Lyrikzeitung & Poetry News

15. August 2010

88. Gestorben

Einsortiert unter: Arabisch, Saudi-Arabien — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 19:10

Ghazi Algosaibi, saudischer Staatsmann und liberaler Schriftsteller, starb am Sonntag mit 70 Jahren an Magenkrebs, teilten Verwandte mit.

“Ghazi war ein Symbol der Moderne in Saudi-Arabien”, sagte Khalid al-Dakhil, ein reformorientierter Politikwissenschaftler an der König-Saud-Universität. Algosaibis moderne Ansichten seien vom jetzigen König Abdullah geschätzt worden. “Er war der erste, der diese Position innehatte…, eine Brücke zwischen Autorität und modernen Ideen.”

Algosaibi war auch ein fruchtbarer Schriftsteller, der Romane, Gedichte und Kolumnen schrieb. Seine Schriften waren in Saudi-Arabien verboten, weil sie häufig Kritik an den herrschenden übten und eine satirische Beschreibung sozialer und politischer Zustände lieferten. / SARAH EL DEEB (AP)

7. August 2010

44. Saudisch

Einsortiert unter: Arabisch, Saudi-Arabien — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 15:13

Zwar hatte trotz alledem in den letzten zwanzig Jahren ein Fermentierungsprozess, eine gewisse Öffnung gegenüber Innovation und Modernisierung in der saudischen Literatur eingesetzt. Doch erst in allerjüngster Zeit zeitigt diese Entwicklung auch greifbare Resultate. Ghazi al-Qusaibi, Dichter, Diplomat und Minister der saudischen Regierung, sowie auch der liberale und reformorientierte Denker Turki al-Hamad wagten sich mit Romanen über die moderne arabische oder saudische Gesellschaft an die Öffentlichkeit, und mittlerweile ist zumindest arabischsprachigen Lesern ein rundes Dutzend saudischer Schriftstellernamen geläufig. / Fakhri Saleh, NZZ

6. Juli 2010

26. “Erinnert euch an Chaibar, Chaibar!”

Einsortiert unter: Israel, Saudi-Arabien, Türkei, Türkisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 03:37

So friedfertig, wie sie vorgaben, waren viele Gaza-Aktivisten nicht. Die türkische Hilfsorganisation IHH hatte ganz eigene Ziele, schreiben DORIS AKRAP UND PHILIPP GESSLER, taz 1.7.

Auf dem Schiff wurde auch gesungen (“wo man singt….”):

Wie der arabische Sender al-Dschasira zeigte, wurde die “Mavi Marmara” am 23. Mai in Istanbul mit antisemitischen Gesängen verabschiedet. Dabei wurde ein Lied über den jüdischen Ort Chaibar gesungen, der als angeblich letzte jüdisches Oase auf der Arabischen Halbinsel im Jahr 629 von dem Propheten Mohammed erobert wurde. Im Lied heißt es: “Oh Juden, erinnert euch an Chaibar, Chaibar! Die Armee Mohammeds wird zurückkehren!” Nach einem Video, das israelische Behörden von einem der Gaza-Aktivisten konfisziert haben, wurde dieses Lied auch auf der “Mavi Marmara” gesungen. Bei Verabschiedung der “Mavi Marmara” wurden zudem Fahnen der Hamas geschwenkt. Al-Dschasira interviewte eine Aktivistin, die sagte, für sie wäre auch der Märtyrertod ein Erfolg. Ein Video, das die israelische Armee von einem Aktivisten beschlagnahmte, zeigt einen Passagier, der vor dem Entern der “Mavi Marmara” verkündete, er wünsche sich, als Märtyrer zu sterben.

30. Mai 2010

147. Arabisch-Deutscher Versschmuggel

Das Konzept hinter „VERSschmuggel“ verzichtete auf den üblichen Ablauf, nachdem die Dichter ihre Texte einreichen und von einem Übersetzer bearbeiten lassen. Stattdessen bildeten sich fünf Dichterpaare, die einander gegenseitig ins Deutsche bzw. Arabische übersetzten, ohne die jeweils andere Sprache zu beherrschen. In langen und tiefschürfenden Gesprächen tauschte man sich über die Bedeutung der eigenen Verse aus, um dem Gegenüber eine adäquate Nachdichtung zu ermöglichen – was bei zwei so unterschiedlichen Sprachen sicher nicht einfach ist. Neben Schulz und Al-Nabhan nahme Ron Winkler, Mohamad Al-Harthy, Nora Bossong, Nujoom Al-Ghanem, Sylvia Geist, Mohammad Al-Domaini, Gerhard Falkner und Ali Al-Sharqawi an dem literarischen Experiment teil. …

Überhaupt gibt es viel zu entdecken in diesem wundervoll bibliophil gestalteten Band – neben großartigen deutschen LyrikerInnen auch Einblicke in die moderne arabische Dichtung, aus der leider allzu wenig auf deutsch vorliegt. „Das Blau / (des Meeres) wirft meine Worte zurück / wenn es der Welt unter der Haut kribbelt“, heißt es bei Ali Al-Sharqawi; oder in Mohamad Al-Harthys beeindruckendem Gedicht „entschuldige dich beim frühlicht“: „doch immer wieder vergesse ich das frühlicht, / so wie ich vergesse, dass ich den fels des sisyphos zu bewältigen habe / (der stark ramponiert ist, weil man ihn ständig durch bücher wälzt)“.

