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Veröffentlicht am 13. Mai 2026 von lyrikzeitung
167 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Kai Pohl
Aus: Vom Zusammenbruch
für Carola
Die fiktive Welt ist eingestürzt,
die Stammform geht krachen,
Markt und Kreislauf brechen zusammen.
Jetzt bricht zusammen, was zusammengehört.
Die Wasserversorgung ist eingeschränkt,
nur im 7. Stockwerk duscht noch Franziska.
Der Himmel stürzt ein, das Klima kollabiert,
und mit der Wahrheit stirbt die Lüge.
Die Eisberge schmelzen dahin
wie die rotgrüne Deutungshoheit.
Blitzabriss an der Carolabrücke,
benannt nach der letzten sächsischen Königin,
der Gemahlin von König Albert.
Altes und Morsches zerfällt,
die Energieversorgung bricht zusammen,
die Mythen der Demokratie ...
Die öffentliche Ordnung ist futsch,
Gangs marodieren,
Hunde zerfleischen Kadaver,
das Vertrauen ist zusammengebrochen.
Der 11. September – ein geschichtsträchtiger Tag.
Zerbröselnde Altlasten.
Deutscher Brückenalarm.
Die eingestürzte Carolabrücke liegt in der Elbe.
Feuerwehr rätselt über Ursache,
Staatsanwaltschaft leitet Prüfung ein.
Nach dem Unglück steht fest:
Dresden braucht Geld für den Wiederaufbau.
Raubbau am öffentlichen Sektor.
Großes Fressen für Privatisierungslobby.
Bericht schreckt Schwarze Null auf.
Kann die Katastrophe noch verhindert werden?
(...)
Aus: perspektive #122 – 1/2025 Verein Literaturgruppe perspektive ℅ Forum Stadtpark, Graz, S. 88
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Carolabrücke, Demokratie, Deutsche Gegenwartsliteratur, Dresden, Forum Stadtpark, Gedicht, Gegenwartslyrik, gesellschaftlicher Zerfall, Infrastruktur, Kai Pohl, Katastrophe, Klimakrise, Lyrik 2025, perspektive, Politische Lyrik, Vom Zusammenbruch, Zusammenbruch
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