesteuert und auch das mit der längsten Zeile: „spült das auch immer ein bisschen gefühl durchs rippengemühl“. Theresa Hahl steuert auch das längste Wort bei: „ventrikelverdichtungsverschluss“ und sie spricht vom „gefühlsbausatz mensch“. (…) Der Versuch, sich den Gefühlen zu nähern, sie – frei von aller Empathie – zu verstehen, ist heute so reizvoll und nötig wie vor zweihundert Jahren. Die alphabetische Anordnung der Autoren fügt es, dass gleich nach Theresa Hahl Ulla Hahn kommt und sofort ist ein ganz anderer, ein gegensätzlicher Ton da:
„Für
All die geschundenen Körper zerrissenen Seelen
Gesichter ohne NAMEN ohne Gesicht“
Es macht den Reiz solcher Sammlungen aus, dass der Leser sehr Unterschiedliches, Popsongs und Durs Grünbein, zu sehen bekommt, dass er sich wie ein Hund hinlegen kann, wo er gerade Lust hat. / Arno Widmann, FR
*) sagt Arno Widmann
12. Frauenanteil
Frauenanteil in einigen Lyrikanthologien 1859-2011 (Prozent)
| Storm Liebesl. 1859 | 2,3 | ||
| Anthologie der Abseitigen 1946 | 6,9 | ||
| Pantheon 1957 | 6,0 | ||
| Hohoff Flügel d. Zeit 1956 | 10,8 | ||
| In dies. bess. Land 1966 | 5,5 | ||
| Lyrik der BRD Reclam Leipzig 1985 | 15,9 | ||
| Die Eigene Stimme DDR 1988 | 16,5 | ||
| Ly-Jb. 9, 1993 | 16,7 | ||
| Quellenkunde 2007 | 33,3 | ||
| BELLA triste 2007 | 29,4 | ||
| Neubuch 2008 | 44,0 | ||
| Laute Verse 2009 | 37,5 | ||
| freie radikale lyrik 2010 | 76,9 | ||
| Ly-Jb. 2011 | 39,1 | ||
126. Jeder Tag ein Gedicht
Der deutsche Lyrikkalender 2013 · Jeder Tag ein Gedicht – lange drauf gewartet, aber jetzt ist er ja da – und zwar in der nunmehr 9. Ausgabe mit 365 Gedichten von mehr als 300 Autoren. Shafiq Naz, der Herausgeber, garantiert, wie in jeder Ausgabe, eine reichhaltige Auswahl klassischer, moderner und zeitgenössischer Gedichte unterschiedlichster Epochen, Stilrichtungen und Stimmen: Gedichte zum Lachen, Gedichte zum Weinen, Gedichte zum Reflektieren und Diskutieren. Erstmals sind zahlreiche Gedichte mit Kommentaren zeitgenössischer Autoren versehen, was dem Kalender zusätzliche Lebendigkeit verleiht.
Der deutsche Lyrikkalender · Jeder Tag ein Gedicht · mit Gedichten von ABRAHAM A SANCTA CLARA (1644-1709) WILLI ACHTEN (1958) HANS ADLER (1880-1957) WOLF VON AICHELBURG (1912-1994) ANDREAS ALTMANN (1963) MICHAEL ARENZ (1954) MICHAEL AUGUSTIN (1953) ROSE AUSLÄNDER (1901-1988) KURT BARTSCH (1937-2010) INGEBORG BACHMANN (1926-1973) WOLFGANG BÄCHLER (1925-2007) KERSTIN BECKER (1969) FRANZ JOACHIM BEHNISCH (1920-1983) ULRICH JOHANNES BEIL (1957) HANS BENDER (1919) GOTTFRIED BENN (1886-1956) EVA-MARIA BERG (1949) ULRICH BERGMANN (1945) JÖRG BERNIG (1964) BEPPO BEYERL (1955) WOLF BIERMANN (1936) RUDOLF GEORG BINDING (1867-1938) HORST BINGEL (1933-2008) NICO BLEUTGE (1972) PAUL BOLDT (1885-1921) JOHANNES BOBROWSKI (1917-1965) MIRKO BONNÉ (1965) ELISABETH BORCHERS (1926) WOLFGANG BORCHERT (1921-1947) NICOLAS BORN (1937-1979) IRÈNE BOURQUIN (1950) BERTOLT BRECHT (1898-1956) MARKUS BREIDENICH (1972) CLEMENS BRENTANO (1778-1842) THEO BREUER (1956) ROLF DIETER BRINKMANN (1940-1975) JÜRGEN BRÔCAN (1965) BARTHOLD HEINRICH BROCKES (1680-1747) ELIZABETH BARRETT BROWNING (1806-1861) HELWIG BRUNNER (1967) WERNER BUCHER (1938) JOSEPH BUHL (1948) WILHELM BUSCH (1832-1908) CHRISTINE BUSTA (1915-1987) GEORG BYDLINSKI (1956) PAUL CELAN (1920-1970) ADELBERT VON CHAMISSO (1781-1838) MANFRED CHOBOT (1947) KARL OTTO CONRADY ( (1926) ANN COTTEN (1982) CRAUSS. (1971) KLAUS PETER DENCKER (1941) FRITZ DEPPERT (1932) STEFAN DÖRING (1954) DOMINIK DOMBROWSKI (1964) HILDE DOMIN (1909-2006) NIKOLAUS DOMINIK (1951) JUTTA DORNHEIM (1936) ULRIKE DRAESNER (1962) ALEX DREPPEC (1968) ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF (1797-1848) CLEMENS EICH (1954-1998) GÜNTER EICH (1907-1972) JOSEPH VON EICHENDORFF (1788-1857) FRIEDRICH EISENLOHR (1889-1954) CARL-CHRISTIAN ELZE (1974) PETER ENGEL (1940) HANS MAGNUS ENZENSBERGER (1929) MANFRED ENZENSPERGER (1952) ELKE ERB (1938) PETER ETTL (1954) KARL ETTLINGER (1882-1939) JOLANDA FÄH (1956) TOBIAS FALBERG (1976) BRIGITTE FALKNER (1959) GERALD FIEBIG (1973) CHRISTIAN FILIPS (1981) JULIETTA FIX (1957) PAUL FLEMING (1609-1640) THEODOR FONTANE (1819-1898) ERICH FRIED (1921-1988) WALTER HELMUT FRITZ (1929-2010) BRIGITTE FUCHS (1951) GÜNTER BRUNO FUCHS (1928-1977) CLAUDIA GABLER (1970) SILKE GALLA (1974) MARJANA GAPONENKO (1981) PETER GEHRISCH (1942) SYLVIA GEIST (1963) MARA GENSCHEL (1982) STEFAN GEORGE (1868-1933) ROBERT GERNHARDT (1937-2006) ERIC GIEBEL (1965) JOHANN WILHELM LUDWIG GLEIM (1719-1803) MATTHIAS GÖRITZ (1969) JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749-1832) YVAN GOLL (1891-1950) EUGEN GOMRINGER (1925) NORA GOMRINGER (1980) DIETER M. GRÄF (1960) GÜNTER GRASS (1927) UWE GRESSMANN (1933-1969) FRANZ GRILLPARZER (1791-1872) KLAUS GROTH (1819-1899) DURS GRÜNBEIN (1962) ANDREAS GRYPHIUS (1616-1664) KAROLINE VON GÜNDERRODE (1780-1806) JOHANN CHRISTIAN GÜNTHER (1695-1723) HANNS VON GUMPPENBERG (1866-1928) ALEXANDER GUMZ (1974) HANS GYSI (1953) HAFIS (1320-1389) LIVINGSTONE HAHN * ULLA HAHN (1946) JÜRG HALTER (1980) DIETER HANS (1952) CAROLINE HARTGE (1966) HARALD HARTUNG (1932) JOHANN PETER HEBEL (1760-1826) MARTINA HEFTER (1965) MORITZ HEIMANN (1868-1925) HEINRICH HEINE (1797-1856) HANS-JÜRGEN HEISE (1930) HELMUT HEISSENBÜTTEL (1921-1996) GUY HELMINGER (1963) KERSTIN HENSEL (1961) HERMANN HESSE (1877-1962) STEFAN HEUER (1971) GEORG HEYM (1887-1912) ALFRED WALTER HEYMEL (1878-1914) FRANZ HODJAK (1944) FRIEDRICH HÖLDERLIN (1770-1843) HEINRICH HOFFMANN VON FALLERSLEBEN (1798-1874) CHRISTIAN HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU (1616-1679) HUGO VON HOFMANNSTHAL (1874-1929) ARNO HOLZ (1863-1929) PETER HUCHEL (1903-1981) MICHAEL HÜTTENBERGER (1955) NORBERT HUMMELT (1962) KLÁRA HURKOVÁ (1962) MAX HUWYLER (1931) HENDRIK JACKSON (1971) ERNST JANDL (1925-2000) ANGELIKA JANZ (1952) GERALD JATZEK (1956) MATHIAS JESCHKE (1963) ERICH JOOSS (1946)
Die zweite Hälfte dieser dankenswerterweise von Theo Breuer zusammengestellten Liste lesen Sie bei KUNO.
26. Alle Jahre wieder
Nun ist [NN] unter die Poeten gegangen. Dichtung und Prosa nicht abgeneigt, ist er dem Ruf der Brentano-Gesellschaft in Frankfurt gefolgt, und hat ein Gedicht eingereicht, das in der Frankfurter Bibliothek “als lyrische Volkskultur” archiviert wird und auch im Jahrbuch erscheint. “Wir freuen uns sehr, dass Sie zu den in einem Standardwerk neuer Lyrik publizierten Autoren zählen werden”, so die Frankfurter Bibliothek. … Die Frankfurter Bibliothek ist eigenen Angaben zufolge eine der am weitesten verbreiteten Lyriksammlungen der Nachkriegszeit.
