Kategorie: Deutschland

Die Verkündigung der Werte am Hindukusch

Die Schönheit grenzenlosen Feierabends
wird heutzutage immer häufiger missverstanden.
Viele denken, eine Flasche Bier, ein Mädchen,
etwas Rundes in der Hand, im Geldbeutel
– und schon ist die Klimax erreicht.

Vegetativ

Ich schreibe, wie ich existiere:
Vegetativ. Ich treibe kein
Bedarfsgerechtes Kunstgewerbe.
Schreiben ist meine Form von Sein.

Sprachenland

Als sie in den
Sprachen, die sie
sprachen,
sprachen,
und einander nicht verstanden,
weil sie in den falschen
Sprachen
sprachen,
sprachen andere,
die sich verstanden

livestream & leichen

hörst du die vögel zwitschern & die bienen summen? ich auch nicht.

Geburtsstunde der virtuellen Lyrikerin Algori T. Misch

wir fluten das netz mit ungetauften vokalen bis der algorithmus im herzschlag ertrinkt nullen und einsen zerfallen zu sternenstaub während wir code in gefühl rückübersetzen

Vergänglichkeit der Schönheit

ES wird der bleiche tod mit ſeiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit um deine bruͤſte ſtreichen/
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der ſchultern warmer ſchnee wird werden kalter ſand/

Gott atmete aus

… Ein Spiegelchen ja der Poet am Mund einer kranken Welt.

— Поэт есть зеркальце у рта больного мира —

Sollbruchstelle des Gedichts

Im Sommer Bienenschwärme des Verzichts
Auf windige Phrasendrescherei
Und dennoch Wärme des Lichts
Süßer Honig Effekthascherei
Im Winter Schattenspiele
Auch Gottgewolltheit bringt nichts
Der Sollbruchstellen sind viele

Niemals werden wir dazugehören

Mittags auf der Bank im Park, geborgen,
mit den andern hier in Friedlichkeit,
fühl ich mich zu Haus und ohne Sorgen,
es erfragt bei mir ein Kind die Zeit,
Liebespaare lassen sich nicht stören,
und ein Hündchen wagt mit mir ein Spiel –
ein Verbannter fordert ja nicht viel!
Dennoch darf ich nie dazugehören.

Chin-chin, der Weg führt ins Mondgestein

Möglichkeit fünf
zielt auf die Kinderseele, obwohl die, laut Fritzchen,
bloß eine zugige, fingernagelgroße Immobilie. Bloß
paar Wände aus Blätterteig; da drinnen ist’s arg kalt.

Trog Trog Treier

Trog Trog Treier,
up Ostern ät wi Eier,
up Pingsten ät wi wittet Brot,
starw wi nich, so war wi grot.

Osterfreude, Osterwasser, Osterkuss und Ostergedicht

Wenn die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“
Endlich reimt,
Und der Osterhase hinten auch schon preßt,
Dann kommt bald das Osterfest.

Kreuzgedicht

Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen!
Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drüken brünst verlangen!
Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu küssen
All Sein Sinn gebärd und werk seyn zu unser Heyl geflissen!

Wenn die Lauren selber d- –

Heut lehr ich euch die Regel der Son–.
Versucht gleich eins! Gewiß, es wird ge–,
Vier Reime hübsch mit vieren zu versch—-,
Dann noch drei Paare, daß man vierzehn h—-.

krähe und die kleinen füchse

(die füchse sind so schlau, das gibts ja gar nicht! die hasen
sind auch klug, keine frage, alle abi unter zweikommanull, aber
gegen die füchse? keine chance! nicht den hauch einer chance!)