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Arno Holz
(* 26. April 1863 in Rastenburg, Ostpreußen; † 26. Oktober 1929 in Berlin)
Die deutsche Dichtkunst
Die deutsche Dichtkunst schrieb notorisch
Sich selber den Uriasbrief*,
Seit das Gefühl ihr obligatorisch
Und der Verstand nur facultativ.
(*) Der „Uriasbrief“ ist eine Anspielung auf eine Episode aus dem Alten Testament (2. Buch Samuel). König David schickt den Soldaten Uria mit einem Brief an den Feldherrn Joab zurück an die Front, ohne dass Uria weiß, dass der Brief seinen eigenen Tod anordnet. (Warum, der König war scharf auf Urias Frau). Der „Uriasbrief“ wurde sprichwörtlich für eine Botschaft, die dem Überbringer selbst schadet oder ihn verurteilt. Arno Holz benutzt das Bild polemisch: Die deutsche Dichtkunst habe sich „selber den Uriasbrief“ geschrieben, also durch eigene Fehlentwicklungen ihren Niedergang verursacht.
Suum Cuique*
Ich weiss, ich bin euch zu polemisch;
Doch die Dichteritis ist heut epidemisch.
Und kann ich ihr nicht das Maul verriegeln,
So will ich ihr doch den Hintern striegeln!
(*) Jedem das, was ihm zusteht.
An unsre Modedichter
Noch ehe die Zukunft euch richtet,
Verfallt ihr der ewigen Nacht
Weil ihr zu viel gedichtet
Und weil ihr zu wenig gedacht!
Für Schnillern etc.!
Immer noch laufen sie uns in die Quer,
Faust, Hamlet, Hiob und Ahasver.
Aber ich finde, nachgerade
Wird die Gesellschaft ein wenig fade.
Zu viel Schminke, zu viel Theater,
Zu viel Klimbim und zu viel Kater.
Da lob ich mir Reuter und Wilhelm Busch.
Für Schnillern etc. ein ander Mal Tusch!
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