44. Enzensberger 85

Sein erster Lyrikband („Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer“) erregt 1957 großes Aufsehen. Wie viele der politisch engagierten Schriftsteller der frühen Bundesrepublik, ist der junge Enzensberger angetreten, die Schwere der existenziellen Nachkriegs-Lyrik zu zerschlagen. Seine Antwort: leichte ironische Poesie und pointierte Titel wie: „Rabattmarken“, „Musterland/Mördergrube“ oder „Es geht aufwärts, aber nicht vorwärts“. / Heike Mund, dw

Enzensberger kann auf gravitas verzichten, weil ihn ohnehin nie jemand für zu leicht befunden hat. Ansonsten sorgt er für eine angenehme Distanz, die so heiter und arglos daherkommt, dass sie niemand als persönlich kränkend empfinden muss. Er ist nie schroff-arrogant, sondern immer geschmeidig-überlegen. Vielleicht lässt es sich so ausdrücken: Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es im Deutschland unserer Tage noch jemanden geben könnte, von dem sich Hans Magnus Enzensberger provozieren ließe. Da reicht keiner hin. Wie tief getroffen nimmt sich ein Martin Walser eine missgünstige Kritik noch immer zu Herzen! Wie persönlich verfolgt von den Medien kann sich ein Günter Grass fühlen! Welch strenger, gerechter Zorn kann einen Jürgen Habermas erfassen über falsche Tendenzen in der Öffentlichkeit! Auf dem apollinischen Olymp, auf dem sich Enzensberger eingerichtet hat, herrscht Unverletzlichkeit gegenüber irdischen Sticheleien. / Ijoma Mangold, Die Zeit

Mehr: Arno Widmann, FR

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