… VERSschmuggel“ ist ein kleiner, höchst lesenswerter West-Östlicher Divan.  / Gerrit Wustmann, cineastentreff 29.5.

VERSschmuggel – Eine Karawane der Poesie
Arabisch- und deutschsprachige Gedichte
Herausgeber: Aurélie Maurin, Douraid Rahhal
Mit 2 CDs
Verlag Das Wunderhorn
141 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden
Erscheinungsjahr: 2010 | ISBN: 978-3-88423-346-7

7. Mai 2010

30. Standhaftigkeitsprobleme

Einsortiert unter: Arabisch, Ägypten, Saudi-Arabien — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 19:51

Im islamischen Königreich Saudi-Arabien steht „Tausendundeine Nacht“ auf dem Index. In Kairo befasst sich der Generalstaatsanwalt gerade mit einer Klage gegen das Werk, die eine Gruppe von Anwälten eingereicht hat. Die empörten Muslime fordern, die Verantwortlichen einer Behörde zu verurteilen, die kürzlich eine vom Kulturministerium subventionierte Ausgabe auf den Markt brachte. Die zwei Bände, die extrem günstig angeboten wurden, waren rasch ausverkauft. Ein Exemplar des Buches, das von hübschen Sklavinnen, listigen Händlern und abenteuerlustigen Königen handelt, fiel auch den sittenstrengen ägyptischen Anwälten – zwei Frauen und acht Männer – in die Hände. Am 17. April übergaben sie den Justizbehörden eine Klageschrift. Darin zitieren sie einige Passagen aus dem Werk, die aus ihrer Sicht anstößig sind und deshalb „der öffentlichen Moral schaden“. In diesen Auszügen geht es unter anderem um erotische Spielchen und die Frage, wie man Erektionsprobleme beheben kann. / Anne-Beatrice Clasmann, Die Berliner Literaturkritik 3.5.

Tausendundeine Nacht. Übersetzung von Dr. Claudia Ott. Verlag C.H.Beck, München 2009. 704 S., 29,90 €.

9. April 2010

43. Millionen für Dichter

Einsortiert unter: Abu Dhabi, Kuwait, Saudi-Arabien — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 02:35

Die saudische Dichterin Hissa Hilal errang in der Endausscheidung des populären arabischen Lyrikwettbewerbs von «Abu Dhabi TV»«Dichter für Millionen» den dritten Platz. Dafür erhielt sie das Preisgeld von drei Millionen Dirham (rund 611 000 Euro).

Als sie in einer früheren Folge der Sendung ein Gedicht gegen fanatische Religionsgelehrte vortrug, die junge Männer zu Selbstmordattentaten anstacheln, tauchten in Islamistenforen im Internet Todesdrohungen auf. / MdZ 8.4.

Sieger wurde ein Dichter aus Kuwait, Nasser al-Ajami, Platz 2 ging an Falah al-Mowraqi, ebenfalls Kuwait.

Mehr: Voice of America /

27. März 2010

141. Unverschleiert

Einsortiert unter: Arabisch, Saudi-Arabien — lyrikzeitung @ 10:10

Hören Sie bei der BBC ein Gespräch mit der saudischen Lyrikerin Hissa Hilal, die vollverschleiert, aber mit unverschleierten Worten die Männerwelt herausfordert. Frau Hilal hat bereits Gedichte veröffentlicht und war Lyrikredakteurin der arabischen Tageszeitung al-Hayat. Ihr werden Chancen auf den 1,3-Millionen-Dollar-Lyrikpreis des Abu Dhabi-Fernsehens zugesprochen.

Vgl. L&Poe 2010 Mrz #120. Das Böse aus den Fatwas

23. März 2010

120. Das Böse aus den Fatwas

Einsortiert unter: Abu Dhabi, Arabisch, Saudi-Arabien — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 21:29

Die mutigen Gedichte einer saudischen Hausfrau gegen “böse” extremistische Fatwas muslimischer Geistlicher haben ihr Todesdrohungen eingebracht, aber sie könnten ihr auch den 1,3-Millionen-Dollar-Lyrikpreis des Emirati-Fernsehens bescheren.

