Schlagwort: Naturlyrik

Die Wespen die ins Zimmer fliegen

Wespen tasten Fensterscheiben ab, suchen einen Ausgang und scheinen zugleich von der durchsichtigen Barriere fasziniert. In „Die Wespen und Hornissen“ verwandelt Ann Cotten eine alltägliche Insektenbeobachtung in ein Gedicht über Wahrnehmung, Orientierung und die Grenzen des Verstehens. Dabei begegnen sich der Papst, der Tokyo Tower und Penthesilea. //

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Die Rückkehr der Tiere

In Leipzig werden zugeschüttete und überbaute Wasserläufe wieder freigelegt. Lachse, Bachneunaugen und andere Tiere kehren zurück. Doch mit ihnen kommen auch Erinnerungen, Kriege und Zweifel an alten Weltbildern. Jan Kuhlbrodts „Kanäle“ aus Die Rückkehr der Tiere (2020) ist ein Prosagedicht über Natur, Geschichte, Ideologie und die Grenzen menschlicher Erkenntnis.

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Die Fragen waren falsch gestellt

Die Fragen sind falsch gestellt und treiben dennoch weiter: vom Fluss hinaus auf die offene See. Uwe Kolbes Gedicht „Die Fragen“ verbindet eine nächtliche Flusslandschaft mit der Frage nach Bedeutung, Erinnerung und einer paradoxen Hoffnung auf Reinigung im Schiffbruch.

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Grillen und Tau

an den Hinterbeinen
der Grillen die den Tau queren
hängt Tau
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Herbst

Ein sanfter Wind um Mitternacht, Kaffeeduft am Morgen, feuchte Sommerhitze am Mittag: Wang Lans „Herbstbeginn“ gliedert einen Tag in drei Momentaufnahmen. Der Herbst kündigt sich an, obwohl der Sommer noch nicht gewichen ist.

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Geschichte meiner indianischen Lebensweise

Wild – alles, was auf vier Beinen geht: 
es wurde uns gegeben.
Fisch – alles, was in den Gewässern schwimmt: 
es wurde uns gegeben.
Geflügel – alles, was in der Luft fliegt: 
es wurde uns gegeben.
Beeren – all die, die auf der Erde wachsen: 
sie wurden uns gegeben.
Wurzeln – all die, die in der Erde wachsen: 
sie wurden uns gegeben. //

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Kolibri

Und die Blüte unserer Jugend, die schon
Erfroren schien, richtet sich auf
Und erreicht in wenigen Stunden
Kamtschatka! //

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Fuji

Fuji //

nie gesehen /
schon gar nicht /
erfasst /
erhebst du dich /
über träume /
wirr oder unwirr //

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Kristallfeuer. Leekkristall

Ich schlief den Schlaf der Mineralien, /
schlief magmatief, /
und sah ein Gesicht: der leuchtende Wind /
erhob sich, drohend, hinter den Bergen. //

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Wozu sich von dem anderen entzweien

Freut euch, so lang noch grüne Häuser stehn /
In grüner Wildnis, worin Eulen schreien! /
Und stoßt die Fenster auf, euch zu befreien, /
Die Fenster, die euch lehren, weit zu sehn. //

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Im Wald

Das Weiß der Wiese schimmert grau.
Im Dämmer stehn die Pferde still.
Ich geh vorbei, stets nur vorbei,
Nach mir verschließt ein Zweig den Weg.
Der Tag versinkt, die Nacht kommt auf.
Stets weit entfernt der Abendstern.

Sonngewohnt

Also, kämst du, braucht ich, mich zu stillen,
nur ein leichtes Anruhn meiner Hände,
sei’s an deiner Schulter junge Rundung,
sei es an den Andrang deiner Brüste.

Was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben?

Ich weiß, wie man Aufmerksamkeit schenkt, wie man
ins Gras fällt, wie man sich ins Gras kniet,
wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt,
denn das ist es, was ich den ganzen Tag machte.
Sag, was hätte ich sonst machen sollen?
Stirbt nicht alles am Ende und viel zu schnell?
Sag mir, was hast du vor
mit deinem wilden, kostbaren Leben?

Der Sommer bäumt sich

Geduldig reckt der Mais
die Blütenköpfe dem September zu
samt seiner süßen Kolbenfrucht
noch hat August die Stabsgewalt
doch bald steht hier ein Stoppelfeld
der Abend dämmert schon

2 Naturgedichte

132 Wörter, 1 Minute Lesezeit Heike Fiedler Windböen Basel, 2015Als hätte der Sturm die Worte zerrissen, Zelte in die Luft gehoben, Blätter über Kiesel gefegt, die Äste im Wind, der Regen tropft in den Fluss m.einer SpracheVon den Ufern der Wupper, Rhône, Rhein, der Sommer… Continue Reading „2 Naturgedichte“