Was zur Wirklichkeit gehört

KUNO sprach mit einem der Herausgeber des „Schwarzbuchs der Lyrik“, Clemens Schittko. Auszug:

KUNO Hat Lyrik einen Auftrag?

Clemens Schittko: Da die gesellschaftliche Relevanz von Lyrik nach wie vor gegen Null geht, würde ich sagen: Nein. Doch das finde ich gar nicht so schlecht. So kann man wenigstens „alles“ sagen, ohne befürchten zu müssen, dafür gleich ins Gefängnis zu kommen.

Was kann sie heute, da alle in den sozialen Netzwerken längst die Hauptrolle ihres eigenen Lebens spielen, leisten?

Lyrik könnte zum Beispiel das, was in den sozialen Netzwerken läuft, reflektieren. Denn die allermeisten Gedichte sehen leider immer noch so aus wie vor 20, 30 Jahren, so als gäbe es das ganze Posten, Kommentieren, Gefällt-mir-Klicken, Sich-Befreunden etc. einfach nicht.

Ist stellvertretendes Sprechen noch zulässig?

Solange es Menschen gibt, die sich nicht trauen, anderen Menschen ganz offen ihre Meinung ins Gesicht zu sagen, ist diese Frage unbedingt zu bejahen.

Braucht Wirklichkeit eine poetische Form?

Das kommt darauf an, was man unter Wirklichkeit und Poesie versteht. Für die einen ist Alkoholkonsum Poesie, für die anderen ist es das Spielen eines Computerspiels. Zu sagen, diese Dinge seien per se nicht die Wirklichkeit und nur eine Flucht aus selbiger, ist Quatsch. Wer bestimmt, was zur Wirklichkeit gehört und was nicht?

One Comment on “Was zur Wirklichkeit gehört

  1. „Ja, aber sie kommt heutzutage mehr und mehr als Werbung daher, weil sie meint, so der Lyrik zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen zu können. Allerdings passiert genau das Gegenteil: Je mehr die Kritik eher mittelmäßige Lyrik lobt, umso mehr fühlen sich die Lyriker bestätigt, weiterhin so zu schreiben, wie sie schreiben. Mehr Ehrlichkeit wäre gut. Doch Ehrlichkeit setzt Mut voraus.“

    Heutzutage, dieses Wort mag ich nicht, dieses enganliegende Kleid des ewig Gestrigen. anyway. wo kommt den Lyrik als Werbung daher, außer vielleicht auf den Klappentexten der Buchverlage. Vor kurzem gab es eine Untersuchung der Literaturkritiken in den großen Feuilletons, in der der Anteil besprochener Lyrik verschwindend gering war. Da frag ich schon, wie man zu der Auffassung kommt, dass Lyrik mehr und mehr werbeähnlich besprochen wird. Gerade Lyrik eben nicht, weil diese meist von kleinen Foren besprochen wird, deren Autoren die Kritik an Lyrik sehr meist sehr ernst nehmen. Klar gibt es da Qualitätsunterschiede. Ist es nicht eher so, dass Lyrikkritik in der Lyrikszene, das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung, zwar sehr gut gelesen wird, aber kaum kommentiert wird. Warum geben eigentlich immer nur die „üblichen Verdächtigen“ ihre Statements ab? Und das auch meist bei facebook, wo sich die Diskussion nach kurzen Sätzen verabschiedet. „Mehr Ehrlichkeit wäre gut. Doch Ehrlichkeit setzt Mut voraus.“ Mehr Solidarität wäre noch besser.

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