Vor dem Finale der Sendung “Millionen-Dichter” am Mittwoch in Abu Dhabis Staatsfernsehen sind alle Augen auf Hissa Hilal gerichtet, die einen traditionellen vom Kopf bis auf die Füße reichenden “Abaya”-Mantel trägt und ihr Gesicht verschleiert.

Sollte sie am 31.3. zur Siegerin gekürt werden, wäre sie die Meisterin der bei Golfarabern besonders geschätzten Lyrik im Beduinendialekt, Nabati.

Aber Hilal hat den Zorn der islamistischen Konservativen in ihrem Land auf sich gezogen, als sie die strikte Trennung der Geschlechter und vernichtende Fatwas gegen die Zulassung von Frauen für reine Männerberufe kritisierte.

Die lautstark vorgetragenen Meinungen der saudischen Mutter brachten ihr Todesdrohungen auf islamistischen Websites wie Ana Al-Muslim, einem Onlineforum, das dafür bekannt ist, daß es Mitteilungen von Al-Qaeda verbreitet, sagte die saudische Tageszeitung Al-Watan.

Ein Forumteilnehmer fragte sogar nach ihrer Adresse in einer unverhüllten Drohung, sie zu töten.

Hilal, die nicht studiert hat, sagte, mit ihren Gedichten wolle sie “den Extremismus bekämpfen, der ein beunruhigendes Phänomen darstellt”. Vor einigen Jahren sei die Gesellschaft offener gewesen. Jetzt sei alles komplizierter geworden. Einige Männer weigerten sich sogar, weiblichen Familienmitgliedern die Hand zu geben, was sie vor Jahren noch taten.

In ihrem Gedicht “Das Chaos der Fatwas”, das sie bei dem populären, im Fernsehen vorgetragenen Wettbewerb vortrug, klagte sie mutig, das “Böse kommt von jenen Fatwas”. /  Wissam Keyrouz (AFP), google news

17. Februar 2010

103. Ich, Dichterin und Frau aus Arabien

Einsortiert unter: Arabisch, Saudi-Arabien — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 14:18

Unter diesem Titel erschien eine Auswahl aus dem Werk der arabischen Dichterin Khansa (Al-Khansa, Al-Khanza) (590-644*). Le Verdoyant schreibt:

Khansa gehörte zur Generation des Propheten Mohammed, der ihre Verse schätzte. Ihre Gedichte erregten die Bewunderung ihrer Zeitgenossen, aber auch den Enthusiasmus von Dichtern nachfolgender Generationen. Sie war die fruchtbarste Autorin der archaischen Epoche – über tausend Gedichte werden ihr zugeschrieben. Nach einer Begegnung mit Mohammed trat sie zum Islam über.

Moi, poète et femme d’Arabie
KHANSÂ Al-H̠ansā’ (en arabe: الخَنْساء)
Sindbad
Anissa Boumediène (Traducteur)
ANNIE ANISSA EL-MANSALI (Traducteur)

Einige Proben in:

“Die Flügel meines schweren Herzens. Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute” (Manesse 2008)

* Andere Quellen sagen: 575-646

25. November 2009

128. Ägypten und der Wahhabismus

Einsortiert unter: Ägypten, Saudi-Arabien — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 13:41

Zweitens sehe ich die Wurzeln des religiösen Fanatismus eher im saudisch-wahhabitischen Einfluss – der borniertesten, rückständigsten und aggressivsten Interpretation des Islam. In Ägypten hatten wir unsere eigene religiöse Entwicklung, die Ende des 19. Jahrhunderts mit Mohammed Abduh einsetzte: Er hat wirklich alle Türen für die ägyptische Gesellschaft aufgestossen. Kunst ist seiner Auffassung nach etwas Gutes und völlig kompatibel mit der Religion; Frauen sollen ihre inneren Werte pflegen, aber der Islam schreibt nicht vor, wie sie sich kleiden sollen. Dieser liberalen Auffassung verdankte Ägypten im 20. Jahrhundert seine kulturelle Pionierrolle. Wir hatten das erste Theater, das erste Kino, die ersten Filmstudios im arabischen Raum, die wichtigsten Musiker, Künstler und Autoren kamen aus Ägypten. Warum? Weil wir uns geöffnet hatten. Aber dann kam die Iranische Revolution, und Saudiarabien begann um seine religiöse Vormachtstellung zu fürchten; seither hat das Land Milliarden von Dollars investiert, um den Wahhabismus allenthalben zu propagieren und ihn als die einzig wahre Auslegung des Islam zu verkaufen. Bei uns wurde dieser Einfluss noch verstärkt durch die zahllosen Ägypter, die in Saudiarabien arbeiteten und dann mit wahhabitischen Wertvorstellungen zurückkamen. In Ägypten haben wir nun siebzehn – siebzehn! – wahhabitische Fernsehkanäle! / Der ägyptische Autor  Alaa al-Aswani («Der Jakubijan-Bau») im Gespräch mit der NZZ, 16.11.

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