Verfolgte Dichter

Ashraf Fayadh ist keineswegs der einzige Dichter, der in einem arabischen Land inhaftiert ist. In den meisten Fällen ist der Vorwurf der Apostasie oder Blasphemie nur ein Vorwand. Autoren und Blogger werden vielmehr verfolgt, weil sie für mehr Bürgerrechte im eigenen Land plädieren, Machtmissbrauch und Korruption kritisieren oder die Aufstände in anderen arabischen Staaten preisen.

Muawiya al-Rawahi etwa, ein Dichter aus dem Oman, ist schon vor Jahren wegen Blasphemie in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Heute sitzt er in den Vereinten Arabischen Emiraten im Gefängnis, in Erwartung eines Verfahrens wegen Beleidigung des Herrschers dieses Landes.

Ein ähnlicher Vorwurf brachte Mohammed al-Ajami, einen Dichter aus Katar, für fünfzehn Jahre ins Gefängnis. Wenigstens wird in diesen Fällen die Hybris der Machtausübung ehrlich zugegeben.

Nicht Gott ist beleidigt worden, sondern der Emir oder der Scheich oder seine parasitäre Kamarilla. (…)

Die Feinfühligkeit der Herrscher von Katar (Sie wissen schon, WM und massenhaft tote Bauarbeiter) lässt sich durchaus nachvollziehen, wenn man das „Jasmingedicht“ von Mohammed al-Ajami liest: „Die Arabischen Regierungen und die über sie befehlen / Sind alles nur Verbrecher, die uns bestehlen.“

Das dürfte zwar die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sein, aber diese zu äußern muss in vielen Ländern dieser Welt teuer bezahlt werden.

Noch weniger bekannt ist das Schicksal des saudischen Dichters Adel al-Labbad, der zu dreizehn Jahren Haft verurteilt wurde, weil er ein Gedicht über den Arabischen Frühling verfasst hat. Ähnlich gelagert ist auch der Fall des mauretanischen Schriftstellers und Bloggers Mohammed al-Sheikh Walad Mukheiter.

Er wurde vor einem Jahr wegen Beleidigung des Propheten (der nur ein Mensch war, wenn auch ein vorbildlicher) in seinem Heimatland zum Tode verurteilt. Er hatte in einem Artikel vermeintlich über den Propheten geschrieben, doch eigentlich den gesellschaftskritischen Finger auf die vielen Wunden der mauretanischen Gesellschaft gelegt, auf Sklaverei, Diskriminierung und Unterdrückung.

Die Anklage wegen Blasphemie zur Verfolgung oder gar Ermordung politisch unliebsamer Gegner hat Tradition. Der große sufistische Mystiker al-Halladsch wurde am 26. März 922 in Bagdad gekreuzigt, angeblich wegen Ketzerei. / Ilija Trojanow, taz

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