Schlagwort: Martin Walser

Berditschiw

Hier, im «wolhynischen Jerusalem», beschloss der junge Aufklärer Scholem Yankev Abramowitsch in den 1860er Jahren, Erzählungen und Romane gerade in der gescholtenen jiddischen Alltagssprache zu schreiben, und musste dafür das Jiddische als Literatursprache erst einmal entwickeln. Von Berditschew also führt eine leuchtende Spur zum…

Befreundet mit Frisuren

Über Martin Walsers neuen Roman „Ein sterbender Mann“, in dem ein Kunstlyriker vorkommt, schreibt die FAZ: Der Verräter soll sein früherer, von ihm bewunderter Freund und Teilhaber Carlos Kroll sein, ein hochnäsiger Dichter, die Karikatur eines hermetischen Lyrikers, der behauptet, „seine Gedichte seien Sprachereignisse,…

Rolle als Lyriker

Gedichte des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) stehen von Donnerstag an im Fokus eines internationalen Kongresses in Naumburg (Burgenlandkreis). Rund 50 Referenten aus mehr als 10 Nationen werden über den Philosophen in seiner Rolle als Lyriker sprechen, wie die Veranstalter mitteilten. (…) Ziel sei, dem Dichterischen…

44. Enzensberger 85

Sein erster Lyrikband („Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer“) erregt 1957 großes Aufsehen. Wie viele der politisch engagierten Schriftsteller der frühen Bundesrepublik, ist der junge Enzensberger angetreten, die Schwere der existenziellen Nachkriegs-Lyrik zu zerschlagen. Seine Antwort: leichte ironische Poesie und pointierte Titel wie: „Rabattmarken“,…

51. Leipzig liest wieder

Artikel zu lang? Über Lyrik ganz unten Feuerwerk der Literatur: Von ”Esti” bis ”Hola Chicas!” Europas größtes Literaturfest ”Leipzig liest” vereint vom 14. bis 17. März 2013 rund 2.900 Autoren und Mitwirkende, 2.800 Veranstaltungen und mehr als 365 Leseorte. Das Lesefestival präsentiert hohe Literatur…

15. Bender und Schoenberner

Zuerst Bender: Der tote Gefangene. Geschoren, entkleidet, auf den Schlitten, tief im Schnee nacktgebunden mit zwei Schnüren. Ein Hungernder zieht, ein Spitzel schiebt, ein Priester, ohne Kreuz, im Spurgeleis der Kufen. Dann Schoenberner: … Gierig kauend gingen in Auschwitz die nackten Gefangenen die Gewehrläufe…

9. Literaturbetriebstheorien

„Der Literaturbetrieb. Texte – Märkte – Medien. Eine Einführung“ von Steffen Richter bespricht David Christopher Assmann. Richter stelle der Einführung in den Literaturbetrieb zunächst eine Einführung in verschiedene Literaturbetriebstheorien voran. Der Rezensent stellt dazu fest: „Unabhängig von der Frage, ob dies möglich oder wünschenswert…

86. Der Fall Anders? Nein – der Fall des Literaturbeamten

Eine Schmähschrift Von Michael Gratz (Aus: Wiecker Bote 27-29/1999) Als ich einmal, in DDR-Jahren, zornig das Wort Beamte gebrauchte, wurde mir Belehrung zuteil: die gebe es in der DDR nicht. Voilà – diese Tür steht vielen offen. Beamte in der Literatur? Ja, als Türsteher. Jack…

59. Schicksalsstücke

Die Lehre vom Dichter als Seher findet in Rilkes «Erster Duineser Elegie» zum rein pathetischen Ausdruck und lebt fort in Gottfried Benns Aberglauben, Walter Hasenclevers Horoskopen, Elsa Lasker-Schülers Stern-Signaturen und Hermann Hesses Zahlenmagie. Die endgültige metaphysische Ausnüchterung erfolgt im Zeichen Neuer Sachlichkeit nach dem…

138. Politisch Lied

Der grüne Spitzenmann Winfried Kretschmann ist ein besonnen-feinsinniger Seelenverwandter des früheren CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Auf Teufel hat einst der Schriftsteller Martin Walser ein Gedicht geschrieben, das wie folgt beginnt: „Seine Schürze ist grün, und das ist keine politische Farbe / er ist der Gärtner, der…

108. Ernste Themen, hartes Brot

„Die meisten unserer Mitglieder befassen sich mit ernsten Themen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Martin von Arndt aus Markgröningen im Kreis Ludwigsburg. Das ist die baden-württembergische Besonderheit im Unterschied zu den anderen Regionalverbänden des Schriftstellerverbands. Der Schwabe ist wohl ein ernster Mensch, und seine prominentesten…

110. Umgang mit Journalisten

Frage: Können Sie sich ganz normal im Leben bewegen, wenn Sie als Martin Walser auftreten? Martin Walser: Ich hab‘ mich noch nie normal bewegt. Kein Mensch kann sich normal bewegen, weil jeder etwas auf sich hat, in sich, um sich, was die da, die…

118. Füllhorn

Eine bisher an mir vorbeigegangene Seite fliegt mir in einer Anmerkung von Ron Winkler zu, danke! Die literaturwerkstatt Berlin stellt ihre Reihe „Gespräch des Monats“ zum Nachhören ins Netz. Ich höre gerade Sherwin Bitsui, klingt gut! Hier können Sie stundenlang zuhören. Es sprechen: Oskar…

91. Vor 200 Jahren geboren: Ferdinand Freiligrath

Freiligrath findet sich in jedem bürgerlichen Bücherschrank – zuerst bin ich ihm allerdings nebenan, bei Karl May, begegnet. In dessen Kolportageschmöker «Die Liebe des Ulanen», der seinen Stoff aus der deutsch-französischen Geschichte des 19. Jahrhunderts bezieht, aber auch Nordafrika als Schauplatz kennt, wird beschrieben,…

112. Zeitgenosse Caravaggio

„Caravaggio ist unser Zeitgenosse“, schreibt Henning Mankell über den frühbarocken Maler Michelangelo Merisi und dichtet: „Er sieht unsere Zeit, / Bevor sie eintrifft, / Und er lässt uns selbst sehen / In der Unsicherheit, in der er selbst lebte (. . .) / Das…