Schlagwort: deutsche Lyrik

Wer klopft da schon noch an?

Und mir fällt ein Gedicht ein /
Das mich mit vierzehn mal vor dem /
Abgang bewahrt hat /
Obwohl es von Reiner Kunze ist: //

„Die letzte aller Türen /
Doch nie hat man /
An alle schon geklopft“ ///

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Ich werde bald oben sein

Vor dem Spiegel übe ich Würde ich bereite mich auf /
Besuch vor junge Dichter werden Versuche vorlegen ich /
werde naja sagen //

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Wozu sich von dem anderen entzweien

Freut euch, so lang noch grüne Häuser stehn /
In grüner Wildnis, worin Eulen schreien! /
Und stoßt die Fenster auf, euch zu befreien, /
Die Fenster, die euch lehren, weit zu sehn. //

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Richard Pietraß 80

Im Strichjahr meiner Geburt
War die Welt nicht heil
Daß sie es wenig wurde
Trag ich geringes Teil

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Gesang des Deutschen

Ein Blick genügt,
Um zu begreifen, daß
Der Gesang des Deutschen

Ein Irrtum
Hölderlins
War

Dagmar Nick zum 100.

Von den Kentauren
hab ich die Liebe gelernt
und den Raub
und schneller zu sein
als die Jäger

Befreie!

258 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Heute vor einem Jahr ist die Saßnitzer Lyrikerin Irmgard Senf kurz nach ihrem 90. Geburtstag an den Folgen einer Operation gestorben. Sie hinterließ das Manuskript eines neuen Gedichtbandes, aus dem ich hier ein Gedicht vorstelle. Eine Eigenart ihrer poetischen… Continue Reading „Befreie!“

Meine gewissen Rezepte

Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins
Dreht die Blätter im Garten auf ihre Silberseite
Beredet euch mit dem Kauz

Henryk Bereska (1926-2005)

Gelbe Fische schwimmen zwischen Seetang,
Austern und Korallen;
über dem Rohrspalt steigt Gott Poseidon
mit dem Dreizack auf, vom Lift der
Warmluft aus dem Meer gehievt

Melancholie

Der tag war schön. und war doch nur geliehn.

Gegen die Dichteritis

242 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Arno Holz  (* 26. April 1863 in Rastenburg, Ostpreußen; † 26. Oktober 1929 in Berlin) Die deutsche DichtkunstDie deutsche Dichtkunst schrieb notorischSich selber den Uriasbrief*,Seit das Gefühl ihr obligatorischUnd der Verstand nur facultativ. (*) Der „Uriasbrief“ ist eine Anspielung auf eine Episode aus dem Alten Testament (2.… Continue Reading „Gegen die Dichteritis“

Verrückt und jung

als alles und nichts noch möglich
und die Silbe »un« nicht bekannt war
kam jemand vorbei und sagte
Du bist nicht jung sondern verrückt

Aus dem Graben

116 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Edlef Köppen (* 1. März 1893 in Genthin; † 21. Februar 1939 in Gießen) Lied aus dem GrabenDie Straßen großer Städte sind mein Traum.Die Mädchen, die dort nächtens Liebe jagen, die Mädchen, die sich geben ohne Fragen.Fahle Laternen. Rauchverquollener… Continue Reading „Aus dem Graben“

Wenn alles stirbt

Ich hab getrunken, getrunken, getrunken den Tau
deines Haars an dem rauchigen, endlosen Tag,
als die Nacht kam am Mittag, als kein Morgen mehr kam.

Einmal rief Thomas Kling mich an

Einmal rief Thomas Kling mich an, als ich in Berlin lebte,
auf Zeit in einem Raum mit aufblasbarem Bett
und Telefon, zweiter Hinterhof, lebendig begraben.