Sätze wie diese stehn alle Jahre wieder vorm Fest in den Prozinzblättern in Nord, Süd, Ost und West als Indikator blühender Volxkultur und (nach den Prachtbänden zu urteilen) voller Kassen bei den Machern. Was ich nie verstanden habe: warum nennt man einen Schinken einen Schmarrn?*
*) Schmarr(e)n östr., südd. m 1. scrambled pancake;
2. ugs. fig. ugs. rubbish, rot, bsd. Am. garbage; so ein Schmarr(e)n! what a load of rubbish etc.; das geht dich einen Schmarr(e)n an that’s none of your (ugs. bloody) business**
© 2001 Langenscheidt KG Berlin und München
**) achso, ja versteh!
19. Der erste Eisenbahnunfall
Die tragischen Folgen des ersten Eisenbahnunfalls in Frankreich (Meudons, 1842) hinterließen tiefe Eindrücke bei den Zeitgenossen. Die Eisenbahn tritt in die Literaturgeschichte. Elf Französische Gedichte zwischen 1842 und 1845 beschäftigen sich mit dem Unfall. / fabula.org
Tommaso Meldolesi, Poésie de la première catastrophe ferroviaire – Meudon 1842 – Analyse et anthologie des poèmes contemporains
Paris : L’Harmattan, coll. “Esapces littéraires”, 2012.
196 p.
EAN 9782296993723 (EAN Ebook format Pdf : 9782296509160)
20,00 EUR (v’ersion numérique : 15,00 EUR)
11. Überraschungstour
Vergessen Sie alles, was Sie über russische Lyrik zu wissen meinten. Hier werden Sie auf eine Überraschungstour geschickt, denn Felix Philipp Ingold verweigert – wie er im Vorwort betont – das übliche “Rating”, in dem Großmeister wie Majakowski, Blok und Achmatowa ganz oben stehen. Ingold hingegen lässt sich nicht beeindrucken von denen, “die mit nachhaltigem Ruhm so sehr imprägniert” sind, schlüpft in die Rolle des Kriminalisten, sucht nach Spuren Verschollener, entdeckt “zu Unrecht disqualifizierte Außenseiter” wie Ilja Kutin und inszeniert dramatische Konfrontationen. / Dorothea von Törne, Die Welt
Felix Philipp Ingold (Hg.): Als Gruß zu lesen. Russische Lyrik von 2000 bis 1800. Dörlemann, Zürich. 536 S., 33 €.
121. Gottesgedichte
„Wir können das Wort Gott nicht reinwaschen, und wir können es nicht ganz machen; aber wir können es, befleckt und zerfetzt wie es ist, vom Boden erheben und aufrichten…“ Dieses Wort von Martin Buber dient einer neuen Lyrik-Anthologie namens „Gottesgedichte“ als Leitfaden durch die deutschsprachige Lyrik nach 1945. / Münchner Kirchenradio
34. Luxbooks
Na, wo wohl? In Wiesbaden. Nämlich:
Dabei war und ist Wiesbaden auch die Heimat unabhängiger, experimentierfreudiger Verlage mit Mut zum Besonderen, deren Wirken weit über die Grenzen der Stadt hinaus wahrgenommen wird. Hatte früher einmal der Limes Verlag, in dem Werke von Gottfried Benn, William S. Burroughs oder Raymond Queneau erschienen, seine Räume in der Taunusstraße, so logieren heute Annette Kühn und Christian Lux mit ihrem Verlag luxbooks – na wo wohl? – am Luxemburgplatz. Und haben sich als unabhängiger Kleinverlag mit besonderem Schwerpunkt auf US-Lyrik in zweisprachigen Ausgaben sowie junger deutscher Literatur einen sehr guten Namen in den Feuilletons von Zürich bis Berlin gemacht. (…)
Im aktuellen Herbstprogramm der Lyrikspezialisten sollte man vor allem ein Auge auf den Band „raumanzug“ der Dichterin Simone Kornappel, die erst kürzlich mit dem „Orphil“-Debütpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet wurde, sowie die Anthologie „40% Paradies“ der äußerst umtriebigen Berliner Lyrikgruppe G13, haben. Und wer tatsächlich immer noch meint, mit Lyrik nichts anfangen zu können, dem liefert Christian Lux ein schlagendes Gegenargument: „Gerade die kurze Form, die sich in Häppchen genießen lässt, passt doch viel besser zu unserer hektischen Zeit als Prosa. Gedichte sind die optimale S-Bahn- oder Klolektüre.“ / Sensor Wiesbaden
