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Veröffentlicht am 10. Juni 2026 von lyrikzeitung
221 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
LJ Jeschke
Letztes süßes Stückle
1
Wenn ich Stress habe
Fällt es mir leicht
Zu vergessen
Was mich glücklich macht.
Mit vergessen meine ich nicht nur
Dass ich vergesse
Was mich mal glücklich gemacht hat
Sondern auch, dass ich vergesse
Das zu tun
Was mich glücklich machen könnte
Zum Beispiel, dass ich einen Körper habe.
Und laufen gehen könnte. Es geht nicht.
Ich gehe nicht.
Zum Beispiel, dass ich einen Körper habe.
Und mich auf den Sessel setzen und lesen könnte
Und lesen könnte
Während der Geschirrspüler läuft.
Was wäre das für ein Moment???
Wenn weder ich
Noch ein anderer Mensch auf der Welt
Arbeiten müsste!
2
Nicht nur leben wir in Endzeiten
Jetzt auch noch das:
Guck, dort hinten taumelt
Das letzte süße Stückle dieser Welt
Unangebissen und unerreichbar
Ins ferne, weite Universum.
2024
Aus: LJ Jeschke: 1*er schreibt sich in den Abgrund. Sammlung der Gedichte. hochroth München, 2026, S. 48
LJ Jeschke ist Lyriker*in und Übersetzer*in und lebt in München. Bei hochroth München erschien zuletzt deren Band Die Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen (2019), der in die Lyrik-Empfehlungen aufgenommen sowie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde. Dey schreibt auf Deutsch und auf Englisch.
Veröffentlichungen
Kategorie: DeutschSchlagworte: Alltag, Arbeitskritik, Bayerischer Kunstförderpreis, deutschsprachige Lyrik, Die Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen, Endzeit, Endzeiten, Erschöpfung, Gedicht, Gegenwartslyrik, Glück, hochroth München, Kapitalismuskritik, Körper, Lesen, Letztes süßes Stückle, LJ Jeschke, Lyrik 2026, Selbstfürsorge, Stress, zeitgenössische Lyrik
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