9. Literaturbetriebstheorien

„Der Literaturbetrieb. Texte – Märkte – Medien. Eine Einführung“ von Steffen Richter bespricht David Christopher Assmann. Richter stelle der Einführung in den Literaturbetrieb zunächst eine Einführung in verschiedene Literaturbetriebstheorien voran. Der Rezensent stellt dazu fest:

„Unabhängig von der Frage, ob dies möglich oder wünschenswert wäre, steht eine kohärente Theorie des Literaturbetriebs denn auch noch aus“

und fährt fort:

„Einleitend betont Richter, dass es seiner Einführung insbesondere um die Bedeutung der Digitalisierung für den Literaturbetrieb geht (vgl. S. 13). Hätten die vorliegenden Einführungen in den Literaturbetrieb (Plachta, Neuhaus) diesen wichtigen Aspekt eher vernachlässigt, wolle er das Verhältnis zwischen Betrieb und Medien stärker betonen. Dies gelingt anhand von Abschnitten über den Zusammenhang von Internet und Literatur sowie zu Veränderungen durch E-Book und Google. Beobachtet Richter dabei nicht zuletzt ‚massive‘ und ‚unübersehbare‘ ‚Verwerfungen, die das literarische Feld durch die Digitalisierung erfährt‘ (S. 124), sympathisiert der Band indes durchaus mit eben jenem Phänomen, das er an anderer Stelle selbst thematisiert. Denn die Rede vom Betrieb ist scheinbar unvermeidlich mit der Betriebskrise verbunden: Die Krise der Literaturkritik, des Verlagswesens, einzelner Professionen (etwa der des Lektors) sowie der Literatur insgesamt, die von Medialisierung, Ökonomisierung, Eventisierung oder eben Digitalisierung bedroht sei, sind nur einige Ausläufer dieses immer wieder neu entfachten kulturkritischen Diskurses … An anderer Stelle, wenn auch eher kursorisch, so doch aber scharfsinnig und völlig zu Recht, weist Richter denn auch darauf hin, dass sich der Literaturbetrieb der Gegenwart durch eine gesteigerte Selbstreflexivität auszeichnet, die sich zum einen in diversen literaturkritischen Debatten zeigt – nicht zuletzt zur vermeintlichen oder tatsächlichen Krise des Betriebs und der Literatur – und sich zum anderen in sogenannter Literaturbetriebsliteratur äußert. Das Krisengerede gerät zum Gegenstand der Literatur und wird dort als Katalysator für literarische Reflexionen über das Verhältnis zwischen Literatur und Betrieb genutzt.“ WLA

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