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Veröffentlicht am 24. Mai 2026 von lyrikzeitung
105 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Marie Luise Kaschnitz
(* 31. Januar 1901 in Karlsruhe; † 10. Oktober 1974 in Rom)
Frauenfunk
Eines Tages sprech ich im Rundfunk
Gegen Morgen wenn niemand mehr zuhört
Meine gewissen Rezepte
Gießt Milch ins Telefon
Laßt Katzen hecken
In der Geschirrspülmaschine
Zerstampft die Uhren im Waschtrog
Tretet aus euren Schuhen
Würzt den Pfirsich mit Paprika
Und das Beinfleisch mit Honig
Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins
Dreht die Blätter im Garten auf ihre Silberseite
Beredet euch mit dem Kauz
Wenn es Sommer wird zieht euren Pelz an
Trefft die aus den Bergen kommen
Die Dudelsackpfeifer
Tretet aus euren Schuhen
Seid nicht so sicher
Daß es Abend wird
Nicht so sicher
Daß Gott euch liebt.
Aus: Frauen | Lyrik. GEDICHTE IN DEUTSCHER SPRACHE. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Stuttgart: Reclam, 2020, S. 558f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: 20. Jahrhundert, Alltagsordnung, Anna Bers, deutsche Lyrik, Frauen Lyrik, Frauenfunk, Frauenlyrik, Gedicht, Karlsruhe, Lyrik, Marie Luise Kaschnitz, poetische Anweisung, poetische Revolte, Reclam, Rom, Rundfunk, Wüstenrot Stiftung
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